Eltern stärken oder Erziehung weiter verstaatlichen?

In der Würzburger „Tagespost“ nimmt Jürgen Liminski Stellung zur familienpolitischen Debatte innerhalb der Union.

Auf die medialen Reflexe kann man sich in diesem Land verlassen. Kaum hatte die Bertelsmann-Stiftung ihre neueste Krippenstudie vorgelegt, wonach Eltern verstärkt auf öffentliche Betreuungsangebote zurückgriffen und die Bildungschancen der Kinder dadurch stiegen, da ertönte auch schon der Ruf nach noch mehr Krippen, die 35 Prozent-Quote reiche nicht. Zu den Reflexen gehört, dass man erstens, Bertelsmann-Studien nicht in Frage stellt und zweitens, auch nicht weiter nachdenkt. Wer aber mit etwas kritischem Geist an diese Thematik herangeht, der bleibt angesichts der ideologisch festgefahrenen Position ziemlich ratlos.

Leitantrag für den CDU-Parteitag erörtert

Interessant an den Bertelsmann-Studien ist oft auch der Zeitpunkt ihres Erscheinens. Nicht selten gehen sie einer Initiative der Bundesregierung voraus, um die Diskussion entsprechend „vorzuwärmen“. In diesem Fall war es der Bericht einer CDU-Kommission unter Leitung von Familienministerin Kristina Schröder und Generalsekretär Hermann Gröhe. Die Kommission sollte einen Leitantrag für den CDU-Parteitag im November erarbeiten. Der Antrag wurde gestern im CDU-Vorstand erörtert. Er thematisiert die Bildungschancen vor allem ärmerer Kinder. Es sind bekannte Zahlen, die die Bundespolitiker offenbar erschrecken: Während sich die Zahl der Geburten in Deutschland seit 1965 halbierte, hat sich die Zahl der Kinder in Sozialhilfe nahezu verzehnfacht. Fast jedes sechste Kind unter sieben Jahren lebt mittlerweile von Sozialhilfe. Diese Hilfe soll nun aufgestockt werden: Man will den Kinderzuschlag für Geringverdiener erhöhen, den Unterhaltsvorschuss an Alleinerziehende für Kinder bis zum Alter von 14 statt zwölf Jahren zahlen und sozial schwache Familien sollen einen festen Ansprechpartner erhalten, der bei Problemen und Fördermöglichkeiten helfen könne. Außerdem sollen „überforderte Eltern“ die Hilfe bekommen, „die sie brauchen“. Das klingt schon etwas bedrohlich, denn weiter heißt es, wo es nicht gelinge, dass Eltern der Verantwortung für ihre Kinder gerecht werden, „muss Kindeswohl vor Elternrecht gehen“. Wer bemisst das Kindeswohl, wer beurteilt nach welchen Maßstäben, ob Eltern ihrer Verantwortung gerecht werden? Hier ist jenseits der schon vorhandenen Gesetze eine Grauzone entstanden, in der manche Jugendämter und Familienrichter ziemlich willkürlich – und krass gegen das Kindeswohl – agieren. Dazu passt, dass die Kommission mit keinem Wort auf die von der Bundesregierung geplante Streichung des Elterngelds für Hartz-IV-Empfänger eingeht. Es geht offenbar weniger um die Bekämpfung der Armut als um die Verfügbarkeit über die Kinder, um sie in eine für Produktion und Arbeitsmarkt nützliche Bildungskarriere zu schleusen. Hier wird offenbar, dass die Parteizentrale der CDU nach wie vor in den Kategorien der SPD-Ideologen denkt, die jetzt vom Arbeitsministerium aus in die Familienpolitik hineinregieren wollen. Sie haben auch den kurzen Draht zur Bertelsmann-Stiftung, die in ihrer neuen Studie altbekannte und falsche Prämissen auftischt.

Zum einen: Die Quote von 35 Prozent ist keine Richtlinie der EU, sondern eine Empfehlung des Europäischen Rates aus dem Jahre 2002. Wörtlich heißt es in den Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rats vom 15. März 2002 für eine „verstärkte Beschäftigungsstrategie“ unter Punkt 32: „Die Mitgliedstaaten sollten Hemmnisse beseitigen, die Frauen von einer Beteiligung am Erwerbsleben abhalten, und bestrebt sein, nach Maßgabe der Nachfrage nach Kinderbetreuungseinrichtungen und im Einklang mit den einzelstaatlichen Vorgaben für das Versorgungsangebot bis 2010 für mindestens 90 % der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und für mindestens 33 % der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen.“

Nach Maßgabe der Nachfrage – eine seriöse Rechnung nach Maßgabe der Nachfrage muß die Geburtenzahlen in Rechnung stellen und die Wünsche der Mütter. Das lässt sich errechnen. Der Familienforscher Stefan Fuchs hat die Rechnung jüngst noch einmal aktualisiert. Demnach kamen im Jahr 2009 etwa 651 000 Kinder zur Welt. Auch für die kommenden Jahre sind etwa 650 000 Geburten realistisch zu erwarten. Auf die alten Bundesländer entfallen 82 Prozent der Geburten in Deutschland. Demnach würden im Jahr 2013 in ganz Deutschland etwa 1,95 Millionen und in Westdeutschland 1,6 Millionen Kinder unter drei Jahren leben. Da nach Aussagen des Bundesfamilienministeriums die Betreuungsinfrastruktur in Ostdeutschland mit 40 Prozent schon derzeit bedarfsdeckend vorhanden ist, ist davon auszugehen, dass die zusätzlichen Plätze nahezu ausschließlich für die westdeutschen Bundesländer vorgesehen sind. Die Inanspruchnahme von 750 000 Betreuungsplätzen in Westdeutschland würde bei drei Geburtsjahrgängen eine Betreuungsquote von 47 Prozent bedeuten. Wenn man, der Intention des Elterngelds folgend, davon ausgeht, dass ein Elternteil im ersten Jahr nach der Geburt pausiert und somit kein Krippenplatz beansprucht wird, betrüge die Zahl der übrigen zwei Jahrgänge noch 1,1 Millionen Kinder. 750 000 Krippenplätze für knapp 1,1 Millionen Kinder bedeuten eine Betreuungsquote von fast 70 Prozent der 1- und 2-Jährigen. Kinder in privat organisierter Tagespflege sind in diesem Anteil nicht berücksichtigt. Das bedeutet de facto, dass hier ein Angebot geschaffen wird, das weit über der Empfehlung der EU liegt und dem wirklichen Bedarf nicht entspricht, diesen aber vermutlich durch Stimmungsmache (Motto: „Immer mehr Eltern bringen ihr Kind in die Krippe, nur du nicht“) steigern soll.

Dann die Qualitätsfrage, die die Bertelsmann-Stiftung in ihrem Ergebnis ebenso wie den „steigenden Bedarf“ schlicht als beantwortet voraussetzt. Indem sie von verbesserten Bildungschancen der Kleinen und besseren Berufsperspektiven der Eltern redet, wird auch hier wieder nur Stimmung gemacht. Berlin sei Spitzenreiter bei den Investitionen in frühkindliche Bildung, schreiben die Autoren der Studie und übergehen dabei das Ergebnis: Trotz der Investitionen (4 158 Euro pro Kind unter sechs Jahren, in Hamburg sind es nur 3 406, beim Schlusslicht Bayern sind es 2 103 Euro) können viele Berliner Kinder nicht wirklich rechnen, lesen und schreiben.

Bayerns Familienministerin fordert Paradigmenwechsel

Jeder sechste Berliner Grundschüler konnte deswegen im vergangenen Jahr nicht versetzt werden, in diesem Jahr werden es wahrscheinlich noch mehr Sitzenbleiber sein. Das sieht in den „Krippen-Entwicklungsgebieten“ wie Bayern, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein ganz anders aus. Beklagt wird in Berlin vor allem die Sprachkompetenz, übrigens auch bei deutschstämmigen Kindern. Offensichtlich lernen die Kinder in den Krippen und Kindergärten mehr die Kiezsprache als Hochdeutsch.

Der Jubel der Bertelsmänner entpuppt sich schon beim ersten näheren Hinsehen als oberflächlich. Aber keine größere Zeitung, keine Sendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben das „Missverhältnis zwischen Bildungsoutput und Finanzinput“ (Stefan Fuchs) bemerkt, geschweige denn die Fehlrechnungen beim Bedarf kommentiert. Man widerspricht dem Kaiser in der Betreuungsfrage nicht. Im Prinzip ist es ja richtig, dass mehr in frühkindliche Bildung investiert werden muss. Aber Kitas ohne besser qualifiziertes Erziehungspersonal und ohne einen entwicklungspsychologisch vernünftigen Schlüssel (maximal fünf Kinder pro ErzieherIn) werden für diese Investitionen zum Fass ohne Boden. Das macht jede normale Mutter besser, selbst wenn sie gestresst ist. Denn Kinder brauchen die persönliche Betreuung und die individuelle Ansprache. Ein blindes „Mehr Kitas“ ohne Qualitätsstandards ist reine Tonnenideologie.

Die amtlichen Reaktionen auf die neue Studie blieben diesmal, anders als zu Zeiten von Ministerin von der Leyen, zurückhaltend bis leise. Das dürfte daran liegen, dass in der Union hier und da ein Nachdenken über Familienpolitik eingesetzt hat. Zwar ist davon in der Bundeszentrale der CDU und auch im Kanzleramt nichts zu sehen noch zu hören, aber in einzelnen Landesverbänden bastelt man an einem kohärenten Konzept, das eben nicht nur auf die Bedürfnisse der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes abgestellt ist, sondern sich auch an den Wünschen der Familien, an den täglichen Nöten und Sehnsüchten der Eltern und Kinder orientiert, mithin auch die Ergebnisse der Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung berücksichtigt. Davon dürfte nach dem Sommer mehr zu hören sein. Es wäre ein Paradigmenwechsel der Familienpolitik in der CDU.

In der CSU ist dieser Paradigmenwechsel bereits vollzogen. Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer hat ihn in dieser Zeitung vor einer Woche dargelegt, ihre Ausführungen werden derzeit auch im Bundesfamilienministerium diskutiert und zwar überwiegend wohlwollend. Frau Haderthauer stellt die Familie in den Mittelpunkt dieser Politik, Familie zu stärken sei Markenkern moderner wertorientierter Politik. Man müsse wieder weg von der Verstaatlichung der Erziehung, denn Eltern hätten eine Aufgabe, die nur sie erfüllen könnten. Diese Wiederbelebung des Subsidiaritätsprinzips folgt nicht nur den Zwängen des Haushalts. Sie entspringt auch der Überzeugung der bayerischen Ministerin und ist insofern schon ein Paradigmenwechsel an sich: Familie wird nicht mehr gesehen in Funktion, als Instrument ideologischer Vorgaben, so wie das bis vor einem halben Jahr noch der Fall war im politischen Diskurs.

Vorrang muss alles haben, was Zukunft sichert

Viele Medien haben diesen Wechsel noch nicht bemerkt, zu tief sind die gängigen Klischees und Reflexe in den Vorstellungen der meisten damit befassten Journalisten vererzt. Schon lange auf diesem Weg ist dagegen der Deutsche Familienverband, die größte parteiunabhängige, überkonfessionelle und mitgliedergetragene Interessenvertretung der Familien in Deutschland. Ihr Präsident, Albin Nees, nimmt anlässlich der Spardebatte „die Kanzlerin beim Wort: Vorrang muss alles haben, was die Fundamente unserer Zukunft sichert. Deshalb brauchen wir ein Familienfestigungsprogramm weit dringender als einen Euro-Schutzschirm oder einen Bankenrettungsfonds – und wir müssen dafür mindestens so viel Geld in die Hand nehmen“. Das sei schon wegen der auf uns zukommenden „demographischen Katastrophe“ nötig. Eltern trügen „die Erstverantwortung für die Erziehung ihrer Kinder und damit für die Gestaltung der Zukunft. Sie brauchen endlich eine echte und spürbare Honorierung für ihre Erziehungsleistung – während der aktiven Familienphase ebenso wie im Alter in Form einer eigenständigen Elternrente“. In ungewöhnlicher Härte kritisiert Nees die aktuelle Diskussion über das Betreuungsgeld und die Kürzung des Elterngeldes. Der Politik stellt er ein Armutszeugnis aus. „Nach zehn Legislaturperioden, in denen die demographische Entwicklung offenkundig war, ist nicht einmal die volle Steuerfreistellung des angemessenen Kindesbedarfs erreicht, von den Sozialabgaben ganz zu schweigen. Stattdessen geht ein großer Teil des elterlichen Einkommens, das den Kindern zusteht, weiterhin ans Finanzamt, die Rentenversicherung, die Krankenversicherung, die Pflegeversicherung und das Arbeitsamt. Und statt jungen Menschen, die Elternverantwortung übernehmen, Zukunftsvertrauen zu geben, speist man sie mit unbezahlten Praktika oder befristeten Beschäftigungsverhältnissen ab.“ Nees fordert einen Solidarpakt für Familien. Er analysiert die Lage nüchtern und bietet für diesen Pakt konkrete Vorschläge. Die Bertelsmann-Studie dagegen macht nur Stimmung im Sinne familienfeindlicher Ideologien. Es sieht so aus, als ob die familienpolitische Debatte langsam wieder in Fahrt kommt. Der CDU wäre es zu wünschen. Sie sucht ja nach Werten.


Auf Familienrendite setzen

    

Markenkern moderner wertorientierter Politik muss es sein, Familien zu stärken, fordert Bayerns Familienministerin Haderthauer (CSU) und ruft zu einem Paradigmenwechsel auf: Weg von der Verstaatlichung der Erziehung – Eltern haben eine Aufgabe, die nur sie erfüllen können – Dabei muss sie der Staat unterstützen 

http://www.csu-landtag.de/abg/haderthauer/dateien/10075_Auf_Familienrendite_setzen.pdf

Abschaffung der Begriffe Mutter und Vater?

Im Europarat hat der zuständige Ausschuss den unglaublichen Resolutionsentwurf eingebracht, die Begriffe“ Mutter“ und „Vater“ im offiziellen Sprachgebrauch abzuschaffen. Der Katholische Familienverband Österreichs (KFOE) kritisiert die Beschlussvorlage aufs Heftigste und fordert zu mehr Ernst in der Politik auf. Siehe auch unseren Beitrag vom 06. Juni 2010!


Das Familienbild spaltet die Koalition

Den hervorragenden Kommentar vom 28. 06. 2010 aus der Schwäbischen Zeitung dürfen wir mit Zustimmung von Herrn Redakteur Michael Lehner hier veröffentlichen.
„Kurz vor der Präsidentenwahl, die alle Einigkeit erfordert, streiten Union und FDP um das Elterngeld für Hausfrauen-Familien. Es geht nicht nur um 300 Euro, sondern um die Richtung. Beim Familienbild trennen Konservative und Liberale Welten.
Auf dem Kleinen CSU-Parteitag zu Nürnberg hat Parteichef Horst Seehofer seine Familienministerin Christine Haderthauer auf offener Bühne abgewatscht. Die Frau hatte es gewagt, Vergleiche mit dem chilenischen Diktator Pinochet zu ziehen, weil aus der FDP die Forderung kam, das Elterngeld nur noch an Doppelverdiener- Familien zu bezahlen.
Damit ist eines ganz klar: Seehofer will diesen Streit nicht, zumindest nicht jetzt und nicht
in dieser Form. Genauso klar ist: Frau Haderthauer hat über die CSU hinaus beträchtliche Unterstützung. Und als Karriere-Frau mit Kindern passt sie als Gallionsfigur jener Stammwähler, denen die ganze Richtung nicht gefällt, seit Angela Merkel und Ursula von
der Leyen der Union ein vermeintlich modernes Frauenbild verpassen wollen.
Über die reine Ideologie hinaus ist der Streit wohlbegründet: Denn in Berlin sind der Koalition längst jene Paare aus dem Blick geraten, die sich das modische Elternbild nicht leisten können, weil es außerhalb der Ballungsräume an passenden Arbeitsplätzen
und öffentlicher Kinderbetreuung fehlt – und auch, weil es Menschen gibt, die sich Familie
anders vorstellen als der Zeitgeist. Hier zeigt sich eine Bruchstelle, die der Koalition gefährlicher ist als der Streit um Steuern oder Wehrpflicht.
Es geht ums Eingemachte und ums Soziale: Kürzungen zum Schaden der Normalverdiener und ihrer Kinder sind keine Frage der Emanzipation, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Letztendlich steht der Anspruch auf dem Spiel, dass ein Arbeitseinkommen eine Familie auskömmlich ernähren sollte.
Dass der Trend zur teuer erkauften staatlichen Betreuung einhergeht mit Zwängen, die von vielen, durchaus auch jungen Menschen als Unfreiheit empfunden werden, nehmen die in der Bundesregierung Verantwortlichen nur unzureichend wahr. Insofern ist es ganz verkehrt zu glauben, dass sogar die CSU von diesem Streit nichts mehr hören will. Er ist momentan nur unerwünscht, um den brüchigen Koalitionsfrieden zu wahren.“

Tagungsbericht

Neugeborene Säugetiere sind zu beneiden. Was Tiereltern instinktiv wissen, wenn sie ihre neugeborenen Kinder betreuen, das hat die Spezies Mensch vergessen. Ein Säugling braucht nichts nötiger als Mutterliebe. Es will gewiegt, gestreichelt, genährt und unterhalten werden. Später will es von den Eltern lernen, wie es sich vor Gefahren schützt und wie es überleben kann. Auch von Tierpflegern kann man Mutterliebe lernen. Sie lassen ihren Schützling nicht aus den Augen. Die „moderne“ Gattung Mensch jedoch glaubt, Zuwendung zum Kind  aus der Kinderstube in fremde Hände delegieren zu können. Dass dies ein Trugschluss ist, belegt die Düsseldorfer Junitagung zum Thema Bildung durch Bindung.

Namhafte Humanwissenschaftler, Ärzte, Therapeuten uns Pädagogen äußerten sich in Düsseldorf zum Thema Bindung und Bildung. Lesen Sie folgende Berichte über die  Ergebnisse empirischer Forschung.
  

Lohndrückerkolonne

Vor Jahren machte sich unser Familienministerium noch die Mühe, Frauenerwerbsarbeit verschleiernd und beschönigend als Emanzipation und Selbstverwirklichung zu verkaufen. Heute spricht man Klartext. Heute weiß jede Frau, dass es unserer Frauen-und Familienpolitik weder um mehr Geburten noch um das Wohlergehen von Kindern und Eltern geht, sondern ganz gezielt um die Rekrutierung weiblicher Arbeitskraft für den Arbeitsmarkt. Ihr Ziel ist eine Reduzierung der Kosten von Arbeitskraft. Außerdem sind Mütter die besseren, weil angepassteren und belastbareren Arbeitnehmer, die immer noch billig zu haben sind. Das Ministerium unter U. v. d. Leyen fungierte – sarkastisch formuliert – als staatliche Lohndrückerkolonne. Die Kosten für Hort-und Krippenplätze amortisieren sich durch die zusätzlichen Steuereinnahmen in wenigen Monaten. Dass es bei der familienfernen Betreuung schon mal Kollateralschäden gibt, indem Kinder und Jugendliche zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Fürsorge, zu wenig Nähe bekommen, das schreckt doch unsere MinisterInnen nicht. Was soll´s? Hauptsache die Steuerkasse füllt sich!

Keine Bildung ohne Bindung

Die Düsseldorfer Tagung: „Das Geheimnis erfolgreicher Bildung“  im Juni 2010 wurde in zahlreichen Blättern gewürdigt. Hier eine Presseschau:

Die Tagung im Echo der Presse:

 

Der Bonner „Generalanzeiger“ schreibt am 14.06.2010:
„Laut Experten bringen aber die besten Kurse nichts, wenn Kinder in der Familie keine Bindung erleben. Jenseits aller aktueller Schulreformdebatten haben sich mit dieser Frage internationale Pädagogen, Soziologen, Neurobiologen beschäftigt. Und sie alle kommen immer auf einen Kern: die Familie. Frühkindlicher Stress in dieser Zeit sei gefährlich für die Neubildung von Nervenzellen und verursache irreversible Schäden mit bedeutenden Langzeitfolgen für die Bildungsfähigkeit.

 

Auch die « Ruhrnachrichten » widmen sich dem Thema Stress bei Kleinstkindern und zitieren den Hirnforscher Prof. Folta: „Es ist nicht sinnvoll, in den ersten drei Lebensjahren gezielt zu fördern.“ Wesentlich für das kindliche Gehirn in dieser Zeit sei vielmehr, „das Unnütze, was es nicht braucht, abzubauen“. Denn in den ersten 36 Lebensmonaten würden nicht benötigte Nervenverbindungen verschwinden, damit anschließend die Gehirnstruktur optimal vernetzt ist.“ Und weiter: „Fit für die Gesellschaft würden Kinder nicht durch die Schule, sondern durch starke Bindungen.“

 

Die « Freie Welt » titelt ihren Bericht über die Tagung mit « Sackgasse Krippe » und führt aus: „Ohne den emotionalen Rückhalt ihrer Bezugspersonen stünden Kinder unter messbarem Stress, der das Gehirnwachstum bremst. Überragende Bedeutung komme daher der Familie als Ort gelebter Liebe zu, die durch keine Institution ersetzt werden könne. Die Familie sei die größte und effektivste Bildungskraft des Landes.“ Übereinstimmend betonen alle Experten, „dass die Bindung an eine Vertrauensperson unabdingbare Voraussetzung für späteren Erfolg in Ausbildung, Beruf, Gesundheit und Partnerschaft sei“ und machen so auf den qualitativen Unterschied der „vertikalen“ Bindung (Eltern, Vertrauensperson) zu der „horizontalen“ Bindung an Gleichaltrige und sonstige Betreuungspersonen aufmerksam.

 

Ebenfalls in « Freie Welt » erschien der Erfahrungsbericht einer Tagungsteilnehmerin, die
resümierend die „falsche Fragestellung“ als Ursache verfehlter Familienpolitik ausmacht. Schlagwörter wie „Bildungsferne, drohende Vernachlässigung, Kindesmisshandlungen, prekäre Verhältnisse…“ suggerieren „Eltern und Kinder seien Tonklumpen, aus denen ein Land etwas machen könne. Eine falsche Annahme mit fatalen Folgen. Ein Land, ein Politiker, eine Amtsärztin, ein Schulleiter… Sie alle können zwar versuchen, bedürftige Eltern bezüglich der Kindererziehung zu lenken und mitunter haben sie sogar Erfolg. Doch leider wird dieser Erfolg garantiert zu einem Pyrrhussieg, denn die nunmehr außengehaltenen Eltern werden dann nicht mehr von der Liebe zu ihrem einmaligen Kind geleitet, sondern von den Behörden. Die Liebe aber ist der Nährboden des kindlichen Erfolgs.“

 

Das Thema „elterliche Liebe“ als Schlüssel der Kindererziehung betont ebenfalls die Schirmherrin Stephanie zu Guttenberg in ihrem Grußwort. « RP-Online  » schreibt: „Dabei ist es ein so großes Geschenk, das Mutterglück erleben zu dürfen“, gab sie den Zuhörern mit auf den Weg. Das solle man nicht vergessen auf dem Selbstverwirklichungspfad, nur der besseren Story wegen. Damit vertrat sie im Grunde genommen den gleichen Standpunkt wie die Wissenschaft, die unter dem mehrfach gefallenen Dogma der „Bildung durch Bindung“ darauf verwies, dass für die Herausbildung der Persönlichkeit mit einem gesunden Selbstbewusstsein die Lebensjahre eins bis drei von größter Bedeutung sind. Nicht ein lückenloser Werdegang, eine gute Matura und ein entsprechender Universitätsabschluss sind demnach wegweisend. Der Grundstein liegt in der frühkindlichen.“

 

Die « Welt » befasst sich in ihrem Artikel „Wir müssen unsere Kinder stark machen“ mit dem Zeitdruck, der auf den Kindern durch falsche Förderung laste und schreibt: „Bildungsprogramme schon für die Allerkleinsten sind nach Ansicht des Soziologen Tilman Allert jedenfalls nicht der Weg zum Erfolg. Der Tempodruck auf das Kind werde erhöht, die individuelle Entwicklung nicht mehr wahrgenommen. ‚In den Monaten, wo das Kind gleichzeitig Englisch und Chinesisch lernen soll, will es sich aber vielleicht lieber mit dem Feuersalamander beschäftigen.'“

 

Die konfessionelle Presse « kath.net » und « idea » greifen den aktuellen familienpolitischen Bezug auf. Sie zitieren die Schirmherrin zu Guttenberg mit der Aussage: „Der Staat kann niemals die bessere Familie stellen.“ und führen weiter aus, dass die Politik gezielt die „Ein-Kind-Familie“ fördere. Die Folge sei „ein hoher Verlust menschlicher Fähigkeiten und Sozialkompetenz“. Zitscher forderte die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft zu einer „Soziologischen Marktwirtschaft“, die verstärkt Familien mit mehreren Kindern in den Blick nehme.“

 

« focus online » schließlich schreibt zu der Tagung, dass Kinder „in den ersten Lebensjahren vor allem Zuwendung, Toleranz gegenüber Unvollkommenheit – und Raum für Langeweile bräuchten.“ Stattdessen mache sich in den Elternhäusern „hektische Betriebsamkeit“ breit. „Tausche Zuwendung gegen Bildungserfolg“, laute das Geschäft. „Nicht ein Lächeln, sondern Note oder Zertifikat“ würden von den Kindern erwartet. Statt der eigenen Erfahrung zu vertrauen, würden viele Eltern heutzutage zu wissenschaftlichen „Experten der Elternschaft“. „Weisheit gibt es heute nur noch mit Institutsadresse“, sagt Allert.

 


Das Drama des modernen Kindes

Heute finden Sie beim Familiennetzwerk "Familie ist Zukunft" einen
Video-Vortrag des bekannten Kinderpsychotherapeuten Wolfgang Bergmann
unter dem Titel: Das Drama des modernen Kindes. Diese Aufzeichnung
war sein Beitrag für die Düsseldorfer Tagung zum Thema: Das Geheimnis
erfolgreicher Bildung. Beachten Sie auch den Beitrag: "Kinder ohne
Liebe" – die Wahrheit über Kinderkrippen. Klick rechts oben.
http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/

Kindeswohl und Eheglück

In einer Seminarveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung ( Okt. 2006 / Große Koalition ) äußerten sich namhafte Wissenschaftler zum derzeitigen Erscheinungsbild von Familien in Gesellschaft und Politik. So stellte etwa Prof. Dr. Hermann Adrian von der Universität Mainz fest: „Die Benachteiligung der Familien in unserem Land ist nicht gedankenlos zustande gekommen, sondern mit Absicht: „Offenkundig gibt es Kräfte in unserem Land, die versuchen, die Familien in diesem Land systematisch kaputt zu machen“.