Sehr geehrter Herr Präsident des Kinderschutzbundes!

Sehr geehrter Herr Hilgers,

die ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT  IM  LKR.  RAVENSBURG kritisiert Ihr Interview mit der Schwäbischen Zeitung, 30. 05. 2012, auf das Schärfste. Nicht nur, dass die Schwäbische Zeitung auf den Armutsbericht der UNICEF  überhaupt nicht eingeht, wiederholt sie zum 100. Mal so beliebt wie abgedroschen ihre Ablehnung zum Betreuungsgeld. Offenbar hat die SZ in Ihnen einen prominenten Gegner des BGs gefunden. Die Leserschaft der SZ hat aber ein Recht darauf, angemessen informiert zu werden. Im Anhang sende ich Ihnen unser Schreiben an die Schwäbische Zeitung.

Mit freundlichem Gruß
i.A. Bärbel Fischer

Auch nach dreimaliger Lektüre Ihres Interviews mit Kinderschutzpräsident Heinz Hilgers finde ich nicht ein einziges Mal das Wort „Kinderarmut“ oder eine Stellungnahme zu dem Skandal, dass es in Deutschland viel mehr arme Kinder gibt als in vielen anderen Industrieländern. Und um dieses Thema geht es doch bei der UNICEF-Untersuchung. Statt dessen wird auf den beliebten Reizthemen Krippenausbau und Betreuungsgeld herumgeritten. Es findet sich in Ihrem Beitrag kein Wort zu der Tatsache, dass immer mehr Eltern mit mehreren Kindern, sowie immer mehr allein erziehende Eltern in Armut geraten, obwohl sie vollbeschäftigt sind und vor Jahren noch ein ausreichendes Einkommen hatten. Das heißt, dass unser Sozialsystem ein strukturelles Armutsgefälle aufweist, auf dem immer mehr Familien abrutschen. Es findet sich kein Wort zu der Entwicklung, dass das frei verfügbare Einkommen einer Familie mit jedem weiteren Kind dramatisch bis unter ihr Existenzminimum schrumpft. Es wird auch nicht auf die paradoxe Entwicklung hingewiesen, dass bei schwindenden Geburten ( also trotz staatlicher Einsparungen durch fehlende Kinder, der so genannten „demographischen Rendite“ ) die Armut der Kinder in einem der reichsten Länder der Welt ansteigt. Bemerkenswert wäre auch gewesen, dass Länder, die ein üppiges Betreuungsgeld an selbst erziehende Eltern zahlen (Schweden, Finnland. Frankreich bis über 500 Euro), in puncto Kinderarmut weit besser abschneiden als Deutschland.

Die Leserschaft  reibt sich die Augen: Wurden die falschen Fragen gestellt? Wird das Thema Kinderarmut hier etwa zur Polemik gegen das Betreuungsgeld missbraucht? Was soll verschwiegen werden? Hat die Schwäbische Zeitung es nötig, ihre Leser zu täuschen?

Bärbel Fischer

„Jedes Alter zählt!“ – wirklich?

Wer kümmert sich um die Alten? lautet die immer wieder aktuelle Frage in Politik und Gesellschaft. Hier „kommt auch zukünftig der Familie eine tragende Rolle zu, die die Bundesregierung stärken will“, heißt die Antwort aus Berlin. (Bundesministerium des Innern: Jedes Alter zählt, S. 28)

Warum finden Politiker eine familiäre Betreuung für Senioren wichtig, für kleine Kinder aber nicht? fragt man sich da. Gerade sie brauchen doch die Familie, weil der Nachwuchs am besten in der Obhut der Eltern gedeiht und Entwicklungsstörungen insbesondere dann auftreten, wenn er zu früh das Nest verlassen muss. Und ausgerechnet diese Menschen sollen später die Angehörigen pflegen, obwohl viele vermutlich mit dem eigenen Leben zu kämpfen haben, weil in den ersten Lebensjahren wichtige „Nährstoffe“ für ein gesundes Aufwachsen fehlten?

Diesen Widerspruch kann nur verstehen, wer die Motive politischer Entscheidungen bedenkt. In der Rangfolge ganz oben steht – wie wir alle wissen – der  Wunsch nach Macht und Einfluss, also nach guten Wahlergebnissen. Was den Nachwuchs glücklich oder unglücklich macht, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, denn Kinder haben im Gegensatz zu Senioren kein Wahlrecht und Eltern lassen sich leicht hinters Licht führen, wenn Krippen und Ganztagsbetreuungen als Inbegriffe guter Förderung gelten.

Für ältere Menschen sieht die Sache besser aus. Sie können ihren Wunsch nach familiärer Betreuung in Worte fassen und begründen, was Kinder nicht so gut können – besonders nicht die allerkleinsten. Ihr Ausdrucksmittel sind „nur“ Tränen, die aber gern als Zeichen kleiner Gewöhnungsprobleme gedeutet werden. „Das ist normal und geht bald vorüber“, ist eine typische Floskel der Verharmlosung. Der entscheidende Faktor für die unterschiedliche Bewertung der Fremdbetreuung bei Alt und Jung ist jedoch die Tatsache, dass die wachsende Zahl älterer Menschen großen Einfluss hat auf Wahlen. Darum nehmen Politiker diese Generation ernst und hüten sich davor, deren Leid durch Massenabfertigung beiseite zu schieben. Sie unterstreichen es sogar und empören sich darüber, weil jeder wissen soll, welches politische Lager dafür eintreten wird, dass möglichst viele ältere Menschen in Familien statt Heimen umsorgt werden.

Leider tritt erst in vielen Jahren offen zutage, wie sich eine fremdbetreute Kindheit auf die jungen Menschen auswirkt – ob sie als Erwachsene überhaupt bereit sind und fähig, die politisch geplante „tragende Rolle“ in der Pflege ihrer Eltern oder Großeltern zu übernehmen. Dann erst wird feststehen, welche Auswirkungen die leichtsinnige Trennung von der Familie – besonders die von der Mutter – sowohl auf die menschliche Verbundenheit hat als auch auf die psychische und physische Stabilität.

Wie Warner in der Wüste erscheinen da jene Stimmen, die mit guten Gründen erhebliche Zweifel an einer zu frühen oder zu langen institutionellen Betreuung anmelden. Diese werden jedoch regelmäßig ignoriert, verhöhnt und verspottet. Was aus scheinbar kundigem Mund kommt, ist übermächtig – besonders dann, wenn alle ins gleiche Horn stoßen. Jeder rechnet sich auf dem Rücken der Kinder Vorteile aus und weiß, wie er sie als Gewinn für Mutter und Kind vermarktet.

Viele glauben naiv die neue Lehre und präsentieren sich stolz als Anhänger der Krippen- oder Ganztagsbetreuung. Wer zeigen möchte, dass er fortschrittlich denkt und ein moderner Mensch ist, reißt am besten noch Witze über „mittelalterliche“ Vorstellungen von Erziehung und Familie. Dieses Ritual gehört fast schon zum guten Ton, wenn man zum Kreis derer zählen will, die anerkannt werden, weil sie nicht hinter der Zeit stehen geblieben sind.

Wer weiß, vielleicht werden sie eines Tages wünschen, sie hätten es getan.

Ursula Prasuhn

Krippensubventionen in der Kritik

Steffen J. Roth ist Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Kölner Universität. In einem ordnungspolitischen Kommentar hat Roth gefordert, lieber die Krippensubventionen auf den Prüfstand zu stellen, als das Betreuungsgeld „aus den falschen Gründen“ zu kritisieren. Was seiner Meinung nach die richtigen Gründe dafür sind, verrät er im Interview mit FreieWelt.net

http://www.freiewelt.net/nachricht-9956/betreuungsgeld-aus-zweifeln-an-anderen-staatlichen-wohltaten-geboren—interview-mit-steffen-j.-roth.html

Originaltext:

 

„Doppelt so viele Pflegebedürftige bis 2050“

Abgelehnter Leserbrief zu der Meldung, welche Ausgaben und Maßnahmen die Landesregierung plant, um alten Menschen eine Pflege innerhalb der Familie zu ermöglichen.  Schwäbische Zeitung, 22. Mai 2012

Frau Altpeter kümmert sich als zuständige Ministerin rührend um die familiäre Pflege der älteren Generation. Was tut sie  für die familiäre Pflege unserer Kleinstkinder? Die bleiben offensichtlich außen vor.

Alte Menschen sind oft geschwächt, auf Hilfe und Pflege angewiesen, brauchen viel Zeit, direkte Ansprache, ein offenes Ohr, Zuwendung und Trost. Sie wollen nicht nur Kunde einer Dienstleistung sein, sondern immer noch  als einzigartige Person wahrgenommen werden. Daher wünschen sich die meisten alten Menschen, zuhause von der Familie gepflegt zu werden und nicht von wechselndem Personal.

Was aber für alte Menschen gilt muss auch für ganz junge Menschen bis zu drei Jahren gelten. Auch sie sind schwach, unselbständig und hilflos. Auch sie müssen zeitaufwendig gepflegt und umsorgt werden. Sie sind ganz auf ihre Mama angewiesen. Sie brauchen deren Hautkontakt, den liebevoll aufmunternden Blick, die mütterliche Stimme, ihren sicheren Arm. Auch sie vertragen es nicht, ihr junges Leben im Kollektiv zu beginnen, sondern wollen 1:1 als einzigartige Person wahrgenommen und geliebt werden.

Von Seiten der Politik wird nun alles unternommen, zeitaufwendige ambulante Altenpflege zu ermöglichen. Doch den Kindern verwehrt sie, was sie den Alten allzu gerne gewährt. Babys sollen, gemäß den Wünschen des Arbeitsmarktes, schon nach wenigen Monaten in die Krippe, egal wie sehr sie ihre Eltern vermissen, egal wie sehr sie unter Stress stehen, egal was ihnen an Geborgenheit gestohlen wird.

Im Gegensatz zu der Wählergeneration 70 plus haben Babys keine Lobby und kein Wahlrecht. Ihre Stimme wird übertönt vom lauten Getöse betriebsamer politischer Ambitionen.

Bärbel Fischer

 

 

Bravo, Frau Haderthauer!

Die bayrische Familien-und Sozialministerin fasste in ihrer Rede vor dem Bundesrat am 11. Mai 2012 zusammen, was das vereinbarte Betreuungsgeld leisten kann und will, und warum es, auch in seiner beschämenden Geringfügigkeit kommen muss. Hier der vollständige Wortlaut:

http://www.haderthauer-direkt.blogspot.de/

Kinder brauchen Mütter

Hanne Kerstin Götze, die Familienberaterin und Autorin des Buches „Kinder brauchen Mütter“ spricht auf mdr-figaro mit Carsten Tesch über die risikoreiche Krippenbetreuung. Frau Götze macht anhand rein biologischer Fakten klar, wie risikoreich sich die staatlich propagierte Krippenbetreuung für unsere Kinder auswirkt, was natürlich der hirngewaschenen Krippeneuphorie zuwiderläuft. 

http://meinfigaro.de/inhalte/58d0187ab90a1095

Eltern brauchen mehr als nur ein Taschengeld

Der Leiter des Heidelberger Familienbüros, Kostas Petropulos, spricht sich für ein Erziehungsgehalt aus, das tatsächlich echte Wahlfreiheit für Eltern ermöglicht. Das geplante Betreuungsgeld ist nach seiner Ansicht nicht mehr als ein Taschengeld, und daher völlig unzureichend.

http://www.volksfreund.de/nachrichten/welt/themendestages/themenderzeit/Weitere-Themen-des-Tages-Eltern-brauchen-mehr-als-nur-ein-Taschengeld;art742,3160353

Position der CARITAS hinterfragen

Postwendend kam vom Caritasverband die Begründung für die Pressemitteilung zum Betreuungsgeld ( s. Link ) Alles andere als eine Nachtlektüre!  Eine Einschätzung der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT soll Herrn Dr. Neher unsere Sichtweise der Dinge nahe bringen.

Position Betreuungsgeld

Sehr geehrter Herr Dr. Neher,

besten Dank für Ihre freundliche Antwort auf unser Schreiben vom 14. 05. 2012 und den Anhang zum Betreuungsgeld (BG). Gerne werde ich Ihr Angebot nutzen und Ihnen unsere Ansicht zu diesem Statement erläutern.

Zunächst freut uns Eltern, dass Sie die von den meisten Parteien geforderten Gutscheine ablehnen, weil diese die Erziehungskompetenz bedürftiger und nicht bedürftiger  Eltern generell in Abrede stellen.

Wenn man aber von „Bildungsgutscheinen“ für U3-Kinder spricht, dann schütteln wir nur den Kopf. Denn jeder Kinderarzt sagt Ihnen, dass Kinder in diesem frühen Alter alles andere als Bildung brauchen, sondern Nestwärme und die Präsenz ihrer Bezugsperson    ( Stimme, Geruch, Hautkontakt, steter Blickkontakt, Trost ). In jedem normalen Haushalt findet das Kind genügend Anregungen, sein Interesse zu entfalten. Die 1:1-B i n d u n g  des Elternhauses kann keine Krippe leisten. Also, man sollte nicht familienferne Betreuung schönfärberisch als „frühkindliche Bildung“ verkaufen. Und man sollte umgekehrt den Elternhäusern ihre Bildungskompetenz nicht absprechen. Sie und ich und alle Generationen vor uns sind in Elternhäusern gebildet worden bevor wir in die Schule kamen.

Die CDU-Frauengruppe macht sich ja für drei Gutscheinmodelle stark, welche, anstelle des Betreuungsgelds, die  Alterssicherung  von Müttern stützen sollen. Grundsätzlich ein guter Gedanke, weil das Geld dann wirklich den Frauen zugute kommt. Aber, es geht wohlgemerkt um die Unsumme von 3000.- Euro, die sich am Ende bei der Rente in Centbeträgen auswirkt. Aber die Damen trauen uns Müttern nicht einmal zu, drei Tausender sinnvoll selbst zu verwalten. Wir müssen offenbar an die Hand genommen werden, denn wir haben anscheinend alle unseren Verstand, unser Wissen, unsere Kompetenz im Wochenbett zurück gelassen. So jedenfalls predigen es uns die verknöcherten, kinderlosen Feministinnen ohne Unterlass mit Unterstützung der Parteien und der Medien!

Obiges aber, Herr Dr. Neher, nur am Rande. Was mich an Ihrer Stellungnahme zum BG am meisten ärgert, ist Ihre Auffassung, das BG sei ein ungerechtfertigter Entschädigungsanspruch für nicht genutzte staatliche Leistungen. Von der SPD als Totschlagargument erfunden wird diese Bezeichnung auch durch inflationären Gebrauch  nicht richtiger. Denn 1. kann man Kinderbetreuung nicht mit Museums- oder Theaterbesuchen vergleichen, weil das eine notwendig, das andere nicht notwendig ist,       2. müssen staatliche Leistungen für alle Bürger nutzbar sein. Krippenbetreuung wird aber nur von Kindern erwerbstätiger Eltern genutzt, nicht von Ihnen, nicht von mir, und 3.  müssen die Gebühren annähernd den Aufwand decken. Erwerbstätige Eltern decken mit ihren Gebühren aber maximal 20% der Kosten. Krippen sind also kein Angebot  zur Infrastruktur. Damit ist das besagte SPD-Argument gegen das BG so dämlich wie unbrauchbar.

Im Gegenteil: der Staat subventioniert sehr viel Geld in die externe Kinderbetreuung. Subventionen haben immer eine wirtschaftliche oder gesellschaftliche Steuerungsabsicht. Weil sich der Staat mehr Steuereinnahmen und die Wirtschaft mehr Wachstum wünschen, sollen Mütter so früh wie möglich zurück in den Betrieb (daher auch der Rechtsanspruch auf einen U3-Krippenplatz ab 2013). Aus dieser Tatsache wird heute kein Geheimnis mehr gemacht. Dies widerspricht aber genau dem grundgesetzlichen Verbot, dass der Staat die eine Erziehungsform fördert, die andere nicht. Genau dies geschieht aber, wenn ein Krippenplatz den Steuerzahler 24 000 Euro kostet, die elterliche Betreuung 0 Euro. Hier wird deutlich, wie sehr elterliche Fürsorge missachtet wird.

Zu meinem großen Erstaunen lese ich auf S. 3 : „Die Annahme, erwerbstätige Eltern bedürften  k e i n e r  Anerkennung ihrer Erziehungsleistung ist nicht nur grotesk….“ Wer behauptet denn so etwas? Ist das Polemik? Wir forderten niemals etwas anderes als        G l e i c h b e h a n d l u n g .  Gleichbehandlung hieße etwa: 500.- : 500.-., oder ein Erziehungsgehalt für alle Eltern, das sie nach eigenem Gutdünken für persönliche oder externe Kinderbetreuung verwenden können ( Wo steht denn geschrieben, dass der Steuerzahler die Kinderbetreuung erwerbstätiger Eltern zu finanzieren hat? Warum übernimmt diese Aufgabe nicht die Wirtschaft selbst, die doch den Profit von der Mütterarbeit einsteckt? )

Dass der CVD bedürftigen Eltern mit Hilfsangeboten über staatliche Transfers unter die Arme greifen will, ist eine sehr gute, akzeptable Lösung. Allerdings ist der Staat durch das Grundgesetz dazu sowieso verpflichtet. Einen Sockelbetrag von 300.- bis zum 3. Lj. weiter zu zahlen, ist ebenfalls eine gute Idee, obwohl wir das Elterngeld per se  als verfassungswidrig und als gesellschaftlichen Skandal ablehnen ( einkommensabhängiger Ersatz für entgangene Einkünfte. Dadurch werden Kinder zum Schadensfall für die Karriere degradiert. Die erwerbstätige Mutter erhält vom Steuerzahler 18 000 Euro mehr als die erwerbslose Mutter mehrerer Kinder:  mtl. 1800 Euro / 300 Euro ).

Wir reden hier nicht einem Betreuungsgeld, das noch nicht einmal geregelt ist, das Wort. Uns geht es um G e r e c h t i g k e i t.  Für einige unserer europäischen Nachbarn ist diese Debatte nur noch grotesk und lächerlich. Ohne bürokratische Kopfstände zahlen sie an Familieneltern bis 550 Euro bar bis zum 3. Geburtstag des Kindes. Frankreich bietet Eltern zusätzlich noch ein ganzes Spektrum an  finanzieller Entlastung – und kein Aufschrei der Nation!

Herr Dr. Neher, wenn die Kirchen nun auch noch mit den Wölfen heulen, verraten sie doch ihr eigenes Ethos. Nach unserem Verständnis müssten sie Sand im Räderwerk der Entfamilisierung sein und der ökonomischen „Verwertbarkeit“ von Eltern und Kindern Widerstand entgegensetzen.

Denn: Wer organisiert in den Gemeinden Familiengottesdienste, wer bevölkert den Kirchenchor, wer kümmert sich um die Nachbarn, wer bereitet Erstkommunikanten und Firmlinge auf ihr Sakrament vor? Alles durchweg ganz oder teilweise erwerbslose Mütter / Väter! Die Gemeinden leben von  p r ä s e n t e n  Eltern, die noch Kraft für Ehrenämter aufbringen.

Und noch eines: Fast jede Frau will wieder zurück in ihren Beruf,  z u v o r  aber will sie nicht nur Mutter werden, sondern für einige Jahre ohne finanzielle Benachteiligung auch Mutter sein. Sie will ihre Familie selber organisieren und nicht unter der Knute des Arbeitsmarktes funktionieren müssen. Sklaverei haben wir emanzipierten Mütter nicht verdient!

Damit grüße ich Sie im Namen der mit uns verbundenen Eltern in der Hoffnung, dass ich Ihnen unsere Sicht auf die unsägliche BG-Debatte vermitteln konnte.

i. A. Bärbel Fischer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans im Glück?

Im Märchen tauscht Hans mehrmals seinen mühsam erworbenen, wertvollen Besitz gegen einen minderwertigen ein und freut sich jedes Mal  über seinen gelungenen Deal. Der Goldklumpen – Lohn für sieben Jahre Arbeit – ist ihm zu schwer, das Pferd zu wild, die Kuh zu bockig, das Schwein nicht ganz geheuer, die Gans gibt er für einen Wetzstein, und der fällt in den Brunnen.  Am Ende steht Hans mit leeren Händen da und ist glücklich, von seinem Ballast befreit worden zu sein. Nun könnte diese Mär ohne Weiteres  als Loblied auf die Genügsamkeit gesungen werden, wären da nicht die  Gewinner, die sich hämisch ob ihres geschickten Handels ins Fäustchen lachen, haben sie doch kräftig Profit gemacht mit der Naivität des einfältigen Burschen.

Dieses Märchen kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn es darum geht, wie wir leichtfertig unser wertvollstes Gut verschleudern, nämlich unseren Nachwuchs. Wir tauschen die Zeit mit unseren Kleinsten gegen die Zeit im Betrieb ein. Wir geben unsere Babys aus den Armen und legen sie fremden Leuten in den Schoß. Wir kümmern uns um die Zukunft des Betriebs, aber für die Zukunft der Familie fehlt uns die Kraft. Wir tauschen wertvolles Gold gegen einen Stein. Sind wir am Ende so glücklich wie Hans?  Haben wir Ballast abgelegt, oder haben wir zuletzt alles verloren, was uns lieb und teuer war?

Wer seine Kinder als Ballast empfindet, der kann heute beliebig tauschen. Wer sich am Ende glücklicher fühlt, Eltern oder Kinder oder keiner, das mag dahingestellt sein.

Eins aber steht fest. Bei dem Deal gibt es Profiteure und Verlierer. Die Profiteure, also Politik und Wirtschaft, wollen uns weismachen, dass der Kuhhandel „Familie gegen Betrieb“ nur zu unserem Vorteil ausgeht. Schließlich tauscht man ja, allenthalben belächelt und verhöhnt, unbezahlten, also „wertlosen!“ Dienst an der nächsten Generation gegen einen profitablen Job, der Karriere und Anerkennung verheißt. Abhängigkeit von Mann und Kind  wird in emanzipierte Unabhängigkeit umgetauscht. Auf den ersten Blick ein gutes Geschäft! Auf den zweiten Blick aber sind wir die Verlierer, wenn uns von der Familie nichts mehr übrig bleibt als ein paar Schlafplätze und zwei Wochen Familienurlaub auf Teneriffa.

Das Tragische an diesem Vergleich ist, dass die meisten Frauen diesen Deal nicht leichtfertig, sondern schweren Herzens eingehen. Sie werden dazu genötigt meist aus finanziellen Gründen. Politik und Medien tragen, blind einer feministischen Gleichstellungs-Ideologie folgend, das Ihre zur gesellschaftlichen Verdummung bei.

Doch einen Profiteur dürfen wir nicht vergessen. Er versteckt sich nämlich  listig hinter Parolen wie: „frühkindliche Bildung“, „Chancengleichheit“  oder: „Wir lassen kein Kind zurück!“ ( Hannelore Kraft, SPD ). Diese Parolen dienen zu nichts anderem, als dazu, unsere Kinder von der Wiege bis zum Abitur unter den Einfluss staatlicher Doktrin zu zwingen. So lassen sie sich am besten manipulieren, ob in weltanschaulicher, gesellschaftlicher oder sexueller Hinsicht. Am Ende zählt der kollektivierte Einheitsbürger ohne Substanz, der alles abnickt, alles schluckt, bis er daran erstickt.                          Hans im Glück oder Hans im Unglück?

Bärbel Fischer