Familie unter DRUCK

Angesichts der demographischen Problematik steht das Thema „Faire Familienpolitik“ in diesem Jahr vor der Bundestagswahl an oberster Stelle der Agenda.

Der ÖDP-Kreisverband Württembergisches Allgäu und die bürgerschaftliche ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT laden daher ein zu einem Vortrag am Freitag, 8. März um 19:30 Uhr im Bocksaal in Leutkirch. Herr Michael Bloch vom Familiennetzwerk FAMILIE  IST ZUKUNFT spricht zum Thema: „FAMILIE  UNTER  DRUCK“.

Dabei kommen die vielfältigen Belastungen zur Sprache, die unser Generationenvertrag, unsere Sozialgesetzgebung und die momentane Familienpolitik Familien mit Kindern abverlangen. Herr Bloch wird die Ursachen von Kinderarmut, Defamilisierung und Geburtenschwund verdeutlichen und Wege aus dem Dilemma aufzeigen.

Im Anschluss an den Vortrag ist Gelegenheit zur Diskussion.

Familie unter Druck

 

Sehr geehrter Herr Finanzminister Schäuble,

fast zufällig lasen wir in der Schwäbischen Zeitung, was die Regierungssprecher Blankenheim und Seibert am 4. Januar in der Pressekonferenz lapidar verkündeten: „In dieser Legislaturperiode wird an den Sätzen zur Mehrwertsteuer nichts verändert.“ Nicht einmal Pläne dazu seien ihnen bekannt. Das Thema sei ja schon älter, auch eine Kommission sei mal geplant gewesen. Von einer Überprüfung auf Verbrauchergerechtigkeit sei nichts bekannt.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2013/01/2013-01-04-regpk.html

Dieser Mitteilung entnehmen wir Eltern von Heranwachsenden, dass der CDU/FDP- Regierung völlig gleichgültig ist, was im Koalitionsvertrag 2009 beschlossen wurde, nämlich die Sätze auf ihre Absurdität hin zu überprüfen. Auf Güter des täglichen Gebrauchs wie Kinderbedarf, Kleidung, Medikamente erheben Sie 19% Mwst, auf Luxusgüter wie Rennpferde, Tierfutter, Delikatessen, Hotelübernachtungen etc. nur 7%, was in einem Jahr einen Verlust an Einnahmen von 20 Mrd. Euro bedeutet. Sogar der Bundesrechnungshof prangert diese Schieflage an und fordert Klarheit, Nachvollziehbarkeit und vor allem Steuergerechtigkeit. Im Gegensatz zu anderen Ländern nutzt Deutschland die von der EU ermöglichten Gestaltungsspielräume bei der Besteuerung nicht, um familienfreundliche Änderungen vorzunehmen. So könnte die Mehrwertsteuer auf Kinderbedarf, Schulessen sowie für die private Kinderbetreuung zu Hause problemlos gesenkt werden. Andere EU-Länder machen es vor: Während in Irland und England auf Kinderbekleidung und Kinderschuhe gar keine Mehrwertsteuer bezahlt wird, werden Kinderbekleidung und -schuhe in Luxemburg mit nur 3 Prozent besteuert.

Unsere Fragen lauten:                                                                                                        Was hindert unsere Regierung an einer Neubewertung?                                                  Wie können Sie auf Einnahmen von 20 Mrd. einfach so verzichten?                         Weshalb verschwand das Thema von der Tagesordnung, wo es uns Eltern unter den Nägeln brennt?

Viele Elternverbände, einschließlich der Hersteller und Händler von Kinderbedarf haben  immer wieder und dringlich an die Regierung mit dem besagten Anliegen appelliert, nicht zuletzt das Sozialwerk KOLPING mit 10 000 Unterschriften. Pipifax? Wer hat hier die mächtigere Lobby, die begüterten Gourmets mit Reitpferd und Hunden oder die Familien, die jeden Cent zweimal umdrehen, erst recht wenn sie mehrere Kinder großziehen?

Herr Schäuble, von Seiten der Politik und der Medien wird sehr viel Wind gemacht um die ersten drei Lebensjahre der Kinder, was ja nicht verkehrt ist, solange dies Paare zu Kindern ermutigt. Vergessen wird aber, dass jedes einzelne Kind von seinen Eltern mindestens 20 Jahre lang unterhalten werden muss, und dass diese Kosten manches Elternpaar an den Rand seiner finanziellen Möglichkeiten bringt. Der Familienbund der Katholiken in Bayern hat errechnet, dass Eltern 2012 für ihre Kinder 101 Milliarden Euro aufgewendet haben.                                                                            http://www.familienbund-bayern.de/media/a63ed8c4f7a2c9cffff80a3ffffffef.pdf      

Dadurch flossen mindestens 16 Mrd an Mwst zurück in Ihre Steuerkasse, was bedeutet, dass die Steuer aus dem Bedarf von Kindern und Jugendlichen den Verlust aus 12% verschenkter Mwst an die Wohlhabenden nahezu wettmacht. Bravo!

Wir meinen, dass es genau umgekehrt sein müsste: Kinderbedarf ohne Mwst, Luxusgüter mit mindestens 20% Mwst belasten. Sie wissen selbst, Herr Schäuble, dass pro Kind und Monat durchschnittlich 133 Euro Mwst für die Eltern anfallen, was bei drei Kindern mtl. 400 Euro ausmacht und sich nach 20 Jahren auf  96 000 Euro summiert. Und diese Steuerlast stemmen ausschließlich Eltern, während sich die kinderlose Bevölkerung diesen Betrag auf die hohe Kante legt.  Sie fordern also von Eltern, was Sie der kinderlosen Bevölkerung ersparen. Wer muss sich hier schämen?

Familien, Herr Schäuble, leisten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft, denn ihre Kinder gestalten unsere Zukunft. Daher hat die Gesellschaft dafür zu sorgen, dass Eltern unter den Lasten nicht zusammenbrechen, sondern sich Kinder auch leisten können.

Damit grüßt schockiert und sehr nachdenklich                                                                     im Auftrag der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

Bärbel Fischer

 

Neuer Name, neues Glück!

Die  ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT hat ihrer Internetseite einen treffenderen Namen und ein neues Logo verpasst. Wie der Name schon sagt, lädt die Initiative  ihre Besucher ein, sich im Forum über die Sprechblase mit Kommentaren, Ergänzungen und mit sachlicher Kritik zu äußern. Die Bezeichnung ff bedeutet in der musikalischen Dynamik fortissimo, also laut, unüberhörbar und mit Nachdruck! Genau das haben wir Eltern uns auch auf die Fahnen geschrieben: Schluss mit den leisen Tönen!

Seien Sie uns also herzlich willkommen!

i. A. Bärbel Fischer

Dank an dieser Stelle auch dem findigen Webmaster!                                                    Auch mit der alten Adresse kommen Sie auf unsere Seite.

Sehr geehrter Herr Gabriel!

Ihre jüngsten Äußerungen im SPIEGEL zur Streichung des Ehegattensplittings für junge Ehepaare bewirken bei uns von der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT heftiges Kopfschütteln.  Ihre Ansicht, die Aufgabe des Staates sei nicht die Unterstützung der Alleinverdienerehe, sondern der Familie, halten wir, mit Verlaub, für sehr naiv. Von der SPD hätten wir wirklich mehr soziale Kompetenz erwartet. Daher wollen wir dazu aus der Sicht von Familien mit mehreren Kindern Stellung nehmen:

Dieses Vorhaben ist aus unserer Sicht demographisch, gesellschafts- und familienpolitisch völlig verfehlt.

1. steht neben der Familie auch die Ehe unter dem Schutz des Grundgesetzes.

2. ist  der von Ihnen behauptete Gegensatz zwischen Alleinverdienerehen und Familien  beim Ehegattensplitting sachlich unzutreffend. Bereits Peer Steinbrück hat als Bundesfinanzminister der schwarz-roten Regierungskoalition errechnen lassen, daß der Splittingeffekt zu 90% Ehepaaren mit Kindern zu gute komme. Deshalb warnte er sogar ausdrücklich von einer Abschaffung des Splittingvorteils.

3. zeigt die jüngste Basisanalyse führender Bevölkerungsforscher zur Entwicklung von Kinderwunsch- und Kinderlosigkeit den hohen demographischen Stellenwert von verheirateten Ehepaaren und Alleinverdienerehen.

4. ist die Ehe die kleinste, institutionalisierte Solidargemeinschaft unserer Gesellschaft, die dem Sozialstaat nicht nur dient, weil er dessen Etats entlastet.

5. ist das Ehegattensplitting Ausdruck einer leistungsgerechten Besteuerung von Ehepaaren mit dem gleichen Haushaltseinkommen, und

6. nur eine bescheidene Anerkennung der nicht nur in Deutschland, sondern auch europaweit immer noch mehrheitlich von Müttern geleisteten Haus- und Familienarbeit, und

7. nutzt das Splitting nicht nur Alleinverdienerehen, sondern auch erwerbstätigen Müttern/Frauen, die am Arbeitsmarkt massiv benachteiligt sind und durch die „Agenda 2010“-Politik der SPD-geführten rot-grünen Bundesregierung noch weiter ins Hintertreffen geraten sind.

Hätten Sie, Herr Gabriel, ein Durchschnittseinkommen wie die meisten Bundesbürger, dazu noch zwei oder drei Kinder, deren Mutter sich ganz persönlich um die individuelle Betreuung und Erziehung Ihrer Söhne und Töchter kümmern will, dann hätten Sie vielleicht eine realistischere Sicht auf den Gewinn des Ehegattensplittings, das Sie so kaltschnäuzig abwerten. Die kinder- und erwerbslosen Chefarztgattinnen, die als unberechtigte Nutznießerinnen des Ehegattensplittings gelten, fallen doch kaum ins Gewicht. Bevor Sie, Herr Gabriel, bei gewonnener Wahl, das Kind mit dem Bade ausschütten, rechnen Sie bitte durch, welcher Schaden dem Steuerzahler entsteht, wenn Ehegatten keine Verantwortung mehr füreinander übernehmen, und die Sozialkassen auch noch jene Leistungen stemmen müssen, die bislang selbstverständlich von Eheleuten gegenseitig erbracht werden.

Mit freundlichem Gruß

i. A. Bärbel Fischer

 

Prinzip Gießkanne?

Sehr geehrter Herr Mulke,

zu Ihrem Artikel „Das Prinzip Gießkanne versagt“ in der Serie Familie und Wirtschaft in der Schwäbischen Zeitung ( 31. 12. 2012 ) hat die „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit“  folgende Frage: Sie rechnen vor, der deutsche Staat stehe mit jährlich 123 Mrd. an vierter Stelle weltweit bei der Familienförderung, was pro Kind und Jahr 5100 Euro bedeute. Haben Sie sich diese Zahl einmal genauer angeschaut? 

Falls das Kindergeld, Bildungsausgaben, Ehegattensplitting, Hinterbliebenenrenten und die so genannte „beitragsfreie Krankenmitversicherung“ mit eingerechnet wurden, müsste dieser Betrag um mindestens 2/3  bis 3/4 bereinigt werden.

Denn das so genannte Kindergeld ist alles andere als eine Förderung, sondern zu 2/3 die Rückgabe der Steuern, die auf das Kindesexistenzminimum zu Unrecht erhoben wurden. Nur die Geringverdiener, die wenig bis keine Steuern zahlen, müssen über die Steuergelder alimentiert werden. Alle anderen Arbeitnehmer haben sich ihr Kindergeld selbst erwirtschaftet.

Die so genannte „beitragsfreie Mitversicherung“ ist ebenfalls Augenwischerei. Denn ein Vater mit 3 Kindern muss sein Gehalt mit der Mutter und den Kindern teilen. D. h. von 4000 Euro bleiben ihm 800 Euro. Beitragsfrei wären Frau und Kinder, wenn nur der Vater für seine eigenen 800 Euro Beiträge abführen müsste. Aber er bezahlt wie ein Single das Fünffache, also den vollen Satz. Mithin versichern sich anteilig alle Familienmitglieder für je ihre 800 Euro selbst. Es gibt also gar keine beitragsfreie Mitversicherung, denn ein Familienvater ist eben kein Single.

Für Bildungsausgaben ist nicht die Familienkasse zuständig.

Das Ehegattensplitting wirkt sich zwar für Familien mit mehreren Kindern segensreich aus, wird aber unabhängig von Kindern trauscheinabhängig bezahlt. Das bedeutet, dass es nicht zur Förderung von Kindern zählt.

Auch das Elterngeld und die Krippensubventionen von  1000 Euro + x dürfen nicht mitgerechnet werden, solange diese Beträge nicht nach dem Gleichheitsprinzip                  ( Art. 3 GG )  allen Eltern in der selben Höhe gewährt werden.

Sehr geehrter Herr Mulke, Sie verstehen, dass nackte Zahlen gar nichts sagen, solange nicht transparent wird, wie sie sich zusammensetzen.

Was bleibt übrig von der ominösen deutschen Familienförderung? Wie kann es sein, dass bei einem Jahreseinkommen von 30 000 Euro dem Single 19 186 € mehr in der Tasche bleiben als einem Vater von 3 Kindern ( s. Anhang Deutscher Familienverband e. V.)? Mit 4 Kindern beläuft sich das jährliche Manko auf 23 614 € und bei 5 Kindern         auf 28 042 €. Wohin fließen also die Gelder aus der besagten Gießkanne? In die Taschen der Familien gewiss nicht!

Und außerdem sind es die Eltern von Kindern, die den Hauptanteil des Steueraufkommens bestreiten. Von den 100 Mrd. Euro, die Eltern  2011 für ihre Kinder aufgewendet haben ( Statistisches Bundesamt ), lieferten sie allein 19 Mrd. als Verbrauchssteuern zurück in die Steuerkasse. Wieviel kam von den Singles?

Herr Mulke, wir von der „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit“  pfeifen auf Familienförderung a la Bundesregierung! Wir wollen nur eins: Gerechtigkeit zwischen den Generationen und Gerechtigkeit zwischen Bürgern mit und ohne Kinder. Dies würde bedeuten, dass unsere Sozialgesetze die Verantwortung und die Unterhaltskosten für Kinder künftig berücksichtigen, was bis zum heutigen Tag nicht geschieht. Das BverfG hat schon 1992 geurteilt, dass Eltern wegen ihrer Kinder keine Nachteile erleiden dürfen. Aber die Nachteile werden immer extremer, was auch die beigefügte Tabelle ausweist. Würden Eltern hierzulande nicht wie Bürger 2. Klasse behandelt und verhöhnt, sondern geachtet für ihren hingebungsvollen Dienst an der Gesellschaft, wie zum Beispiel in Frankreich, dann würden auch wieder mehr Kinder gezeugt. Aber mit untauglichen Mitteln sehen sich potentielle Eltern lediglich geködert und lassen ihren Kinderwunsch fahren.

Herr Mulke, in ihrer Einschätzung bez. konstruktiver Maßnahmen zu mehr Nachwuchs unterscheidet sich die Schwäbische Zeitung leider nicht von anderen Blättern, weil alle nur arbeitsmarktstützende, wirtschaftliche und regierungsamtliche Forderungen verbreiten. Auf alternative Konzepte von Elternorganisationen wartet man vergebens. Eltern werden auch gar nicht gefragt, sondern lediglich (pseudo)wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben, die genau die erwünschten Ergebnisse liefern. Eltern finden also in den Medien kein Sprachrohr. Aus diesem Grund wird auch dieses Schreiben über unsere Seite www.forum-familiengerechtigkeit.de veröffentlicht. Hier finden Sie, falls Sie Interesse haben, sehr viele Vorschläge, wie Deutschland abseits von Gießkanne zu mehr Nachwuchs kommen könnte.

Damit grüße ich Sie für die mit uns verbundenen Eltern

i. A. Bärbel Fischer

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Mach´s wie Gott, werde Mensch!

Ungeachtet des Medienrummels um das Gottesbild unserer Familienministerin feiern wir an Weihnachten: Gott wird Mensch und will in unserer Mitmenschlichkeit erfahrbar werden. In diesem Sinn wünschen wir unserer Leserschaft und allen Mitstreitern mit ihren Familien eine gesegnete und friedvolle Weihnachtszeit.

Das nächste Jahr wird familienpolitisch spannend werden. Bleiben Sie uns treu und  empfehlen Sie unsere Seite weiter! Wir freuen uns auch über Ihre Kommentare (Klick auf die Sprechblase).

Für die besinnliche Zeit zwischen den Jahren empfiehlt sich die Lektüre: „DieKinderwagenRevolution“ von Gunther Moll und Benjamin Moll, 1. Auflage, 184 Seiten, Papeto Verlag. Prof. Dr. Gunther Moll ist Leiter der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Erlangen. Mit seinem ältesten Sohn Benjamin skizzierte er das Plädoyer für und im Namen der Kinder.

Das Interview zum Buch finden Sie unter: http://www.gunther-moll.de/buch.html

Ein Neues Jahr voll Zuversicht und Energie wünscht Ihnen die                 ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

i. A. Bärbel Fischer

Familienpolitik – eine Frage der Prioritäten

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln veröffentlichte einen Beitrag des Volkswirtschaftlers Hans-Peter Klös, Leiter des Kompetenzfelds schulische und akademische Bildung, der die Prioritäten deutscher Familienpolitik in Frage stellt.

http://www.iwkoeln.de/de/presse/gastbeitraege/beitrag/101252

Unser Kommentar:

Sehr geehrter Herr Klös,

auf die Lektüre Ihres Beitrags: „Familienpolitik – eine Frage der Prioritäten“ mit der Behauptung, in Deutschland würden  für ehe- und familienbezogene Leistungen alles in allem etwa 195 Milliarden Euro aufgewendet, gibt es nur eine Reaktion:                       Lesen Sie, was es mit dieser Zahl auf sich hat und wie wenig davon Kindern in Familien zugute kommt:

http://www.heidelberger-familienbuero.de/Archiv-2012/FLA-Familienpartei-Petropulos-HBF-Vortrag-191111-Tabellen-Printfassung.pdf

So wird neben Hinterbliebenenrenten, den Kosten des Bildungssystems, der nur auf verhüllender Semantik beruhenden „beitragsfreien Mitversicherung“ auch das Kindergeld voll mitgerechnet, obwohl das Kindergeld zu 2/3 von den Eltern selbst erwirtschaftet wurde. Denn es ist nichts anderes als die Rückerstattung bereits abgezogener Lohnsteuer auf die Existenzminima der Kinder, also die Rückgabe von Diebesgut. Der Staat „schenkt“ also den Eltern das geklaute Geld wieder zurück und streicht sich das als Wohltat aufs eigene Butterbrot.

Übrigens rechnete das Ifo-Institut bereits 2005 vor, dass nach Abzug aller familienpolitischen Leistungen der Staat an jedem jungen Menschen einen Profit von        77 000 Euro einfährt.

Und das statistische Bundesamt gibt bekannt, dass 2011 die Eltern in Deutschland 100 Milliarden für ihre Kinder ausgegeben haben. Das bedeutet, dass Eltern in diesem Jahr  19 Mrd. Euro an Verbrauchssteuern in die Steuerkasse gespült haben. Der kinderlose Teil der Gesellschaft hat sich nicht nur die Kinderkosten sondern auch die entsprechenden Verbrauchssteuern erspart.

Der deutsche Aufwand an tatsächlich kinderbezogenen Leistungen gemessen am BiP liegt im europäischen Vergleich nicht vorn, sondern weit hinten. So rechnet der Sozialexperte Dr. Jürgen Borchert vor, dass Deutschland mit 2% hinter GB, Frankreich, Schweden und vor allem Dänemark mit 4% des BiP liegt. Für die Altersversorgung gibt Deutschland übrigens üppige 12 % aus.

Werter Herr Klös, Sie haben recht! Familienpolitik ist eine Frage der Prioritäten. Werden in Deutschland Kinder als gefräßiger Kostenfaktor betrachtet und Familien auf ihre Verwertbarkeit für wirtschaftliches Wachstum getrimmt, zieht man in Frankreich den Hut vor Eltern mit mehreren Kindern. Hier sieht man die kinderzahlabhängige Steuerermäßigung und die sonstigen kinderbezogenen Leistungen neidlos als Investition in die Zukunft. Das Ergebnis lässt sich schon heute daran erkennen, dass genügend junge Franzosen geboren werden. Ich stimme Ihnen zu, dass deutsche Familienpolitik von Anfang an MURKS ist, weil sie nämlich die Gesetze der Familiengerechtigkeit völlig ignoriert.

Dass eine renommierte Gesellschaft wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Ihre unhaltbare Darstellung der Lage überhaupt ungeprüft veröffentlicht, wundert uns sehr. Wir Eltern hätten uns gewünscht,  dass Politik und Wirtschaft unsere Leistung für Unterhalt und Erziehung der nächsten Generation achtet und wertschätzt.

Mit freundlichen Grüßen

ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

i. A. Bärbel Fischer

 

 

 

 

 

Angriff auf elterliche Autonomie

Das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat eine Pressemitteilung veröffentlicht zu der Frage, wie Eltern das Kindergeld verwenden.

http://idw-online.de/de/news505826

Dazu ein Kommentar.

Sehr geehrter Herr Fallak,

soeben las ich die Pressemitteilung des idw  zur Studie: Verwendung von Kindergeld.
Leider wird in dem Schreiben nicht erwähnt, dass das Kindergeld keine Gabe aus dem staatlichen Füllhorn ist, sondern die Rückgabe der Steuern, die zuvor unrechtmäßig auf das Existenzminimum der Kinder erhoben wurden. Nur für die Geringverdiener muss der Steuerzahler das Kindergeld berappen. Das bedeutet, dass Eltern zu zwei Dritteln ihr Kindergeld selbst erwirtschaftet haben. Wie jeder erwachsene Arbeitnehmer sein Existenzminimum unversteuert verbraucht, so steht dies auch Kindern zu, denn Kinder wollen ja auch ernährt und gekleidet sein etc.
Es ist doch gar keine Frage, dass die Eltern das Kindergeld für den Lebensunterhalt der Kinder dringend brauchen und verbrauchen, ja meist kosten die Kinder weit mehr als die 7008 Euro jährlich. Ich verstehe nicht weshalb überhaupt per Studie untersucht werden muss, ob und wofür die Eltern diese Steuerrückerstattung ausgeben, wo die 7008 Euro nicht einmal ausreichen, um die jährlichen Unterhaltskosten eines Kinder zu decken, was ja das Ergebnis der Studie auch zeigt. Wie gesagt: das Kindergeld ist
R e c h t s a n s p r u c h  und keine milde Gabe!
Ich halte eine solche Studie schon allein deshalb für absurd, weil sie ein generelles Misstrauen gegenüber Eltern verrät. Werden Singles etwa befragt, wofür sie den Steuerfreibetrag auf ihr Existenzminimum ausgeben? Oder sollte wieder einmal „nachgewiesen“ werden, dass Eltern keine wirtschaftliche Kompetenz besitzen und das Kindergeld versaufen? Diesen Verdacht halte ich für einen neuerlichen Angriff auf die verfassungsrechtliche Autonomie der Eltern.
Mit freundlichem Gruß
i. A. Bärbel Fischer

Recht statt Gnadenbrot

Frau Susanne Berger beklagt in ihrem Leserbrief an die Schwäbische Zeitung, dass die Gelder, mit denen man die höheren Renten von Müttern bezahlen könnte, griechischen Spekulanten zugute kommen. D´accord! Die Redaktion titelt: Lieber Mütter fördern als Spekulanten.

Dazu folgender abgelehnte Kommentar

Recht statt Gnadenbrot

„Lieber Mütter  f ö r d e r n   als Spekulanten“ überschreibt die Schwäbische Zeitung den Leserbrief von Frau Berger (17. 12. 12), wenn sie zu Recht fragt: „Warum soll die Erziehung von Kindern, die vor 1992 geboren wurden, weniger wert sein als die der später geborenen?“ Aber bereits die Überschrift verrät die fatale Denkweise, dass Mütter „gefördert“ werden müssten, so als ob sie um Almosen bettelten und nach dem Gnadenbrot des Herrn Schäuble lechzten.

Nein, was Frauen  f o r d e r n , ist die selbstverständliche und verfassungsrechtlich abgesicherte (BVerfG 87,1, 7. 7. 92) Anerkennung ihrer unbezahlten, generativen Familienarbeit als gleichwertigen Beitrag zu den Sozialsystemen, sprich Rentenanwartschaften. Dass Frauen seit Jahrzehnten nicht gewährt wird, was ihnen rechtmäßig zusteht, ist ein speziell deutscher Skandal. In anderen europäischen Ländern, wie z. B. Frankreich,  wird die Kindererziehung als Investition in die Zukunft betrachtet, während hierzulande Mütter verhöhnt werden.

Bärbel Fischer

 

Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer,

es ist noch gar nicht so lange her, dass wir von der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT Sie darauf hinwiesen, dass Sie mit Begriffen argumentieren, die den realen Sachverhalt gar nicht abbilden. In Ihrem Interview mit der WELT vom 1. 12. 2012 müssen wir leider feststellen, dass dies nicht gelungen ist.

Sie nennen wiederholt unter der „Vielzahl familienpolitischer Leistungen“ die „kostenfreie Krankenmitversicherung“ der Familie des Arbeitnehmers. Dieses Argument geht völlig an den Tatsachen vorbei, denn der Familienvater darf nicht, wie ein Single seinen Lohn für sich behalten, sondern er muss sein Verdienst mit der Lohnauszahlung sofort mit seiner Familie teilen.  Beispiel: Verdient der Vater 4000 Euro brutto, so stehen ihm bei drei Kindern und der erwerbslosen Mutter nur noch 20% zu, also 800 Euro. Auch Mutter und Kinder verfügen über je 800 Euro und führen davon den prozentualen Beitrag ab. Kostenfrei wäre die Familie nur dann mitversichert, müsste der Alleinverdiener lediglich  den KV-Beitrag für seine eigenen 800 Euro abliefern. Der Familienvater zahlt aber 5 x 20%. Ein familienloser Arbeitnehmer zahlt ebenfalls 100%, weil dieser seinen Bruttolohn mit niemandem teilen muss. Der Familienvater aber muss teilen. Tut er das nicht, so macht er sich wegen verweigerter Unterhaltspflicht strafbar. Mit der Geburt seiner Kinder hat er die unkündbare Verpflichtung auf sich genommen, den Kindesunterhalt zu bestreiten. Man darf also nicht so tun, als seien die Kinder aus Luft und hätten keinen Unterhalt zu fordern. Ein Vater ist eben kein Single, sondern er leistet für die Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst. Werte Frau Ministerpräsidentin, Sie sehen also, es kommt auf die Wortwahl an. Es ist keine Gunst des Staates für Familien, „nur“ 100% zu fordern. Oder soll man dem Familienvater 200% bis 500 % aufbürden?  Staatliche Gnade oder schlichte Rechtmäßigkeit? Daher, Frau Kramp-Karrenbauer, verwahren wir uns dagegen, dass Sie weiterhin die so genannte kostenfreie Kranken-Mitversicherung als „familienpolitische Leistung“ preisen. Sie ist mitnichten eine staatliche Leistung, sondern die rechtmäßige Konsequenz aus Art. 2 GG, dass jeder Bürger vor dem Gesetz gleich ist, sei er erwachsen oder Kind.

Genausowenig ist das Kindergeld eine staatliche Gunst gegenüber Familien, sondern nichts anderes,  als die Rückerstattung jener Steuern, die der Staat auf die Existenzminima der Kinder bereits  mit der Bruttobesteuerung (unrechtmäßig) erhoben hat.

Auch wenn Sie es nicht extra erwähnten, so schafft das mit dem Tagesbetreuungsgesetz eingeführte Elterngeld eine Schieflage unter Müttern, die nach unserer Einschätzung sogar verfassungswidrig ist.

Was das Ehegattensplitting angeht, handelt es sich ebenfalls um einen Rechtsanspruch.

Auch den Kita-Ausbau rechnen wir nicht zu den familienpolitischen Leistungen, weil er nur einem Drittel aller Eltern von U3-Kindern Vorteile bringt. Entsprechend sollen sich die anderen zwei Drittel mit einem Betreuungsgeld abfinden, das nur etwa 13% der Krippensubvention ausmacht. Solange nicht  a l l e  Eltern gleich bedacht werden und der Staat erhebliche Unterschiede macht zwischen Eltern und Eltern kann man nicht von einer familienpolitischen Leistung reden.

Wir empfinden es auch als Benachteiligung, dass das Rentenniveau für  a l l e   Arbeitnehmer, also auch für Eltern, abgesenkt wurde, obwohl gerade sie durch ihren Nachwuchs am meisten für die langfristige Stabilität der Altersrenten oder der Pflegeversicherung leisten. Es gilt festzustellen: Mit Kindern haben Erwachsene das höchste Armutsrisiko und deutlich schlechtere berufliche Perspektiven, wenn sie ihren Nachwuchs in eigener Verantwortung erziehen wollen, anstatt sie weg zu organisieren.

Fazit: Die „Vielzahl familienpolitischer Leistungen“ sind also gar  keine Leistungen, sondern teils Rechtsanspruch, teils Subventionen mit der Absicht, junge Eltern aus dem Kinderzimmer  in die Betriebe zu drängen. Wir Eltern werden diese Entrechtung nicht länger hinnehmen. In der Bevölkerung hat es sich längst herumgesprochen, dass es einem finanziellen Ruin gleichkommt, in Deutschland  Kinder zu unterhalten. Oder glauben Sie, der Gebärstreik sei vom Himmel gefallen? Wenn man auf immer noch mehr Vereinbarkeit setzt und immer noch mehr Kitaplätze baut, ohne jedoch die strukturellen Missstände in der Generationenpolitik anzugehen, dann werden sich immer noch mehr Paare gegen Kinder entscheiden.

Jawohl, Frau Kramp-Karrenbauer, in Ihrer Einschätzung, die deutsche Familienpolitik sei im Vergleich zu Frankreich Flickschusterei ohne Nachhaltigkeit, haben Sie absolut recht. Die Ursache für dieses Flickwerk liegt darin, dass in Deutschland die Familie immer als „Klotz am Bein“ des Staates gesehen wird, anders als in anderen Ländern, wo Familiengründung und Familienarbeit als Investition in die Zukunft begriffen wird. Daher spricht man bei uns von „Familienförderung, -unterstützung, -hilfen“ und kleckert mit Almosen, anstatt Eltern und Kinder als gleichwertige Bürger anzuerkennen. Familien sind keine Bittsteller, sondern das Fundament unserer Gesellschaft.  Das BverfG hat in mehreren Urteilen der letzten Jahrzehnte angemahnt, Familien mit Kindern bei Steuern und Abgaben gleichberechtigt mit Nichtfamilien zu behandeln, was bedeutet, dass der geleistete generative Beitrag berücksichtigt werden muss. Die Botschaft heißt: Niemand darf wegen seiner Kinder benachteiligt werden. Aber genau diese Benachteiligung ist gängige Praxis in unserm Land. Wie könnte es denn sonst sein, dass bei einem Jahresbruttoeinkommen von 30 000 Euro dem Arbeitnehmer ohne Fürsorgepflicht für Kinder 11 000 Euro an frei verfügbarem Einkommen bleiben, während der Vater von drei Kindern 8 000 Euro drauf zahlt ( Differenz: 19 000 Euro/ Quelle: Deutscher Familienverband 2012). Doch weder Politik noch Medien nehmen noch Anstoß an diesem Skandal. Die notwendige Reform zugunsten einer Gleichbehandlung unterbleibt.

Bei uns Eltern kann die Familienpolitik der CDU / FDP genauso wenig punkten wie die grün-rot-linken Parteien mit ihren sozialistischen Programmen, was sich bei den nächsten Wahlen deutlich zeigen wird. Uns bleiben die Familienpartei und die ÖDP. Diese legen realistische Konzepte vor, die Gerechtigkeit schaffen

1. zwischen den Generationen ( die Umlage darf nicht den Nachwuchs ausklammern)      2. zwischen Menschen mit und ohne Verantwortung für den Nachwuchs                            3. zwischen erwerbstätigen und erwerbslosen, d. h. in eigener Verantwortung erziehenden Eltern

Werte Frau Kramp-Karrenbauer, Ihr Interview bei WELT-online war für uns Eltern sehr aufschlussreich. Wir bitten Sie, unsere Bedenken in Ihre parteiinterne Diskussion einzubringen, in der Hoffnung, dass die CDU sich weg bewegt von Ihrem wahltaktisch „modernen“ Familienbild ( Eltern im Hamsterrad, Kinder in Ganztagsbetreuung ) hin zu längst überfälligen Reformen. Die Liebe zu Kindern und die Beachtung ihrer Bedürfnisse ist  und war niemals der Mode unterworfen.

Damit grüße ich Sie in Vertretung der mit uns verbundenen Elternschaft voller Zuversicht   i. A. Bärbel Fischer

P.S. Dieses Schreiben wird auf mehreren Internetportalen veröffentlicht.