Es geht nicht um Emanzipation, sondern um PROFIT!

In der inzwischen absurden Debatte um das Betreuungsgeld äußert sich Dr. Steffen J. Roth, (Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln sowie dem Otto-Wolff-Institut für Wirtschaftsordnung) sachlich und kompetent in einem politischen Kommentar. Lesenswert!

http://www.iwp.uni-koeln.de/DE/Publikationen/komment/pdf-Dateien/OK_05_2012.pdf


Herdprämie? „Eine Frechheit. Das beleidigt die Intelligenz der Frauen.“

Alle scheinen sich einig zu sein: Das Betreuungsgeld konserviert die alte Gesellschaft: Küche, Kinder, Kirche. Wirklich? Die Frauen in Bayern erzählen eine ganz andere Geschichte.

Von GEORG MECK

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/debatte-ums-betreuungsgeld-herdpraemie-11725961.html

Die böse Saat ist aufgegangen

Ursula Prasuhn, Mutter und Lehrerin im Ruhestand, geht der Frage nach, wie es zu den Erziehungsproblemen vieler Eltern und den Verhaltensschwächen so vieler Kinder kommen konnte, und was die Debatte um das Betreuungsgeld  kaschieren soll.

Dass Elternhäuser Grundlage sind für ein gesundes Aufwachsen der Kinder, ist hinlänglich bekannt, leider jedoch nur wenigen. Darum forcieren Politik und veröffentlichte Meinung unbeirrt den Ausbau von Krippen und Ganztagsbetreuungen, ohne auf nennenswerten Gegenwind zu stoßen. Auch der von mir geschätzte Berliner Bürgermeister Buschkowsky spricht sich vehement für eine institutionelle Erziehung und gegen das Betreuungsgeld aus, was daran liegen mag, dass sein Stadtteil als problematisch gilt durch den hohen Anteil an bildungsfernen Familien und Migranten.

Herrn Buschkowskys Wertschätzung einer staatlichen Rundumbetreuung mag verständlich sein. Weniger verständlich ist, dass sie allgemein geteilt wird und bei vielen als Meilenstein des Fortschritts gilt – zumindest ist dies die nahezu einhellige Botschaft von Politik, Wirtschaft und Medien. Sogar ein Großteil der Eltern glaubt inzwischen, dass die Kinder in institutionellen Einrichtungen besser aufgehoben seien als zu Hause, weil dort die nötige Fachkompetenz herrsche, die ihnen angeblich fehlt. Berichte über zunehmende Erziehungsschwierigkeiten scheinen ihnen Recht zu geben.

Den Boden für diesen folgenschweren Irrglauben haben über Jahrzehnte hinweg die unzähligen selbsternannten Bildungs- und Erziehungsexperten bereitet. Um ihre Weisheiten gewinnbringend unters Volk zu streuen, haben sie zunächst unser traditionelles und bewährtes Erfahrungswissen in Frage gestellt und die nachfolgenden Unsicherheiten für Geschäfte mit angeblich „kompetenten“ Ratschlägen genutzt. Es entstand ein Teufelskreis von Angebot und künstlich erzeugter Nachfrage, der bis heute anhält und besonders die Familien in Bedrängnis bringt. Nicht nur, dass sich viele Mütter und Väter auf Grund allseitiger Besserwisserei verunsichert fühlen, sie fühlen sich obendrein in der Rolle als Nichtskönner und Versager. In Wahrheit sind sie Opfer einer Kampagne, die elterliche Fähigkeiten in Frage stellt, ohne eine lebensnahe Alternative bieten zu können – außer der politisch gewollten, die Kinder institutionellen Betreuungseinrichtungen mit geschulten Fachkräften zu überlassen.

Verwunderlich ist, dass die willkürlich geförderten Erziehungsprobleme und Verhaltensschwächen des Nachwuchses kaum auf dem Schuldkonto dieser sog. Experten landeten, obwohl ganz eindeutig sie es waren, die mit ihrem Rumstochern in Familienkompetenzen alles aus dem Lot brachten und zahlreiche Eltern zu einem Laissez-faire-Erziehungsstil veranlassten unter dem Motto: Lieber nichts tun als Falsches tun!

Die böse Saat ist aufgegangen. Was über Jahrtausende ohne Fach-, aber als Erfahrungswissen und gesundes elterliches Gespür gut funktionierte, wurde in wenigen Jahrzehnten erfolgreich in Zweifel gezogen und demoliert. Der Boden ist nun fruchtbar gemacht für die allgemeine Akzeptanz oder gar den Wunsch nach möglichst umfassender staatlicher Betreuung.

Das Gerangel ums Erziehung- oder Betreuungsgeld erscheint mir für die Drahtzieher der politischen und veröffentlichten Meinung ein willkommenes Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Ursachen, nämlich der vorausgegangenen Infiltrierung aller Parteien mit linker Ideologie, welche die Elternhäuser über Jahre hinweg aushöhlte und heute am liebsten bedeutungslos sähe.

Sollen doch alle fleißig über die paar Euros diskutieren – scheint das Kalkül – Hauptsache der Blick bleibt festgenagelt aufs Geld und richtet sich nicht auf das Wesentliche. Bei einer Durchsetzung des Betreuungsgeldes mögen sich die Schwesterparteien CDU und CSU zur Beruhigung gern als Beschützer der Familien fühlen – wichtiger ist, dass sie in Sachen Krippen und Betreuung längst in anderem Fahrwasser mitschwimmen und ihren eigentlichen Sündenfall kaum bemerken.

Ursula Prasuhn

Wahrheit und Lüge

Die Hetze gegen das Betreuungsgeld vergiftet unser gesellschaftliches Klima. Die Gegner verdrehen die Fakten. Zwei Drittel aller Eltern betreuen ihr Kind in den ersten Lebensjahren selbst – sie verdienen Anerkennung und Förderung. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt: „Keine andere Gruppe in Deutschland hat so viel Herabsetzung und Diskriminierung zu ertragen wie gerade die Familien.“

http://www.csu.de/dateien/partei/ta/12_betreuungsgeld_2.pdf

Aberwitzig

Aberwitzig erscheint der Bevölkerung diese groteske Debatte um das geplante Betreuungsgeld. Da wetzen die Politiker aller Couleur ihre Messer, da findet sich kein Blatt, das nicht das andere mit Schlachtrufen übertönt, da werfen sich  Frauen mit bemerkenswerter Kampfbereitschaft in die Arena, als ob es einen Todfeind gälte abzuschrecken. Auf ihrem Banner steht in großen Lettern: Kinder in die Krippe, Frauen in den Betrieb!

Goliath gegen David?

Ohne den Grund dafür in den persönlichen Biographien zu suchen, muss mit dem Vorhaben B ein sehr schmerzhafter Punkt getroffen worden sein. Warum begehrten jüngst im SPIEGEL kluge Frauen wie Frau Rita Süßmuth so heftig auf, inwieweit schädigt das Almosen B eine Frau Gesine Schwan, welche Einbuße fürchtet Uschi Glas?  Wird der Krippenplatzbonus wegen des Betreuungsgeldes auch nur um einen Cent gekappt? Geht es  überhaupt ums Geld?

Nein, es geht nicht um Geld, sondern um das Frauenbild. Frauen, die nicht dem Wunschbild der„zeitgemäßen, modernen, emanzipierten  Karrierefrau“ entsprechen, gelten als altbacken, „rückwärtsgewandt“, dümmlich, und vor allem als sozial schwach und bildungsfern. Sie versauen sozusagen das wunderbare deutsche Hochglanzfrauenbild.

Weit würden die  SPIEGEL-Damen den Vorwurf von sich weisen, sie schrieben Frauen vor, wie diese zu leben haben, oh nein!  Jeder darf bei uns leben wie er will! Jeder schon, nur Frau nicht. Aufrecht und selbstbewusst gegen den staatlich und medial forcierten Trend Tag und Nacht in der Familie präsent zu sein, sein Kind in den eigenen Armen zu behalten,  es von Krippengeschrei und Abfütterung fern zu halten und ihm Abschiedstränen und Heimweh  zu ersparen, das geht dann doch entschieden zu weit!  Gelebte Mutterschaft sich auch noch bezahlen lassen? Mit 125 Euro! Da müssen besagte Damen im SPIEGEL schon einmal die Gouvernante raushängen und mit dem Finger drohen.

Wie widerlich!

Darf ich, werte Frontfrauen, Sie daran erinnern, dass paradoxerweise Sie es selbst sind, die mit Ihrem SPIEGEL-Feldzug  B e z a h l u n g  verlangen, indem nämlich der Steuerzahler den Frauen  ihr verfassungsmäßiges  Recht ( Art. 6, Abs. 3 und 4 GG )  auf Zeit und Präsenz mit und bei ihrem Baby  a b k a u f t .  Und zwar mit 1000 Euro acht mal so teuer.

Wie widerlich!

Aber wie gesagt: Ums Geld geht es ja gar nicht!

Bärbel Fischer

Stuttgarter CDU für Betreuungsgeld

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Kreisverband der CDU Stuttgart sprach sich auf seinem heutigen Kreisparteitag mehrheitlich, dafür aus, das Betreuungsgeld an Familien auszuzahlen. Die Auszahlung solle aber davon abhängig gemacht werden ob Eltern mit ihren Kindern Pflichtuntersuchungen bei Kinderärzten wahrnehmen. Keine Mehrheit fand dagegen ein Antrag der Frauenunion das Betreuungsgeld für die gesetzliche Rentenversicherung bzw. zur Aufstockung der Rente, für eine private Altersvorsorge oder eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung in Ergänzung zur gesetzlichen Pflegeversicherung zu verwenden.
Der Wortlaut des Antrages im Anhang (Eingebracht von der BG Stuttgart-Ost und der Arbeitskreis Familie in der CDU Stuttgart)

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Christian Hausmann
Vorsitzender BG CDU Stuttgart-Ost
Haußmannstr. 200
70188 Stuttgart
Tel 0711-2624033 p
Tel. 0711-2628328 g
www.cdu-stuttgart-ost.de
info@cdu-stuttgart-ost.de

Heiße Phase!

Interessanterweise finden sich in der FAZ immer häufiger krippenkritische Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/arbeitgeber-und-dgb-gemeinsam-gegen-das-betreuungsgeld-11720062.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/debatte-ueber-betreuungsgeld-mehr-zeit-fuer-kinder-11713593.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kinderbetreuung-das-glueck-in-der-krippe-11711030.html

Leserbriefe

Leserinnenbrief zu “ Wir brauchen einen femininen Feminismus“ von Birgit Kelle, Focus, 12. März 2012

Na endlich! Der Artikel ist ein Befreiungsschlag für unzählige Frauen, die mit wachsender, aber ohnmächtiger Wut erleben, wie ihnen ein wesentlicher Teil ihres Frauseins, nämlich das Muttersein systematisch vergällt wird. Wie hirngewaschen gebärden sich die Geschlechtsgenossinnen, die ihr Heil im Kampf um Quoten suchen und doch – vergleichsweise mit den Müttern – eine elitäre Minderheit sind. Viel schlimmer allerdings ist, dass sich´die Regierung auf allen Ebenen diesem kinder- und familienfeindlichen Gender Mainstreaming unterwirft, das unsere Gesellschaft wie ein giftiger Schimmel überzieht. Hier breitet sich wieder einmal eine verderbenbringende Ideologie schleichend aus, wird gefeiert und rücksichtslos durchgesetzt. Bis zum bitteren Ende?

und

Leserbrief zu „Steinmeier: Prämie muss vom Tisch“ + zugehöriges Foto und Bildunterschrift, Schwarzwälder Bote vom 18. April 2012

Wie ganz oft im Betreuungsgeldstreit, differenziert auch die SPD-Unterschriftenaktion in Bayern nicht zwischen der Betreuung der über Dreijährigen und der Krippenkinder unter drei Jahren. Es ist nur vom Bildungsbedarf der Kinder in Kitas die Rede  Beim Betreuungsgeld geht es aber allein um die Kleinsten, die nicht auf Bildung, sondern auf die sichere Bindung vorzugsweise in ihrer Herkunftsfamilie angewiesen sind, nicht zuletzt, weil ohne diese Grundlage Bildungsangebote von den Kindern nur schlecht aufgenommen werden können.

Das Bild mit den Kinderwagen vor dem Kaffee und der Unterschrift „Mutter und Kind könnten sich nach CSU-Plänen öfter einen Café-Besuch leisten,“  gießt nochmal richtig Öl ins Feuer. Nur: es ist doch allgemein bekannt, dass das Kaffeekochen und -trinken in den Büros und Chefetagen unserer Republik zu jeder Tageszeit wichtig ist. Wo ist das Problem? Davor und danach ist Arbeit angesagt. Auch bei den Müttern.

Gertrud Martin, Seb.-Kneipp-Str. 110, 78048 VS-Villingen

Lesenswert!

Dorothea Siems  kritisiert das Vorhaben von Kristina Schröder, das Betreuungsgeld  an Arztbesuche zu koppeln. Damit stünden alle Eltern unter Generalverdacht.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106186725/Ministerin-stellt-Eltern-unter-Generalverdacht.html

Der Sozialrichter Jürgen Borchert spricht in einem Interview in der Mainpost über die Ungerechtigkeit in der Familienpolitik.

http://www.mainpost.de/ueberregional/meinung/-Sozialsysteme-auf-Sand-gebaut;art9517,6733145

Der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung mahnt eine neue Kultur der Familienfreundlichkeit an und hält den Grünen ihr Bundesprogramm von 1980 vor die Augen, in dem die häusliche Erziehung hochgeschätzt und ein Erziehungsgehalt gefordert wird.

http://www.fuldainfo.de/index.php?area=1&p=news&newsid=20340

 

zu: „Gymnasiums-Fernhalte-Prämie“ ( Cem Özdemir )

Mit folgendem abgelehnten Leserbrief reagierte die ELTERNINITIATIVE FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT auf die Äußerungen von Cem Özdemir beim Redaktionsgespräch der Schwäbischen Zeitung.
Mit Cem Özdemirs abwertender Wortschöpfung „Gymnasiums-Fernhalte-Prämie“  ist jetzt hoffentlich der Höhepunkt dieser grotesken Debatte um ein lächerliches Betreuungsgeld erreicht. Ganz Europa schüttelt den Kopf über so viel hämische Missachtung elterlicher Fürsorge. Denn in Frankreich, Schweden oder Finnland schreit niemand: „Herdprämie“, „falsches Signal“ oder „Fehlanreiz“, wenn Mütter ganz selbstverständlich bis zu 490 Euro für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung ihrer Kinder bekommen, und zwar nicht als Lohn, sondern als fairen Ausgleich zur Krippenförderung. Wo Elternarbeit noch hoffähig ist, werden auch mehr Kinder geboren.
Herr Özdemir ließ antworten:
Sehr geehrte Frau Fischer,

nach Rücksprache hat Herr Özdemir mich gebeten, Ihnen zu antworten.

An Ihrem Leserbrief erkennt man das ganze Dilemma der Debatte. Es geht nicht um die Wertschätzung verschiedener Familienmodelle. Es geht um Wahlfreiheit! Solange es aber nachweislich keine ausreichende Zahl an Kitaplätzen gibt, gibt es diese Wahlfreiheit nicht. Und solange werden wir aufzeigen, dass das Betreuungsgeld falsch ist und die Mittel in den Kita-Ausbau müssen. Die von ihnen angeführten Länder unterstreichen das nur und zwar sehr deutlich. Die Betreuungsmöglichkeiten in Kitas und Krippen in Deutschland sind nicht annähernd mit denen in Schweden und Frankreich zu vergleichen, die Wahlfreiheit ist dort wesentlich größer. Zugleich legen beide Staaten bekanntermaßen besonderen Wert auf Krippen und Kindertagesstätten (und die Geburtenraten in Frankreich und Schweden sind wesentlich höher als in Deutschland), sie sind dabei ein Vorbild für (West-)Deutschland. In diesem Sinne werden wir uns auch weiterhin für die Stärkung und Verbesserung unserer öffentlichen Institutionen einsetzen, wobei neben der Quantität mindestens so sehr die Qualität (etwa durch eine entsprechende Ausbildung der ErzieherInnen) von Bedeutung ist.

Mit freundlichen Grüßen

Veysel Özcan
Referent des Bundesvorsitzenden
Bündnis 90/Die Grünen
Platz vor dem Neuen Tor 1
D-10115 Berlin