Die Lebensbilanz eines jeden geborenen Kindes bringe dem Staat 77 000 € Überschuss, so das ifo-Institut. Auch wenn sich die Feder sträubt, menschliches Leben einer Rentabilitätsberechnung zu unterziehen, so kommen wir nicht umhin, wenn wir der hanebüchenen Behauptung entgegentreten wollen, Familienlastenausgleich ( Kindergeld, Freibeträge, Betreuungsgeld, Ehegattensplitting) sei völliger Humbug.
Dass Ökonomen einen Betrieb nach Kosten-Nutzen-Faktoren bewerten, ist auch völlig klar. Sie werden keine humanen Kategorien anlegen. Die Frage ist nur, ob Familienpolitik nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben bewertet werden d a r f wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen. Wirtschaftlichkeit verlangt unmittelbaren Gewinn. Das fordern die Aktionäre. Familienpolitische Investitionen können aber nur langfristigen Erfolg haben. Sie rentieren sich erst nach 25 Jahren. Kein Aktionär will so lange warten.
Das heißt aber bei Weitem nicht, dass sich die milliardenschweren, seit U.v.d. Leyen installierten Subventionen Elterngeld, Krippenausbau, Ganztagsbetreuung für die G e s e l l s c h a f t „rentieren“. Nein, sie sollen sich rasch-rasch für die W i r t s c h a f t auszahlen. Kinder werden als Störfaktoren für den Vollerwerb von Müttern hurtig wegorganisiert. Da spielen gesellschaftliche Forderungen: Mehr Zeit für Familie! doch keine Rolle. Niemand versteht, warum nur der Steuerzahler zur Gänze den Krippenausbau und die Betreuungskosten stemmen muss, während die Wirtschaft, die ja kassiert, dafür keinen Cent locker macht. Dieser Negativposten müsste in einer seriösen Bewertung doch zuallererst bemängelt werden! Der Wirtschaft geht es auch gar nicht um die Steigerung der Geburtenrate oder um eine stabile junge Generation, denn sie will Cash sehen, heute! Auch die Politik erwartet schnellen Erfolg. Wenn sie schon so tief in die Tasche greift, dann müssen auch 9 Monate später bitteschön 100 000 zusätzliche Babys auf dem Tisch liegen! Schöner Traum im Eimer!
Das Finanzministerium hat aber 2009 b e w u s s t ein Wirtschaftsunternehmen beauftragt, um Sparpotentiale zu erkunden. Es ging und geht der Politik niemals um Familiengerechtigkeit. Sonst hätte sie sich zuerst unsere verkorksten Sozialgesetze vornehmen müssen, die an der Verarmung von Kindern und Familien die Hauptschuld tragen. Ohne gerechte Strukturen wird der Niedergang unserer Gesellschaft nicht aufzuhalten sein.
Bärbel Fischer