Pressemeldung zum „Tag der Familie“

14.05.2015

Der Verband Familienarbeit e.V. fordert:

1. Freie Wahl der Geburtsbedingungen

Nach Überzeugung des Verbands Familienarbeit ist die Geburt in der Regel ein natürlicher Vorgang, der nicht über das notwendige Maß hinaus „medizinisiert“ werden darf, wie das angesichts der zunehmenden Anzahl von Kaiserschnitten zu beobachten ist. So richtig bei bestehenden Risiken eine Geburt in einer Klinik ist, so unbestritten haben auch Hausgeburten aufgrund der gewohnten psychologisch stabilisierenden Umgebung große Vorteile. Grundsätzlich sollte auch hier die Wahlfreiheit für Eltern geachtet werden. Diese Wahlfreiheit ist aktuell gefährdet, da keine Versicherung mehr bereit ist, das Haftpflichtrisiko für freie Hebammen zu übernehmen. Da absehbare Risikogeburten ohnehin in einer Klinik erfolgen, sind Schadensfälle bei Hausgeburten jedoch nicht höher als in einer Klinik.

Wir fordern den Gesetzgeber auf, in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen eine Regelung zu finden, die das Haftpflichtrisiko auch bei Hebammen in zumutbarer Weise regelt. Es geht nicht nur um das Berufsrecht der Hebammen, sondern auch um die Entscheidungsfreiheit von Eltern über die Bedingungen einer Geburt. Einschränkungen sind nur bei medizinisch objektivierbaren Gefährdungen gerechtfertigt.

und

2. Gleichberechtigung statt „Gleichstellung“

Die „Gleichstellungspolitik“ der Bundesregierung strebt unter dem Begriff „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ eine „Gleichstellung“ von Müttern und Vätern im Erwerbsleben an. Das bedeutet, dass die Erziehungsarbeit ignoriert wird. Eltern werden so immer mehr genötigt, schon ihre Kleinkinder in Fremdbetreuung zu geben, um ein ausreichendes Einkommen erzielen zu können.

Eine Gleichberechtigung der Eltern ist nach Überzeugung des Verbandes Familienarbeit dagegen nur möglich, wenn eine Gleichstellung von elterlicher Erziehungsarbeit mit herkömmlicher Erwerbsarbeit erfolgt. Da die Kindererziehung heute aufgrund unseres Sozialsystems von Nutzen für die gesamte Gesellschaft ist, steht den Eltern eine Honorierung in Form eines angemessenen Erziehungsgehalts mit Rentenanspruch als Gegenleistung zu. Erst dann haben Eltern Wahlfreiheit, ob sie ihre Kinder selbst erziehen oder das Geld zur Finanzierung einer Fremdbetreuung ihrer Wahl verwenden, wenn sie im bisherigen Beruf voll erwerbstätig bleiben wollen. Erst dann wird Kindererziehung wieder unter entspannten Bedingungen möglich werden und Eltern nicht mehr in ein Hamsterrad krank machender Doppelbelastung drängen.

 

Nachgehakt: „Hart aber fair“ zum Kitastreik

 zum Thema Kitastreik als Härtetest: Passen Job und Familie zusammen?
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Nach der Sendung:

Sehr geehrter Herr Plasberg,

so sehr ich begrüße, dass Sie sich des Themas Kitastreik angenommen haben, so sehr enttäuschte mich Ihre Sendung und ließ mich völlig resigniert zurück. Wann wird denn endlich einmal diskutiert, ob Kinder ihre Mutter überhaupt entbehren  k ö n n e n ?  Frau v. Dijk sieht ihre Aufgabe darin, zu den Kleinen BINDUNG aufzubauen. Immerhin tut sie nicht so, als würde sie die Babys „bilden“. Das Gefasel von der „frühkindlichen Bildung“ hat man ja nur aus Kostengründen erfunden, denn für Bildung ist der Staat zuständig, für Bindung nicht. Bindung ist eine Sache der LIEBE. Möglicherweise liebt ein Krippenkind seine Erzieherin mehr als seine eigene Mutter, weil diese Frau den ganzen Tag präsent ist, sich mit ihm immer mal wieder beschäftigt, es tröstet, mit ihm redet, es wiegt und streichelt. Denn die Mutter ist ja im Betrieb. Vielleicht fühlt sich das Kind abends zuhause sogar am falschen Platz und sehnt sich nach den Armen der Erzieherin. Aber die ist nachts  nicht verfügbar. Wir muten unseren Kindern also tagtäglich schmerzhafte Trennungen zu. Ist das Liebe? Wie kann sich ein Kind geborgen fühlen, wenn es nicht weiß, wohin es gehört? Meiner Ansicht nach betreiben wir eine politisch gewollte und bezahlte Kultur der Lieblosigkeit, wenn wir unseren Kindern täglich zwei heftige Trennungen zumuten.

Man kann die staatlich forcierte Ganztagstrennung der Mütter von ihren Kindern auch als ein Verbrechen an den Eltern sehen. Denn man wird mit der Geburt seines Kindes nicht automatisch Mutter, sondern es braucht Zeit, bis man sein Kind kennt. Elternschaft muss eingeübt werden. Wer zu wenig Gelegenheit hat, sein Kind mit allen Regungen, Wünschen und Nöten kennenzulernen, wird sich mit Elternschaft immer schwertun, sein Kind immer wieder auch als Störfaktor wahrnehmen, sich emotional nie ganz hingeben wollen. Die Väter unseres Grundgesetzes wollten das verhindern, indem sie hoheitlich den Eltern Recht und Pflicht zur Erziehung ihrer Kinder übertrugen ( Art. 6 GG ). Heute aber werden immer mehr Eltern genötigt, schon ihre Kleinkinder in Fremdbetreuung zu geben, um ein ausreichendes Einkommen erzielen zu können – eine Verhöhnung des Grundgesetzes!

Aber das, Herr Plasberg, ist nur die emotionale oder psychologische Seite des Problems. Die politische Seite der Medaille ist genauso brutal. An Frau Schwesig konnte man erleben, wie gering ihr Verständnis dafür war, wovor die Kinderärztin warnte.  Im Gegenteil! Sie strickte aus den Bedenken von Frau Dr. Steuer knallhart  den Vorwurf, Eltern in gut und böse auseinander spalten zu wollen – ein billiges, rhetorisches Ausweichmanöver!  Als Politikerin rühmte sie sich, wieviel Geld sie für die  s t a a t l i c h e  Kinderbetreuung locker macht. Überhaupt kein Verständnis scheint sie für Elternhäuser zu haben, die ihren Kindern Trennungsnöte ersparen wollen, oder die den Elternbeitrag nicht stemmen können, weil sie nicht nur ein einziges Kind haben, oder die alternative Betreuung vorziehen. Und das sind immerhin noch 60 % aller Eltern mit kleinen Kindern. Frau Schwesig betreibt also eine Politik für eine Minderheit mit immensen Kosten auch für jene Steuerzahler, die ihre Kinder selbst erziehen oder auf eigene Kosten betreuen lassen.

Bei allem Verständnis für den überaus berechtigten Streik der kommunalen Erzieher wartete ich vergeblich auf Antworten auf meine Fragen. Ich befürchte sogar, dass von ihrer Sendung die fatale Botschaft ausging: Leute, lasst das Kinderkriegen bleiben, der Stress ist zu groß, die Arbeit ist zu wichtig, Kinder stören nur, sie müssen weg organisiert werden.

Es grüßt Sie resigniert

Bärbel Fischer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele Kinder braucht das Land

Der ZDF-Moderator Peter Hahne hatte am 3. Mai  den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haselhoff und die Präsidentin des Verbandes Alleinerziehender Solweig Schuster zu Gast, um über die Notwendigkeit eines Systemwechsels im kindervergessenen deutschen Sozialsystem zu debattieren.Sehen Sie sich das Video an unter:

http://www.zdf.de/peter-hahne/peter-hahne-5990118.html

Sehr geehrter Herr Hahne,

wir von der ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT können Ihnen nicht herzlich genug danken dafür, dass Sie am 3. Mai das Thema Demographie, d. h. die mangelnde Gebärfreudigkeit in Deutschland aufgegriffen haben. Die Bevölkerung , und vor allem die Politik muss endlich begreifen, dass es bereits 5 nach 12 ist, um Schaden vom Land abzuwenden.

Die Ursachen sind vielfältig, von unsicheren Arbeitsbedingungen bis dahin, dass Kinder für die Höhe Sozialabgaben keine Rolle spielen. Damit bezahlt ein Vater von 5 Kindern den gleichen Betrag wie der kinderlose Arbeitnehmer. Der deutsche Nationalökonom aus dem 19. Jh., Friedrich List spottete: „Derjenige, der Schweine aufzieht, ist ein produktives Mitglied der Gesellschaft, und derjenige, der Kinder aufzieht, ein unproduktives!“ Leider hat sich bis heute daran nichts geändert.

Allerdings, Herr Hahne, gibt es von unserer Seite auch Kritikpunkte an Ihrer Sendung:

  1. Die 200 Milliarden „familienbezogener Leistungen“ sind eine Lüge. Nur 55,4 Milliarden Euro und damit nur ein gutes Viertel des Gesamtpakets sind laut Ministeriumsrechnung „Familienförderung im engeren Sinne“. http://www.deutscher-familienverband.de/jdownloads/Publikationen/DFV_Familienfoerderung_Online.pdf
  2. Ihre Gäste diskutierten ausschließlich Reformen, die Vereinbarkeit zum Ziel haben. Damit ist aber weder das Zeitproblem gelöst, noch der Anspruch unserer Kinder auf ausreichende elterliche Präsenz. Eltern brauchen Zeit, um Art. 6 GG gerecht zu werden. Bei einer Lebensarbeitszeit bis 67 oder künftig wohl 70 Jahren, müssten Mütter, wenn sie es wollen, Anspruch auf erwerbsfreie Familienjahre ohne Verluste an Rentenansprüchen haben. Ohne ein ausreichendes Zeitbudget wird u. E. kein Kind zusätzlich geboren.
  3. Natürlich ist Ihre Sendung zeitlich begrenzt. Trotzdem warteten wir vergeblich auf wenigstens einen Hinweis zum Wohl der Kinder. Sie werden überhaupt nicht gefragt, ob sie ihre Mama  überhaupt entbehren können. Und so optimal sieht es in den Betreuungsanstalten ja keineswegs aus. Außerdem werden die Warnungen von Psychologen und  Kinderärzten vor zu früher Fremdbetreuung der Öffentlichkeit vorenthalten. Es wird immer nur diskutiert, was Frauen planen, worauf sie Anspruch haben und was die Wirtschaft verlangt. Wenn wir es unterlassen, das Kindeswohl zu unserem Hauptanliegen zu erklären, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Öffentlichkeit nur über Karrieren und Selbstverwirklichung diskutiert.

In der öffentlichen Diskussion wird auch nicht artikuliert, dass der Staat von jedem geborenen Kind im Laufe seines Lebens transferbereinigt einen Gewinn von 77 000 € an Abgaben abschöpft. Also müsste es doch, rein rechnerisch (!), das Anliegen Nr. 1 sein, Familien ausreichend Autarkie und Autonomie zu verschaffen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Bundesregierung beharrt taub und blind für alle guten Konzepte auf ihrer Weigerung, das System zu reformieren. Sie befindet sich in direktem Kamikaze-Flug.

Daher, Herr Hahne, möchten wir Sie darin bestärken, die demographische Frage nicht ruhen zu lassen und immer wieder neu zu bearbeiten. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Mit dankbaren Grüßen für die ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT

Bärbel Fischer

P.S. Das Video zu Ihrer Sendung finden Sie auf unserem Blog, ebenso diesen Brief.

 

 

Bruno Jonas reaktionär? Klare Worte!

Der Kabarettist Bruno Jonas nimmt auf die Schippe, was die Politik uns  zu bejubeln vorschreibt: Kinderkrippen und  das Haus Europa!

Ein glänzendes Plädoyer für „reaktionäre“ Gesinnung!

Lesenswert!

Kommentare erwünscht!

http://blogs.faz.net/whatsleft/2015/05/13/hoppla-bin-ich-jetzt-reaktionaer-203/

 

Aktion „Sit in“ in München

Erziehungsarbeit ist SCHWERSTARBEIT!

Das haben noch nicht alle begriffen. Der Personalreferent der Landeshauptstadt München, Herr Böhle, gleichzeitig Präsident der kommunalen Arbeitgeberverbände, weigert sich bis heute gegen eine Gehaltserhöhung für ErzieherInnen. In seinen Augen scheint Erziehungsarbeit PIPIFAX zu sein.

Die Münchener Eltern rufen auf zu einem SIT IN vor dem Rathaus.

Unsere Elterninitiative fordert  nicht nur eine Gehaltserhöhung für das Kita-Personal, sondern eine entsprechende Vergütung für alle Eltern, die sich selbst um die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Denn Eltern leisten eine 1:1-Betreuung mit Bindungsfaktor, was öffentliche Betreuung niemals leisten kann.

Es ist an der Zeit, dass die Politik sich der Realität stellt. Wer einen Rechtsanspruch auf staatliche Kinderbetreuung gesetzlich festlegt, der soll auch für Bezahlbarkeit sorgen. Einen Rechtsanspruch zuzusichern ohne für genügend Personal und leistungsgerechte Bezahlung gerade zu stehen, bedeutet bewusste Irreführung der Elternschaft. Offenbar genügt es Staat und Wirtschaft, die Arbeitsplätze mit Müttern besetzt zu haben. Was mit den Kindern geschieht, scheint völlig belanglos zu sein. Hauptsache, der Rubel rollt.

Wem haben wir diese Täuschung zu verdanken? Einer feinen Dame, die sich jetzt um Schießgewehre kümmert!

Tipps:                                                                                                                       Kinderwagen-Demo mit laut verstärktem Babygeschrei

Volle Windeln vor das Rathaus kippen

 

Viel Betreuung – viele Bildungsverlierer

Der Familienbund der Katholiken in Bayern sieht eine deutliche Relation zwischen der Quote familienferner Kinderbetreuung und der Quote von Schulabbrechern in den einzelnen Bundesländern. Ostdeutschland Spitzenreiter bei Schulabbrechern. Sachsen-Anhalt 11,1% – Bayern 4,6%

Pressemitteilung vom 29. Juli 2014

München – Die Bundesländer mit dem üppigsten Ganztags- und Krippenangebot haben in Deutschland die meisten Schulabbrecher. Das zeigt eine Länderauswertung des Familienbundes der Katholiken in Bayern auf Basis der deutschen Bildungsstatistik. Die ostdeutschen Bundesländer haben die höchsten Raten an Schulabbrechern. Jedes einzelne ostdeutsche Bundesland liegt über dem deutschen Durchschnitt von 5,6%. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit 11,1% der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 10,8%. Am anderen Ende der Skala liegen Baden-Württemberg (4,9%) und Bayern mit 4,6%.

Der Familienbund hat die Quoten der Schulabbrecher von 2012 neben die Quoten für Ganztagsgrundschulen von 2006 und die Quoten für Krippenplätze von 1998 gestellt. Das entspricht realen Bildungsbiografien. Es gab auffällige Unterschiede bei der Krippenversorgung (Ost: 34,8% / West: 1,9%) sowie beim Angebot von Ganztags-Grundschulplätzen (Ost: 38,9% / West 4,9%). Bei einem erheblichen Mehr an außerfamiliären Bildungsangeboten sind die Raten der Schulversager im Osten fast doppelt so hoch wie im Westen (Ost: 9,0%; West: 5,2%).

Landesvorsitzender Dr. Johannes Schroeter: „Betreuungsangebote sind in vieler Hinsicht prima: mehr erwerbstätige Eltern, rekordmäßige Steuern und Sozialabgaben, neue Rollenmodelle für Männer und Frauen. Nur die bessere Chancengerechtigkeit für Kinder ist nicht zu finden. Viel Betreuung – viele Bildungsverlierer. Das ist Faktum in Deutschland.“

Schlecht betreut? Ansichten einer Journalistin

Zum Leitartikel der Schwäbischen Zeitung vom 15. April 2015 : „Schlecht betreut“ erreichten uns die Kopien mehrerer Leserbriefe, welche die unsachliche Voreingenommenheit der Autorin gegen das Betreuungsgeld und deren Nutzer beanstanden. Für diese Dame gelten Kinder, die nicht in die Krippe müssen, als „schlecht betreut“.

Das Betreuungsgeld „zementiere“, dass Frauen bei ihrem Kleinkind zuhause bleiben, so der Vorwurf des Leitartikels.  Welch ein Verbrechen! Wie kann eine Mutter nur so arbeitsmarktvergessen sein und sich dem Anspruch von Politik und Wirtschaft zugunsten ihres Säuglings widersetzen! Wie kann kann eine Migrantin nur so freveln, ihrem Kind zuerst die Muttersprache zu vermitteln, bevor es später im Kindergarten zusätzlich Deutsch lernt! Wer seine Muttersprache beherrscht, lernt die Fremdsprache leichter, so die sprachwissenschaftliche Erkenntnis.

Tatsächlich, das Betreuungsgeld wirft verfassungsrechtliche Fragen auf: Darf man Steuergelder verplempern an Leute, die staatliche Angebote ablehnen? Es macht m. E. einen gewaltigen Unterschied, ob ich das Angebot der Bibliothek nicht nutze, oder ob ich die Kita für mein Kind ablehne. Bei meinem Kind geht es um personale Bindung, bei Leihbüchern nicht. Hier werden gebetsmühlengleich Äpfel mit Birnen verglichen, je öfter umso verbissener. Dass aber Steuergelder in zehnfacher Höhe des Betreuungsgeldes erwerbstätigen Eltern zugute kommt, das scheint offenbar o.k. zu sein. Die Frage ist: Wer darf uns diktieren, wie wir mit unserer Familie leben wollen, die Wirtschaft, die Politik, die Medien oder das Bundesverfassungsgericht?

A. Q.

Das Betreuungsgeld (BG) verstößt nach Ansicht der Hamburger SPD gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, verfestigt alte Rollenbilder und hält Frauen davon ab, nach der Geburt schnell wieder in den Beruf einzusteigen.

Ganz recht! Das BG verstößt massiv gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, aber nur weil es um 1000 € zu niedrig ist. Damit schafft der Staat eine Bevorzugung jener Mütter / Väter, die ihre Betreuungspflicht delegieren und disqualifiziert jene Eltern, die ihr grundgesetzliches Recht auf persönliche Betreuung ihrer Kinder wahrnehmen wollen. Eine Ungleichbehandlung von Eltern untereinander ist verfassungswidrig. Wer Art. 6 GG missachtet, der setzt sich früher oder später auch über andere Grundrechte hinweg. Demokratie adieu!

Der Staat hat auch niemandem ein Rollenbild vorzuschreiben, sei es alt oder nicht. Wer entscheidet, was als veraltet zu gelten hat? Wer darf uns vorschreiben, welches Familienmodell zu wählen ist? Wo steht geschrieben, dass sich Mütter möglichst bald nach der Geburt dem Diktat des Arbeitsmarktes zu unterwerfen haben? Sind wir denn schon wieder unter der Knute von Demagogen?

U.R.

Wir lesen, dass vor allem Eltern mit geringen Schulabschlüssen ihre Kinder von der Kita fern halten. Der Vorwurf: Gerade Kinder dieser Eltern hätten eine „professionelle“ Förderung am nötigsten. Arrogant unterstellt man, arme Eltern wären unfähig, Kinder zu erziehen. Abgesehen davon, dass solche Behauptungen längst widerlegt sind, hält man arme Eltern für primitive Schmarotzer, wenn sie Betreuungsgeld beantragen. Dabei brauchen auch arme Akademiker diese Leistung, wenn sie sich für ein Kind entscheiden. Auch Familien mit mehreren Kindern sind auf den Almosen BG angewiesen, selbst wenn die Eltern gebildet sind. Wer wegen seiner Kinder unter dem Existenzminimum leben muss, hat keinen Hunderter mehr übrig für eine Kita, er muss die Kinder zuhause betreuen oder günstigere Alternativen suchen. Betreuungsgeld  steht auch denen zu, die für ihre Kinder eine staatliche Betreuung ablehnen, weil sie diese für schädlich halten. Der eigentliche Skandal ist, dass man junge Leute und deren Familien mit einer familienblinden Politik in die Armut treibt.

In unerträglicher Überheblichkeit werden in der Schwäbischen Zeitung Leute abqualifiziert, ja diskriminiert, nur weil sie nicht dem Format entsprechen können oder wollen, das ihnen Politik und Medien vorschreiben.

A. S.

 

Zechprellerei, Schmarotzerei oder Diebstahl?

Wer Gemüse einkaufen will, kann entweder zum Supermarkt oder zum Hofladen gehen. Beim Bauern bekommt er die Ware garantiert biologisch. Beide Angebote stehen zur Verfügung. Weshalb wohl sollte die Bäuerin ihren Salat im Supermarkt kaufen, wenn sie ihn, ökologisch erzeugt, im eigenen Garten ernten kann? Die Bäuerin ist Erzeugerin, nicht Kundin. Sie bietet ihre gute Ware zum Kauf an. Ein Dummkopf, der meint, er würde im Hofladen die Ware geschenkt bekommen. Was wäre aber, wenn der Kunde das schmackhafte Gemüse einfach mitnimmt, ohne dafür zu bezahlen? Die Bäuerin wäre um den Lohn ihrer Mühe gebracht.

Mit der Kinderbetreuung ist es ähnlich. Eltern, die ihre Kinder selbst großziehen, brauchen das Kita- Angebot nicht. Die Gesellschaft aber braucht einen gut betreuten Nachwuchs. Der Staat als Kunde bedient sich sowohl am individuell-familiären wie am kollektiv-öffentlichen  Angebot ( Kita ). Anders als vereinbart erwartet er jedoch, dass er das biologische Angebot zum Nulltarif bekommt. Er nimmt die familiäre Betreuung mit, ohne dafür zu bezahlen. Die Anbieter bleiben auf den Kosten ihrer Investitionen sitzen. Dann wirft der Kunde Staat den Eltern noch ein paar Groschen Betreuungsgeld als Almosen hinterher, bevor er grinsend verschwindet.

Zechprellerei, Schmarotzerei oder Diebstahl?

An diesem Beispiel möchte ich deutlich machen, wie grotesk das übliche „Argument“ von Parteien und Medien ist, das Betreuungsgeld sei die unsinnige Bezahlung für ein nicht genutztes, staatliches Kita-Angebot. Hier werden ( absichtlich? ) Anbieter und Nachfrager verwechselt. Denn die Eltern selbst sind es, die ein hochwertiges Produkt anbieten! Indem Kunde Staat sie jedoch um den Lohn ihres Dienstes prellt, werden Eltern systematisch arm gemacht. Während für Kitas Milliarden locker hingeblättert werden, bekommen Eltern für ihr Betreuungsangebot nichts als ein lächerliches Almosen. Und selbst dieses will man ihnen noch wegnehmen.

Obwohl  die Sachlage eindeutig ist, schämt sich die Hamburger SPD nicht, mit besagter irreführenden Floskel vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Und auch die Medien greifen genüsslich und völlig unkritisch diese billige Phrase auf und dreschen damit auf immerhin zwei Drittel aller Eltern ein ( maximal 40% nutzen Kinderkrippen ).

Für ein Land, dem der Nachwuchs ausgeht, ein kaum nachvollziehbarer Vorgang!

Bärbel Fischer, ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

 

Wo bleibt die Logik?

Der Autor des Leitartikels: „Arbeit mit großer Verantwortung“ plädiert in der Schwäbischen Zeitung vom 20. 04. 2015 dafür, dass Erzieherinnen für ihren verantwortungsvollen Dienst auch angemessen entlohnt werden sollen, was er jedoch Eltern für ihre Erziehungsleistung abspricht.

Sehr geehrter Herr Redakteur!

„Dafür, dass Eltern eine staatliche Leistung  n i c h t  in Anspruch nehmen, soll der Staat auch kein Geld ausgeben“ so die permanent verbreitete mediale Parole, die an Unlogik kaum zu überbieten ist. Denn die Kinder , die nicht in eine Krippe verbracht werden, bleiben ja nicht ohne Betreuung, sondern sie werden vielmehr 1:1  von ihren eigenen Eltern, und in der Regel höchst liebevoll betreut. Die Eltern machen dem Staat also ein exklusives Angebot. Die Alternative heißt demnach nicht: öffentliche Betreuung oder keine Betreuung, sondern sie heißt: öffentliche oder private Betreuung. Beide Angebote müssten dem Staat ( Steuerzahler ) gleich viel wert sein. Doch für einen Krippenplatz gibt der Finanzminister  monatlich 1200 € aus, für elterliche Erziehung klägliche 150 €.

Im Schulwesen dagegen agiert die öffentliche Hand angemessen und korrekt. Privatschulen mit je eigenem Profil werden vom Saat genauso gefördert wie öffentliche Schulen, weil er deren Bildungsleistung als wertvoll anerkennt.

Dieser Gegensatz kann einerseits bedeuten, dass der Staat elterliche Betreuung sehr viel geringer einschätzt als kollektive Betreuung. Andererseits liegt dem Projekt eine ganz simple Rechnung zugrunde: Die Milliarden an Ausgaben für Krippen fließen als Steuern aus Müttererwerbsarbeit x-fach in die Staatskasse zurück. Niemals gäbe ein Herr Schäuble Milliarden aus, wenn es sich nicht üppig lohnte! Kindeswohl und Elternrecht sind jedoch Kategorien, die in dieser Bilanz nicht die geringste Rolle spielen.

Infam, dass sowohl Politik als auch Medien diese  garstig-banale Seite der Medaille absichtlich verbergen, dafür aber den Schwarzen Peter denjenigen Eltern zuschieben, die noch immer den Erziehungsauftrag erfüllen wollen, den das Grundgesetz aus gutem Grund ihnen, und nicht dem Staat  überträgt.

Bärbel Fischer

ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

Nachtrag

Das Geld, also 900 Millionen €, wären da, um Erzieherinnen im öffentlichen Dienst anständig zu entlohnen, wenn man das „von der CSU durchgedrückte“ ( unverschämt geringe ) Betreuungsgeld den selbst betreuenden Eltern entzöge, so Ihr Vorschlag,  werter Herr Redakteur. Wurde denn nicht auch die Krippenfinanzierung „von SPD und CDU einfach durchgedrückt“? In beiden Fällen geht es um die Betreuung ein-bis dreijähriger Kinder. Welchen Grund gibt es, beide Leistungen so unterschiedlich zu bewerten?

Man kann sich zur CSU stellen, wie man will. Aber sie ist die einzige demokratisch gewählte Partei, die sich einer Minderbewertung elterlicher Kinderbetreuung widersetzte. Dies muss man ihr hoch anrechnen, denn sie achtet noch den Art. 3 GG, nach dem Ungleichbehandlung untersagt wird. Alle anderen Parteien treten die Hoheitsrechte von Eltern mit Füßen. Und damit schaden sie der Gesellschaft dramatisch.

Wollten die Damen und Herren Abgeordneten aller Parteien nicht Schaden vom Volk abwenden?

Bärbel Fischer

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Antwort des Leitartiklers

Sehr geehrte Frau Fischer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Dass ich insbesondere für den letzten Absatz meines Leitartikels nicht nur Zustimmung (die übrigens auch!) bekommen würde, war mir schon beim Schreiben klar.

Vielleicht  für Sie zum Hintergrund: Ich bin Vater einer Tochter im Kita-Alter und wie meine Frau berufstätig. Wir waren sehr froh, dass wir eine Kita für unsere Tochter gefunden haben – sogar eine mit erweiterten Öffnungszeiten. In unseren Eltern- und Erziehungsrechten fühlen wir uns nicht eingeschränkt, auch wenn ein Teil der Erziehung nicht von uns übernommen wird.

Ich weiß von vielen anderen jungen Eltern – weniger in Oberschwaben, eher in Ballungsräumen – die noch größere Probleme haben, eine Krippe zu finden. Diese Eltern entscheiden sich dann nicht freiwillig dafür, ihr Kind zu Hause zu betreuen. Insofern ist die Wahlfreiheit für Eltern, die die Politik als Ziel ausgegeben hat, noch nicht erreicht.

Die Eltern, für die Sie sprechen, haben offenbar die Wahl, und sie haben sich für die Erziehung zu Hause entschieden. Das ist ihr gutes Recht. Wenn Sie einwenden, deren Wahl sei eingeschränkt, weil die Eltern aus finanziellen Gründen zur Arbeit gezwungen seien, würde ich dem entgegnen, dass daran auch das Betreuungsgeld nichts ändert, so wie es aktuell angelegt ist. Schließlich ist der – wie Sie schreiben, unverschämt geringe – Satz von 150 Euro kein Ersatz für einen Erwerbslohn.

Da der Staat jeden Euro nur einmal ausgeben kann (und sich im Interesse unserer Kinder hoffentlich nicht noch weiter überschuldet), sollte er das für diesen Bereich bereit gestellte Geld so nutzen, dass Wahlfreiheit wirklich erreicht wird, sprich, dass auch jene Eltern eine Wahl und haben, die bislang keinen Krippenplatz finden.

Sie kritisieren zudem die Formulierung „von der CSU durchgedrückt“. Die habe ich im kommentierenden Leitartikel bewusst gewählt, in einem nachrichtlichen Text hätte ich sie vermieden. Ich gebe Ihnen recht, dass das wertend ist. Warum? Der Kita-Ausbau wurde im Großen und Ganzen von allen Parteien im Bundestag mitgetragen, auch von der CSU, die in Bayern in dieser Sache ja viel geleistet hat. Da ist also nichts von einer einzelnen Partei gegen den Willen einer Parlamentsmehrheit durchgesetzt (eben: durchgedrückt) worden. Das Betreuungsgeld dagegen – Sie werden es sicher verfolgt haben – ist einzig das Projekt der CSU. Sie konnte damit nur wegen der Koalitionsräson erfolgreich sein, und diese Koalitionsräson hat sie genutzt. Machtpolitisch kann man das durchaus anerkennen, unabhängig davon, wie man zu dem Projekt inhaltlich steht. Den Begriff durchgedrückt“ empfinde ich angesichts dessen als sehr passend.

Mit freundlichen Grüßen                                                                                                     Ulrich Mendelin

Politikredakteur

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Entgegnung

Sehr geehrter Herr Mendelin,

Ihre freundliche Entgegnung beantwortet leider nicht die Frage, weshalb der „Staat“ die Erziehungsleistung der Eltern so extrem unterbewertet. So, als ob allein die Wünsche erwerbstätiger Eltern den Blick der Politik verdienten.

Egal, welche Beweggründe die CSU für die Einführung des Betreuungsgeldes hatte, für Eltern sind die 150 € eine, wenn auch kleine, Erleichterung. Daher ist es auch so beliebt. Das ändert natürlich so gut wie nichts an der pekuniären Situation von Eltern, die eine alternative Kinderbetreuung wählen. Sie haben es nur zehnmal so schwer, die Kosten aufzubringen.

Vor vierzig Jahren stemmten wir die Betreuungskosten selbst, ohne nach dem Staat zu schreien. Seit dieser sich aber der Kinderbetreuung angenommen hat ( die Gründe dafür habe ich dargelegt ) wird die Elternschaft  in wert und unwert gespalten.

Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Richtig. Nach Ihrer Ansicht soll dieser deshalb ausschließlich den Krippeneltern zugute kommen. Was hielten Sie davon, wenn Vater Staat  a l l e n  Eltern mit mtl. 600 € unter die Arme griffe? Die restlichen Krippenkosten wären dann entsprechend höher für Paare, die zwei Gehälter beziehen, aber  dem Verfassungsauftrag  ( Art. 6 GG und Art. 3 GG ) wäre Genüge getan. Der Staat müsste nicht einen Cent mehr berappen und würde sich daher auch nicht überschulden.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Selbstverständlich müssen Erzieherinnen in Kindergärten und Kitas einen angemessenen Lohn erhalten, denn die Betreuung von Kleinkindern ist Schwerstarbeit. Aber auch die häusliche Betreuung bedeutet einen 16-Stundentag für Mütter. Den Vorschlag, das Geld den Familieneltern wieder wegzunehmen, halte ich für eine saftige Ohrfeige. Denn diese Väter / Mütter helfen mit ihren Steuern ja paradoxerweise sogar mit, Krippen zu finanzieren. Offensichtlich ist der Kostenfaktor Gehälter bei der Einführung des Rechtsanspruchs auf Krippenbetreuung zu wenig berücksichtigt worden.  Wer hat versagt?

Wer einen Krippenplatz braucht, soll ihn auch bekommen. Dieser Anspruch rechtfertigt aber keineswegs den Tritt in den Hintern anderer Eltern.

Mit freundlichen Grüßen

Bärbel Fischer

 

Dazu erreichte uns folgender Leserbrief:

Leserbrief zum Leitartikel „Arbeit mit großer Verantwortung“, Schwäbische Zeitung vom 20.4.2015

Dieser Leitartikel könnte mal als „klassischer Beispieltext“ für die Epoche gelten, die alle Lebensbereiche von der Wiege bis zur Bahre durch ökonomisiert hat.  Selbst die Kleinkindbetreuung wird entsprechend betriebswirtschaftlichen Erfordernissen „out-ge-sourct“. Insbesondere auf junge Frauen wird dadurch   der ohnehin große Druck weiter erhöht, dass sie ihren Lebenssinn ausschließlich durch ihren ökonomischen Wert und Karriereerfolg definieren. Dabei  befriedigen gerade die Mütter, denen man genügend Zeit für die Kinderbetreuung einräumt die Tiefenbedürfnisse des Kindes,  schaffen Urvertrauen und festigen so auch die Fundamente der Gesellschaft.

Beispielhaft seien aufgeführt:

  • s t r e i k f r e i e Dauerpräsenz und Zuverlässigkeit
  • Zuwendung und Betreuung auch an K r a n k h e i t s t a g e n
  • Vormachen, Erklären, Ermutigen, Trösten und Grenzen setzen nach  individuellem Bedarf und nicht routinemäßig nach Schema F

Für all diese Wertschöpfungen scheint der Autor blind und taub zu sein. Kaltschnäuzig und mit  großer V e r a n t w o r t u n g s l o s i g k e i t   fordert er  das ohnehin nur symbolische Betreuungsgeld zu streichen, um es der Kinderbetreuungsindustrie zukommen zu lassen. Man reibt sich die Augen, wie einig sich in diesem Punkt Kapitalisten und Sozialisten sind. Weil man Kinder entweder als Produktionshemmnis betrachtet oder weil man nach der Oberhoheit über die Kinderbetten heischt.

Ich fühle mich an all die Märchen erinnert in denen die Seele für kurzlebige Güter an den Teufel verkauft wird.

Eduard Grabherr, Ziegelstrasse 47, 88456 Ingoldingen, eduardgrabherr@web.de

 

 

 

 

 

 

 

Vom Wolf und den sieben Geißlein

Wenn ich heute meinen Enkeln das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein erzähle, läuft es mir selbst eiskalt über den Rücken, weil mir klar wird, dass dieser Wolf heute leibhaftig existiert, ebenso seine Verstellung, seine Heuchelei, seine Gier und Wolllust.

Ich merke, dass die arglosen Kinder, allein gelassen, sich nicht wehren können gegen die List des Stärkeren. Ihr Vertrauen wird ausgenutzt. Am Ende sitzen sie im vor Fleischeslust stinkenden Bauch des Ungeheuers, bekommen keine Luft mehr, sind jeder Freiheit beraubt, Opfer einer Ideologie, die nichts anderes will als Fleisch und Befriedigung. Liebe und Rücksichtnahme  gehören nicht in das Vokabular des Wolfes. Zu guter Letzt obliegt es den Müttern, ihre Kinder dem Wolf zu entreißen und zu befreien.

Da hatte es einer in schlimmer Absicht auf die  Kinder abgesehen. Nur, wie sollte er an die niedlichen Kleinen  heran kommen? Er musste sich so lange auf die Lauer legen, bis die Mutter einmal das Haus verlassen würde.

Nach eindringlicher Mahnung, dem Wolf mit der rauen Stimme und den schwarzen Pfoten die Tür ja nicht zu öffnen, macht sich die Mutter mit einem großen Korb auf den Weg, um Kräuter zu sammeln für die hungrige Kinderschar. Mag sein, dass die alte Geiß immer neue, noch saftigere Kräuter entdeckte, mag sein, dass sie die Sammelwut packte, mag sein, dass die Mutter über eine ganze Weile das Kindergeschrei zuhause gar nicht vermisste – jedenfalls merkte sie nicht, wie lange sie unterwegs war. Viel zu lange!

Denn der Wolf fand die Gelegenheit günstig, sich dem Geißenhaus zu nähern. Sein erster Versuch, sich als liebevolle Mutter auszugeben, misslang. Dann frisst der Wolf Kreide und lässt sich unter wüsten Drohungen vom Bäcker und vom Müller die schwarze Pfote weißen. Mit süßer Stimme und der sanften Pfote gelingt seine List: „Ich bin eure Mutter und habe euch etwas mitgebracht!“ Welches Kind lehnt schon ein Geschenk ab! Sich als Mama auszugeben, um den Schmerz des verlassenen Kindes zu dämpfen – ein Vorhaben,  das nur kurzfristig gelingt! Und schon öffnen die gutgläubigen Kleinen dem Heuchler die Tür. Da war´s um die Kinder geschehen. Bis auf das jüngste im Uhrenkasten verschlingt der Grausame in seiner Gier ein Zicklein nach dem anderen mit Haut und Haaren, torkelt vollgefressen auf die Wiese und fällt zufrieden in einen Tiefschlaf. Er hatte bekommen, was er wollte, der Wanst ist voll, die Gier gesättigt. Keine Skrupel, keine Scham, keine Reue!

Zu spät kommt die Mutter heim und stellt entsetzt fest, dass ihre Kinder der Heimtücke  des gefräßigen Wolfs zum Opfer gefallen waren. Zu spät, um ihre Familie zu schützen, zu spät, um Unheil abzuwenden. ´Wäre ich nur nicht so lange weg geblieben, hätte ich meine Kinder nur nicht so lange allein gelassen´, so plagt sich die  Mutter voller Gram. Wäre nicht das allerkleinste Geißlein verschont geblieben, so hätte es keine Rettung gegeben. Die Mutter schreitet zur Tat, befreit ihre Lieben und schließt sie erleichtert in ihre Arme.

In Zeiten von Bildungs- und Aktionsplänen wird mir wieder bewusst, dass man Kindern zuerst die Mutter nehmen muss, um ungestörten Zugriff auf die Jugend zu haben. Darum treibt man zuerst die Mütter  mit geheuchelten  Versprechungen wie Selbstverwirklichung, Chancengleichheit oder Gleichstellung aus dem Haus und in den Erwerb, und das möglichst in Vollzeit und lockt sie mit Konsum und Rentenansprüchen. Sind die Kinder schließlich dem Elternhaus entrissen, so hat  der Verführer leichtes Spiel. Schnell geraten sie in einen Schlund von Begierde, Genuss und Rücksichtslosigkeit. Befreien kann sie nur echte Mütterlichkeit.

Märchen sind Gleichnisse. Ihre Wahrheit gilt zu allen Zeiten.

Bärbel Fischer