zu: „Gymnasiums-Fernhalte-Prämie“ ( Cem Özdemir )

Mit folgendem abgelehnten Leserbrief reagierte die ELTERNINITIATIVE FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT auf die Äußerungen von Cem Özdemir beim Redaktionsgespräch der Schwäbischen Zeitung.
Mit Cem Özdemirs abwertender Wortschöpfung „Gymnasiums-Fernhalte-Prämie“  ist jetzt hoffentlich der Höhepunkt dieser grotesken Debatte um ein lächerliches Betreuungsgeld erreicht. Ganz Europa schüttelt den Kopf über so viel hämische Missachtung elterlicher Fürsorge. Denn in Frankreich, Schweden oder Finnland schreit niemand: „Herdprämie“, „falsches Signal“ oder „Fehlanreiz“, wenn Mütter ganz selbstverständlich bis zu 490 Euro für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung ihrer Kinder bekommen, und zwar nicht als Lohn, sondern als fairen Ausgleich zur Krippenförderung. Wo Elternarbeit noch hoffähig ist, werden auch mehr Kinder geboren.
Herr Özdemir ließ antworten:
Sehr geehrte Frau Fischer,

nach Rücksprache hat Herr Özdemir mich gebeten, Ihnen zu antworten.

An Ihrem Leserbrief erkennt man das ganze Dilemma der Debatte. Es geht nicht um die Wertschätzung verschiedener Familienmodelle. Es geht um Wahlfreiheit! Solange es aber nachweislich keine ausreichende Zahl an Kitaplätzen gibt, gibt es diese Wahlfreiheit nicht. Und solange werden wir aufzeigen, dass das Betreuungsgeld falsch ist und die Mittel in den Kita-Ausbau müssen. Die von ihnen angeführten Länder unterstreichen das nur und zwar sehr deutlich. Die Betreuungsmöglichkeiten in Kitas und Krippen in Deutschland sind nicht annähernd mit denen in Schweden und Frankreich zu vergleichen, die Wahlfreiheit ist dort wesentlich größer. Zugleich legen beide Staaten bekanntermaßen besonderen Wert auf Krippen und Kindertagesstätten (und die Geburtenraten in Frankreich und Schweden sind wesentlich höher als in Deutschland), sie sind dabei ein Vorbild für (West-)Deutschland. In diesem Sinne werden wir uns auch weiterhin für die Stärkung und Verbesserung unserer öffentlichen Institutionen einsetzen, wobei neben der Quantität mindestens so sehr die Qualität (etwa durch eine entsprechende Ausbildung der ErzieherInnen) von Bedeutung ist.

Mit freundlichen Grüßen

Veysel Özcan
Referent des Bundesvorsitzenden
Bündnis 90/Die Grünen
Platz vor dem Neuen Tor 1
D-10115 Berlin

3 Gedanken zu „zu: „Gymnasiums-Fernhalte-Prämie“ ( Cem Özdemir )

  1. Sehr geehrter Herr Özdemir,
    darf ich Sie an ein Zitat aus Ihrem Bundesprogramm von 1980 erinnern:

    „Die Mütter oder Väter, die sich aus erzieherischer Verantwortung überwiegend ihren Kindern widmen, gegebenenfalls unter Verzicht auf die Ausübung ihres Berufes, leisten eine Arbeit von größter gesellschaftlicher Bedeutung. Damit die spätere Entwicklung des Kindes ungestört verlaufen kann, sollte in den ersten Jahren möglichst kein Wechsel der Bezugspersonen stattfinden. Darum fordern wir entsprechende Angebote hauswirtschaftlicher und pädagogischer Ausbildung und ein Erziehungsgehalt.“

    Schon vergessen?

  2. Der idiologischen Schrei nach mehr KiTa’s vernebelt offensichtlich Herrn Özdmir die Sicht auf die Realität. IN DEUTSCHLAND WERDEN IMMER WENIGER KINDER GEBOREN!!!!!!!!! Tatsache auch: im Osten Deutschlands, wo die Dichte der Krippenversorgung am höchsten ist, hat die Ferilitätsrate den stärksten Einbruch erlitten (30%!!!!!). Im Klartext: wir brauchen bald keine KiTa’s mehr und ausreichende KiTa-Plätze sind nicht identisch mit Geburtenrate plus. Da gehört schon noch mehr dazu, z.B. sichere Arbeitsplätze und planbare Einkommen , stabile Partnerschaft und ein Umfeld, das die Leistungen einer Familie auch WERTSCHÄTZT. Und somit landen wir automatisch bei „der özdemirschen Fernhalteprämie“. Tja, manchmal hilft schon ein bisschen gesunder Menschenverstand um Ursache und Wirkung miteinander in Verbindung zu bringen

  3. Herr Özcan oder herr Özdemir leiden wie viele Politiker unter gestörter Wahrnehmung von politischen Verhältnissen in anderen Ländern. Unter dem Motto: Man nehme, was gefällt, suchen sie sich die Einzelheiten eines Konzeptes heraus, das zu ihren eigenen Vorstellungen paßt:
    Darum verschweigt er das sehr viel höhere Betreuungsgeld und die massiven Steuernachlässe für Mehrkindfamilien.
    Wer sich so in die Tasche lügt wie unsere Politiker, darf sich über Mißerfolge bei den eigenen Zielen nicht wundern.
    Es grüßt Maria Salzwedel

    P.S. Ich habe Herrn Özdemir übrigens auch gestern nach Veröffentlichung seines Interviews in der WELT spontan geschrieben.

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