Wirtschaft fordert Verstaatlichung der Kleinkind-Erziehung

Pressemeldung

21. 11. 2012

Wirtschaft fordert Verstaatlichung der Kleinkind-Erziehung

Vertreter der Wirtschaft haben die Forderung der Kommunen scharf zurückgewiesen, sich stärker am Ausbau der ab Sommer 2013 garantierten Krippen-Betreuung von Kindern unter drei Jahren zu beteiligen. Der DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann: “Unternehmen können nicht Ausputzer für Bund, Länder und Kommunen sein.“ Christina Ramb von den Arbeitgebern bekräftigte: „Es darf nicht sein, dass die Verantwortung für Kinderbetreuung auf Unternehmen verlagert wird; das ist Kernaufgabe des Staates.“ *

Dazu Gertrud Martin, Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e. V.:

„Unsere Sozialgesetze verpflichten die erwachsen gewordenen Kinder, Renten und Krankheitskosten für alle Alten zu bezahlen, unabhängig davon, ob diese selbst Kinder erzogen hatten oder nicht. Daher ist es ohne Zweifel eine Kernaufgabe des Staates geworden, im Gegenzug die Kindererziehung finanziell abzusichern. Die seit Jahrzehnten bestehende Weigerung der Regierenden, dieser Pflicht nachzukommen, hat inzwischen zu zunehmender Verarmung der Familien mit nachlassender Erziehungsfähigkeit und zu einem gravierenden Geburtendefizit geführt.“

Martin weiter: „Gemäß unserem Grundgesetz ist es jedoch eine Kernaufgabe der Eltern, über die Art der Kinderbetreuung zu entscheiden. Der Staat hat folglich die Pflicht, wieder die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Eltern diese Entscheidung ohne wirtschaftliche Benachteiligung im Interesse ihrer Kinder frei treffen können. Er ist nicht Ausputzer der Wirtschaft, um ihr mittels einseitiger Krippenförderung möglichst viele Arbeitskräfte zuzuführen, damit die Löhne gedrückt und die Profite maximiert werden können.“

Der Psychiater Dr. Johannes Resch dazu: „Eine Bevorzugung der Krippenerziehung wäre allenfalls dann zu rechtfertigen, wenn sie vorteilhafter für die Kinder wäre. Dafür gibt es aber bis heute keine seriösen Hinweise. Gegenteilige Behauptungen beruhen so gut wie ausnahmslos auf von der Wirtschaft gekauften `Studien`. Seriöse wissenschaftliche Arbeiten zeigen dagegen handfeste Hinweise auf höhere Risiken für die spätere soziale Entwicklung. Das gilt auch für die ohnehin schon stärker belasteten Kinder aus prekären Verhältnissen und von Migranten, die durch frühe Krippenbetreuung einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt werden.“

http://www.wirtschaft.com/20121107-arbeitgeber-weisen-verantwortung-fuer-kinderbetreuung-zurueck-58600

JA zum Kind heißt JA zu den Eltern

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

über Ihren heutigen Leserbrief: „Das JA zum Kind erleichtern“ haben wir von der ELTERNINITIATIVE uns sehr gefreut. Ihr Hinweis auf die Abtreibungskosten wird viel zu selten veröffentlicht. Und dass es um das Wohl der Kleinsten gehen muss, kann man nicht oft genug wiederholen. Jede öffentliche Meinungsäußerung zugunsten von Familien mit Kindern hilft, das  medial übel beschädigte Ansehen der Elternschaft zu heben. Denn JA zum Kind heißt JA zu den Eltern!

Allerdings wollen wir Ihnen in zwei Punkten widersprechen. Auch wenn es Eltern gibt, die mit Geld nicht umgehen können, so tut doch die allergrößte Mehrheit ihr Möglichstes, um ihre Kinder zu fördern. Das Betreuungsgeld wurde als Anerkennung für elterliche oder alternative Erziehungsarbeit beschlossen. Daher darf es auch entsprechend verwendet werden. Eltern müssen niemandem darüber Rechenschaft geben, wie sie das Geld verwenden, genauso wenig wie die Eltern von Krippenkindern nachweisen müssen, wie sie das ihnen im Geldbeutel verbliebene Geld verwenden. Denn bei einem Eigenbeitrag von 300 Euro muss der Steuerzahler 900 Euro für jeden Krippenplatz berappen, 900 Euro, die der Staat den erwerbstätigen Eltern  b e l ä s s t.  Mit 900 Euro kann man sechsmal soviel Schnaps oder Zigaretten kaufen wie mit 150 Euro. Hat irgendjemand schon einmal den Nachweis über die Verwendung von 900 Euro Krippenzuschuss gefordert? Weshalb haut man immer auf selbst betreuende Eltern ein und verschweigt den sechsmal höheren Zuschuss, den Eltern von Krippenkindern erhalten? Mit Gleichbehandlung hat dies nichts zu tun, sondern mit staatlicher Lenkung zugunsten des Arbeitsmarktes, den junge Mütter billig füllen sollen.

Ebenso diffamiert man Migranteneltern, wenn man ihnen summa summarum unterstellt, sie seien bildungsunwillig. Migrantenmütter jedoch wissen immerhin noch, dass ihre Kleinsten in die Arme der Mama gehören. Und – ganz wichtig – sie wissen, dass jedem Erdenbürger das kulturelle Menschenrecht auf die eigene Muttersprache zusteht ( Konvention zur kulturellen Vielfalt / UNESCO ). Trotz des Beitritts zur Konvention am 1. 2. 2007 durch den Bundestag scheint man dies in Deutschland bereits wieder vergessen zu haben. Nimmt man den Kindern das Menschenrecht auf ihre Muttersprache, macht man sich strafbar! Die deutsche Sprache zu erlernen hat, wissenschaftlich ebenfalls erwiesen,  Zeit bis zum Kindergarten. Hier allerdings könnte weit mehr getan werden, wenn man nicht an den Erzieher_innen knausern würde. Daran zeigt sich nämlich, wie viel das pausenlose Geschrei nach „frühkindlicher Bildung“ wert ist, nämlich nichts.

Wie Sie dem Briefkopf entnehmen will die ELTERNINITIATIVE FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT die Öffentlichkeit aufklären über die reale Ungleichbehandlung der Elternschaft. Seit Renate Schmidt,  SPD, und Ursula v. d. Leyen, CDU, gibt es erwünschte Eltern und unerwünschte. Erwünscht und üppig bezuschusst werden Eltern, die beide voll erwerbstätig sind, unerwünscht und als faul gelten jene Eltern, die sich selbst rund um die Uhr um ihre Kinder kümmern. Ihre Arbeit gilt dem Staat null und nichts, was sich an der kümmerlichen Rente zeigt. Unerwünscht sind auch die „faulen“ Migrantenmütter, die, so wird schamlos verbreitet, ihre Kinder von jeglicher Bildung fernhalten. Deswegen haben die Grünen ja den Begriff „Fernhalteprämie“ erfunden!

Uns von der ELTERNINITIATIVE geht es um Gleichbehandlung  a l l e r  Eltern. Sollten Sie über einen Internetanschluss verfügen, so bietet unsere Seite ein reiches Angebot von Informationen zu diesem Themenbereich.

Damit grüßen wir Sie voller Hochachtung

i. A. Bärbel Fischer

Sehr geehrter Herr Arbeitgeberpräsident Prof. Dr. Dieter Hundt,

Ihr Ansinnen, die Elternzeit von 36 auf 12 Monate zu kürzen zeugt von einem beängstigenden Desinteresse für die Biologie der Spezies MENSCH. Wie alle Säuger ist das Menschenkind auf die intime Fürsorge seiner Mutter angewiesen, solange es sich nicht selbst ernähren kann. In zahllosen Untersuchungen der Humanforschung nachgewiesen, fehlt einem Primaten die elementare Basis  für ein gelingendes Leben, wenn er um die primären personalen und emotionalen Voraussetzungen für sein Aufwachsen betrogen wurde. Mit anderen Worten: eine stabile und belastbare junge  Arbeitnehmerschaft werden Sie nur bekommen, wenn deren biologischer Reifeplan in den ersten Kinderjahren befriedigend absolviert wurde.

Aber Ihre Pläne schädigen nicht nur die Jugend als die künftige Arbeitnehmerschaft, sondern auch die derzeitigen Arbeitnehmer_innen. Was glauben Sie, geht in einer Mutter vor, die ihr Baby, kaum lächelt es sie an, für viele Stunden außerhäuslicher Tätigkeit  täglich vermisst – rein biologisch? Eine Mutter wird, und auch das ist wissenschaftlich erwiesen, depressiv oder anfällig vor Schmerz um ihr verlassenes Kind. Sie wird immer wieder ausfallen, wenn nicht gar schwer erkranken, wie wir das in den skandinavischen Ländern immer häufiger sehen.

Und drittens, Herr Dr. Hundt, wird Ihr Hamsterradplan zu weiterer Reduzierung der Geburten in Deutschland führen. Denn welches Paar wird Lust auf ein Kind haben, wenn es dies nur für wenige Monate in eigenen Armen halten darf? Deutschland schafft sich ab!

Nun ist Ihnen vermutlich sowohl die Psyche der Babys, noch die Gesundheit der Mütter oder die Nachwuchsmisere völlig egal, solange Sie Ihre Lebensleistung darin sehen, den Arbeitsmarkt billig aufzufüllen. Die Folgen Ihrer Politik werden allerdings erst so richtig destruktiv durchschlagen, wenn Sie dereinst Ihren Sessel geräumt haben.

Diese Warnung, Herr Dr. Hundt, ist von der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT  durchaus gut gemeint.

Ob wir Sie zu dazu bewegen können, Ihre Pläne zu revidieren? Das wünschen sich jedenfalls alle mit uns verbundenen Eltern von Kindern, für die ich Sie freundlich grüße

i. A. Bärbel Fischer

Unehrliche Debatte

Der Schock über die Misshandlungen im Altenburger „Spatzennest“ ist allenthalben groß. Doch die Empörung erscheint so lange geheuchelt, wie man in den Kommunen an Fachpersonal und Qualität für die Kleinsten spart / sparen muss. Die nahe liegende Frage nach der „artgerechten“ Betreuung von Kleinkindern im Elternhaus wird natürlich wieder umgangen.

http://www.fr-online.de/leute/jesper-juul–die-debatte-ist-nicht-ehrlich-,9548600,20886914.html

Dazu auch eine Einschätzung von Birgit Kelle:

http://www.freiewelt.net/blog-4824/shades-of-grey-im-kindergarten.html

FDP überholt Rot-Grün links

Leserbrief zu „Es wird für den armen Kerl nicht leicht“ – Interview von Frau G. Renz mit Walter Döring (FDP), Südkurier vom 19. 11. 2012

Auf die Zitate Döring: „Mir geht die Sozialdemokratisierung der CDU zu weit…“ und „Das Betreuungsgeld ist (…) alles als bloß nicht liberal“, gibt es nur eine Antwort: Mit ihrer vehementen bis geradezu panikartigen Ablehnung des Betreuungsgeldes befindet sich die FDP auf der linken Überholspur von Rot-Grün. Damit und mit der massiven Unterstützung der staatlichen Betreuung schon für die Allerkleinsten steht die FDP fern von ihrem angeblichen Prinzip, die Subsidiarität und die Privatverantwortung – in diesem Fall der Eltern – hochzuhalten. Für die FDP ist nur eines wichtig: eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die dafür sorgt,dass Eltern möglichst lückenlos und Löhne senkend dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Anstatt sich für die Erhöhung des Betreuungsgeldes und mehr Rentenpunkte als ansatzweise Anerkennung elterlicher Erziehungsleistung einzusetzen, ziehen solche Gedanken Herrn Döring „die Schuhe aus“. Sein Geheimnis bleibt, womit er der CDU massenweise Wähler abjagen wollte. Alles Döring-Großsprech wie seit eh und je gehabt.

Gertrud Martin, Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e.V., Seb.-Kneipp-Str. 110, 78048 VS-Villingen, Tel. 07721 56124

Steine statt Brot!

Die aus der ehem. DDR stammende Autorin des Buches: „Kinder brauchen Mütter“ dankte in ihrem Schreiben an den Bundestag den Abgeordneten für ihre Stimmen zur Einführung des Betreuungsgeldes. Uneinsichtig und unbelehrbar fiel die Antwort der SPD aus.

Sehr geehrte Abgeordnete des Bundestages,

zunächst möchte ich Ihnen recht herzlich dafür danken, dass Sie – und damit meine ich die Abgeordneten von CDU,CSU und FDP – nun endlich das Betreuungsgeld per Gesetz auf den Weg gebracht haben.
Es ist eine, wenn auch geringe, Anerkennung einer Lebenshaltung, die zum gedeihlichen Großwerden von Kindern maßgeblich beiträgt. Es ist auch die Anerkennung des Wunsches vieler Eltern, ihr kleines Kind selbst zu betreuen. Elternliebe und vor allem eine sichere Bindung in den ersten drei Lebensjahren ist durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch eine Krippe bester Qualität. Im Gegenteil: Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Kinder selbst bei einer Einrichtungsbetreuung sehr guter Qualität, Risiken für ihre seelische und körperliche Gesundheit mit ins Erwachsenenleben nehmen. Eine sichere frühe Familienbindung ist dagegen zutiefst nachhaltig und zukunftsgewandt – schafft sie doch die Basis für die Entfaltung von Intelligenz, Beziehungsfähigkeit, Empathie, Motivation, Schöpfertum, also alles das, was eine moderne, aufgeklärte und hochindustrialisierte Gesellschaft zum Überleben braucht.
Es ist eine Schande, dass z. B. Herr Steinbrück als der Vertreter der SPD in Bezug auf das Betreuungsgeld von „rückwärtsgewandtem Schwachsinn“ und von „überholten Rollenbildern“ redet. Die oben erwähnten Forschungsergebnisse sind hochaktuell, also sehr modern, während das Bild von einer pausenlos voll erwerbstätigen Mutter bzw. Doppelverdienereltern, die ihre ganze Kraft der Produktion widmen, aus dem Gedankengut des Kommunismus stammen: Marx hat diese Gedanken erstmalig im Kommunistischen Manifest Mitte des 19. Jahrhunderts geäußert. Das heißt: die Gedankenwelt der SPD, der Grünen und der Linken ist im vorvorigen Jahrhundert gefangen. Sie ist „überholt“ und von gestern! Ferner haben sie diesbezüglich die Basis des Grundgesetzes verlassen, wo Erziehung eindeutig als Elternrecht und -aufgabe geregelt ist und nicht als Aufgabe des Staates. Die Absicht der linksideologischen Parteien einer primär staatlich angebundenen Erziehung empfinde ich besonders bedenklich und erschreckend, denn ich habe den Sozialismus in der DDR erlebt.

Das Betreuungsgeld ist notwendig und richtig. Selbst wenn es noch keine echte Walhfreiheit herstellt, weil es viel geringer ist als die Subventionen für einen Krippenplatz, möchte ich ihnen nochmals für Ihren Einsatz und Ihr zähes Ringen darum danken.

Verbunden mit guten Wünschen für Ihre weitere Arbeit und Ihr persönliches Wohlergehen
verbleibe ich hochachtungsvoll

Hanne Kerstin Götze

Sehr geehrte Frau Götze,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 09.11.2012 an den Deutschen Bundestag, welches u.a. unserer Fraktion zugeleitet wurde
Derzeit erreichen uns zahlreiche Briefe und Resolutionen, in denen die Ablehnung des Betreuungsgelds zum Ausdruck kommt. Bei Ihnen ist das anders.

Stellungnahmen von Fachverbänden und Umfragen machen deutlich, dass es der richtige Weg wäre, auf die Einführung eines Betreuungsgeldes zu verzichten und stattdessen den Kita-Ausbau zu forcieren. Vielen Eltern in Deutschland drückt der Schuh, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihr Kind finden, die Qualität weiter verbessert werden muss oder die Öffnungszeiten nicht passen. Hier haben wir – trotz der enormen Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen in den vergangenen Jahren – noch Nachholbedarf. Ein Blick in unsere Nachbarländer, in denen die soziale Infrastruktur für Familien teilweise erheblich besser ausgebaut ist, bestätigt dies. Zu Recht haben EU und OECD Deutschland schon mehrfach ermahnt, den Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung voranzutreiben. Erst, wenn wir hierzulande über ein bedarfsdeckendes Angebot an qualitativ hochwertigen Krippen und Kitas verfügen, haben Eltern tatsächlich Wahlfreiheit. Erst dann sind sie frei, sich für ein Leben mit Kindern und Erwerbstätigkeit zu entscheiden oder eben auf Erwerbstätigkeit zu verzichten.

Es bleibt selbstverständlich allein den Eltern überlassen, ob sie ihre Kinder in eine wie auch immer organisierte familienergänzende Betreuung geben möchten/müssen (gerade Alleinerziehende sind oft gezwungen, nach dem Erziehungsjahr wieder arbeiten zu gehen und deshalb auf eine qualitativ gute familienergänzende Kinderbetreuung angewiesen) oder nicht. Niemand zwingt sie dazu.
Allerdings werden die Chancen von Kindern aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Familien auf frühkindliche Förderung, soweit diese nötig ist, ausgerechnet den Kindern verweigert, die sie am dringendsten bräuchten. Es ist nämlich leider davon auszugehen, dass gerade solche Familien lieber Geld für die Nichtinanspruchnahme staatlicher bzw. kommunaler Leistungen beziehen, als Geld für bezuschusste Kinderbetreuung zu bezahlen.

Im Übrigen gehen Sie fehl in der Annahme, dass das Betreuungsgeld der Würdigung der familiären Kinderbetreuung dienen soll ( schließlich betreuen auch berufstätige/arbeitssuchende Eltern ihre Kinder, da der Tag nicht nur 6 oder 8 Stunden, die Woche nicht nur 5 Tage hat) und damit nur den Eltern zukommt, die ihre Kinder nicht fremd betreuen lassen. Eltern, die ihre Kinder privat – beispielsweise von Au pair, Kindermädchen, Großeltern, Bekannten oder in einer nicht aus öffentlichen Mitteln geförderten Kita – betreuen lassen, sollen das Betreuungsgeld auch erhalten, während Eltern, deren Kinder in einer (öffentlich geförderten!) Kita betreut werden, leer ausgehen sollen, ebenso wie Eltern, die Sozialleistungen (SGB II, XII oder Kinderzuschlag nach § 6a Bundeskindergeldgesetz) beziehen. Das ist nach unserer Ansicht nicht nur ungerecht, sondern auch absurd und wird die Familien spalten.

Es bestehen zudem verfassungsrechtliche Bedenken, auf die verschiedene Juristinnen und Juristen bereits hingewiesen haben. Ein aktuelles Gutachten von Prof. Dr. Joachim Wieland im Auftrag der SPD-Bundestagsfraktion macht deutlich, dass das geplante Betreuungsgeld verfassungswidrig ist. Er nennt dafür vier Gründe:

Das Betreuungsgeld schafft einen Anreiz für Eltern, ihr Kind nicht in eine öffentlich geförderte Kinderbetreuung zu geben. Damit verletzt das Betreuungsgeld das Gebot, dass – nach Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz – die Ausgestaltung der Kinderbetreuung Angelegenheit der Eltern ist und der Staat in diese Entscheidung nicht lenkend eingreifen darf.

Das Betreuungsgeld steht im Widerspruch zum Allgemeinen Gleichheitssatz (Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz). Familien, die ein staatliches Angebot wie Kitas nicht in Anspruch nehmen, dürfen nicht besser gestellt werden als Familien, die Kitas für ihre Kinder nutzen. Eine solche Regelung stellt unser gesamtes System der öffentlichen Infrastrukturfinanzierung auf den Kopf.

Die vorgesehene Regelung führt dazu, dass Eltern mit 13 und 14 Monaten alten Kindern zum Teil Betreuungsgeld bekommen, zum andern Teil nicht – und das bei ansonsten gleichen Bedingungen. Auch das verstößt gegen den Gleichheitssatz (Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz).

Und schließlich ist es unvereinbar mit dem staatlichen Gleichstellungsgebot (Artikel 3 Absatz 2 Grundgesetz). Danach ist der Staat verpflichtet, mit positiven Maßnahmen die Gleichstellung von Frauen zu fördern – mit dem Betreuungsgeld tut die Bundesregierung das Gegenteil: Sie verfestigt traditionelle Rollenbilder.

Derzeit ist übrigens auch nicht klar, wie die schwarz-gelbe Koalition das milliardenteure Betreuungsgeld im Bundeshaushalt seriös finanzieren will.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass viele gewichtige Gründe gegen die Einführung des – auf Betreiben der CSU durchgepeitschten – Betreuungsgeldes sprechen.
Es ist und bleibt Ihr gutes Recht, sich diesen Gründen inhaltlich nicht anschließen zu können.

Angefügte Links zu Ihrer Information:

Fernhalteprämie ist rückwärtsgewandt

Betreuungsgeld

Mit freundlichen Grüßen
Monika Mayerosch

«Was, Ihr Kind ist nicht in der Krippe?»

Familienexperte Jonas Himmelstrand kritisiert sein Heimatland Schweden: Die Frauen werden unter Druck gesetzt, voll zu arbeiten. Wer seinen Nachwuchs selber großziehen will, hat es schwer. Die breite Krippenbetreuung sei schädlich, sagt er.
 
Von Daniela Niederberger
 
Herr Himmelstrand, Schweden gilt weit herum als strahlendes Vorbild in Bezug auf seine Familienpolitik. Weshalb?

Schweden hat eine gute Reputation, was das Sozialsystem betrifft, die Stellung der Frau und die starken Gewerkschaften. Schweden wird als modern angesehen.

Ist Schweden ein guter Ort für Kinder und für Familien?

Es kommt drauf an, woran Sie glauben. Wenn Sie glauben, es ist gut für beide Elternteile, voll zu arbeiten und die Kinder fünf Tage die Woche in eine sehr günstige Krippe schicken zu können, dann werden Sie Schweden komfortabel finden. Sie werden es als Mutter schätzen. Ob es gut ist für die Kinder, ist eine andere Frage. Es sieht gut aus.

Seit rund dreißig Jahren ist es in Schweden so, dass Mütter arbeiten und die Kinder vom Staat betreut werden. Gibt es Studien darüber, wie sich das auswirkt?

Eine Studie der schwedischen Regierung zeigte, dass sich in den letzten 25 bis 30 Jahren die psychische Gesundheit der Jugendlichen stark verschlechtert hat, verglichen mit elf anderen europäischen Ländern. Die Schulleistungen haben dramatisch abgenommen, vor allem in den mathematischen Fächern. Eine unabhängige Studie, in der 1500 Lehrer befragt wurden, zeigte, dass Eltern ihre Aufgabe weniger gut wahrnehmen als früher. Sie wissen nicht, wie Grenzen setzen, und sie verstehen nicht, was ihre Kinder wollen und brauchen. (…)

Die erste Generation schwedischer Kinder, die in Krippen betreut wurde, ist jetzt erwachsen. Was sagen diese Leute? Gibt es Vorwürfe an die Adresse der Eltern?


Manche kritisieren ihre Eltern, manche nicht. Sie fragten mich: «Ist Schweden ein gutes Land für Familien und Kinder?» Ja, wenn man das System gut findet. Möchte man es aber anders machen, als die Regierung will, wird es schwierig. Eltern, die ihre Kinder länger zu Hause haben möchten als die vorgegebenen achtzehn Monate – so lange dauert der bezahlte Babyurlaub –, und Eltern, die ihre Kinder gar selber großziehen wollen, werden sozial marginalisiert. Es gibt kritische Fragen: jedes Mal, wenn man mit dem Kind zum medizinischen Check-up geht; die Nachbarn fragen: «Warum sind Ihre Kinder nicht in der Krippe?» Ich gehöre einer Organisation an, Haro, die sich dafür einsetzt, dass man mit den Kindern zu Hause sein kann. Allen Mitgliedern geht es gleich: Man wird ausgeschlossen, komisch angeguckt, in den Medien kritisiert. In jeder Behörde, mit der man zu tun hat, spürt man eine feindliche Gesinnung.(…)
(…) Auch Soziales wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wenn diese Kinder nicht erleben, wie Familie und Elternschaft funktioniert, werden sie es später, sobald sie eigene Familien haben, noch schlechter machen. Und bald könnte das ganze Wissen um Elternschaft verloren sein, was für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft gefährlich wäre.
Es könnte sein, dass, wer als Kind in die Krippe musste, später sagt: «Für meine Kinder bleibe ich zu Hause.» Kann man so etwas beobachten?
Schweden hat kein Interesse daran, diese Dinge genauer anzuschauen. Obwohl mein Land eine hohe Reputation in Bezug auf seine Forschung genießt. Die Krippen-Politik, seit rund dreißig Jahren installiert, ist ein riesiges soziales Experiment …


… das man evaluieren müsste.


Genau. Aber die Regierung will nicht. Ich habe gehört, dass ein schwedischer Minister danach gefragt wurde, und er sagte: «Wir können die Verantwortung für allfällige Resultate einer solchen Studie nicht übernehmen.» Es könnte sich ja zeigen, dass das Ganze nicht gut ist. Und dann? Der Ruf Schwedens könnte mit ein oder zwei Untersuchungen zerbröseln. Darum werden Leute wie ich, die ihre Kinder selber großziehen wollen und das laut sagen, so hart angegangen.  (…)
Kürzlich gab es dazu einen Fernsehbeitrag. Eine Krippen-Betreuerin gab zu, den Eltern nicht alles zu sagen. Sie würden sich sonst zu sehr sorgen. «Also sagen wir, wenn sie fragen, alles laufe tipptopp», erklärte sie. Die Befürchtungen der Eltern zu zerstreuen, ist ihr Job. Vor einigen Jahren schrieben ein bekannter schwedischer Psychiater, eine Erziehungsexpertin und eine Psychologin ein Buch: «Krippe für unter Dreijährige, gut oder schlecht?». Sie sagten, die Krippen seien in Schweden nicht gut genug, einige Kinder würden geschädigt. Auch die Leute, die dort arbeiten, würden verletzt. Denn sie könnten den Job nicht so machen, wie sie müssten. Die Gruppen sind zu groß. In den achtziger Jahren durften in der Gruppe der Kleinsten [unter drei Jahre] nicht mehr als zehn Kinder sein. Diese Regelung fiel weg, jetzt sind es bis zu siebzehn. Bei drei Betreuerinnen. Wenn eine krank ist, sind es bloß noch zwei, es gibt keinen Ersatz. Wenn zwei krank sind, noch eine. Das kommt regelmäßig vor. Diese eine Person muss sich bei siebzehn Kleinkindern um Windeln und Essen kümmern. Ein Krippenplatz kostet 15.000 Euro im Jahr. Wollte man mehr Personal einstellen, wäre man bald bei 20.000 bis 25.000 Euro. Schweden kann sich das nicht leisten.


Was kostet der Krippenplatz die Eltern?


Praktisch nichts. Er ist zu 90% subventioniert.

*Jonas Himmelstrand ist Autor und Gründer des Mireja Institute. Beim Workshop der EU-Kommission „CHILD WELL BEING AND QUALITY OF CHILDCARE“ am 30. Juni 2011 war er als Experte geladen, um über das schwedische Krippenbetreuungssystem zu berichten 
Einen weiteren, ausführlichen Text von Jonas Himmelstrand bei HP-PLUS

Bewusste Irreführung!

Leserbrief: „Mindestmaß an Objektivität“

 

Zu „Butterfahrt ins Kanzleramt, Rheinpfalz, 06. 11. 2012

Journalistische Freiheit sollte dort enden, wo bewusste Irreführung beginnt. Ein Beispiel für letzteres ist dieser Artikel. Da wird rundheraus behauptet, das geplante Betreuungsgeld sei „eine Belohnung“ für Eltern, die ihr Kleinkind nicht in eine Kita schicken. Herr Folz weiß aber mit Sicherheit, dass Eltern, die das tun, durch Übernahme der Krippenkosten mit mindestens 1000 Euro monatlich „belohnt“ werden. So bleibt für selbstbetreuende Eltern immer noch ein Nachteil von 850 Euro oder mehr, mit dem sie bestraft werden, weil sie ihre Kinder selbst betreuen. Hier von „Belohnung“ zu  sprechen, ist ein übler Trick von Politikern. Journalisten sollten aber ein Mindestmaß an Objektivität bewahren

Johannes Resch, Winden