Alte Kinderlose contra junge Eltern

Die WELT AM SONNTAG fühlt sich als erste grosse überregionale Zeitung durch den Befund einer Max-Planck-Studie vom November 2009 alarmiert. Schliesslich sprechen sich gerade (alte) Kinderlose dezidiert gegen weitere staatliche (= gesamtgesellschaftliche) Unterstützung für Eltern und ihre Kinder aus. Stattdessen befürworten sie verstärkte finanzielle Zuwendungen für die Rentnergeneration. Vor dem Hintergrund absehbar scharfer Verteilungskonflikte der vergreisenden und schrumpfenden deutschen Gesellschaft ist dieses Ergebnis höchst beunruhigend.


Familien in der Zwangsjacke

Die Glorifizierung von Erwerbsarbeit und die Verachtung der Erziehungsarbeit – diese Schablonen verbinden sozialdemokratisches und neoliberales Denken und zerstören mehr und mehr die Existenzgrundlage von Familien. Dr. Johannes Resch deckt die gravierenden Mängel in unserem Sozialsystem auf und stellt fest, dass auch die jungen Leute unter 35 Jahren in einem ähnlichen Dilemma stecken wie Eltern von Kindern. Beide Gruppen sind heute in der Minderheit. Gibt es einen Ausweg?
Lesen Sie dazu eine Abhandlung unter der Rubrik „Studien“ auf dieser Seite.

Familie – der unterschätzte Glücksfaktor

Familie, der unterschätzte Glücksfaktor – so lautet der Titel des aktuellen Buches von Susanne und Markus Mockler. Die beiden, selbst begeisterte Familienmenschen, setzen sich darin mit den Vorteilen des klassischen Familienlebens auseinander. In einer modernen Gesellschaft, die durch zahlreiche unterschiedliche Lebensmodelle geprägt ist, sprechen sie sich klar für das klassische Familienbild mit Kindern aus, und zeigen, welchen positiven Effekt das familiäre Zusammenleben auf die eigene Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden haben kann. Sehen Sie ein ermutigendes Interview bei bibel-tv!

Tagung 2010: Das Geheimnis erfolgreicher Bildung

„Frühkindliche Bildung“ – Schlagwort in aller Munde! Sie gilt als Allheilmittel gegen den Verfall des bundesdeutschen Leistungsniveaus. Welche Rolle dabei frühkindliche B i n d u n g spielt wollen Bildungsexperten auf einer Fachtagung aufzeigen, zu der  das Familiennetzwerk >Familie ist Zukunft<   vom 11. – 13. Juni nach Düsseldorf einlädt. Infos zu Tagungsprogramm, Referenten, Flyer etc.  finden Sie auf http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/?page_id=749

Gelungene Bindung schützt vor Missbrauch

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen an Schulen und Heimen und in Familien bietet das Familiennetzwerk einen Aufsatz des kanadischen Bindungsforschers Prof. Dr. Gordon Neufeld an. Dieser sieht die Hauptursache für sexuelle Ausbeutung in einer gestörten Bindungsfähigkeit. Neufeld gehört zu den renommiertesten Entwicklungspsychologen und Bindungstheoretikern weltweit. Das von ihm entwickelte Bindungsparadigma ermöglicht die bewusste Pflege und den Aufbau gesunder Bindungen in Familien, Schulen und Institutionen.

Video-Tipp

In seinen 3 sehenswerten Video-Interviews bei „familyfair – evaprinzip“ zeigt der oberste Richter am hessischen Sozialgericht Darmstadt, Dr. Jürgen Borchert auf, wie unser Generationenvertrag ungerechte Renten schafft ( Teil 1 ) , wie unser fehlerhaftes Rentensystem Familien würgt ( Teil 2 ) , und welche Ursachen zum dramatischen Kindermangel in unserem Land führen ( Teil 3 ). Schauen Sie rein!

Teil 1 und 2 finden Sie hier unter unserer Rubrik VIDEO,

Unser Sozialrecht ist ein Programm zur Verarmung der Familien

Im Rahmen der Sozialstaatsdebatte verglich Gunnar Heinsohn in einem Beitrag auf WELT ONLINE die Entwicklung der US-amerikanischen Sozialpolitik mit der Situation in Deutschland. Dieser Vergleich ignoriere den unterschiedlichen sozialhistorischen Hintergrund, entgegnet der Sozialmediziner Johannes Resch, Sozialmediziner mit 25-jähriger Erfahrung im öffentlichen Gesundheitswesen als Leitender Arzt eines Versorgungsamtes.

Mut zu Kindern – aber wie?


Die Zeiten, in denen Kinderkriegen eine Selbstverständlichkeit war, sind vorbei. Das ist zwar schon lange bekannt. Doch erst jetzt, wo die Rentenkassen leer sind, lösen die Geburtenraten-Statistiken das große Erschrecken aus. Die Bundesrepublik rangiert mit ihrer Geburtenrate auf den hinteren Plätzen der Industriestaaten. Deutschlands Frauen bringen im Schnitt nur noch 1,36 Kinder zur Welt. Um die Bevölkerung stabil zu halten, wären aber 2,1 Kinder erforderlich. Und schon jetzt ist die Bevölkerung völlig überaltert.

Kein Wachstum durch Zuwanderung

Nicht das einzige Lebensmodell: Familiengründung

Der Mangel an Steuer- und Beitragszahlern lässt das Thema Kinderkriegen zum Politikum werden. Lange Zeit wurde angenommen, der Babymangel lasse sich durch verstärkte Zuwanderung ausgleichen. Doch wenn die Überalterung lediglich mit Hilfe der Zuwanderung gestoppt werden sollte, müsste Deutschland „bis 2050 netto 188 Millionen Einwanderer aufnehmen“, hat der Bevölkerungsforscher Herwig Birg ausgerechnet. Die Zahl sei so hoch, weil „jüngere Einwanderer den Altenquotienten nur kurzfristig verringern, aber langfristig erhöhen, wenn sie selbst zur Gruppe der 60-Jährigen und Älteren gehören.“

Die Gründe für die Kinderlosigkeit sind vielfältig. Mit der Anti-Baby-Pille und dem Abtreibungsrecht wurde es Frauen möglich, die Zahl ihrer Kinder selbst zu bestimmen. Und „Sex ohne Folgen“ veränderte die Beziehungen. Daraus ergaben sich vielfältige Lebensmodelle. Selbstverwirklichung mit Kindern und Familie sind nur eine Option, Selbstverwirklichung an der Seite von wechselnden Lebensabschnittsbegleitern oder als Single eine andere. Die Entscheidung für eine berufliche Karriere ist ohne Kinder oft leichter. Und dann gibt es noch eine wachsende Gruppe, die keine Kinder kriegen kann. Bei jedem sechsten Paar mit Kinderwunsch leidet zumindest einer der Partner unter Fruchtbarkeitsstörungen.

Der Wunsch nach Kindern bleibt

Kinder – nicht nur ein bevölkerungsstatistischer Faktor, sondern ein Gewinn für jede Gesellschaft

Der Kinderwunsch ist trotz des gesellschaftlichen Wandels relativ konstant geblieben. Im Schnitt erhofften sich junge Deutsche im Jahr 2005 2,2 Kinder. Die Politik muss also gar keine Überzeugungsrabeit leisten. Doch offenbar müssen die Bedingungen verändert werden, damit sich die Möchte-gern-Eltern auch tatsächlich zur Familiengründung entschließen.

Das bevorzugte Mittel und die einfachste Lösung scheint für die Parteien zu sein, mehr Geld zu versprechen: Elterngeld, Kindergeld oder indirekte Zuwendungen wie Steuererleichterungen und niedrige Beitragssätze bei der Renten- und Pflegeversicherung. Fast alle Maßnahmen wurden und werden mit dem Verweis auf Rentabilität vorgetragen – letztlich steckt das auch hinter Plänen, die Kinderbetreuung auszubauen. Denn arbeitende Mütter und Väter steigern das Bruttosozialprodukt und zahlen Steuern und Beiträge in die Rentenkassen. Es geht dabei nicht im ideellen Sinne um Familien- oder Kinderfreundlichkeit. Betreuungseinrichtungen werden nach dieser Logik als notwendiges Übel gesehen, die sein müssen, damit die Eltern arbeiten können. Dass Kinder und Eltern, ja sogar die gesamte Gesellschaft, davon profitieren könnten, wenn ausreichend Geld für Betreuung und Bildung zur Verfügung stünde, wird kaum thematisiert.

Geld alleine reicht nicht

Selbst wenn die äußeren Bedingungen für Familien bzw. für das Leben mit Kindern stimmen würden, würden sich wahrscheinlich auch nicht alle ihren Kinderwunsch erfüllen. Denn da gibt es ja noch die „Zeitfalle“, wie es der Soziologe Hans Bertram nennt. „Junge Leute sollen innerhalb weniger Jahre – zwischen 25 und 35 – alles auf einmal hinkriegen, sich beruflich etablieren, einen Haushalt aufbauen, eine Familie gründen, die Kinder erziehen, für die Rente vorsorgen“, sagt er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Die 35-Jährigen wüssten, dass ihre Jobs nicht sicher sind und dass sie die Segnungen des Wohlfahrtsstaates im Alter nicht erwarten können.

Flexible Arbeitszeiten als Problem

In den sechziger und siebziger Jahren reichte häufig ein Einkommen, um eine Familie abzusichern. Das wiederum gewährte der Familie Zeit für die Kinder. Noch bis 1990 hatten laut einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach vom April fast 60 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren bereits Kinder , heute sind es mit 29 Prozent nicht einmal die Hälfte. Ein wesentlicher Grund: Heute müssen oft beide Eltern arbeiten und kommen zusammen auf etwa 80 Stunden, die sie für ihre Arbeit – inklusive Anfahrt – benötigten.

Auch wenn es flexible Arbeitszeiten gibt, ist die Frage, so Bertram, „ob sich die Arbeitszeiten nach den Bedürfnissen der Familien richten oder nach den Erfordernissen im Unternehmen“. Eine flexible Arbeitszeit könne für eine Familie mühsam sein, wenn ein Vater oder eine Mutter von 16 bis 22 Uhr ins Büro müsse. „Dahinter steht ein fundamentales Problem“, so der Soziologe. „Wir kommen nur zu flexiblen und familienfreundlichen Arbeitszeiten, wenn wir akzeptieren, dass die Erziehung von Kindern so wichtig ist wie die Berufstätigkeit.“

Kinder als Karrierebremse

Ganztagsbetreuung – damit die Eltern arbeiten können

In einem Lebenslauf, in dem alles auf einmal geschehen muss, bleibt das auf der Strecke, was gesellschaftlich besonders gering geachtet wird. Kinder werden als Karrierebremse gesehen. Und so entschließen sich viele, erst später Kinder zu bekommen. Und dann bekommen sie – wenn überhaupt – oft nur noch ein Kind.

Doch Elternschaft könnte auch als Qualifikation gesehen werden. Schließlich beinhaltet Elternsein: Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Flexibilität, geübter Umgang mit Stresssituationen, Kompromissbereitschaft, Teamfähigkeit, lebenslanges Lernen und die Fähigkeit des Multitasking. Die Unternehmer, die ihre Betriebe familienfreundlich gestalten, haben allerdings meistens andere Gründe, den Kinderwunsch gut zu heißen. Weniger Nachwuchs bedeutet gesamtwirtschaftlich gesehen nämlich auf Dauer weniger Nachfrage und mittelfristig ein Mangel an Fachkräften. „Eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist keine Wohltat, sondern rechnet sich auch betriebswirtschaftlich“, ermuntert der Präsident der Deutschen Industrie und Handelskammer, Ludwig Georg Braun, die Chefs. Familienfreundlichkeit zahlt sich eben aus. Darin ist er sich mit den Parteien einig.

Bettina Schütz – tagesschau.de


" Familien werden systematisch untergebuttert"

Um Familienpolitik gerechter zu gestalten, müsste knallhart neu verteilt werden, sagt Jürgen Borchert, Richter am hessischen Landessozialgericht in Darmstadt. Er hat sich auf familienrechtliche Fragen spezialisiert. Borchert hat als Politikberater für SPD, Grüne und Union gearbeitet. Er formulierte u.a. die Klageschrift, die 2001 zum Pflegeurteil des Bundesverfassungsgerichts führte. Ein Interview mit Tagesschau.de.

http://www.tagesschau.de/inland/meldung40452.html

Erziehungsgehalt schafft Gleichberechtigung

Das Argument „Gleichberechtigung für Frauen“ wird immer dann ins Feld geführt, wenn es darum geht, Müttern ein Erziehungsgehalt oder ein Betreuungsgeld zu verweigern. Geld in Mütterhand hätte nur das einzige Ziel, Frauen ans Haus zu fesseln. Frau Klara Steiner über eine realistische Alternative, die Müttern eine echte Wahlfreiheit bringen kann.