Um das Betreuungsgeld betteln?

Leserbrief zu „Staatliche Lenkung zu Krippe vermeiden“, in Die Tagespost vom 10. 12. 2011
Dieses Interview mit Frau Staatsministerin Haderthauer ist in seiner begrifflichen Klarheit und ideologischen Unabhängigkeit geradezu ein Labsal. Es ist zu bedauern, dass unsere Familienministerin Kristina Schröder daneben sehr schülerhaft und inkompetent wirkt, mit ihren immer neuen, verwässernden Vorschlägen zur Akzeptanzverbesserung des Betreuungsgeldes bei seinen Bekämpfern. Sie tut das ohne Not – denn das Betreuungsgeld ist definitv beschlossene Sache – und lässt sich so vor den Karren des Wirtschaftsministers spannen, der die jungen Frauen in der Erwerbstätigkeit sehen möchte. Seine Sorgen wegen des demografisch bedingten Fachkräftemangels sind dadurch nicht zu beheben. Im Gegenteil: Wenn Frauen nicht mal in den ersten drei Jahren genügend Luft haben, ihr Familienleben einigermaßen autark zu gestalten, werden die Geburtenzahlen weiter dramatisch sinken.  Der Verband der Familienfrauen und -männer, VFFM, e.V. schlägt vor, mindestens bis zum 3. Geburtstag eines Kindes ein Betreuungsgeld von mindestens 300 € monatlich zu zahlen und im Gegenzug das Elterngeldgesetz zu ändern, indem auch hier allen Eltern gleichmäßig die 300 € gewährt werden, anstatt die Höhe – bis zu 1800 € – nach den vorausgegangenen Erwerbseinkünften zu bemessen. Aus unserer Sicht ist diese Art der Bemessung eine glatte Diskriminierung der elterlichen Erziehungsarbeit, die als solche zu bewerten und zu honorieren ist, unabhängig vom vor der Geburt innegehabten Erwerbsstatus. Warum wird zum Beispiel der 8-Stundeneinsatz mit Urlaubsanspruch einer Erzieherin so anders bewertet als die Rund-um-die-Uhr-Verantwortung der Eltern?
Übrigens: auch die viel diskutierte Gutscheinlösung ist strikt abzulehnen. Das damit gegenüber allen Eltern dokumentierte Misstrauen ist schlicht unerträglich. Gutscheine wären ja wiederum nur für irgendwelche außerhäuslichen Angebote einsetzbar. Die derzeit angepeilten 150 € Betreuungsgeld pro Monat bedeuten 5 € täglich. Wer macht dafür heute einen Finger krumm? Eltern sollen darum noch betteln? Mehr Verachtung lässt sich kaum denken!
Gertrud Martin
Vorsitzende des Verbands der Familienfrauen und -männer e.V., VFFM
Seb.-Kneipp-Str. 110
78048 VS-Villingen
Tel. 07721 56124

Frauenquote für Behörden

Leserbrief zu „Schröder plant für Behörden Frauenquote“
Schwarzwälder Bote vom 12. 12. 2011
Das Portrait, das den Artikel illustriert, zeigt m. E. deutlich, wie wenig Freude Frau Schröder daran hat, all die feministisch-ideologischen Krampfthemen zu vertreten und durchzusetzen, die heute „politisch korrekt“ sind: 
– Frauenquoten, naturgemäß vorzugsweise für Nichtmütter,
– einseitige Hochsubventionierung der außerhäuslichen Betreuung der unter Dreijährigen statt wirklicher Wahlfreiheit für die Eltern und Stützung ihrer Erziehungskompetenz,
– Väter in die Kinderstube – abgesehen vom Elterngeld – zu denselben diskriminierenden Bedingungen, die für Mütter seit eh und je gelten,
– „familienfreundliche Teilzeitarbeit“ für Eltern, absolut ohne Beachtung der Tatsache, dass ein Teilzeitjob gleichbedeutend ist mit einem Teilzeitlohn…..
Was konkret könnte sie sich zu fordern und zu fördern erlauben für Frauen, die einfach mal genug Zeit für die Präsenz bei ihren Kindern brauchen???
Dazu ein Zitat von Simone der Beauvoir: Die Wahlfreiheit der Frau sei strikt abzulehnen, „denn ließe man der Frau die Wahl, ihre Kinder zuhause zu erziehen, werden sich viele Frauen dafür entscheiden.“
Quintessenz: Ein Staat, der keine Mütter will, wird vergeblich auf Geburtenzuwachs warten.
Gertrud Martin
Seb.-Kneipp-Str. 110
78048 VS-Villingen
Tel. 07721 56124

Fragwürdiges KITA-Ranking

zu: Bei der Kleinkindbetreuung klaffen die Angebote  auseinander
hier: Heidelberg ist manch ländlicher Gemeinde um Jahre voraus
Schwäbische Zeitung: WIR  IM  SÜDEN, 07. 12. 2011
Veröffentlichung abgelehnt
Heidelberg gilt der Schwäbischen Zeitung offenbar als Vorzeigekommune wegen ihres üppigen Angebots an Krippenplätzen. Das lässt vermuten, dass ein Großteil von Heidelbergs Müttern in Arbeitsverhältnissen steht, was  zumindest Wirtschaft und Arbeitsmarkt erfreut. Ob das allerdings die außer Haus untergebrachten Kinder freut, ist eine andere Frage. Aus deren Perspektive gälten vermutlich die Kommunen Waldshut, Göppingen, Schwäbisch Hall und Biberach als Favoriten, denn hier dürfen die Krabbelkinder zum größten Teil noch von ihrer Mama persönlich umsorgt und gefördert werden. Noch sind die  Kinder zu klein, um dies als ein kostbares Geschenk zu schätzen, das leider viele Eltern heute wegen zu geringer Einkünfte ihrem Nachwuchs nicht mehr machen können. Insofern ist es alles andere als ein Gütezeichen, wenn Kommunen wie Stuttgart, Karlsruhe, Heidelberg oder Freiburg Kitaplätze für rund 30% der Kinder vorhalten (müssen). Vielmehr weist dieser Umstand darauf hin, dass es um das Auskommen der Familien in großen Städten schlecht bestellt ist. Ist Heidelberg den ländlichen Gemeinden wirklich „um Jahre voraus“, oder  ist es nicht eher umgekehrt?
Bärbel Fischer
Leutkirch – Stadt

Falsche Signale?

 

Sehr geehrter Herr Sommer,
in mehreren Talk-Sendungen konnte ich Sie als einen Mann erleben, der sich für die vernachlässigte Bevölkerungsschicht einsetzt. Zu dieser Schicht müssen wir 2011 leider auch Familien zählen, die unter großen finanziellen Opfern mehrere Kinder groß ziehen. Sie wissen selbst, dass Familien trotz ihrer Erziehungsleistung gleich hohe Sozialabgaben zu leisten haben wie Kinderlose, egal wie viele Mäuler von einem Lohn zu stopfen sind. Sie wissen auch, dass sich solche Familien immer mehr der Armutsgrenze nähern.
Paradoxerweise übernehmen Sie  als Gewerkschaftsführer jedoch 1:1 die Ansicht der Arbeitgeber ( hier Präsident Hundt ) und behaupten, das Betreuungsgeld (von lächerlichen 125 Euro) für Hausmütter ( dieses Wort traut man sich heute ja kaum mehr  zu verwenden) sei „ein Signal in die falsche Richtung.“ 
Ich frage Sie: Was ist denn das richtige Signal? Offenbar ein Familienleben ohne elterliche Präsenz, ohne elterliches Vorbild, ohne Nestwärme, ohne Stabilität. Ist das abendliche Zusammentreffen von erschöpften Eltern und müden  Kindern das, was Sie sich unter der „richtigen Richtung“ vorstellen? Wo bleiben Gespräch, gegenseitige Anteilnahme, der Familientisch, die Zugehörigkeit? 
Und was ist das falsche Signal? In Ihren Augen doch wohl Eltern, die ihren Kindern die nötige Präsenz bieten, die ihren Kindern den täglichen Trennungsstress ersparen wollen, die einer liebevoll zubereiteten Mahlzeit und dem gemeinsamen Essen den Vorzug vor der Kantinenabspeisung geben, die zuhören, trösten und raten zur rechten Zeit, nicht erst Stunden später.
Werter Herr Sommer, ich weiß, ich weiß, für Sie sind Vollbeschäftigung, Prosperität, Wirtschaftswachstum die  Maxime Ihres Handelns. Trotzdem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die heutigen Kinder die Arbeitnehmer von morgen sind. Sollten Sie sich vielleicht doch einmal bei den Humanwissenschaften darüber informieren, welch verheerende Wirkung zu frühe Fremdbetreuung auf Kinder hat, dann würden Sie vielleicht Mütter heute ermuntern, sich wenigstens die ersten drei Jahre voll und ganz ihren Kindern zu widmen. Vielleicht würden Sie sogar das Betreuungsgeld auf Höhe der staatlichen Krippensubventionierung (ca. 1000 Euro) hieven wollen. Denn es kommt tatsächlich auf die Basiskompetenz an, die sich Kinder im Elternhaus durch eine individuelle und  personale Betreuung erwerben: Interesse, Kreativität, Ausdauer, Begeisterung, Eifer und Disziplin. Kollektive Betreuung kann niemals den emotionalen Nährboden einer Eltern-Kind-Bindung schaffen. 
Jedes Tierkind im Zoo hat das Recht auf seine Mutter bis zur natürlichen Ablösung. Warum nicht jedes Menschenkind? Warum verweigern Politik und Arbeitsmarkt unseren Kindern ihren Anspruch auf mütterliche Geborgenheit bis zur natürlichen Ablösung, obwohl Artikel 6 unseres Grundgesetzes dieses Recht ausdrücklich feststellt? Setzen wir unsere Prioritäten auf materiellen Gewinn oder auf das Kindeswohl, auf wirtschaftliches oder auf humanes Wachstum, auf Versorgung unserer Kinder oder auf deren Entsorgung? 
Lassen Sie mich schließen mit einer Menschenweisheit: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“
Damit grüße ich Sie sehr freundlich im Auftrag der 
ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT IM LANDKREIS RAVENSBURG 
Bärbel Fischer

Jetzt mitreden

Sollen Kleinkinder in Krippen betreut werden – oder besser von Eltern?

Schön, dass in der Schwäbischen Zeitung endlich die lang ersehnte Frage nach dem Kindeswohl und den Folgen der Fremdbetreuung für Kleinkinder gestellt wird. 
Die Debatte dreht sich ja leider fast ausschließlich um den Fachkräftemangel und darum, wie die Mütter ihre Kinder unterbringen. Die Arbeitswelt gehört so gestaltet, dass junge Fachkräfte nachwachsen und nicht wegen der schlechten Bedingungen scharenweise auswandern. Anstatt ältere, erfahrene Fachkräfte weiter zu beschäftigen, lechzt der Markt nach billiger Frauenarbeit. Das hat zur Folge, dass die Löhne niedrig gehalten werden können.  Auf Kosten von Familien erwirtschaften Staat und Wirtschaft horrende Gewinne.
Anstatt diese Zustände zu beseitigen, beseitigt man die Kinder, möglichst früh, möglichst ganztags, möglichst mehrjährig. Wie es den Kindern dabei geht, fragt niemand. Doch es wäre ein Leichtes, auf die Verträglichkeitsfrage Antworten von der Hirn- und Bindungsforschung, der Verhaltensforschung oder der Psychologie zu bekommen – wenn man sich dieser Frage nur stellen wollte. 
Hier nur so viel:
Regelmäßige stundenlange Trennungen von den primären Bezugspersonen erzeugen chronischen Stress und wirken durch veränderte Cortisol-Tagesprofile hemmend auf die in dieser Phase intensiv ablaufende Hirnentwicklung (vor allem rechte Hemisphäre) ein. Als Folge büßt die Gefühls- und Emotionsregulation an Positivität, „Pufferwirkung“ und Flexibilität ein. 
Die betroffenen Kinder (basierend auf ihren genetisch angelegten Persönlichkeitsprofilen) werden aggressiver, rastloser, unkonzentrierter, ungeduldiger, desorganisierter und zuweilen auch prinzipienstarrer. Das ist inzwischen bis zum Alter von 15 Jahren belegt, weswegen Entwicklungspsychologen von einer lebenslangen Wesensveränderung ausgehen. Diese Auswirkungen betreffen nachweisbar bis zu 90% aller Kinder in Krippen

Sind das die Arbeitnehmer, die wir uns für die Zukunft wünschen?  (Der Prozess ist schon im Gange, das ist der Grund für die steigenden Burnout- und Depressionsfallzahlen).

Die genannten Zusammenhänge werden aus fragwürdigen Gründen (Wirtschaftsinteressen vor Steuergerechtigkeit für Familien, Feminismus vor Kindeswohl) ignoriert und schlimmer: geleugnet.


Bärbel Fischer

Wirtschaftsinteressen vor Kindeswohl

In seltener Einigkeit lehnen Gewerkschaftschef Sommer und Arbeitgeber-Präsident Hundt das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld ab. Im gemeinsamen Schreiben kritisierten sie, die Förderung setze falsche Signale.

Das Familiennetzwerk antwortet:

Sehr geehrter Herr Dr. Hundt, sehr geehrter Herr Sommer,

ich möchte zu Ihrer Haltung eine fachbasierte Anmerkung machen. Ihre Vorstellung, Krippen förderten die Kinderentwicklung ist irrig, in einem hohen Prozentsatz ist sogar das Gegenteil der Fall.

Begründung: Regelmäßige stundenlange Trennungen von den primären Bezugspersonen erzeugen chronischen Stress und wirken durch veränderte Cortisol-Tagesprofile hemmend auf die in dieser Phase intensiv ablaufende Hirnentwicklung (vor allem rechte Hemisphäre) ein. Als Folge büßt die Gefühls- und Emotionsregulation an Positivität, „Pufferwirkung“ und Flexibilität ein.

Die betroffenen Kinder (basierend auf ihren genetisch angelegten Persönlichkeitsprofilen) werden aggressiver, rastloser, unkonzentrierter, ungeduldiger, desorganisierter und zuweilen auch prinzipienstarrer. Das ist inzwischen bis zum Alter von 15 Jahren belegt, weswegen Entwicklungspsychologen von einer lebenslangen Wesensveränderung ausgehen. Diese Auswirkungen betreffen nachweisbar bis zu 90% aller Kinder in Krippen.


Sind das die Arbeitnehmer, die Sie sich für die Zukunft wünschen?  (Der Prozess ist schon im Gange, das ist der Grund für die steigenden Burnout- und Depressionsfallzahlen).
Die genannten Zusammenhänge werden aus fragwürdigen Gründen (Wirtschaftsinteressen vor Steuergerechtigkeit für Familien, Feminismus vor Kindeswohl) ignoriert und schlimmer: geleugnet. Ich möchte hiermit anregen, dass Sie Ihr Wissen über die Auswirkungen von Krippenerziehungen aktualisieren (Quellen dazu hier) und in gesellschafts- und wirtschaftspolitische Konzeptionen einbeziehen.

Mit Dank und freundlichen Grüßen,

 

Dorothea Böhm



Vorstand Familie-ist-Zukunft.de

Kapital verschleudern?

zum Kommentar: „Betreuungsgeld ohne Nutzen“, Schwäbische Zeitung, 9. Nov. 2011

Dass es im Osten genug Krippenplätze gibt, verwundert nach der verblichenen DDR nicht. Im Westen dagegen durften die Kleinkinder größtenteils noch in der Obhut ihrer Familie aufwachsen. Am Beispiel Baden-Württembergs und Bayerns konnte man dies bislang an den weitaus qualifizierteren Bildungsabschlüssen der nachwachsenden Generation ablesen. Die Elite kam bislang aus dem Süden, wo die wenigsten Kinder in Krippen und Horten groß wurden. Der Knackpunkt ist, dass unsere Kinder sich im Elternhaus ihre emotionale Basis erworben haben, auf der Interesse, Kreativität, Ausdauer, Begeisterung, Eifer und Disziplin wachsen. Fehlt diese Basis, so sind alle Bildungsprogramme nutzlos.

Vergessen wird bei all dem Gezerfe um Sinn oder Unsinn des Betreuungsgeldes, dass das Elternhaus die erste und beste Bildungsstätte überhaupt ist, weil sie individuell und liebevoll das Kind als einmalige Persönlichkeit im Blick hat. Das kann keine noch so gute Krippe leisten, weil die Erzieherinnen eben keinem der Krabbelkinder den Vorzug geben dürfen, wie das leibliche Eltern tun.

Wer kann begreifen, dass man in Deutschland nun freiwillig, blind und mit großem Aufwand dieses Kapital verschleudert? Was ist geschehen, dass wir in der Zeitung lesen müssen: „Mit dem Betreuungsgeld kauft man den Kindern günstig ihr Recht auf frühkindliche Bildung ab.“ Ich sehe es genau umgekehrt:

Mit den Krippenmilliarden wird die Abwesenheit der Eltern eingekauft und das Anrecht unserer Kinder auf liebevolle Fürsorge und die Eltern-Kind-Bindung verkauft.

N.N.

Betreuungsgeld ohne Nutzen?

zu: Schwäbische Zeitung, 9. November 2011

Ihr Kommentar „Betreuungsgeld ohne Nutzen“, schlägt mit seinen abgedroschenen Plattitüden all den Familien ins Gesicht, die sich tagtäglich selbst um eine liebevolle 24-Stunden-Betreuung ihrer Kinder mühen. Und das sind die Eltern von 67 % unserer Kinder in Deutschland, für die gar kein Krippenplatz vorgesehen ist. Nur 33 % unserer Kinder sollen in den fragwürdigen, aber teuren Krippengenuss kommen.

Alle ihre Gegenargumente gegen ein deutsches Betreuungsgeld ( in Norwegen, Frankreich, Dänemark ist die familiäre Betreuung dem Staat bis zu 450 Euro wert ) sollte die Kommentatorin auf eine „To-do-Liste“ schreiben und diese unserer Politik als Versäumnisse vorrechnen. Oder warum bekommen Mütter nach der Familienzeit keinen adäquaten Job mehr? Warum bekommen verdiente Mütter von mehreren Kindern nur eine lausige Rente? Was läuft falsch, dass nur noch wenige Frauen überhaupt Kinder bekommen? Warum sind die Fachkräfte, die wir brauchen, bereits ins Ausland abgewandert? Warum sollen gerade junge Mütter nach der Geburt ihres Wunschkindes dieses stundenlang fremden Leuten überlassen? Politisches Versagen auf der ganzen Linie!

Zu behaupten, mit dem Betreuungsgeld würde Kindern ihr Recht auf frühkindliche Bildung billig abgekauft, ist so dämlich wie dreist. Wie weit will unser ehemals geschätztes Blatt sein Niveau denn noch absenken?

N.N.


CDU: „Unser Kompass ist unveränderlich“

zu: Schwäbische Zeitung, 15. November 2011: „Unser Kompass ist unveränderlich“

„Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit – diese Grundwerte prägen das Denken“ behauptete die CDU in Leipzig von sich. Ich frage: Gilt das auch für ihren Umgang mit uns Müttern?


Als leuchtendes Beispiel für wirtschaftliche Umsicht, Vorsorge und Sparsamkeit bemüht unsere Kanzlerin gerne die „Schwäbische Hausfrau.“ Ganz anderer Ansicht ist da die Frauenunion. Die traut „Haus-Müttern“ den verantwortlichen Umgang mit 100 oder 150 Euro Betreuungsgeld nicht zu und kämpft für Gutscheine. Vor der Geburt ihres Kindes durften die Frauen in Büros und an Kassen noch riesige Summen verwalten. Als Mutter haben sie offenbar schlagartig ihre ganze Kompetenz eingebüßt und sind unfähig, zu entscheiden, wie sie die 2 oder 3 Scheine verwenden. Dies ist aber nur die eine Seite der Niedertracht.


Auf der anderen Seite müssen Eltern, die ihre Kinder in die Krippe geben, für diese Kosten nur zum geringsten Teil selbst aufkommen, weil der Steuerzahler die Fremdbetreuung eines Kindes monatlich mit rund 1000 Euro sponsert. Also bleiben mindestens 700-800 Euro als Einsparung bar im Geldbeutel zurück, welche die Eltern nach eigenem Ermessen verbrauchen dürfen, ohne dass der Staat Rechenschaft für deren Verwendung fordert, auch wenn dieses Geld für Flachbildschirme, Pornos oder Schnaps ausgegeben wird. Meines Wissens gilt noch immer der Art. 3 GG, nach dem alle Menschen, also auch Mütter, vor dem Gesetz gleich sind. Trotzdem schämt sich unsere politische Frauenelite nicht, Wahlfreiheit zu heucheln, von Herdprämie zu reden und Mütter mit Gutscheinen zu bevormunden.

Christl Rädler

Steine statt Brot?

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 wurde vereinbart: „Um Wahlfreiheit zu anderen öffentlichen Angeboten und Leistungen zu ermöglichen, soll ab dem Jahr 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150,- Euro, gegebenenfalls als Gutschein, für Kinder unter drei Jahren als Bundesleistung eingeführt werden.“

Daraus ergibt sich für die Frauenunion FU:

„Unser Beschluss beinhaltet die Forderung, dass nur der Elternteil, der sich zu Hause der Kindererziehung widmet, einen entsprechenden „Gutschein“ für die Riester-Rente, eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung oder Wiedereingliederungskurse erhält. Das macht deutlich: Wir bevorzugen eine nachhaltige, gezielte Unterstützung des erziehenden Elternteils.“ .

Die „weitsichtige“ Frauenunion (FU) legt also fest, was junge Mütter brauchen:
  1. eine Riester-Rente, oder
  2. eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung, oder
  3. einen Wiedereingliederungskurs

zu 1: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW stellt fest: „Riestersparer erzielen in vielen Fällen nur so viel Rendite, als hätten sie ihr Geld im Sparstrumpf gesammelt. Diese Altersvorsorge sei unrentabel und intransparent. Eine 35-j. Frau müsse mindestens 77 Jahre alt werden, um allein das herauszubekommen, was sie selbst eingezahlt hat und was sie als Zulagen vom Staat erhalten hat. Möchte diese Frau auch einen Inflationsausgleich und höhere Zinsen erwirtschaften, müsste sie sogar ihren 109. Geburtstag erleben.“ Bewertung: inakzeptabel!

zu 2: Wie es um unser Kapital bestellt ist, können wir tagtäglich aus den Medien erfahren. Mit einem deutschen Schuldenstand von 2 Billionen Euro könnten bei einem Crash von heute auf morgen alle unsere Ersparnisse oder Versicherungen noch den Papierwert haben. Bewertung: inakzeptabel!

zu 3: Wiedereingliederungskurse sind in den Betrieben meist nicht mit Kosten verbunden. Wenn Frauen sich während der Kinderjahre selbst weiterbilden, brauchen sie auch keinen Kurs. Ob ein solcher Kurs von den Arbeitgebern als Eintrittskarte in den Betrieb akzeptiert wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Bewertung: inakzeptabel!

Rita Pawelski FU:Ich werde mich für eine nachhaltige Lösung im Sinne der Familien und für eine wirkliche Wahlfreiheit, aber weiterhin gegen eine Barauszahlung des Betreuungsgeldes einsetzen.“

Nun wird niemand der Frauenunion unterstellen wollen, dass sie Müttern für ihren Dienst an der Gesellschaft mit Steinen statt mit Brot danken will. Doch eines steht außer Frage: Mit ihren
Gutscheinen drückt die FU den Müttern ein Papier auf ́s Auge, das sie selbst für sich ablehnen
würde. 
Jeder Finanzberater rät zu diesen Zeiten, das Kapital in Sachwerten anzulegen, also Gold, Immobilien etc. Zu einer Immobilie wird das Betreuungsgeld wohl kaum ausreichen, denn es handelt sich um sage und schreibe 24 x 125 Euro = 3000 Euro, ein Wahnsinnskapital! Es entspricht der staatlichen Förderung eines Krippenplatzes für 3 Monate!

Nicht nur, dass die gut situierten Damen von der FU Müttern nicht zutrauen, drei Tausend Euro sinnvoll anzulegen / auszugeben, nein, sie behandeln sie wie kleine Dummerchen, die der Staat über inakzeptable Gutscheine an die Hand nehmen muss.

Wir meinen:

Der Staat soll endlich die Privatsphäre der Familie respektieren,
Familien als autonome Basis der Gesellschaft anerkennen und
seine Bevormundung unterlassen.


Denn auch Mütter sind freie Bürger in einem freien Land.