Gerd Held beschäftigt sich bei WELT-online mit den Argumenten, welche die Gegner des Betreuungsgeldes ins Feld führen. Der Streit um das Betreuungsgeld wird zum Kulturkampf, der die Bedeutung der Privatsphäre angreift. Muss die Vielfalt der Beziehungen im häuslichen Leben ausgemerzt werden?
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Alle profitieren vom „Kümmer-Gen“- nur die Mütter selbst nicht
Leserbrief
Pflege, Kinderbetreuung, Hausarbeit, gesund kochen, trösten….all das ist unbezahlte, un-verzichtbare, notwendige Arbeit. Kann sich unsere erfolgs- und lust-betonte Gesellschaft auf ewige Zeiten auf jenes KÜMMER-GEN der Frauen verlassen?
Die meist vielfältigen, umfangreichen, höchst zeit-aufwändigen Arbeitsabläufe, die Zuwendung und Versorgung, die Organisation für Kleine, Pflegebedürftige, Alte sind lebensnotwendig für ALLE – aber diese Arbeit wird nicht bezahlt von der Gesellschaft, sie sichern nie die Existenz der (meist) Frauen. Darum „kümmert“ sich aber jener Teil der Gesellschaft nicht, die selber ihren Beruf ausüben und hoffen, das wird schon immer „irgendwie geregelt“ werden. Von wem?
Gäbe es ein Erziehungsgehalt, würden sich wohl auch mehr Männer für die zeitweise aktive Betreuung der eigenen Kinder und Pflege der eigenen Eltern entscheiden. Denn die tun das viel zu selten „ohne geldwerte Gegenleistung und Rentensicherheit…FRAUEN schon!
Viele argumentieren, die Ausgaben für den Staat wären für den „Staat“ viel zu hoch.
Und wenn eines Tages die FRAUEN ihr Kümmer-Gen ignorieren und den gerne und gut erlernten Beruf samt Gehalt höher schätzen? Wer betreut und pflegt dann?
Wer trägt diese Mehrkosten, wenn die Mehrheit der Mütter wie die Männer den Beruf in Vollzeit ausüben wollen und keiner mehr daheim ist für Kinder und Alte?
Gerdi Spengler, ÖDP, Mariabrunnstr. 59/1, 88097 Eriskirch, Tel.07541-8973
Prinzip Gießkanne?
Sehr geehrter Herr Mulke,
zu Ihrem Artikel „Das Prinzip Gießkanne versagt“ in der Serie Familie und Wirtschaft in der Schwäbischen Zeitung ( 31. 12. 2012 ) hat die „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit“ folgende Frage: Sie rechnen vor, der deutsche Staat stehe mit jährlich 123 Mrd. an vierter Stelle weltweit bei der Familienförderung, was pro Kind und Jahr 5100 Euro bedeute. Haben Sie sich diese Zahl einmal genauer angeschaut?
Falls das Kindergeld, Bildungsausgaben, Ehegattensplitting, Hinterbliebenenrenten und die so genannte „beitragsfreie Krankenmitversicherung“ mit eingerechnet wurden, müsste dieser Betrag um mindestens 2/3 bis 3/4 bereinigt werden.
Denn das so genannte Kindergeld ist alles andere als eine Förderung, sondern zu 2/3 die Rückgabe der Steuern, die auf das Kindesexistenzminimum zu Unrecht erhoben wurden. Nur die Geringverdiener, die wenig bis keine Steuern zahlen, müssen über die Steuergelder alimentiert werden. Alle anderen Arbeitnehmer haben sich ihr Kindergeld selbst erwirtschaftet.
Die so genannte „beitragsfreie Mitversicherung“ ist ebenfalls Augenwischerei. Denn ein Vater mit 3 Kindern muss sein Gehalt mit der Mutter und den Kindern teilen. D. h. von 4000 Euro bleiben ihm 800 Euro. Beitragsfrei wären Frau und Kinder, wenn nur der Vater für seine eigenen 800 Euro Beiträge abführen müsste. Aber er bezahlt wie ein Single das Fünffache, also den vollen Satz. Mithin versichern sich anteilig alle Familienmitglieder für je ihre 800 Euro selbst. Es gibt also gar keine beitragsfreie Mitversicherung, denn ein Familienvater ist eben kein Single.
Für Bildungsausgaben ist nicht die Familienkasse zuständig.
Das Ehegattensplitting wirkt sich zwar für Familien mit mehreren Kindern segensreich aus, wird aber unabhängig von Kindern trauscheinabhängig bezahlt. Das bedeutet, dass es nicht zur Förderung von Kindern zählt.
Auch das Elterngeld und die Krippensubventionen von 1000 Euro + x dürfen nicht mitgerechnet werden, solange diese Beträge nicht nach dem Gleichheitsprinzip ( Art. 3 GG ) allen Eltern in der selben Höhe gewährt werden.
Sehr geehrter Herr Mulke, Sie verstehen, dass nackte Zahlen gar nichts sagen, solange nicht transparent wird, wie sie sich zusammensetzen.
Was bleibt übrig von der ominösen deutschen Familienförderung? Wie kann es sein, dass bei einem Jahreseinkommen von 30 000 Euro dem Single 19 186 € mehr in der Tasche bleiben als einem Vater von 3 Kindern ( s. Anhang Deutscher Familienverband e. V.)? Mit 4 Kindern beläuft sich das jährliche Manko auf 23 614 € und bei 5 Kindern auf 28 042 €. Wohin fließen also die Gelder aus der besagten Gießkanne? In die Taschen der Familien gewiss nicht!
Und außerdem sind es die Eltern von Kindern, die den Hauptanteil des Steueraufkommens bestreiten. Von den 100 Mrd. Euro, die Eltern 2011 für ihre Kinder aufgewendet haben ( Statistisches Bundesamt ), lieferten sie allein 19 Mrd. als Verbrauchssteuern zurück in die Steuerkasse. Wieviel kam von den Singles?
Herr Mulke, wir von der „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit“ pfeifen auf Familienförderung a la Bundesregierung! Wir wollen nur eins: Gerechtigkeit zwischen den Generationen und Gerechtigkeit zwischen Bürgern mit und ohne Kinder. Dies würde bedeuten, dass unsere Sozialgesetze die Verantwortung und die Unterhaltskosten für Kinder künftig berücksichtigen, was bis zum heutigen Tag nicht geschieht. Das BverfG hat schon 1992 geurteilt, dass Eltern wegen ihrer Kinder keine Nachteile erleiden dürfen. Aber die Nachteile werden immer extremer, was auch die beigefügte Tabelle ausweist. Würden Eltern hierzulande nicht wie Bürger 2. Klasse behandelt und verhöhnt, sondern geachtet für ihren hingebungsvollen Dienst an der Gesellschaft, wie zum Beispiel in Frankreich, dann würden auch wieder mehr Kinder gezeugt. Aber mit untauglichen Mitteln sehen sich potentielle Eltern lediglich geködert und lassen ihren Kinderwunsch fahren.
Herr Mulke, in ihrer Einschätzung bez. konstruktiver Maßnahmen zu mehr Nachwuchs unterscheidet sich die Schwäbische Zeitung leider nicht von anderen Blättern, weil alle nur arbeitsmarktstützende, wirtschaftliche und regierungsamtliche Forderungen verbreiten. Auf alternative Konzepte von Elternorganisationen wartet man vergebens. Eltern werden auch gar nicht gefragt, sondern lediglich (pseudo)wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben, die genau die erwünschten Ergebnisse liefern. Eltern finden also in den Medien kein Sprachrohr. Aus diesem Grund wird auch dieses Schreiben über unsere Seite www.forum-familiengerechtigkeit.de veröffentlicht. Hier finden Sie, falls Sie Interesse haben, sehr viele Vorschläge, wie Deutschland abseits von Gießkanne zu mehr Nachwuchs kommen könnte.
Damit grüße ich Sie für die mit uns verbundenen Eltern
i. A. Bärbel Fischer
Familienpolitik – eine Frage der Prioritäten
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln veröffentlichte einen Beitrag des Volkswirtschaftlers Hans-Peter Klös, Leiter des Kompetenzfelds schulische und akademische Bildung, der die Prioritäten deutscher Familienpolitik in Frage stellt.
http://www.iwkoeln.de/de/presse/gastbeitraege/beitrag/101252
Unser Kommentar:
Sehr geehrter Herr Klös,
auf die Lektüre Ihres Beitrags: „Familienpolitik – eine Frage der Prioritäten“ mit der Behauptung, in Deutschland würden für ehe- und familienbezogene Leistungen alles in allem etwa 195 Milliarden Euro aufgewendet, gibt es nur eine Reaktion: Lesen Sie, was es mit dieser Zahl auf sich hat und wie wenig davon Kindern in Familien zugute kommt:
So wird neben Hinterbliebenenrenten, den Kosten des Bildungssystems, der nur auf verhüllender Semantik beruhenden „beitragsfreien Mitversicherung“ auch das Kindergeld voll mitgerechnet, obwohl das Kindergeld zu 2/3 von den Eltern selbst erwirtschaftet wurde. Denn es ist nichts anderes als die Rückerstattung bereits abgezogener Lohnsteuer auf die Existenzminima der Kinder, also die Rückgabe von Diebesgut. Der Staat „schenkt“ also den Eltern das geklaute Geld wieder zurück und streicht sich das als Wohltat aufs eigene Butterbrot.
Übrigens rechnete das Ifo-Institut bereits 2005 vor, dass nach Abzug aller familienpolitischen Leistungen der Staat an jedem jungen Menschen einen Profit von 77 000 Euro einfährt.
Und das statistische Bundesamt gibt bekannt, dass 2011 die Eltern in Deutschland 100 Milliarden für ihre Kinder ausgegeben haben. Das bedeutet, dass Eltern in diesem Jahr 19 Mrd. Euro an Verbrauchssteuern in die Steuerkasse gespült haben. Der kinderlose Teil der Gesellschaft hat sich nicht nur die Kinderkosten sondern auch die entsprechenden Verbrauchssteuern erspart.
Der deutsche Aufwand an tatsächlich kinderbezogenen Leistungen gemessen am BiP liegt im europäischen Vergleich nicht vorn, sondern weit hinten. So rechnet der Sozialexperte Dr. Jürgen Borchert vor, dass Deutschland mit 2% hinter GB, Frankreich, Schweden und vor allem Dänemark mit 4% des BiP liegt. Für die Altersversorgung gibt Deutschland übrigens üppige 12 % aus.
Werter Herr Klös, Sie haben recht! Familienpolitik ist eine Frage der Prioritäten. Werden in Deutschland Kinder als gefräßiger Kostenfaktor betrachtet und Familien auf ihre Verwertbarkeit für wirtschaftliches Wachstum getrimmt, zieht man in Frankreich den Hut vor Eltern mit mehreren Kindern. Hier sieht man die kinderzahlabhängige Steuerermäßigung und die sonstigen kinderbezogenen Leistungen neidlos als Investition in die Zukunft. Das Ergebnis lässt sich schon heute daran erkennen, dass genügend junge Franzosen geboren werden. Ich stimme Ihnen zu, dass deutsche Familienpolitik von Anfang an MURKS ist, weil sie nämlich die Gesetze der Familiengerechtigkeit völlig ignoriert.
Dass eine renommierte Gesellschaft wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Ihre unhaltbare Darstellung der Lage überhaupt ungeprüft veröffentlicht, wundert uns sehr. Wir Eltern hätten uns gewünscht, dass Politik und Wirtschaft unsere Leistung für Unterhalt und Erziehung der nächsten Generation achtet und wertschätzt.
Mit freundlichen Grüßen
ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT
i. A. Bärbel Fischer
Angriff auf elterliche Autonomie
Das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat eine Pressemitteilung veröffentlicht zu der Frage, wie Eltern das Kindergeld verwenden.
http://idw-online.de/de/news505826
Dazu ein Kommentar.
Sehr geehrter Herr Fallak,
(Keine) Lust auf Kinder
Pressemeldung des Verbands Familienarbeit e.V. zur Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung mit obigem Titel.
Die entscheidende Frage wird nicht gestellt
Eine aktuelle Studie des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung (BiB) gibt vor, den Ursachen nachzuspüren, warum in Deutschland immer weniger Kinder geboren werden (1). – Aber gleich im Vorwort des Direktors wird festgestellt, die Analysen seien von der Annahme geleitet, „dass nicht primär ökonomische Faktoren dafür verantwortlich sind, dass in Deutschland so wenig Kinder geboren werden, sondern soziale und kulturelle Faktoren eine besondere Bedeutung haben.“
Die Vorsitzende des Verbands Familienarbeit, Gertrud Martin dazu: „Mit dieser Herangehensweise wird von vornherein die Politik, die letztlich die wirtschaftliche Lage der Familie bestimmt, aus der Verantwortung genommen. Es ist offensichtlich, dass das dem Innenministerium unterstehende Institut unerwünschten Aussagen ausweicht oder auf Weisung ausweichen musste. Derartige Studien sind vergeudete Steuergelder.“
Martin weiter: „Die familienpolitischen Gretchenfrage ‚ Ist eine die Familien ausbeutende Politik verantwortlich für den Rückgang des Kinderwunsches?‘, wird also gar nicht gestellt. Dabei bescheinigte schon der 5. Familienbericht (1994) der deutschen Gesellschaft ‚eine strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber Familien‘. Daran hat sich seither nichts geändert. – Die Aneinanderreihung einer Unzahl von Detailergebnissen in der jetzigen Studie hängt in der Luft, weil sie wegen des Fehlens einer Antwort auf die Schlüsselfrage nicht gedeutet werden können. Zudem markiert die Behauptung, das kulturelle Leitbild der ‚guten Mutter‘ bremse den Kinderwunsch, eine neue Dimension des üblich gewordenen Müttermobbings.“
Der Psychiater Dr. Resch ergänzt: „Nur am Rande wird in der Studie deutlich, dass das staatlich propagierte Konzept ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf ‚ an den Vorstellungen der meisten Eltern vorbeigeht. Immerhin sind 63 % der Westdeutschen zwischen 18 und 40 der Meinung, ein Kleinkind werde ‚wahrscheinlich darunter leiden, wenn die Mutter berufstätig ist ‚ (S. 41 der Broschüre). Die milliardenschwere Krippenfinanzierung dient also nur einer privilegierten Elternminderheit. Die Mehrheit der Eltern geht leer aus. Eine Politik, die ideologische Vorstellungen einer Minderheit gegen die Überzeugungen der Menschen durchsetzen will, versucht, eine freie Gesellschaft durch einen Bevormundungsstaat zu ersetzen. Eine solche Politik kann auf Dauer nicht erfolgreich sein.“
(1) „(Keine) Lust auf Kinder“, Broschüre des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, veröffentlicht am 14. 12. 2012
Pressestelle Verband Familienarbeit e. V.
Die „gute Mutter“ – eine Kinderbremse!!!
Zu dem Fazit des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, dass das kulturelle Leitbild der „guten Mutter“ die Lust auf Kinder bremse, erreichte uns folgender Leserbrief:
„Deutsche haben wenig Lust auf Kinder und „Übermächtige Klischees“
Frauen haben ein schweres Los. Egal was sie tun, es ist verkehrt. Jahrzehntelang hat man Frauen beschworen, sich zu „eman(n)zipieren“ und nicht ihre Bildung und Fähigkeiten an Heim und Herd zu verschwenden. Viele haben von diesem Wandel profitiert. Die Wirtschaft erhielt gut ausgebildete und billige Arbeitskräfte. Die zusätzliche Berufstätigkeit der Frau steigerte den Konsum und das Bruttoinlandsprodukt – Wohlstand für alle! Aus diesem Ideal entstand die abgeleitete Unterbewertung der Familienarbeit gegenüber der Erwerbsarbeit. „Selbstverwirklichung“ war angesagt und verstellte den Blickwinkel auf den Generationenzusammenhang. Denn warum, so fragte sich FRAU, sollte sie das Risiko der Fortpflanzung alleine tragen, zumal eine ununterbrochene Erwerbsarbeit weit höhere Rentenansprüche erwarten ließ, als eine Biographie mit Kindern. Frau war in der Eman(n)zipation angekommen.
Seit Jahren sinkt die Geburtenrate und nun melden sich die ersten „Spaßbremsen“ zu Wort, die nicht verstehen wollen, warum Frauen keine Lust haben auf Mehrfachbelastung um Beruf, Familie, Haushalt, Kinder, Pflege eines Angehörigen unter einen Hut zu bekommen.
Schuld sei das „Leitbild von der guten Mutter“. Klischee oder Ideologie? Wer sich über „zu gute Mütter“ Gedanken macht, muss sich über Kinderlosigkeit nicht wundern!
Theresia Erdmann, Würzburg
Recht statt Gnadenbrot
Frau Susanne Berger beklagt in ihrem Leserbrief an die Schwäbische Zeitung, dass die Gelder, mit denen man die höheren Renten von Müttern bezahlen könnte, griechischen Spekulanten zugute kommen. D´accord! Die Redaktion titelt: Lieber Mütter fördern als Spekulanten.
Dazu folgender abgelehnte Kommentar
Recht statt Gnadenbrot
„Lieber Mütter f ö r d e r n als Spekulanten“ überschreibt die Schwäbische Zeitung den Leserbrief von Frau Berger (17. 12. 12), wenn sie zu Recht fragt: „Warum soll die Erziehung von Kindern, die vor 1992 geboren wurden, weniger wert sein als die der später geborenen?“ Aber bereits die Überschrift verrät die fatale Denkweise, dass Mütter „gefördert“ werden müssten, so als ob sie um Almosen bettelten und nach dem Gnadenbrot des Herrn Schäuble lechzten.
Nein, was Frauen f o r d e r n , ist die selbstverständliche und verfassungsrechtlich abgesicherte (BVerfG 87,1, 7. 7. 92) Anerkennung ihrer unbezahlten, generativen Familienarbeit als gleichwertigen Beitrag zu den Sozialsystemen, sprich Rentenanwartschaften. Dass Frauen seit Jahrzehnten nicht gewährt wird, was ihnen rechtmäßig zusteht, ist ein speziell deutscher Skandal. In anderen europäischen Ländern, wie z. B. Frankreich, wird die Kindererziehung als Investition in die Zukunft betrachtet, während hierzulande Mütter verhöhnt werden.
Bärbel Fischer
Nachhilfe in Sozialpolitik
Sehr geehrte Mitarbeiter des Schwarzwälder-Bote Redaktionsteams,
ich melde mich, weil ich mich sehr ärgere über die beiden Artikel „Kinderkriegen wird immer unattraktiver“ und „Von Fräuleins und Rabenmüttern“ von Herrn Markus Brauer, im heutigen SchwaBo. Sollte der Schwarzwälder Bote tatsächlich keinen Autor finden, der in Sachen Familienpolitik einigermaßen sachkundig ist und dann nicht einfach die platten Vorurteile und ewig gleichen Halbwahrheiten nachbetet, die von interessierter Seite verbreitet werden?
1) Es ist unerträglich, wenn so ein Schreiberling davon spricht, dass es z.B. eine „zu geringe Anerkennung für arbeitende Mütter“ gebe. Es gibt grundsätzlich eine zu geringe Anerkennung für die Mütter. Eine Mutter ist immer eine arbeitende Frau, auch wenn sie „nur“ für ihre Kinder sorgt. Es wäre lobenswert, darauf zu achten, dass ggf. eben von erwerbstätigen bzw. nicht erwerbstätigen Müttern gesprochen würde.
2) Viele Studien belegen, dass die viel beweihräucherte, unendlich teure Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht den Vorstellungen aller Eltern entspricht. 70 – 80 Prozent von ihnen möchten eigentlich in den ersten dreiJahren ihr Kind nicht aus der Hand geben, müssen sich aber – ohne Wahlfreiheit! – anders entscheiden, weil beide verdienen müssen. Einige verzichten dann lieber auf Kinder. Dass nun ein „Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung“ sich anmaßt, das „kulturelle Leitbild der guten Mutter“ zu kritisieren und seine Demontage zu fordern, markiert eine neue Qualität der Mütterdiskriminierung. Niemand fragt, was eigentlich die Kinder wollen.
3) Unter „Info“ behauptet Herr Brauer: „Familien mit Nachwuchs genießen in Deutschland steuerliche Vorteile und werden in der Sozialversicherung gegenüber Kinderlosen begünstigt“. Damit disqualifiziert sich der Autor als gewissenhafter Berichterstatter. Eltern werden als Arbeitnehmer genauso besteuert wie Kinderlose. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht vor Jahren geurteilt, dass das Existenzminimum eines jeden Menschen von der Besteuerung freizustellen ist. Seither gibt es für Kinderlose, Eltern und auch deren Kinder (sind ja auch Menschen mit täglichem Bedarf!) den steuerlichen Freibetrag. Weil dieser sich erst jeweils zum Jahresende beim Steuerbescheid auswirkt, erfüllt das Kindergeld anteilig die Funktion einer Rückzahlung der zuviel einbehaltenen Steuern. Nur für sehr wenig verdienende Eltern, die kaum Steuern zahlen, ist das Kindergeld überwiegend ein „Geschenk“. Alle anderen haben das Kindergeld (ca. zwei Drittel des Gesamtvolumens) selbst erarbeitet. Deshalb ist es auch völliger Unfug, wenn gelegentlich gefordert wird, das Kindergeld abzuschaffen. (Schweinemäster ziehen bei der Gewinnermittlung selbstverständlich die Unkosten für die Haltung der Tiere ab!!!)
Was die Begünstigung der Familien gegenüber den Kinderlosen in der Sozialversicherung betrifft:
a) Bei der Pflegeversicherung handelt es sich um sage und schreibe 7 pro mille, die dieKinderlosen mehr bezahlen. Gemessen daran, dass sie bei Pflegebedürftigkeit überwiegend ohne Zwischenstopp in der Familie ein institutionelles Angebot nutzen werden, ist das lächerlich. Trotzdem war seinerzeit in den Medien anlässlich der Erhöhung der Beiträge großartig von einer „Bestrafung“ der Kinderlosen die Rede. Diese Sichtweise hatte allerdings die Politik zu verantworten, die den Beitragssatz für die Kinderlosen erhöhte, anstatt den der Eltern abzuschmelzen.
b) Der viel zitierten kostenlosen Mitversicherung der nicht erwerbstätigen Ehefrau und der Kinder in der Krankenversicherung liegt genau wie bei den Kinderlosen der volle Beitragssatz aus dem Verdienst des Alleinverdieners zugrunde. Sollten Väter etwa ein Mehrfaches an die Krankenversicherung abführen? Oder ihre Angehörigen privat versichern? Oder sie ohne Versicherungsschutz lassen? Thematisiert wird das ja immer wieder und die kinderfeindliche Lobby könnte sich da noch manches einfallen lassen.
c) Auch in der Rentenversicherung zahlen Arbeitnehmer mit Kindern dieselben Beitragssätze wie die Kinderlosen. Allerdings leisten sie über die Erziehung ihrer Kinder einen doppelten Beitrag, denn allein die Kinder sind es, die die Existenz eines umlagefinanzierten Rentensystems für die Zukunft sichern. Die heute eingezahlten Rentenbeiträge werden sofort an die heute Rentenberechtigten ausbezahlt. Nichts wird angespart oder angelegt. Die Renten der künftigen Rentner müssen von den dann erwachsen gewordenen Kindern erwirtschaftet werden. Entsprechend der perversen Fehlkonstruktion des Rentenrechts erwerben Kinderlose überdurchschnittliche Rentenansprüche, weil sie in ihrer Erwerbsbiografie keine Lücken wegen Kindererziehung haben. Mütter werden mit einer Rente im Almosenbereich abgespeist. Wer will sich wundern, dass „Kinderkriegen immer unattraktiver“ wird?
Ich würde mich freuen, wenn Sie Gelegenheit nähmen, meine Ausführungen Ihrer Leserschaft als nachgeschobenen Faktencheck zugänglich zu machen. Noch mehr würde es mich freuen, wenn der Schwarzwälder Bote künftig mehr Mut zeigte bei der eigenständigen Beurteilung der die Familie als unentbehrliche Keimzelle der Gesellschaft bedrohenden Entwicklung.
Gertrud Martin, Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e.V., Seb,.Kneipp-Str. 110 78048 Villingen-Schwenningen, Tel. 07721 56124
Krawall ist angesagt!
In ihrem gestrigen Tagesgespräch thematisierte Christine Krueger auf BR 2 die Ablehnung Schäubles, Müttern für ihre vor 1992 geborenen Kinder 3 Jahre Rentenanwartschaft zu gewähren, wie die Frauen – UNION fordert.
Als Studiogast entlarvt der Richter Jürgen Borchert die ganze groteske Unrechtssituation unserer Sozialgesetze, die vor allem Mütter in großem Stil ausbeutet. Er fordert Verteilungsgerechtigkeit zwischen denen, die die Leistung über den Nachwuchs erbringen und jenen, die vom Nachwuchs anderer Leute profitieren. Völlig unverständlich ist Borchert die Tatsache, dass unsere Feministinnen bei diesem Skandal „so tief schnarchen“. ( Oder sind Mütter etwa keine Frauen? )
Warum lassen sich Mütter das seit Jahrzehnten gefallen? Warum machen sie keinen Aufstand? Mütter, Krawall ist angesagt, und zwar fortissimo!