Gebetsmühlenartig wiederholen „unabhängige Experten“ in ihrem Bildungsbericht 2012 den Vorwurf, das Betreuungsgeld setze „falsche Anreize“. Dabei finden sie kein Argument f ü r die Krippenbetreuung von Ein-bis Dreijährigen, sondern argumentieren mit dem Bildungsvorsprung von Drei-bis Sechsjährigen ( aus: Bildung in Deutschland 2012. Seite 50 )
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Das Gezänk geht weiter
Die Debatte um das vereinbarte Betreuungsgeld bietet den Parteien eine ideale Arena für ihren Wahlkampf. Da fetzen sich die selbst ernannten Pädagogen und Sozialexperten, meist gelenkt und bezahlt von Wirtschaftsverbänden und Arbeitgebern. So weit – so gut, wenn der Kampf nicht vor allem auf Kosten von Kindern und Eltern ginge. Der Finanzierungsvorbehalt, könnte dem Betreuungsgeld den Garaus machen. Haben wir kein Geld für unseren Nachwuchs oder fehlt uns einfach die Priorität für eine gesunde nächste Generation?
Boykott – ein Schlag ins Gesicht des Wählers!
Die Schwäbische Zeitung titelt am 16. Juni zum Boykott der ersten Lesung über das Betreuungsgeld: „Union stolpert beim Betreuungsgeld“ .
Dass 126 Unionspolitiker bei der Abstimmung fehlten, sei ein „stummer Protest gegen Merkel“, meinte Thomas Oppermann SPD.
Sabine Lennartz nennt in ihrem Leitartikel das Verhalten der Opposition zwar Trickserei, aber das Ergebnis sei gut, denn „jetzt könne erst mal in Ruhe nachgedacht werden“. „Einen ganzer Sommer lang Betreuungsgeld“ prophezeit Oppermann hämisch, stehe jetzt auf der Agenda von CDU/FDP. Einträchtig teilt Frau Lennartz die Ansicht des SPD-Fraktionsgeschäftsführeres.
Dazu ein Kommentar der ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT, der als Leserbrief von der Schwäbischen Zeitung voraussehbar abgelehnt wurde:
In Ihrer Berichterstattung über die geplatzte erste Lesung zum Betreuungsgeld findet sich kein Wort darüber, was der S o u v e r ä n, nämlich der Wähler, von seinen Abgeordneten erwartet. Haben wir, die Wähler, unseren Abgeordneten unsere S t i m m e gegeben, damit sie „stumm protestieren“ oder damit sie in unserem Namen ihre Stimme erheben? Diese Frage muss sich die Koalition sowie die Opposition stellen. Die Damen und Herren werden von uns gewählt, um uns zu vertreten. Sie werden von uns finanziell so gut ausgestattet, dass ihnen diese Vertretung zugemutet werden kann. Egal, um welches Gesetzesvorhaben es geht, unsere Vertreter müssen bei den Beratungen a n w e s e n d sein. Das Für und Wider und deren Folgen abzuwägen, das ist ihre eigentliche Königsdisziplin. Die Autorin irrt, wenn sie schreibt, „Abgeordnete seien freie Menschen“, die ihre Arbeit entweder tun oder lassen dürften. Nein, Abgeordnete haben ihre Wählerschaft zu vertreten und gemäß ihrem Gewissen mit ja oder nein zu s t i m m e n, aber für Boykott werden sie nicht bezahlt. Der Zustand unseres Parlaments ist mehr als beschämend. Das Schlimmste aber ist, dass unsere Parteien mit ihrem kindischen Gezänk um Peanuts unser Ansehen vor aller Welt besudeln.
i. A. Bärbel Fischer
Dazu auch:
„Kleines, dreckiges Foulspiel“ schadet der Demokratie:
Arbeitsverweigerung des Bundestages ist Eklat für das repräsentative System
Außer Plan musste am 15. Juni 2012 die 185. Plenarsitzung des Deutschen Bundestages vorzeitig beendet werden. Nach Angaben von Vize-Präsidentin Pau war das Haus nicht mehr beschlussfähig, da die notwendige Anzahl an Abgeordneten nicht erschienen war. Bei der Abstimmung zur Verankerung eines Presse-Grossos musste nach dem „Hammelsprung“ festgestellt werden, dass die Zahl der anwesenden Parlamentarier nicht mehr ausreichte, um Entscheidungen zu fällen. Somit musste die weitere Tagesordnung aufgehoben und verschoben werden. Unter anderem fiel somit auch die angekündigte Erste Lesung zum „Betreuungsgeld“ aus. Das Vorhaben und die Beschlussfassung verzögern sich hierdurch bis nach der Sommerpause.
Die Mutmaßung, dass hinter Vielzahl an abwesenden Abgeordneten auch ein Protest gegen das „Betreuungsgeld“ stecken könnte, machte schnell die Runde – und wurde alsbald auch von Opposition und wehleidigen Parlamentariern der Koalition bestätigt. Ein „Trick“, ein „Coup“ sei es gewesen, sagen die einen – ein „dreckiges Foulspiel“ die Anderen. Doch sie alle verschweigen damit, dass hinter der Aktion ein weitreichendes Problem unserer parlamentarischen Demokratie liegt. Denn selbst wenn es laut Regularien legitim gewesen sein mag, ist es mehr als ein Affront. Und schon gar kein Grund, irgendeiner Seite Häme zu zeigen – dafür liegt in dem Vorfall viel zu große Brisanz.
Ich sage: Es kommt einem Eklat gleich, wenn die Mitglieder des Deutschen Bundestages in derart großer Zahl einer Sitzung fernbleiben. Es ist verfassungsrechtlich kritisch zu sehen, wenn dieser Trend einreißt: Die Lenkung von Debatten und politischen Entscheidungen durch das Blockieren in Form von Fernbleiben der Sitzungen stellt nach meinem Verständnis ein grobes Verletzen der Pflichten eines Abgeordneten dar und ist überdies ein Affront gegenüber dem Souverän, dem Volk. Die Beeinflussung und das zum Erliegen Bringen von parlamentarischen Abläufen durch derartigen Protest kann mit der Verantwortung, die der Deutsche Bundestag und seine Mitglieder gegenüber unserem Grundgesetz und den Bürgerinnen und Bürgern zu übernehmen kann, nicht vereinbart werden.
Die Einflussnahme auf den politischen Prozess durch taktisches Verzögern ist eine neue Form, Boykott auszuüben. Den Deutschen Bundestag durch Abwesenheit zur Beschlussunfähigkeit zu zwingen und damit eventuelle Zeitpläne durcheinander zu bringen, Zeichen zu setzen oder Abstimmungen zu manipulieren ist überdies ein bedenkenswerter historischer und gleichzeitig gefährlicher Akt, der nun auch das Präsidium des Hauses aufrütteln sollte: Klare disziplinarische Maßnahmen und härtete Sanktionen gegen die Parlamentarier werden unumgänglich, um die Abgeordneten zur Räson zu rufen. Mitglieder des Bundestages erhalten ihre Diäten für ihre Arbeit, die sie unter anderem durch Beteiligung an den Plenarsitzungen zu erbringen haben. Eine Nichtnachkommen dieser Aufgaben stellt nahezu eine Verweigerungshaltung dar, die nicht nur für unser demokratisches und parlamentarisch-repräsentatives System eine Bedrohung bedeutet; sie schwächt auch zusätzlich das ohnehin angeschlagene Image von Politik in der Bevölkerung bestätigt Vorurteile gegenüber Politikern.
Schon lange wird über häufiges „Schwänzen“ der Parlamentarier im Deutschen Bundestag debattiert. Sollte dies nun überhand nehmen oder als politisches Mittel zur Machtdemonstration missbraucht werden, sind klare Grenzen erreicht. Ob „geschickter Schachzug“ oder ein Grund zum Schämen für die Opposition: Nicht nur, dass sich das Parlament einer Sachdebatte entzogen hat und sich damit der Arbeit widersetzt hat (in der freien Wirtschaft wären viele Abgeordnete schon lange vor die Tür gesetzt worden); der Schaden für das Ansehen der (deutschen) Demokratie und das zerrüttete Bild über die politische Auseinandersetzung in der Bundesrepublik werden nachhaltige Folgen im Image unseres Landes und der Vorbildhaftigkeit eines repräsentativen Systems haben.
Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz
Georg Paul Hefty vermutet in der FAZ, dass der rot-grüne Boykott eine Notbremse war, aus der Befürchtung heraus, die Mehrheit der anwesenden Abgeordneten könnten f ü r das Betreuungsgeld stimmen, was für die Opposition eine saftigen Blamage gewesen wäre. Dass dieses undemokratische Oppositionsverhalten ein glattes Eigentor war, davon ist Hefty überzeugt. Denn künftig könnten die Regierungsparteien diesen TRICK ebenfalls nutzen, um unliebsame Gesetzesentwürfe zu boykottieren.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-zerstoert-11787288.html
GRÜNE spalten die Elternschaft
Der Verband Familienarbeit e. V. erwidert in einer Presseerklärung den Aufruf von GRÜNEN, LINKEN, SPD und anderen Verbänden zum Widerstand gegen das Bertreuungsgeld ( hier veröffentlicht am 5. Juni 2012 unter: Bitte schnell unterschreiben!)
OECD argumentiert widersprüchlich
„Das Betreuungsgeld schadet der Integration und hält Frauen aus Zuwandererfamilien davon ab, sich einen Job zu suchen“, bemängelt die OECD in einer neuerlichen Studie. Bemerkenswert bleibt im übrigen, dass auch die OECD den öffentlichen Betreuungseinrichtungen erst ab dem Alter von 3 Jahren eine frühkindliche Bildungsfunktion zuschreibt – und nicht bereits den Krippen
Hetzkampagne gegen das Betreuungsgeld – antibürgerlich und sozialistisch!
Die Kampagne gegen die Zahlung von Bargeld an Eltern, die ihre Kleinstkinder persönlich oder mit Hilfe von Verwandten, Freunden, Nachbarn betreuen, widerspricht jeglicher Vernunft, meint der Journalist Georg Paul Hefty in der FAZ.
Zum Verteilen
Von der Leyen – und kein Ende!
Leserbrief zu verschiedenen Berichten in Ihrer Zeitung über Sinn und Unsinn des Betreuungsgelds und den Rechtsanspruch auf staatlich subventionierte Betreuung der unter Dreijährigen
Wenn eine Familienministerin von der Leyen einen Rechtsanspruch auf staatlich subventionierte Betreuung der unter Dreijährigen durchsetzt, gilt dieser für 100% der betreffenden Kinder. Wenn dann für nur 35 % davon Krippenplätze finanziert werden (10000 € pro Platz für die Einrichtung und dann monatlich 1000 .€ für den laufenden Betrieb), müsste trotzdem – wenn das Ganze seriös gerechnet ist – für die übrigen 65 % das entsprechende Finanzvolumen bereitstehen. Überdies müsste der Personalbedarf auf dem gewünschten qualitativen Niveau gesichert sein.
Lt. unserem Grundgesetz, Art. 6, ist es allein Sache der Eltern zu bestimmen, wie und durch wen ihre Kinder erzogen werden sollen. Nach Lage der Dinge wird ihnen dieses Recht durch die einseitige Subventionierung der Krippenbetreuung regelrecht abgekauft. Das ist ein Skandal. Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen oder individuell andere Betreuung privat organisieren möchten, sollten sich nicht mit lächerlichen 100 € Betreuungsgeld abspreisen lassen, sondern darauf pochen, aus dem oben genannten seriös berechneten Finanzierungspool der 65 % nicht in Krippen betreuten Kinder gleichwertig unterstützt zu werden.
Täglich wird allen Beteiligten klarer, welches Chaos Frau von der Leyen ihrer Amtsnachfolgerin eingebrockt hat. Von Seriosität keine Spur. Aber das ist zunehmend geradezu ein Kennzeichen politischen Handelns.
Gertrud Martin. Seb.-Kneipp-Str. 110, 78048 VS-Villingen, Tel. 07721 56124
Bitte schnell abstimmen!
Ein breites Bündnis gegen das Betreuungsgeld wird morgen, 6. Mai, online Unterschriften sammeln. Bei diesem Aufruf zeigt sich, dass es rein um Erwerbstätigkeit von Müttern geht. Fragen nach dem Wohlergehen von Kindern – Fehlanzeige!
http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Aufruf_Betreuungsgeld.pdf
Auf der Seite von Günter Jauch kann man rechts ebenfalls abstimmen. Bis jetzt hat die familiäre Betreuung 50% , Krippe nur 42%.
Sehr geehrter Herr Präsident des Kinderschutzbundes!
Sehr geehrter Herr Hilgers,
die ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT IM LKR. RAVENSBURG kritisiert Ihr Interview mit der Schwäbischen Zeitung, 30. 05. 2012, auf das Schärfste. Nicht nur, dass die Schwäbische Zeitung auf den Armutsbericht der UNICEF überhaupt nicht eingeht, wiederholt sie zum 100. Mal so beliebt wie abgedroschen ihre Ablehnung zum Betreuungsgeld. Offenbar hat die SZ in Ihnen einen prominenten Gegner des BGs gefunden. Die Leserschaft der SZ hat aber ein Recht darauf, angemessen informiert zu werden. Im Anhang sende ich Ihnen unser Schreiben an die Schwäbische Zeitung.
Mit freundlichem Gruß
i.A. Bärbel Fischer
Auch nach dreimaliger Lektüre Ihres Interviews mit Kinderschutzpräsident Heinz Hilgers finde ich nicht ein einziges Mal das Wort „Kinderarmut“ oder eine Stellungnahme zu dem Skandal, dass es in Deutschland viel mehr arme Kinder gibt als in vielen anderen Industrieländern. Und um dieses Thema geht es doch bei der UNICEF-Untersuchung. Statt dessen wird auf den beliebten Reizthemen Krippenausbau und Betreuungsgeld herumgeritten. Es findet sich in Ihrem Beitrag kein Wort zu der Tatsache, dass immer mehr Eltern mit mehreren Kindern, sowie immer mehr allein erziehende Eltern in Armut geraten, obwohl sie vollbeschäftigt sind und vor Jahren noch ein ausreichendes Einkommen hatten. Das heißt, dass unser Sozialsystem ein strukturelles Armutsgefälle aufweist, auf dem immer mehr Familien abrutschen. Es findet sich kein Wort zu der Entwicklung, dass das frei verfügbare Einkommen einer Familie mit jedem weiteren Kind dramatisch bis unter ihr Existenzminimum schrumpft. Es wird auch nicht auf die paradoxe Entwicklung hingewiesen, dass bei schwindenden Geburten ( also trotz staatlicher Einsparungen durch fehlende Kinder, der so genannten „demographischen Rendite“ ) die Armut der Kinder in einem der reichsten Länder der Welt ansteigt. Bemerkenswert wäre auch gewesen, dass Länder, die ein üppiges Betreuungsgeld an selbst erziehende Eltern zahlen (Schweden, Finnland. Frankreich bis über 500 Euro), in puncto Kinderarmut weit besser abschneiden als Deutschland.
Die Leserschaft reibt sich die Augen: Wurden die falschen Fragen gestellt? Wird das Thema Kinderarmut hier etwa zur Polemik gegen das Betreuungsgeld missbraucht? Was soll verschwiegen werden? Hat die Schwäbische Zeitung es nötig, ihre Leser zu täuschen?
Bärbel Fischer