Bärbel Fischer
…, was zu beweisen war!
ifo Institut: Konträre Wirkungen familienpolitischer Maßnahmen
29.04.2013
Kindergeld und die öffentliche Förderung der Kinderbetreuung stellen wichtige Säulen der Familienpolitik in Deutschland dar. Im Rahmen der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Auftrag gegebenen Gesamtevaluation von zentralen ehe- und familienbezogenen Leistungen untersuchte das ifo Institut die Auswirkungen beider familienpolitischer Maßnahmen auf Familien.
Das Ergebnis: Im Gegensatz zur öffentlich geförderten Kinderbetreuung, die die Arbeitsmarktbeteiligung von Müttern erhöht und sich größtenteils selbst finanziert, können monetäre Leistungen wie das Kindergeld zu negativen Beschäftigungseffekten bei Müttern führen. Die tatsächlichen Kosten einer Kindergelderhöhung liegen dabei deutlich über den nominalen Kosten.
Der Familienökonom Prof. Helmut Rainer, Leiter des ifo-Forschungsbereichs Sozialpolitik und Arbeitsmärkte, und seine Mitarbeiter gingen bei der heute veröffentlichten Kindergeld-Studie methodisch wie schon bei der am 15. April vorgestellten Untersuchung über die Auswirkungen der öffentlich geförderten Kinderbetreuung vor: Sie analysierten die Effekte von Kindergeld und Kinderfreibeträgen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität und die soziale Teilhabe von Familien sowie auf die Geburtenrate bzw. die Erfüllung von Kinderwünschen. Um die Auswirkungen der Geldleistungen methodisch sauber identifizieren zu können, konzentrierten sich die Forscher auf die Erhöhung des Kindergeldes im Jahr 1996. Auch wenn die Ergebnisse dadurch nicht eins zu eins auf heute übertragbar sind, lassen sich doch klare Tendenzen darüber aufzeigen, wie sich Kindergeldzahlungen auf die Situation von Familien auswirken.
Die Ergebnisse der Kindergeld-Studie legen nahe, dass durch eine Kindergelderhöhung negative Beschäftigungseffekte bei Müttern auftreten können. Mütter mit Partnern – vor allem in Haushalten mit niedrigem Einkommen – reduzieren ihren Arbeitsumfang. Die wirtschaftliche Situation von Familien verändert sich trotz einer Erhöhung des Kindergelds insgesamt nicht signifikant, da die Kindergelderhöhung durch das nun niedrigere Arbeitseinkommen der Mütter wieder ausgeglichen wird.
Im Gegensatz dazu zeigte die Kinderbetreuungs-Studie, dass sich öffentlich geförderte Kinderbetreuung positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die wirtschaftliche Stabilität von Familien auswirkt. Zum Beispiel haben Mütter, die ihr jüngstes unter 3-jähriges Kind betreuen lassen, eine um ca. 35 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein, und verdienen dadurch ca. 570 Euro brutto mehr im Monat. „Ohne ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten hingegen haben viele Mütter große Probleme, auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren – viele wollen, können aber nicht“, erklärt Prof. Rainer.
Die ifo-Wissenschaftler konnten auch nachweisen, dass der Ausbau der Krippenplätze die Geburtenrate in den Folgejahren um circa 3 Prozent ansteigen ließ. Bei der Erhöhung des Kindergeldes sind dagegen keine eindeutigen Effekte auf die Geburtenrate zu beobachten. „Bei der Entscheidung, Kinder zu bekommen, spielen für junge Paare rein monetäre familienbezogene Leistungen keine nennenswerte Rolle“, kommentiert Prof. Rainer, „Vielmehr legen sie bei der Familiengründung größeren Wert auf das Angebot an Betreuungsplätzen und damit auf die Aussicht, Familie und Beruf vereinbaren zu können.“
Die Ergebnisse zu den Auswirkungen der öffentlich geförderten Kinderbetreuung zeigten auch, dass sich diese größtenteils von selbst finanziert. Der Staat nimmt durch die erhöhte Erwerbstätigkeit der Mütter mehr Geld in Form von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ein und kann damit die direkten Kosten der Kinderbetreuungssubventionen zu einem beträchtlichen Teil decken. Durch die Erhöhung von reinen Geldleistungen wie dem Kindergeld entstehen dagegen zusätzliche indirekte Kosten auf Seiten des Staates: Die verringerte Arbeitszeit von Müttern führt zu niedrigeren staatlichen Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträgen. Im Mittel der Schätzungen liegt die Höhe dieser zusätzlichen indirekten Kosten in etwa auf dem gleichen Niveau wie die direkten Kosten einer Kindergelderhöhung.
Die Studien kommen insgesamt zu dem Resultat, dass der Ausbau der Kindertagesbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert, die Geburtenrate erhöht und sich dabei zu einem beträchtlichen Teil selbst finanziert. Letzteres ist bei reinen Geldleistungen nicht der Fall; zusätzlich zu den direkten Kosten entgehen dem Staat hier auch Einnahmen.
Prof. Rainer stellt aber auch abschließend fest: „Eine Gesamtbeurteilung der familienpolitischen Leistungen Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge und Kinderbetreuung muss unbedingt auch weitere Aspekte wie deren Auswirkungen auf das Wohlergehen der Kinder mit einbeziehen.“
Publikationen
- Rainer, Helmut, Stefan Bauernschuster, Natalia Danzer, Timo Hener, Christian Holzner und Janina Reinkowski, Kindergeld, ifo Forschungsberichte 60, ifo Institut, 2013 | Details | Download
- Rainer, Helmut, Stefan Bauernschuster, Natalia Danzer, Anita Fichtl, Timo Hener, Christian Holzner und Janina Reinkowski, „Kindergeld und Kinderfreibeträge in Deutschland: Evaluierung der Auswirkungen auf familienpolitische Ziele“, ifo Schnelldienst 66 (09), 2013 | Details | Download
Kontakt
Helmut Rainer
ifo Institut
Sozialpolitik und Arbeitsmärkte
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Website
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Und wenn sie nicht gestorben sind, ….
Geht es Ihnen auch manchmal so? Sie lesen oder erinnern sich an eine Geschichte im Märchenbuch aus Kindertagen. Da fällt es Ihnen wie Schuppen von den Augen: die Geschichte ereignet sich erneut, jetzt und hier. „Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“ Verschlüsselt gibt uns die alte Sage ihre Botschaft preis, wenn wir uns ihrer Weisheit öffnen.
Wir alle kennen die traurige Mär vom Spielmann, der die Hamelner Bürger mit seinen Zaubermelodien von der Rattenplage befreite. Zu Tausenden müssen die widerlichen Tiere in der Weser ertrinken. Ohne seinen versprochenen Lohn jagen die Räte den „Spitzbuben“ jedoch aus der Stadt. Der kehrt verbittert zurück und lockt nun mit seinem betörenden Flötenspiel die Kinder aus den Häusern. Wohin? Das Märchen endet tröstlich. In einem Zauberberg soll es ihnen gut gehen. Ganz leise kann man noch heute aus der Ferne den fröhlichen Gesang der Kinder vernehmen.
Ja, heute werden die Bürger und die Kinder von Hameln wieder lebendig.
Mit seinen schmeichelnden Zaubertönen von Emanzipation, Karriere und Vereinbarkeit, mit dem süßen Klang von weiblicher Unabhängigkeit und Befreiung und mit seinen betörenden Melodien vom Krippenparadies, von frühkindlicher Bildung und Quality-Time lockt der bunt gekleidete Gaukler die widerlichen Plagegeister aus den Häusern. „Unterdrückung“, „Ohnmacht“, „Bevormundung“ und „Abhängigkeit“ heißt das garstige Getier, das im reißenden Strom der Geschichte sein Ende findet.
Eine neue Zeit bricht an. Erleichtert atmen die Mütter auf. Weder Ehemänner noch Kinder werden die Mütter künftig von der Erwerbsarbeit abhalten können. Ein fröhliches Fest wäre nun angesagt gewesen. Doch daraus wird nichts. Der Geiz der Ratsherren schlägt um in Gier. Von früh bis spät kümmern sich die Bürger nun um die Geschäfte und füllen die Kassen der Konzerne. Keine Mutter soll mehr zuhause bleiben, money, money, money! Immer schneller dreht sich das Hamsterrad. Das Klingeln der Münzen und das Rascheln von Geldscheinen und Aktienpaketen wird zu Musik in den Ohren der Manager.
Die Bürger, Väter und Mütter fallen erschöpft in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Sie vergessen, nach ihren Kindern zu schauen, zu fragen, was sie bewegt, wonach sie sich sehnen und was sie bekümmert. Väter und Mütter verlieren ihre Söhne und Töchter aus den Augen. Sie legen mit ihrem Kind auch mehr und mehr ihre Zuständigkeit in fremde Arme. Eltern und Kinder werden sich immer fremder. Elternhaus? Das war einmal!
Unbemerkt in all dem Treiben kehrt der Spielmann zurück und spielt die wunderbaren Weisen von Zuneigung und Zärtlichkeit aus längst vergangenen Tagen, die den Kindern so zu Herzen gehen, dass sie aus ihren Betten hüpfen und auf die Straße eilen. Zwischen Tag und Traum versammeln sie sich auf dem „Marktplatz“. Wo sonst? Dort, wo es den Erwachsenen ums Geld geht, um den Handel, um Wirtschaft und Wachstum! Von hier aus geht der Zug singend und tanzend hinaus ins Freie. Sie lassen die Stadtmauern hinter sich, hinter denen für Kinder weder Zeit noch Platz war.
Und als die betriebsamen Bürger und Bosse endlich begreifen, dass mit den Kindern auch ihre eigene Zukunft dahin ist, da beginnt ein Jammern und Wehklagen über den „demografischen Schwund“, über leere Schulen und offene Lehrstellen, über mangelnden Umsatz und leere Sozialkassen, und sie blicken entsetzt in die wüsten Fratzen von Altersarmut, Pflegenotstand und Einsamkeit.
Wer war der Gaukler? Wer verstand es so meisterhaft, seine Zuhörer zu betören? Welcher Scharlatan verbarg sich hinter dem rot-grün-gelb schillernden Gewand?
Und die Kinder? Wo sind sie geblieben? Sind sie den Eltern durch die lange Abwesenheit entglitten, entfremdet? Oder wollten sie erst gar nicht geboren werden? Geborgen und wohl behütet bleiben sie in ihrer Höhle, im Schoß des mütterlichen Zauberbergs. Dort lassen sie sich wiegen und dürfen ihre Kinderlieder singen.
Ob der verwunschene Berg jemals wieder seine Pforten öffnet und die Kinder freigibt, damit sie unsere Zukunft neu gestalten?
Bärbel Fischer
Transfer von JUNG zu ALT
In der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zahlen Familien mit minderjährigen Kindern erheblich mehr an Beiträgen, als sie an Kosten verursachen. Das belegt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV, herausgegeben von Dr. Frank Niehaus:
http://www.wip-pkv.de/uploads/tx_nppresscenter/Familienfoerderung_in_der_GKV_.pdf
Die Beitragsfreiheit mitversicherter Familienangehöriger wird bei weitem wettgemacht durch die Beiträge der zahlenden Familienmitglieder.
……
Von der Politik wird als ein Instrument der Familienpolitik trotzdem auf die Familiensicherung in der GKV verwiesen, die durch die angebliche „Beitragsfreiheit“ der Kinder, ein zentrales familienpolitisches Anliegen, nämlich die Entlastung von Familien mit Kindern scheinbar erfolgreich zu lösen vermag. Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass dies nicht der Fall ist und die Durchschnittsfamilie mit minderjährigen Kindern in der Regel nicht zu den Begünstigten in der GKV zählen.
Siehe auch:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/111974_116226.htm
Mehr Gleichberechtigung für Väter?
Stellungnahme zum Leserbrief „Mehr Gleichberechtigung für Väter“ von Johannes Zink, die Tagespost, 11. April 2013 und anderen Beiträgen zur Familienpolitik
Was sind „angemessen bezahlte“ Teilzeitangebote oder „familiengerechte Arbeitszeitmodelle“? Kein marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen wird sich außer auf dem Hintergrund der Renditemaximierung für solche Angebote in die Pflicht nehmen lassen. Die Gutmenschen sind dort dünn gesät. Deshalb sollten die wirklichen Fürsprecher der Familien diese Worthülsen meiden und stattdessen zwei und zwei zusammenzählen: Ein Teilzeitjob zugunsten der Erziehung von Kindern bringt den entsprechenden Teillohn. Den anderen Lohnanteil muss notwendigerweise ein künftiges Erziehungsgehalt erbringen.
Was bedeutet „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“? Erkennbar ist der Trend, Eltern zu Vollzeitarbeitnehmern zu machen und die Kinder zu kasernieren. Elterliche Kindererziehung findet in der spärlich verbleibenden Freizeit statt oder gar nicht. Ohne ein Erziehungsgehalt ist Vereinbarkeit, die den Namen verdient, nicht zu haben. Wie steht es ohne Erziehungsgehalt mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau? Die Mütter verwirklichen sie in der außerhäuslichen Erwerbsarbeit, während die Väter sich den Umstieg auf die Familienarbeit nicht leisten können. Gleichberechtigung, ein Euphemismus! Allein die Eltern sind es, die mit ihrem Ja zum Kind und ihrem trotz aller angeblichen Vereinbarkeit verbleibenden häuslichen Engagement nicht nur unsere umlagefinanzierten Sozialkassen, sondern unsere Zukunft schlechthin sichern.
Wir sind gründlich dabei, die Eltern auszurotten.
Gertrud Martin, Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e.V www.dhg-vffm.de, Seb.-Kneipp-Str. 110, 78048 vS-Villingen, Tel. 07721 56124.
„1200 Euro pro Kind“
Familienexperte Kostas Petropulos plädiert dafür, Erziehungsarbeit zu bezahlen. Kapital statt Kinder sei die Leitlinie der aktuellen Politik, sagt Kostas Petropulos, der Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und Soziale Sicherheit. Am Samstag referiert er auf der Benediktushöhe in Retzbach (Lkr. Main-Spessart) zum Thema Erziehungsgehalt. Im Interview spricht Petropulos über seine Ideen.
Männerkarriere – nein danke!
Der „Girls‘ Day“: Wieder einmal wird er nur wenigen Mädchen Lust auf einen Beruf in einer Männerdomäne machen. Feministinnen machen überkommene Rollenbilder dafür verantwortlich – doch stimmt das?
Von Dorothea Siems
Wahlhilfe
Die Zeitschrift „Eltern“ stellt im Hinblick auf die Bundestagswahl die familienpolitischen Grundlinien der verschiedenen Parteien vor. Dies kann als Wahlhilfe verstanden werden.
http://www.eltern.de/familie-und-urlaub/familienpolitik/familienpolitik-miriam-gruss.html
http://www.eltern.de/news/familie-und-urlaub/familienpolitik/familienpolitik-joern-wunderlich.html
http://www.eltern.de/familie-und-urlaub/familienpolitik/familienpolitik-dorothee-baer.html
Eine Familie kämpft für Gleichberechtigung
Eine Familie kämpft für Gleichberechtigung
Die sechsfache Mutter Sabine Mayerhofer klagt gegen das Elterngeld. Ihrer Ansicht nach benachteiligt es Großfamilien und Mütter, die ihre Kinder zuhause betreuen. Mittelbayrische Zeitung, Maria Gruber
Herzerfrischend!
Gespräch über Homoehe, Betreuungsgeld, Patchwork, Fernsehen und Werte
Interview mit Birgit Kelle