365 Tage familienpolitischer Karneval

Ferdinand Lutz sandte uns folgenden Beitrag zur Familienpolitik einer europäischen Bananenrepublik. Ach, wenn man nur darüber lachen könnte, aber das Lachen bleibt dem Leser schnell im Halse stecken.

Karneval 2012

Die lustige Familienpolitik

Sie glauben ja gar nicht, wie lustig Politik sein kann. Und es ist auch gut so, dass das so ist. Denn anders als mit Humor wäre sie manchmal kaum zu ertragen. So können Sie in der Familienpolitik die unglaublichsten, die witzigsten Zustände erleben.

Da wird doch zurzeit herzerfrischend über ein Betreuungsgeld diskutiert, das Mütter haben sollen oder auch nicht, die ihre Kinder zu Hause betreuen und zwar 24 Stunden am Tag, also 168 Stunden in der Woche und 720 Stunden im Monat. Dabei geht es um ein fürstliches Gehalt von 150 €. Das ergibt den unglaublichen Stundenlohn von 20,8 Cent. Über diesen Mindestlohn kann man doch wirklich nur lachen. Und dass darüber auch noch jahrelang diskutiert wird: Finden Sie das nicht auch einfach lächerlich?

Zumal eine Frau, die in einer Kindestagesstätte die gleiche Arbeit tut, aber nicht 720, sondern nur etwa 160 Stunden im Monat, ein ganz anständiges Gehalt bekommt. Und dann wird wegen 150 € für die vierfache Zeit eine Staatsaktion gemacht. Ist doch komisch, oder?

Überhaupt, die gesamten Sach- und Personalkosten in der Kita sind bis zu zehnmal so hoch pro Kind wie diese lumpigen 150 €, über die so fröhlich diskutiert wird. Und diese 1.500 € werden ja nur für ein Viertel der Zeit aufgewandt, die die Mutter zu Hause ihre Kinder versorgt. So gesehen würde der Staat für einen Kita-Platz sogar vierzigmal so viel aufwenden als für ein Kind, das die Mutter betreut und die nur 150 € erhält. Wie viel Millionen und Milliarden spart also der Staat durch die Betreuung in der Familie? Und wie himmelschreiend ungerecht wird wieder mal die Familie behandelt. Das hat wohl bisher kaum ein Politiker gemerkt. Ist das nicht äußerst spaßig?

Dabei wird so getan, als wenn der Kinderhort das wahre Paradies für ein Kleinkind sei. Haben Sie sich mal von einer DDR-Mutter erzählen lassen, welchen Grausamkeiten es ausgesetzt ist? Da wird es Tag für Tag zur Unzeit aus dem Schlaf gerissen, fertiggemacht und teils noch im Dunkeln bei Wind und Wetter, auch bei Schnee und Eis in die Tagesstätte transportiert. Die Mutter, der das alles ein Grauen ist, muss schließlich pünktlich zur Arbeit sein. Statt so ein kleines Wesen kindgerecht zu behandeln, muss es arbeitsmarktgerecht funktionieren, ohne Rücksicht auf Verluste einschließlich psychischer Schäden. Wenn ein Tier derart widernatürlich behandelt wird, gibt es große Proteste und es wird eine artgerechte Haltung gefordert. Aber es geht ja nur um einen kleinen Menschen, der sich nicht wehren kann, außer zu schreien. Ist das nicht wirklich zum Schreien? – Aber nein, es ist doch Karneval!

Wie schwer selbst führende Politiker manchmal begreifen, konnten wir doch vor ein paar Jahren alle erleben. Da hatten wir doch eine Familienministerin, die sich überhaupt nicht genug darin tun konnte, die Frauen, die ihre Kinder selbst erziehen wollten, zu diskriminieren und die Familien bei jeder Gelegenheit zu schädigen. Ob es um die Abschaffung des Erziehungsgeldes oder die Verkürzung der Kindergeld-Bezugsdauer von 27 auf 25 Jahre ging, ob es um die Abschaffung der Eigenheimzulage oder die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder andere Einsparungen, durch die Familien besonders betroffen waren, ging: ihre Aufgabe wäre es doch gewesen, sich für die Familien einzusetzen. Doch das Gegenteil tat sie wort- und gestenreich und mit Vehemenz. Als sie einige Leistungen doch nicht verhindern konnte, erfand sie ein diskriminierendes Gutschein-System. Allem Anschein nach hatte sie gar nicht begriffen, dass sie nicht im Arbeitsmarktministerium saß und nicht von der Wirtschaft, sondern vom Steuerzahler bezahlt wurde. Und auch, dass sie die von der Kanzlerin zu Anfang ihrer Regierungszeit ausgegebene Parole: „Lasst uns mehr Freiheit wagen“, sträflich missachtete und das Gegenteil mit der Familie getan hat mit Bevormundung, Diskriminierung, Gängelung und Gutscheinen. Ist das nicht witzig? Doch trotzdem hat keiner der maßgeblichen Leute gemerkt, dass man mit ihr den Bock zum Gärtner gemacht hatte; denn nach den Neuwahlen kam sie wieder in dieses Amt. Ein Ziegenbock in der Regierung, der dazu dauernd am Meckern ist, da kann ich nicht anders, da muss ich mal herzhaft lachen.

Als die verirrte Familienministerin vom politischen Gegner gelobt wurde, dass sie die rotgrüne Familienpolitik nahtlos fortgesetzt habe, hat sie sich mächtig was eingebildet und ist vor Freude ganz rot geworden, obwohl sie doch meist einen schwarzen Hosenanzug trägt. Dagegen ist die Kanzlerin vor Neid gelb geworden, weil nicht ihr das Lob zuteil wurde. Wie herrlich diese fröhlichen politischen Farbenspiele! Dafür müssen sie Sinn entwickeln, dann macht auch Ihnen Politik noch mehr Freude.

Trotz allem wird die Dame nun auch noch als Nachfolgerin für den wackeligen Bundespräsidenten gehandelt. Dazu meinte doch neulich jemand: „Dann wandere ich aus, mindestens bis nach Bayern.“ Ich sag ja, so lustig kann Politik sein.

Auch im Steuerrecht gibt es die spaßigsten Zustände, was die Familie betrifft. Oder kann jemand erklären, warum man beim Kauf von Hundefutter nur 7 % Mehrwertsteuer bezahlen darf, aber beim Kauf von vielen Kindersachen 19 % berappen muss? Nein, das kann niemand erklären, auch kein Politiker. Und das soll nicht zum Lachen sein?

Oder nehmen wir die Steuerabschreibungen. Wer ein Kind großzieht, darf nur so viel Kosten geltend machen, die er aufwenden muss, damit das Kind nicht verhungert. Existenzminimum nennt man das. Wenn jemand eine gewerbliche Schweinezucht betreibt, darf er aber alle Kosten absetzen, die durch die Schweinezucht entstehen. Steuerlich ist also das Großziehen von Schweinen vorteilhafter als das Großziehen von Kindern. Ist das nicht zum Quieken? Wundern wir uns also nicht, wenn wir demnächst mehr fröhliches Schweinequieken und genüssliches Grunzen als Kinderlachen hören. Das gibt ein tierisches Schweinevergnügen!

Geradezu idiotisch lustig wird es, wenn man sich ansieht, wie mit der Familie in der Rentenversicherung umgegangen wird. Seit 1957 pflegen wir ein verfassungswidriges Rentensystem, weil bei der damaligen Rentenreform Leistungen der Familie in dieser Sozialversicherung nicht entsprechend berücksichtigt wurden. Obwohl das durch das Verfassungsgericht schon vor vielen Jahren ausdrücklich festgestellt worden ist, haben die Politiker bis heute noch nicht die Schulaufgaben gemacht, die sich daraus ergeben. So gibt es heute immer noch Leute, die sich für Rentenexperten halten und nach 65 Jahrennoch nicht einmal begriffen haben, dass das Rentensystem nicht nur aus Geld, sondern aus Geld und Menschen besteht, und zwar gleichwertig. Wenn eine Frau also mehrere Kinder großgezogen hat, die dann die heutigen Renten aufbringen, hat sie deswegen genauso einen Anspruch auf eine anständige Rente wie andere, die von ihrem Arbeitslohn Rentenbeiträge gezahlt haben. Wenn dann diese selbsternannten Rentenfachleute, die die simpelsten Grundlagen unseres Rentensystems nicht begriffen haben, vor einem honorigen Publikum, etwa dem Bundestag, mit scheinbar sachkundiger Miene ihren Nonsens zu dem verfassungswidrigen Rentensystem vortragen, könnte ich mich vor so viel Schwachsinn schütteln vor Lachen.

Die ganze Lächerlichkeit dieses Geschwätzes um die jetzige Rentenregelung wird deutlich, wenn man sich darüber klar wird, dass die gegenwärtig Beschäftigten durch ihre Beiträge die gegenwärtig zu zahlenden Renten aufbringen. Woher kommen denn diese heutigen Beitragszahler? Sie sind in der Regel von der Mutter über viele Jahre großgezogen worden, die deswegen oft auf eine Berufstätigkeit und damit auf eine eigene Rente verzichtet hat. Was bekommen die Mütter dafür heute? Ein Almosen von 27,19 € im Monat pro Kind! Und was kommt durch die Berufstätigkeit der Kinder in die Rentenkasse? Das wäre doch eine interessante Frage. Wenn nur zwei Kinder dieser Almosenempfängerin mit einem kaum mittleren Einkommen 45 Jahre berufsfähig sind, summiert sich das auf etwa eine halbe Million! Was die Mutter davon bekommt, wenn sie wirklich 20 Jahre Rente erlebt, kann sich jeder ausrechnen, der kein Rentenexperte ist. Da könnte einem doch glatt das Lachen im Halse stecken bleiben!

Und wenn jemand meint, diese schwachsinnige Ungerechtigkeit wäre nicht mehr zu toppen, dann irrt er sich wieder einmal. Denn während die Mutter der Rentenaufbringer mit einem Almosen abgespeist wird, erhält z. B. die Witwe eines kinderlosen Ehepaares, die immer berufstätig sein konnte, nicht nur ihre eigene Rente. Ihr wird vielmehr auch noch ein Teil der Rente ihres Mannes hinterher geworfen, den sie eigentlich gar nicht braucht und kaum ausgeben kann. So werden Millionen aus der Rentenkasse unsinnig verplempert. Die eine Frau bekommt eine doppelte Rente und die andere, die diesen Luxus durch das Großziehen ihrer Kinder ermöglicht hat, kann ggf. Hartz IV beantragen. Bei so viel Irrsinn bleibt, da wir schließlich Karneval haben, nur noch ein fröhliches Ratespiel: Ist dieser Nonsens noch zu überbieten?

So werden die Familien seit Jahrzehnten um Millionen und Abermillionen betrogen. Doch kein Schwein und auch kein Politiker kümmert sich ernsthaft um diese fortlaufenden politischen Verbrechen. Was? Sie meinen man dürfe doch nicht die Arbeit der Regierung nicht als politisches Verbrechen bezeichnen? Dazu kann ich nur zweimal laut lachen:
Erstens geht es nämlich nicht um die Arbeit der Regierung, sondern um ihr Nichtstun; selbst Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes werden noch nicht einmal umgesetzt. Zweitens: Wenn Heiner Geißler seinerzeit gerichtlich bestätigt bekam, dass er den damaligen, inzwischen so verklärten ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt als „politischen Rentenbetrüger“ titulieren durfte, dann muss man das skandalöse Fehlverhalten der Regierung auch politisches Verbrechen nennen. Das wäre doch gelacht!

Noch etwas Lustiges ist mir aufgefallen: Der dümmste Bauer ist nicht so blöd, dass er seine beste Kuh verhungern lässt. Die beste Kuh in Staat und Gesellschaft ist und bleibt die Familie. Sie ist die Keimzelle, ohne sie und ihre Kinder geht nichts, kein Sozialsystem, kein Wirtschaftssystem. Sie ist die unersetzliche Sozialisations- und Bildungsstätte für die nächste Generation, und sie ist schließlich für den Staat auch aus finanziellen Gründen unersetzlich. Denn was in der Familie trotz der öffentlichen Einrichtungen an Kindererziehung und Betreuung, Kranken- und Altenpflege geleistet wird, kann kein Staat bezahlen. Ohne die Familie stirbt das Land sogar aus! Das alles scheinen jedoch die Leute in der Politik nicht zu bemerken, sonst würden sie die Familie nicht so behandeln. Dann müssen die ja logischerweise noch blöder sein als der dümmste Bauer? Und das ist dann doch nun wirklich zum Schießen!

Doch zum Schluss noch etwas Erfreuliches:

Sie wissen sicherlich noch nicht, dass in diesem Olympia-Jahr erstmals eine ganz besondere Olympiade veranstaltet wird, Alle Bananenrepubliken unseres Erdballs sind aufgerufen, sich mit ihren tollsten Erfolgen daran zu beteiligen. Die Bananenrepubliken sind ja meist auf der südlichen Globushälfte angesiedelt und werden von den Nordländern mitleidig belächelt, weil sie nichts auf die Reihe kriegen, ihre eigene Verfassung und ihre selbst beschlossenen Gesetze nicht beachten, die Leute ins Elend stürzen und schließlich den ganzen Staat ruinieren.

Und deshalb will sich Deutschland in der Disziplin „Familienpolitik“ an dieser Olympiade beteiligen, weil unser Land doch bei diesen Skandalen fröhlich mithalten kann. Wie wir ja gesehen haben, geht es bei uns doch auch himmelschreiend ungerecht zu, werden die Familien fortlaufend um Millionen betrogen und als Arbeitsmarkt-Reservoir missbraucht, haben wir derzeit so viel arme Kinder und Familien in Armut wie noch nie. Und so arbeiten wir doch schon seit Jahrzehnten kontinuierlich, mit vorbildlicher Nachhaltigkeit, deutscher Gründlichkeit und bewundernswerter Borniertheit daran, dass in unserem Land immer weniger Kinder geboren werden, so dass wir in absehbarer Zeit auch noch unsere Sozialsysteme ruiniert haben, kurz: dass wir unser Land abschaffen, alles genau wie in einer vorbildlichen Bananenrepublik. Und deshalb rechnet sich unsere Bundeskanzlerin logischerweise eine gute Chance auf eine Goldmedaille in der Familienpolitik bei dieser Olympiade der Bananenrepubliken aus.

Das sind doch nun wirklich erfreuliche Aussichten und damit haben wir weiterhin allen Grund, fröhlich zu sein und uns an dieser lustigen Familienpolitik zu erfreuen; denn wie gesagt, nur mit einer gehörigen Prise Humor lässt sich dieser ganze Schwachsinn noch aushalten, und da ist es gut, dass wir den Karneval haben, in der Familienpolitik sogar während des ganzen Jahres!

Ferdinand Lutz

Diabolus

Bekäme ich als ein DIABOLUS von meinem Vorgesetzten den Auftrag, die Gesellschaft zu zerstören, so würde ich strategisch mit der Zerstörung der Familie beginnen.

Zunächst würde ich Ehe und Treue als überholt deklarieren und Volksvertreter mit mehreren gescheiterten Ehen als Vorbilder in Regierungsverantwortung hieven. Dann müsste ich die Vater-Mutter-Kinder-Familie als absolut unzeitgemäß verspotten, Patchwork und Alleinerziehend dagegen über die Medien zum Erfolgsmodell hochstilisieren. Ganz wichtig ist es, die traditionelle Familie als Hort von Unterdrückung und Grausamkeit zu verdächtigen, wo Kinder zu Tode gequält werden und wo ihnen ein veraltetes bürgerliches Rollenmuster vermittelt wird. Die klassische Familie als ein vorgestriges, lächerlich altbackenes und biederes Phänomen darzustellen wäre ein weiterer Schritt zu deren Demontage. Weiterhin müssen Familienmütter als faule Schlampen verunglimpft werden, die den ganzen Tag vor der Glotze hocken und sich mit Schnaps abfüllen. Dass man solchen Looserinnen kein bares Betreuungsgeld anvertrauen kann, sondern nur „Bildungsgutscheine“, dürfte sich von selbst verstehen. In der Folge gehören dem heimischen Herd und dem Familientisch der Garaus gemacht. Denn für die Zerschlagung der Familien ist nichts wichtiger, als die Mütter von Herd und Kindern zu trennen. Das wusste schon Friedrich Engels (1820 – 1895) bei der Festlegung der Grundsätze des Kommunismus. Familie hat deswegen nur noch Schlafplatz zu sein. Tagsüber werden die Mütter als so genannte Fachkräfte in die Betriebe geschickt, die Kinder in Institutionen ausgelagert.

Um dies zu erreichen sind allerdings mehrere Voraussetzungen nötig:

  • Die Einkommen der Eltern müssen so minimiert werden, dass eine Familie mit mehreren Kindern davon nicht mehr leben kann.
  • Familien müssen mit jedem weiteren Kind zunehmend unter das Existenzminimum geraten. Dieses Problem ist in Deutschland bereits perfekt gelöst durch ein Sozialsystem, das Eltern ausbeutet, sich aber schönfärberisch „Generationenvertrag“ nennt.
  • Rechtsgüter wie das Ehegattensplitting, die so genannte Mitversicherung und Erziehungszeiten müssen immer aggressiver als Fehlanreize diffamiert und eiligst abgeschafft werden. Aber auch hier ist schon gute Vorarbeit geleistet worden.

Meine diabolische Hauptaufgabe aber besteht darin, die wahre Absicht meines Auftrages zu verschleiern. Nur mit Beschönigungen kann die Gehirnwäsche der Gesellschaft zum Ziel führen. Ich sage Generationenvertrag, meine aber Ausbeutung der Eltern und der nachfolgenden Generation. Ich spreche von Selbstverwirklichung, meine aber Mehrfachbelastung und Hamsterrad. Ich nenne es  frühkindliche  Bildung und meine Gängelung. Ich spreche von Betreuung, gemeint ist aber Kollektivierung. Ich philosophiere über den demographischen Wandel, meine aber  die demographische Katastrophe in Deutschland.

Hier kann ich mich gemütlich zurücklehnen. Mit 1,4 Kindern pro Frau, 120 000 Abtreibungen und 300 000 jungen Auswanderern pro Jahr wird sich Deutschland in wenigen Jahren selbst abgeschafft haben. Solange nach deutschem Recht Kinderlosigkeit belohnt, Elternschaft aber bestraft wird, werden Paare sich ihren Kinderwunsch vollends abschminken. 1: 0 für mich, ohne dass ich nur einen Finger krumm mache. Sinkende Geburtenraten versetzen mich in diabolische Ekstase, denn hier kann ich den Erfolg meines destruktiven Einsatzes ablesen.

Nichts befördert den Ruin der Gesellschaft so effektiv wie die Zerstörung ihrer Basis, nämlich der Familie.

Diabola Bärbel Fischer


Gruppe der Frauen der Bundestagsfraktion GdF @ Fischer

Vielen Dank für Ihr Schreiben vom 11. November 2011 zur geplanten Einführung des Betreuungsgeldes ab dem Jahr 2013 und Ihre Kritik zu meiner ablehnenden Haltung gegenüber einem Betreuungsgeld als Barzahlung.
 
Um mögliche Missverständnisse unmittelbar zu Beginn aus dem Weg zu räumen: Ich habe mich nicht gegen das Betreuungsgeld ausgesprochen, sondern kritisiere – auf Grundlage eines Beschlusses der „Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion“ (GdF) aus dem Frühjahr 2010 – die zur Diskussion stehende Barauszahlung des Betreuungsgeldes. Mit dieser Haltung geht auch keine Abkehr von bisherigen politischen Positionen einher. Zur Erinnerung: Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 wurde vereinbart: „Um Wahlfreiheit zu anderen öffentlichen Angeboten und Leistungen zu ermöglichen, soll ab dem Jahr 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150,- Euro, gegebenenfalls als Gutschein, für Kinder unter drei Jahren als Bundesleistung eingeführt werden.“
 
Diese Passage zum Betreuungsgeld haben wir innerhalb der GdF bereits im letzten Jahr zur Grundlage weiterer Diskussionen gemacht, die ausführlich und unter Einbindung verschiedenster Expertinnen und Experten geführt wurden. Die Abstimmung in der GdF über die Ausgestaltung des Betreuungsgeldes im Frühjahr 2010 hat gezeigt, dass mit sehr großer Mehrheit das im Koalitionsvertrag angebotene Gutscheinmodell befürwortet wird. Unser Beschluss beinhaltet die Forderung, dass nur der Elternteil, der sich zu Hause der Kindererziehung widmet, einen entsprechenden „Gutschein“ für die Riester-Rente, eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung oder Wiedereingliederungskurse erhält. Das macht deutlich: Wir bevorzugen eine nachhaltige, gezielte Unterstützung des erziehenden Elternteils.
 
Ich bin überzeugt, dass die Position der großen Mehrheit der GdF sehr im Interesse der Familien und zum Wohle der Kinder sowie im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung getroffen wurde. Wir wollen für jede Familie eine echte Wahlfreiheit ermöglichen – dazu gehört der Ausbau der Kinderbetreuung genauso wie die nachhaltige Stärkung und Unterstützung des Elternteils, der seine Berufstätigkeit für die Kindererziehung unterbricht. Selbst wenn 2013 der gesetzlich vorgeschriebene Ausbau von 35 Prozent erreicht ist, werden 65 Prozent der Kinder zu Hause betreut, was wirklich nicht als familienfeindlich ausgelegt werden kann. An dieser Stelle sehe ich auch keinen Punkt, an dem der GdF-Beschluss Eltern diffamiert, die sich für eine Betreuung der Kinder in der Familie entschieden haben oder entscheiden werden. Eine derartige Position ist daraus ebenso wenig zu entnehmen wie etwaige Vergleiche mit der Begrifflichkeit „Herdprämie“. Derartige Begrifflichkeiten wurden von den Frauen der Unionsfraktion in der gesamten Diskussion nicht benutzt oder beschrieben.
 
An dieser Stelle darf ebenso nicht außer Acht gelassen werden: Die Union hat die Verdienste in den Familien auch durch finanzielle Leistungen seitens des Staates immer besonders betont. Es waren unionsgeführte Bundesregierungen unter Kanzlerin Angela Merkel, die das Elterngeld einführten, dieAbsetzbarkeit von familienunterstützenden Dienstleistungen verankerten, Familien im Niedrigeinkommensbereich mit einem Zuschlag für Bildung und Teilhabe förderten, das Kindergeld mehrfach erhöhten, den Kinderfreibetrag im Einkommensteuerrecht mehrfach anhoben, sich für den Ausbau der Kinderbetreuung einsetzten usw. Mehr als 150 verschiedene ehe- und familienbezogene Leistungen mit einem jährlichen Gesamtvolumen von etwa 190 Milliarden Euro gibt es gegenwärtig. Seit 2005 ist das Leistungsvolumen für Familien um mehr als fünf Prozent gestiegen – trotz Haushaltssanierung mit finanziellen Kürzungen in nahezu allen Bereichen. Es ist daher nicht angebracht, wenn im Zuge der Diskussionen um das Betreuungsgeld immer wieder suggeriert wird, eine finanzielle Anerkennung der Familienleistung steht komplett aus oder wäre überfällig.
 
Ich begrüße sehr, dass in den nächsten Wochen ein Gesetzentwurf zur Ausgestaltung des Betreuungsgeldes erarbeitet werden wird. Bislang ist nichts parlamentarisch verabschiedet worden. In den ausführlichen parlamentarischen Beratungen wird es um die Voraussetzungen für den Erhalt sowie die Ausgestaltung der Leistungen selbst gehen. Ich werde mich für eine nachhaltige Lösung im Sinne der Familien und für eine wirkliche Wahlfreiheit, aber weiterhin gegen eine Barauszahlung des Betreuungsgeldes einsetzen.
 
Mit freundlichen Grüßen aus Berlin
Rita Pawelski

Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

 

Es gibt für Mütter zwei Motivationen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen:

Entweder sie wollen ohne nennenswerte Unterbrechung in ihrem erlernten Beruf weiterarbeiten, sich engagieren, Erfolg haben. Oder sie müssen erwerbstätig sein, um die Familie vor Armut zu bewahren. In beiden Fällen bleibt nur, die Betreuung ihrer Kinder an Dritte zu delegieren.

 

„Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ heißt das Erfolgsrezept von Politik und Wirtschaft. Dabei haben sie die Vollerwerbstätigkeit der Mütter bei Ganztagsbetreuung der Kinder ab 12 Monaten im Auge. Dies hat

 

  • Vorteile für den Staat: Einnahmen von Steuern und Sozialbeiträgen, Einnahmen von Mehrwertsteuern durch vermehrten Konsum,

 

  • Vorteile für die Arbeitgeber: Die Frauen können acht Stunden präsent und im Einsatz sein. Die Arbeitsplätze sind mit billiger Frauenarbeit besetzt, durch Überangebot von BewerberInnen können Löhne niedrig gehalten werden.

 

  • Vorteile für die Mütter: Die Kinder sind ganztägig versorgt.

 

Für die Mütter tun sich allerdings auch erhebliche Nachteile auf:

  • Mehrfachbelastung bis zum Burnout, Zeitnot, ständiger Termindruck, ständiger Organisationszwang z. B. bei Krankheit, Eifersucht auf die Betreuerin,weil sich die Kinder emotional umorientieren, Qualitätsmängel der Krippe

 

Nachteile für die Kinder:

  • Verlassenheitsängste als Stressfaktor, emotionale Entfremdung von den Eltern, täglich zwei Trennungssituationen, Zuwendungsmangel, Aggression und Resignation

 

Unbestritten ist es das selbstverständliche Recht der Väter und Mütter, ihre Kinder in Krippen- oder eine sonstige Betreuung zu geben, wenn sie sich ihrem Beruf verschreiben wollen. 

 

Entsprechend muss es aber auch für Eltern als selbstverständliches Recht gelten, dass sie ihre Kinder in eigener Obhut und Verantwortung zuhause erziehen können. 

Denn es gibt immer noch viele Eltern, die sich dem Diktat von Wirtschaft und Politik nicht beugen wollen. Sie setzen auf ihr grundgesetzliches Recht ( Art. 6 GG), ihre Kinder in eigener Obhut und Verantwortung  selbst zu betreuen, zu fördern und sie durch die Kindheit zu begleiten. Sie sehen Vereinbarkeit als ein sehr problematisches Instrument an, mit welchem auf Kosten von Kindern und Eltern wirtschaftlicher Profit gemacht wird, ( um das Wort Sklaverei zu vermeiden). Sie stehen auf dem Standpunkt, dass sich die Fürsorge für Kinder und Erwerbsarbeit außer Haus gar nicht vereinbaren lassen, sondern Geldmangel lediglich durch Zeitmangel ersetzt wird, die Belastungen für die Eltern sich addieren und die Kinder sich von ihren Eltern entfremden. Sie lehnen familienferne Ganztagsbetreuung von Kindern ab, auch wenn medial verbreitete Pseudostudien die Überlegenheit kollektiver Krippenbetreuung vor individueller Zuwendung durch die Mutter suggerieren wollen. Eine fortschreitende Entfamilisierung bewirkt nach ihrer Überzeugung den Verfall sozialer Werte, die früher in intakten Familien noch vermittelt werden konnten.

 

Staat und Wirtschaft sitzen jedoch am längeren Hebel.

 

  • Von Seiten der Politik wird heute Vereinbarkeit +Krippenbetreuung  zum bevorzugten gesellschaftlichen Modell postuliert und exklusiv hoch subventioniert. Das geschieht mit Lenkungsabsicht und hat Lenkungswirkung. Auf dieser Schiene kann von Müttern scheinbar ganz legal (?) verlangt werden, dass sie berufstätig zu sein haben, wie es ja bereits Realität bei Alleinerziehenden ist. Vom Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz bis zur Krippenpflicht ist der Weg nur kurz. Kindererziehung muss zwangsläufig kollektiviert werden. Wer sich diesem Modell verweigert, hat mit finanziellen und gesellschaftlichen Einschränkungen zu rechnen. Schon Engels forderte zur Durchsetzung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung zuallererst die Zerschlagung der Familien durch die Eliminierung der Mütter. Sozialismus pur!

 

  • Den Schwarzen Peter haben in jedem Fall die Eltern. Sie bringen ihr Sonderopfer durch unbezahlte Erziehungsarbeit, durch Sozialabgaben ohne Rücksicht auf die Zahl ihrer Kinder, durch Einbußen bei der Altersversorgung bis zu 60 %. Vom Makel der Diskriminierung können sie sich aber nicht befreien. Nach wie vor werden sie verspottet und bevormundet ( Herdprämie, Gutscheine) von Parlamentariern, die selber nur eines oder gar keine Kinder haben. Ohne Skrupel werden von SPD, Grünen, Linken, FDP und Teilen der CDU/CSU  bereits  Rechtsgüter zur Steuergerechtigkeit öffentlich zur Disposition gestellt, wie das Ehegattensplitting, die so genannte Mitversicherung und  Erziehungszeiten, um sie als „Fehlanreize zulasten von Erwerbsbiographien“  baldmöglichst abzuschaffen.

 

  • Trotz einer, im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Arbeitsmarktintegration von Frauen in Deutschland kritisiert EU-Kommissar Laszlo Andor in Brüssel das geplante Betreuungsgeld: Eltern einen Anreiz zu bieten, zuhause zu bleiben und dafür Geld zu bekommen, schwäche den Arbeitsmarkt. Er sei überrascht, dass die Bundesregierung Mütter zur Betreuung ihrer Kinder zuhause ermutige. „Es gilt in Europa die klare Politik, die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt zu fördern.“
  • Auch die Rechtsprechung hat einen Paradigmenwechsel vollzogen. Im Widerspruch zu früheren Urteilen wiesen die neu gewählten Verfassungsrichter bereits mehrere Klagen von Eltern mit der Begründung ab, die Erwerbstätigkeit von Frauen habe Vorrang vor Familienarbeit.

 

Man sieht: Die Selbstbestimmung/Emanzipation der Frau wird mehr denn je missachtet. Mehr denn je werden Mütter ausgebeutet.  Man sieht außerdem überdeutlich, zu welchem Zweck und zu wessen Profit die Floskel von der Vereinbarkeit „erfunden“ wurde. Die Familie hat sich dem Diktat von Politik und Wirtschaft zu beugen.

 

Die Ideologien ökonomischer Machbarkeit und sozialistischer Gleichmacherei verbünden sich mittels der schönfärberischen Phrase von der so genannten  Vereinbarkeit nicht für, sondern gegen Familien.  Auf einen Nenner gebracht:

 

Wirtschaftliche und sozialistische Ideologien sägen mit ein und der selben Vereinbarkeitssäge  am Ast unserer Gesellschaft.

 

Bärbel Fischer

 

 

Modell Hausfrau stirbt aus

Leserbrief zu „Modell Hausfrau stirbt aus“, Schwarzwälder Bote, 2. Februar 2012

 

Diese Überschrift samt Untertitel „Immer mehr Mütter (…) arbeiten“ klingt in meinen Ohren wie höhnisches Triumphgeschrei im Sinne von: „Bald haben wir sie vollends zur Strecke gebracht.“ Jedes Tier, das auf der Liste aussterbende Arten steht, erfährt Schutz und Förderung. Nicht so die Hausfrau. Auf ihr wird  – obwohl sie schon am Boden liegt – immer weiter herumgetrampelt, durch die Politiker/innen, Schwarzer-Feministinnen, Gender-Beauftragten, Wirtschaftlobby und nicht zuletzt durch die Medien. Die Verunglimpfung per „Sie arbeitet nicht!“ (Was tut sie denn dann zuhause?), Betreuungsgeld gleich Herdprämie, abzuschaffendes Ehegattensplitting, Nur-Hausfrau gleich doof, Reform des Unterhaltsrechts, Elterngeld nur als Ersatz für vorher erzieltes Erwerbseinkommen, etcetera  nehmen kein Ende.Das alles wird Euch noch einmal leidtun, wenn immer mehr zu Pflegende in die Heime drängen und die Ehrenämter nicht besetzt werden. Abgesehen davon, dass heute schon täglich berichtet wird: „Das Modell Kind stirbt aus.“ Wie bescheuert muss eine Gesellschaft sein, die den eigenen Ruin derart selbstbewusst betreibt?

Gertrud Martin

Seb.-Kneipp-Str. 110

78048 VS-Villingen

Tel. 07721 56124

Werden Krippenkinder schlauer?

Von Dr.Johannes Resch

Am Montag, den 3. März 2008 rauschte es durch den Blätterwald einschließlich seriöser Zeitungen. Da war unter Berufung auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zu lesen: „Krippenkinder haben bessere Bildungschancen“, „Vorsprung durch Kinderkrippe“, „Kinderkrippe erhöht Chancen auf höheren Bildungsabschluss“ usw. usw.

In der Studie wird behauptet, dass der Besuch von Kinderkrippen in den ersten drei Lebensjahren die Wahrscheinlichkeit, später ein Gymnasium zu besuchen, deutlich erhöhe. Das führe dann für die Betroffenen zu höheren Einkommen und zu Milliardengewinnen für die ganze Volkswirtschaft.

Diese Behauptung erscheint zunächst überraschend, da eine bessere schulische Karriere nach Krippenbetreuung gegenüber häuslicher Betreuung in der seriösen Fachliteratur bisher nicht beschrieben wurde, wenn mal vom Sonderfall der besseren Sprachförderung von Kindern ausländischer Eltern abgesehen wird.

Geradezu abenteuerlich erscheint die Massivität des behaupteten Zusammenhangs. Krippen-betreuung soll die Wahrscheinlichkeit, später aufs Gymnasium zu kommen, im Durchschnitt um fast 40 Prozent erhöhen. Würde das stimmen, wäre es wohl auch schon früher aufgefallen.

Leider waren die Bertelsmann-Zahlen nicht direkt nachzurechnen. Trotz mehrmaliger Bitte waren die Ursprungszahlen nicht zu erhalten.

Die Bertelsmann-Berechnung bezieht sich auf die in den Jahren 1990 – 95 in Deutschland geborenen Kinder. Die Auswahl des Gymnasialbesuchs als Unterscheidungskriterium wurde damit begründet, dass es diesen Schultyp in allen Bundesländern gebe.

Aus Unterlagen des Statistischen Bundesamtes lässt sich die Häufigkeit der Krippenbetreuung und des Besuchs von Gymnasien in den einzelnen Bundesländern ersehen. Daraus ergibt sich, dass sowohl Krippenbetreuung als auch Gymnasialbesuch in den Bundesländern sehr unterschiedlich häufig sind. In Ländern, in denen Krippenbetreuung am häufigsten ist (neue Bundesländer, Berlin, Hamburg, Bremen) ist auch der Besuch von Gymnasien am häufigsten. So war im Gegensatz zum Westen die Krippenbetreuung von Kleinkindern in den neuen Bundesländern die Regel und ist es weitgehend auch heute noch.

Werden nun die Schüler/innen aller Bundesländer in einen „Topf“ geworfen, wie es die Studie offensichtlich tut, dann kommen die meisten „Krippenschüler/innen“ aus dem Osten und den Stadtstaaten, wo es auch die meisten Gymnasien gibt. Allein dadurch muss es zu einer Häufung des Besuchs von Gymnasien bei denen kommen, die früher eine Krippe besucht haben.

Werden anhand der statistischen Daten die landestypischen Unterschiede rechnerisch berücksichtigt, so wird die in der Studie beschriebene Häufung von Krippe und Gymnasium allein schon dadurch erklärt.
Nun könnte ja jemand sagen: Die Ostler/innen sind eben schlauer wegen der früheren Krippenbetreuung und gehen deshalb später häufiger aufs Gymnasium. Aber da gibt es die Pisa-Studien, die nur die Leistungen messen, ohne das Schulsystem zu berücksichtigen. Und da zeigt sich gerade nicht, dass die Schüler/innen im Osten besser sind. Im Gegenteil: Die Lesefähigkeit war dort wesentlich schlechter. Auch in Mathematik und Naturwissenschaften lagen die Werte, wenn auch wenig, unter dem deutschen Durchschnitt. – Auch Bremen hatte trotz der vielen Gymnasien sogar die schlechtesten Pisa-Ergebnisse aller Bundesländer in allen drei Disziplinen. Hamburg hatte gar nicht teilgenommen.

Damit ist eigentlich schon klar, dass es gar keinen glaubwürdigen Hinweis auf eine günstige Wirkung der Krippenbetreuung auf die spätere Schullaufbahn gibt. Würde Krippenbetreuung wirklich die intellektuelle Entwicklung erkennbar fördern, dann wären in den neuen Bundesländern auch bessere Pisa-Ergebnisse zu erwarten als im Westen.

Die in der Studie beschriebene Beziehung ist vergleichbar mit der Aussage: Wer in Hochhäusern wohnt, fährt häufiger Straßenbahn. Das wurde zwar nie untersucht, ist aber sehr wahrscheinlich. Weil Hochhäuser und Straßenbahnen typische Merkmale großer Städte sind, haben ihre Bewohner damit auch häufiger zu tun. Aber sie fahren nicht häufiger Straßenbahn, weil sie in Hochhäusern wohnen. Vielmehr ist beides Folge einer gemeinsamen Ursache.

Die Bertelsmänner und -frauen haben hier schlicht einen sehr groben Fehler gemacht, der bei solchen Untersuchungen immer wieder vorkommt. Sie haben aus einer zahlenmäßigen Beziehung (einer Korrelation) einfach auf einen ursächlichen Zusammenhang geschlossen, ohne nahe liegende triviale Zusammenhänge zu prüfen.

Die weitergehenden Berechnungen zu angeblichen Milliardengewinnen für die Volkswirtschaft bei Ausbau der Kinderkrippen wirken dann nur noch peinlich. Wenn Bildung so einfach wäre, wie es die Studie unterstellt, dürften so grobe Fehler wie in dieser Studie gar nicht vorkommen.

Kommentar zur Studie der Bertelsmann-Stiftung

Kommentar zur Studie der Bertelsmann-Stiftung („Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland, eine ökonomische Bewertung langfristiger Bildungseffekte bei Krippenkindern“), 2008. Von Johannes Resch.

Anfang Dezember 2010 wurden uns von den Medien erneut die „Ergebnisse“ einer pseudowissenschaftlichen Studie der Bertelsmann-Stiftung aufgetischt, die bereits im März 2008 für Furore gesorgt hatten. Zentrale Aussage der Studie ist, dass Kinder, die eine Kinderkrippe besucht haben, so gefördert würden, dass ihre Chancen später auf ein Gymnasium zu kommen, um 40% stiegen. – Bei Bertelsmann scheint die Auffassung zu herrschen, dass auch der größte Unsinn geglaubt wird, wenn man ihn nur oft genug wiederholt. So sollte auch die Kritik dazu wiederholt werden.

Unser Sozialrecht enteignet Eltern und Jugend

Der Autor der vorliegenden Studie, Dr. Johannes Resch, ist Arzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Arzt für Arbeitsmedizin und beschäftigte sich von 1977 bis 1981 am Institut für Sozial- und Arbeitsmedizin der Universität Heidelberg mit dem deutschen Sozialrecht und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Seit 1983 arbeitete er im öffentlichen Gesundheitsdienst, war 20 Jahre Leitender Arzt am Versorgungsamt Karlsruhe und lernte dabei auch die Auswirkungen unseres Sozialrechts von der praktischen Seite her kennen.

Seit 1996 engagiert er sich in der Ökologisch-Demokratischen Partei ödp im Sinne eines leistungsgerechten und nachhaltigen Sozialrechts.“

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