Entmutterung statt Bemutterung

Erfahrung und Statistik lehren: Wer in seiner Kindheit – aus welchen Gründen auch immer – zu wenig bemuttert wurde sucht ein Leben lang nach der Mutter, wird sich ein Leben lang als zu kurz gekommenes Kind fühlen. Als Erwachsener wird dieser Mensch an seinen Partner / seine Partnerin den Anspruch stellen, von ihm / ihr endlich umsorgt, verwöhnt und bemuttert zu werden. Der Partner / die Partnerin wird daher nicht um seiner / ihrer selbst willen geliebt, sondern in die Rolle der ersehnten Mutter gedrängt und ist damit restlos überfordert. Niemals können oder sollen Partner eine Mutter ersetzen. Ganz katastrophal wird es, wenn beide Partner bemuttert werden wollen. Dem Paar erwachsen daraus enorme Schwierigkeiten, die häufig einer Therapie bedürfen, um nicht in Trennung und Scheidung zu enden. Nicht selten trifft es wiederum die Kinder, die die Leidtragenden einer gescheiterten Ehe sind. Auch sie tragen später diese Last tragischerweise wieder in ihre eigenen Beziehungen.

Was kann also vonseiten der Gesellschaft getan werden, um Trennungselend von vornherein zu verringern oder zu vermeiden? Die Antwort ist einfach: Lasst den Kindern ihre Mütter! Gebt den Müttern genug Zeit für ihre Kinder, gebt ihnen Gelegenheit zu Nähe, Zärtlichkeit, Zuwendung und Begleitung! Mütter sollen ohne Angst um ihre eigene Zukunft ihre Kinder satt „abfüllen“ können mit zuverlässiger Präsenz und hautnaher Liebe. Bemutterung ist also nicht nur die notwendige Voraussetzung dafür, dass „Hänschen klein“ nach und nach lustvoll und mutig selber die Welt erkunden kann, sondern sie ist auch der beste Schutz vor Mangelerscheinungen im Erwachsenenalter. Eine gelungene Bemutterung ihrer Kinder muss also das Hauptanliegen der Gesellschaft sein. Nichts anderes sieht Artikel 6 unseres Grundgesetzes vor, wenn es Ehe und Familie unter seinen besonderen Schutz stellt.

Was aber tut unsere Politik heute? Sie agiert genau kontraproduktiv! Sie trennt Mütter wenige Monate nach der Geburt von ihren Kindern und will sie möglichst in Vollzeit im Erwerb sehen. Sie entfernt Kinder von ihren Müttern und schafft dazu, mit Steuergeldern, massenhaft Krippenplätze. Sie mutet Kindern eine 1: 8-Betreuung durch Fremdpersonal zu, das niemals Mama oder Papa ersetzen kann. Sie mutet Kleinkindern stundenlange Abwesenheit von den geliebten Eltern zu, was im Herzen des Kindes häufig als Ablehnung verbucht wird. Entmutterung!

Und wozu das alles? Um den Mangel an Arbeitskräften zu beheben, um unsere Wirtschaft brummen zu lassen, um Gewinne zu maximieren, die allerdings überall, nur nicht bei den Familien selbst ankommen.

So sägen nun Wirtschaft und Politik, vereint in blinder Gier, munter den Ast ab, auf dem ihre Zukunft sitzt. Blind und taub sind sie gegenüber allen Mahnungen und Warnungen seitens der Familienverbände, der Ärzte und Psychotherapeuten, Hirn- und Bindungsforscher, der Sozialexperten und Elterninitiativen. Die Rechnung werden wir in wenigen Jahren präsentiert bekommen!

Bärbel Fischer

Erziehen bei einem Stundenlohn von 52 Cent!

Anlässlich der Geburt ihres vierten Kindes hat eine Mutter lernen
müssen, dass sie zu Recht weniger Elterngeld bekommt als eine Mutter,
die gerade ihr erstes Kind erzieht und davor erwerbstätig war.

Die betreffende Mutter hatte in den Jahren 1999, 2002 und 2004 Kinder
geboren und sich wegen deren Erziehung aus der Erwerbstätigkeit
zurückgezogen. Als sie im Jahr 2007 ihr viertes Kind gebar, wünschte sie
ein Elterngeld in der Höhe, das ihrem Einkommen vor der Geburt des
ersten Kindes entsprach. Gewährt wurde ihr tatsächlich aber nur der
Mindestsatz (300 € + mind. 75€ Zuschlag, wenn die berechtigte Person mit
zwei Kindern unter drei Jahren im Haushalt lebt). Grund ist der Umstand,
dass die Mutter wegen der Erziehung ihrer drei bereits geborenen Kinder
kein Erwerbseinkommen erzielte. Wer aber kein Erwerbseinkommen hat,
bekommt nach geltendem Recht nur den Mindestsatz des Elterngeldes.

Eine Klage gegen das entsprechende Gesetz hat das
Bundesverfassungsgericht soeben abgewiesen. Das Elterngeld ist kein Lohn
der Erziehungsarbeit, sondern ein Ersatz für entgangenes
Erwerbseinkommen. Indem sie wegen der Erziehung der damals 8, 5 und 3
Jahre alten Kinder kein Erwerbseinkommen erzielte, hatte sie aus der
Perspektive des Gesetzes auch keinen Einkommensverlust bei der Geburt
des vierten Kindes. Also hat sie sich mit dem Mindestsatz an Elterngeld
zu bescheiden.

Quasi vorsorglich hat das Bundesverfassungsgericht darauf hingewiesen,
dass man selbst darin den besonderen Schutz von Ehe und Familie erkennen
könne: „Mit der Einrichtung von Elterngeld und Elternzeit wird die
Möglichkeit der Eigenbetreuung von Kindern jedoch bereits in
beachtlichem Umfang gefördert.“
375 € monatlich für die „Eigenbetreuung“ von vier Kindern im Alter von
0, 3, 5 und 8 Jahren – das macht 0,52 € pro Stunde in den 720 Stunden
des Monats. „In beachtlichem Umfang gefördert“, sagt das
Bundesverfassungsgericht.

Maria Steuer

Grünzeug

Der Redakteur Christoph Slangen interviewte für die Schwäbische Zeitung ( 27. 06. 11 ) Herrn Ministerpräsident Kretschmann. Befragt nach dem Vorhaben der FDP, Steuern zu senken, sieht Kretschmann eher die Notwendigkeit, Steuern zu erhöhen, um z. B. eine „bessere frühkindliche Bildung“ bezahlen zu können….. sonst untergraben wir die Quellen unseres Wohlstandes“.

Richtig! Wir brauchen eine bessere frühkindliche Bildung, denn mit zu wenig und zu schlecht qualifiziertem Personal ausgestatteten Krippen grenzt deutsche Betreuung im europäischen Vergleich bereits an Kindesmisshandlung. Die andere Frage lautet: Lernen Kleinkinder besser in Gruppen von acht Kindern und einer Erzieherin in der Krippe oder besser in der 1:1- Mutter-Kind-Relation, die dem kindlichen Interesse und nicht irgendeinem Lehrplan folgt? Daran schließt sich die Frage: Ist es besser, Krippen für lediglich ein Drittel aller Kinder mit Steuergeldern (!) massiv zu subventionieren, oder wäre es besser, alle Familien gleichermaßen so zu unterstützen, dass Mütter frei wählen könnten ob sie Fremdbetreuung einkaufen oder ihre Kinder in eigener Verantwortung erziehen wollen ( z. B. mit einem Erziehungsgehalt nach ÖDP-Konzept )?

Die Grünen mögen ja viel von erneuerbaren Energien verstehen, von Bildung und vor allem von Bindung verstehen sie null und nichts! Sie schützen Pflanzen und Käfer, aber mit den Ergebnissen der Hirnforschung dürfen sie sich – aus ideologischen Gründen – nicht befassen. Wenn die Hirnforschung heute eindeutig beweist, dass alles Lernen zuvor eine mehrjährige, sichere Bindung an die Eltern erfordert, aus welcher erst Selbstsicherheit, Kreativität und Interesse an der Umwelt erwachsen, so müssen heute die Grünen noch immer einer altfeministischen Alice- Schwarzer-Diktatur folgen: missverstandene Selbstverwirklichung, Geschlechterneutralität und Rollenverweigerung.

Wollen wir die „Quellen unseres Wohlstandes“, also unsere Kinder, fördern, dann doch bitte so, dass sie davon auch wirklich profitieren!
Bärbel Fischer

Karlsruhe spricht, doch niemand kümmert sich darum!

Zu : „Die Schande des Parlaments“, Süddeutsche Zeitung, Heribert Prantl, 17. Juni 2011

Herr Prantl beklagt zu Recht das Versagen des Bundestags bei der rechtzeitigen Umsetzung eines neuen, demokratischeren Wahlgesetzes. Ich darf aber daran erinnern, dass das Wahlrechtsurteil nicht das einzige Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist, das liegenblieb. Denn  seit das oberste Gericht 2001 beim sog. Pflegeurteil verfügt hat, dass Eltern mit Kindern gegenüber kinderlosen Zeitgenossen nicht benachteiligt werden dürfen, ist der Beitrag zur Pflegeversicherung für Erwerbstätige ohne Nachwuchs lediglich um 0,25 %  angehoben worden. Das war´s! Dagegen führen Eltern noch immer dreifache Beiträge ab: 1. den Geldbetrag zu den Sozialversicherungen ohne Berücksichtigung der Kinderzahl, 2. den generativen Beitrag durch die Kosten der Kindererziehung und 3. pro Kind ca. 120 Euro mtl. an Verbrauchssteuern. Damit ist die Benachteiligung von Familien entgegen der ausdrücklichen Forderung der Karlsruher Richter seit 10 Jahren besiegelt und wird es auch bleiben, wenn das Parlament nicht endlich Recht schafft. Das Gesetz, das spätesten am 31. 12. 2004 hätte in Kraft treten sollen,  wartet bis heute auf seine Umsetzung.

Es darf gefragt werden: Weshalb verlangt das Wahlrechtsurteil unverzügliche Umsetzung, das Gleichstellungsurteil aber wartet auf den Sankt-Nimmerleins-Tag? Gibt es Urteile erster und zweiter Klasse? Wie kann es sein, dass das BVFG spricht, aber niemand kümmert sich darum? Ist wachsende Kinderlosigkeit nicht die logische Antwort auf solches Aussitzen?

Bärbel Fischer

Stellschraube Sozialabgaben

Die Schwäbische Zeitung berichtet am 25. Juni 2011 von Volker Kauders Vorschlag, statt Steuern zu senken (FDP) die Sozialabgaben zu reduzieren.

Dass Volker Kauder (CDU) statt Steuererleichterungen (FDP) Entlastungen bei den Sozialabgaben vorsieht, geht zwar in die richtige Richtung, muss aber trotzdem hinterfragt werden. Will man nun generell und linear die Empfänger niedriger Löhne entlasten, oder wird bei einer geplanten Entlastung endlich einmal danach gefragt, wie viele Mäuler vom Elternlohn gestopft werden müssen? Unser Sozialgesetz verlangt ja von allen Arbeitnehmern Abgaben in nahezu gleicher Höhe, ob sie drei Kinder zu versorgen haben oder keines. Das ist im höchsten Maße unsozial, denn jedes Kind kostet seine Eltern bis zu dessen Selbständigkeit mindestens 150 000 Euro. Bei einem Jahresgehalt von 30 000 Euro bleiben dem Single über 11 000 Euro zur freien Verfügung übrig, während der dreifache Familienvater mit einem Minus von mehr als 8 000 Euro bereits unterhalb des Existenzminimums angekommen ist. Die Differenz beläuft sich auf 19 000 Euro jährlich ( Quelle: Deutscher Familienverband 2011 ). Wenn überhaupt, so konnte die Mutter der drei Kinder über Jahre nur in Teilzeit erwerbstätig sein, wird daher am Ende nur eine Minirente zu erwarten haben, während Beschäftigte ohne Unterhaltsverpflichtung in den vollen Genuss ihrer Rente kommen. De facto werden in Deutschland Eltern durch Kindererziehung bestraft. Fazit: Es wäre allerhöchste Zeit, die Sozialabgaben nicht einfach nur zu kürzen, sondern endlich fair, d. h. familiengerecht zu gestalten.
Bärbel Fischer

Strickfehler

Das Aktionsbündnis Familie stellt mit seiner Kampagne eine Forderung, die genau jenen Familien wenig nützt, die am meisten Hilfe brauchen, meint der Autor dieser Zuschrift.

Eine Entlastung für Familien (unterhaltspflichtige Eltern einschl. Alleinerziehende) bei den Sozialabgaben wäre eine konsequente Umsetzung des Pflegeurteils 2001 und zum Teil auch des vorangegangenen „Trümmerfrauenurteils“ des BGH.

Nur wäre in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die konkrete Umsetzung entscheidungserheblich ist: würde der Gesetzgeber z.B. dieses Urteil damit umsetzen, dass er einfach das Existenzminimum von Kindern von der Beitragsbemessungsgrenze für die Sozialabgaben (Renten-Krankenkassen-und Pflegeversicherung) von der Beitragsbemessungsgrenze des Brutto-Gehalts der unterhaltspflichtigen erwerbstätigen Eltern abziehen würde, dann hätte dies für viele Familien keine Verbesserung zur Folge, weil gerade Mehrkindfamilien mit niedrigen oder mittleren Einkommen diese potentiell gewährten Freibeträge gar nicht von ihrem monatlichen Bruttogehalt ausschöpfen könnten. Dieser Aspekt wird leider auch von Herrn Dr. Borchert übersehen.

Darum macht eine familiengerechte Reform der gesetzlichen Sozialversicherungssysteme nur dann Sinn, wenn alle unterhaltspflichtigen Eltern unabhängig von ihrem Einkommen gleichermaßen von einer solchen Reform profitieren würden. Denn jedes Kind muss dem Staat gleich viel wert sein.

Daher hielte ich es für viel sinnvoller, wenn man sich politisch für ein sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt für unterhaltspflichtige Eltern einsetzen würde. Von einem Erziehungsgehalt würden alle Familien gleichermaßen profitieren. Darüber hinaus wäre eine konsequente Umsetzung des Pflege-und Trümmerfrauenurteils des Bundesverfassungsgerichts erreicht. Dass ausgerechnet Borchert so ein Erziehungsgehalt ablehnt aufgrund der angeblich dadurch steigenden Gefahr von Teenager-Schwangerschaften halte ich für populistisch und überhaupt nicht nachvollziehbar. Da erscheint mir die Forderung der ÖDP ( Ökologisch Demokratische Partei ) nach einem Erziehungsgehalt als die beste Umsetzung einer familiengerechten Entlastung, weil mit dieser Umsetzung nicht nur die einkommensstarken sondern in gleichem Maße die einkommensschwachen Familien profitieren würden.

In diesem Sinne rate ich dazu, die Forderung nach einer familiengerechten Entlastung bei den Sozialabgaben in die Forderung eines sozialversicherungspflichtigen Erziehungsgehaltes abzuändern oder beides zu kombinieren.
David Svoboda

Ehegattensplitting und Kindergeld zum Abschuss freigegeben

Die WELT: Viele Frauen wollen lieber ihre Kinder betreuen statt zu arbeiten. Wer es dennoch tut, gilt auch heute noch oft als Rabenmutter. Kann die Politik diesen Kulturfaktor ausschalten?

Die WELT stellt völlig falsche Fragen. Ist Kinderbetreuung denn keine Arbeit? Kinderlose Frauen haben einen Achtstundentag, Mütter von Kleinkindern dagegen haben gar keinen Feierabend! Trotz dieser Härte wollen Mütter offenbar lieber für ihre Kinder da sein, als dass sie die deutsche Wirtschaft am Laufen halten wollen. Für Jutta Allmendinger ist das verwerflich. Ganz bewusst bemüht WELT den Popanz „Rabenmutter“, der suggerieren soll: die bösen, bösen erwerbstätigen Mütter! Die Politik solle bitteschön diesen Kulturfaktor ausschalten! Dabei gibt es gar nichts auszuschalten, denn in Deutschland sind die erwerbstätigen Mütter bei einer Quote von 61,4% in der Überzahl. In Frankreich sind nur 59,1% aller Mütter erwerbstätig. Warum also zerren die Medien die „Rabenmutter“ immer wieder aus der Mottenkiste? Weil es sich mit Feindbildern so trefflich ideologisieren lässt.

Noch vor kurzer Zeit waren „Selbstverwirklichung“ oder „Emanzipation“ der Honig, den man Frauen ums Maul strich, um sie aus dem Kinderzimmer zu locken. Heute in Zeiten des Fachkräftemangels macht man sich diese Mühe nicht mehr. Heute erklärt man Mütter für arbeitsscheu, wenn sie sich mit allem Einsatz um ihre Kinder kümmern wollen.

Das selbe Spielchen wird mit den Kindern gemacht. Mit wohlklingenden Verheißungen wie „Frühförderung“ und „Bildungschancen“ wird verbrämt, was nichts anderes ist als das Parken von Kindern in Krippen zum Wohl des Marktes. Ginge es um das Kindeswohl, so würden heute an den Hochschulen massenhaft Pädagogen und BetreuerInnen ausgebildet. Für
500 000 neue Krippenplätze braucht man bei einer 1:5-Betreuung 100 000 neue ErzieherInnen. Wo sind die neuen Fachhochschulen, wo die Lehrpläne? Wo bleiben die StudentInnen? Wo ist der Haushaltsposten für diese neue Aufgabe?
Qualitätsdebatte – Fehlanzeige!

Kollektiverziehung von Kleinkindern wird sich rächen. Will man in den Schulen der hohen Versagerquote beikommen, bleibt nichts anderes übrig, als die Schüler 1:1 individuell zu fördern. Kinder lernen lustvoll in personaler Nähe – das ist für Eltern, Lehrer und Hirnforscher eine Binsenweisheit. Unsere Politik aber glaubt, diesen biologischen Anspruch der Kinder auf dem Altar Arbeitsmarkt opfern zu dürfen.

Und nun zu Splitting und Kindergeld. Würde das Ehegattensplitting abgeschafft, hätte der Steuerzahler viele Milliarden mehr an Pflege-und Unterhaltskosten aufzubringen. Denn das Splitting wird dafür gewährt, dass Familien für ihre Angehörigen aufkommen.Vom Splitting profitieren besonders Familien mit mehreren Kindern. Soll ihnen der Garaus gemacht werden?

Immer tut man so, als seien die hohen männlichen, bzw. die niedrigen weiblichen Gehälter ein Naturgesetz. Mit einer einzigen Reform ließe sich die schlecht bezahlte Frauenarbeit jedoch auf gleiche Höhe anheben. Aber das ist nicht gewollt. Denn die Wirtschaft buhlt um Frauenarbeit, weil sie billig zu haben ist.

Dass eine Expertin wie Frau Allmendinger noch nicht begriffen hat, dass das Kindergeld lediglich die Rückerstattung zuviel bezahlter Steuern ist ( das Existenzminimum von Kindern muss ebenso steuerfrei bleiben wie das von Erwachsenen ), das macht fassungslos. Kindergeld ist daher kein Almosen, sondern Rechtsanspruch, und kann nicht beliebig zur Disposition stehen. Bei höheren Einkommen wählen die Leute den steuerlichen Kinderfreibetrag, der sich wegen der Progression weit günstiger auswirkt als das Kindergeld. Da kann Frau Allmendinger freilich leicht aufs Kindergeld verzichten! So viel zu bewusster Falschinformation der Leserschaft.

Was das Elterngeld betrifft, so sieht Frau Allmendinger richtig, dass dieses Instrument zur Geburtenförderung ganz und gar nicht taugt. Das Elterngeld soll lediglich die finanziellen Einbußen junger Eltern mildern. Die Frage bleibt, warum das erste ( meist einzige ) Kind einer Managerin 21 600 Euro wert ist, das zweite, dritte, vierte Kind einer Vollzeitmutter jedoch nur 3 600 Euro?

A propos Geburtenförderung – Frau Allmendinger hält die Schrumpfung des Nachwuchses und die damit verbundenen Risiken für eine leere Drohung. Halb so viele Kinder wie 1970 – na und? Lasst die doch die Lasten für uns Alte buckeln! Wer keine Kinder zu versorgen hatte wird ja dank der Umlage im Rentensystem im Alter von den Kindern anderer Leute üppig versorgt!

Allmendinger: Ein Burn-out kommt schneller als man denkt. Gerade auf dem Weg hin zu Führungspositionen überfordern sich viele maßlos und powern sich aus.

Die Krankenkassen schlagen Alarm. Mütter, egal in welcher Position, sind beim Versuch, Familie und Erwerbsarbeit zu vereinbaren, heute vom Burn-out immer häufiger betroffen. Hier darf einmal die Frage gestellt werden, ob es sich bei der hochgepriesenen „Vereinbarkeit“ nicht eher um moderne Sklaverei handelt? Mit Frauen kann man´s ja machen! Warum schreien die Feministinnen nicht laut auf?

Frau Allmendinger mag für die Wirtschaft sprechen. Der Markt verlangt lediglich die Muskelkraft und den Intellekt der Menschen. Doch ohne intakte Familien, ohne Liebe und Fürsorge, ohne Würde und Respekt brechen Mensch und Gesellschaft zusammen. Wo man bereits die Keimzelle der Gesellschaft beschädigt, steht ihr Wohlstand auf sehr fragilem Fundament!

Bärbel Fischer

Einen weiteren Kommentar von Birgit Kelle finden Sie unter:
http://www.freiewelt.net/blog-3248/jetzt-aber-schnell-auf-den-arbeitsmarkt-mit-dir%21.html

Lohn reicht nicht zum Leben mit Kindern

Sehr geehrte Frau Anne Will,

mit großem Interesse verfolgte ich am 1. Mai Ihre Sendung. Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie den dreifachen Familienvater Ahmed Özkaratas eingeladen hatten, der exemplarisch für einen breiten Bevölkerungsteil seine Probleme schildern durfte. Ich danke Ihnen auch dafür, dass es einmal nicht um Hartz IV- Empfänger ging, sondern um ganz normale Arbeitnehmer mit Kindern, die in den meisten Diskussionen schlicht vergessen, vielleicht auch bewusst übergangen werden.

Das Hauptproblem, weshalb der Familie bei vollem Erwerb das Geld nicht reicht, liegt m. E. nicht in erster Linie am zu geringen Bruttoeinkommen, sondern an der Verteilungsstruktur unserer Sozialsysteme. Hätte der Mann keine Kinder, würden ihm am Monatsende noch ein paar Hunderter zur freien Verfügung bleiben. Schon mit einem Kind schmilzt dieser Betrag zusammen, mit zwei Kindern bleibt ihm nichts mehr übrig und mit drei Kindern rutscht er schon ins Minus. Je mehr Kinder, desto näher gerät die Familie an die Armutsgrenze. Je größer die Familie, desto mehr Verbrauchssteuern fallen zusätzlich an.

Wo liegt der Haken? Wie Sie der angefügten Tabelle des Deutschen Familienverbandes e. V. entnehmen können, zahlt jeder Arbeitnehmer bruttolohnabhängig den gleichen Betrag in die Sozialkassen, egal ob er keine Kinder hat oder für fünf Kinder aufkommen muss. Bei der Steuer spielt die Kinderzahl eine Rolle, denn der Vater bekommt die Rückerstattung für das bereits versteuerte Existenzminimum der Kinder als sog. Kindergeld zurück. Das fälschlich so bezeichnete Kindergeld ist also keine staatliche Förderung, sondern reiner Rechtsanspruch. Leider verkaufen Politik und Medien das Kindergeld noch immer als Transferleistung. Nun leisten Eltern dadurch, dass sie überhaupt Kinder aufziehen und fördern bereits einen unersetzlichen Dienst an der Gesellschaft, dem laut Urteilen des BVerfG (Urteil zum Familienlastenausgleich 1998 und Urteil zur Pflegeversicherung 2001) Rechnung getragen werden muss. Dies ist aber bisher von keiner Regierung umgesetzt worden, d. h. Eltern von Kindern geschieht noch immer Monat für Monat Unrecht. Monat für Monat hat Herr Özkaratas ca. 800 Euro zu wenig im Geldbeutel.

Ein Beispiel: Ein Alleinverdiener mit drei Kindern hat ein Jahresgehalt von 40 000 Euro. Da fünf Personen davon leben müssen, verfügt der Vater nur noch über 8000 Euro. Gerechterweise dürften ihm nur von diesen 8000 Euro Sozialabgaben abgezogen werden, denn er leistet ja den generativen Sozialbeitrag durch die Versorgung seiner Kinder, die ja weit mehr verbrauchen als nur ihr Existenzminimum.

Diese Schieflage unseres Sozialsystems wird von Familienverbänden seit Jahren angeprangert, zuletzt in einer Abgeordnetenbefragung. Die Frage lautete: „Sind Sie für eine familienfaire Sozialreform, die o.g. Ungerechtigkeiten beseitigt?“ Die Antworten waren ernüchternd. Ich habe den Eindruck, dass Kinderarmut und die deutsche Armut an Kindern Politiker heute gar nicht mehr interessiert. Politik und Medien beschränken sich auf die Parole: „Bildung, Bildung, Bildung“, wobei zu fragen ist, was hier unter Bildung verstanden wird. Ich habe den Verdacht, dass es dabei hauptsächlich um Intensivierung der Erwerbsarbeit von Müttern geht. Dabei überbieten sich unsere Parteien gegenseitig an Vorschlägen, wie man den Familien immer noch mehr Geld wegnehmen und statt dessen in Tageseinrichtungen investieren kann.

Sehr geehrte Frau Will, es wäre an der Zeit, dieses Problem in aller Öffentlichkeit zu diskutieren. Dazu schlage ich Ihnen als ausgezeichneten, TV-erfahrenen Experten den vorsitzenden Richter am Darmstädter Sozialgericht vor: Herrn Dr. Jürgen Borchert. Seit vielen Jahren kämpft er für ein gerechteres System, in dem sich sogar viele Transfairleistungen erübrigen. Ein hervorragender Kenner ist auch Dr. Johannes Resch, Arzt und Psychotherapeut, der in der zunehmenden Entrechtung von Eltern die Hauptursache der Familienarmut sieht. ( E-mail: johannes.resch@t-online.de) Eine sehr engagierte Kämpferin für Familiengerechtigkeit ist die Ärztin Frau Dr. Maria Steuer, die Initiatorin des Familiennetzwerks : Familie ist Zukunft ( E-Mail: info@familie-ist-zukunft.de)

Bei der Frage nach dem krassen Geburtenschwund spielt die Tatsache eine wesentliche Rolle, dass hierzulande mit jedem Kind das Armutsrisiko zunimmt. Wie lange wollen wir uns diesen Skandal noch leisten? Wenn auch meine vier Kinder in den Gebärstreik getreten wären, dann wäre die junge Generation schon mal um zehn künftige Beitragszahler ärmer. Ganz ehrlich: Mir ist angst und bange vor den Lasten, die diese Generation wird schultern müssen, wenn sie nicht schon vorher den Aufstand probt. Aus diesem Grund engagiere ich mich für unsere hiesige Elterninitiative mit folgender Internetseite für dieses Problem:
www.familiengerechtigkeit-rv.de.

Sehr geehrte Frau Will, ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie den Mut hätten, die Problematik der Familienarmut einmal von dieser strukturellen Seite her zu beleuchten.

Damit setze ich meine Hoffnung auf Sie und Ihre Sendung und grüße Sie freundlich

Bärbel Fischer