Kinderarmut sechsmal höher als Altersarmut

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Kinderarmut sechsmal höher als Altersarmut – Fokus auf soziale Lage junger Familien richten

Stuttgart, 6.12.2012

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen rentenpolitischen Debatte um Altersarmut erklärt SRzG-Sprecher Wolfgang Gründinger:

„Altersarmut ist in Deutschland heute erfreulicherweise selten. Nur 2,5 Prozent aller Personen über 65 waren Ende 2010 auf eine staatliche Grundsicherung angewiesen – so wenige wie in keiner anderen Altersgruppe. Zugleich sind die Senioren von heute die wohlhabendste Generation in Deutschland, und die gesündeste, aktivste und glücklichste Rentnergeneration der Nachkriegsgeschichte. Die Bekämpfung der Altersarmut ist ein wichtiger Erfolg der Sozialpolitik.

Bei den 15-64-Jährigen sind dagegen 9 Prozent auf die Grundsicherung angewiesen, bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sind es sogar 16 Prozent. Junge Menschen sind heute also sechsmal häufiger von Armut betroffen als ältere. Die Politik muss ihren Blick daher verstärkt auf die soziale Lage junger Familien richten.

Die SRzG fordert daher einen ‚Zukunftssoli’ in Form einer höheren Erbschaftsteuer auf große Erbschaften von Privatvermögen. Auf diese Weise leistet die ältere Generation einen sozial- und generationengerechten Beitrag für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, der vor allem Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien zu Gute kommt.“

Hintergrund:

Studie: DIW: „Entwicklung der Altersarmut in Deutschland“, Berlin 2011. http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.372630.de/diw_sp 0378.pdf 

STIFTUNG FÜR DIE RECHTE ZUKÜNFTIGER GENERATIONEN

Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRzG) ist ein gemeinnütziger Think- Tank mit den Satzungszielen Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Die SRzG wird von einem der jüngsten Stiftungsvorstände Deutschlands geleitet. Zu den Arbeits- schwerpunkten gehören u. a. Rente, Partizipationsrechte von Kindern und Jugendlichen, Arbeitsmarktpolitik, Staatsverschuldung, Ökologie und Bildung.

Die SRzG organisierte zahlreiche Kongresse und Tagungen. Durch einen Generationenge- rechtigkeits-Preis in Höhe von 10.000 Euro regt die SRzG junge Wissenschaftler an, sich mit Zukunftsthemen zu beschäftigen. Für Ihre Arbeit wurde die SRzG im Jahr 2000 mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet. 2011 erhielt sie einen Preis der EU Kommission für eines ihrer Freiwilligenprojekte.

Medienkontakt: SRzG, Wolfgang Gründinger, kontakt@srzg.de; Handy: 0151-40517632

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Hausanschrift: Mannsperger Str. 29 70619 Stuttgart

Tel. 0711 / 28052777 Fax 03212 / 2805277 kontakt@srzg.de www.srzg.de

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Nicht 187 Mrd für Familien, sondern nur 55 Mrd!

Seit Jahren bemühen sich Familienverbände darum, dass die medial verbreiteten Zahlen zur sog. Familienförderung auf ihre Realität hin überprüft und korrigiert werden. Nun kommt höchst überraschend  aus dem Familienministerium selbst  die Korrektur: 55 Mrd statt 187 Mrd! Allerdings zahlen Familien davon 54 % über ihre Steuern wieder zurück, so dass am Ende nur 25 Mrd übrig bleiben. Damit steht Deutschland am Ende der Skala in Europa. Wen wundert´s, dass hierzulande die wenigsten Kinder geboren werden? Bleiben Kinder also weiterhin das Hobby von Spinnern? Oder ringt sich die Politik doch noch zu der Erkenntnis durch, dass Eltern durch ihren Nachwuchs keine Nachteile erleiden dürfen gegenüber denen, die keine Unterhaltskosten für Kinder leisten wollen?

http://www.freiewelt.net/blog-4944/neue-t%F6ne-im-familienreport%3A-die-familienf%F6rderung-betr%E4gt-55-milliarden-euro.html

Erwiderung @ Schäuble

Die Antwort auf unser Schreiben an Herrn Schäuble, erstellt von Herrn Dr. Karstendiek ( s. Kommentar zu: „Sehr geehrter Herr Finanzminister Schäuble“, 19. 0. 2013 ),  konnte nicht unerwidert bleiben:

Sehr geehrter Herr Finanzminister  Dr. Wolfgang Schäuble,                                             sehr geehrter Herr Dr. Karstendiek,

wir bedanken uns sehr für Ihre rasche Antwort, ohne dadurch jedoch eines “Besseren” belehrt worden zu sein. Unser Schreiben bezog sich gar nicht auf Medienberichte, sondern auf das regierungsamtliche Protokoll der Pressekonferenz vom 4. Januar 2013, dem man entnehmen musste, dass eine familienfaire Reform der Mehrwertsteuersätze entweder total vergessen wurde oder gar nicht beabsichtigt war. Jedenfalls zeigten sich die Regierungssprecher völlig überrascht von derlei Journalistenfragen.

Dass Familien von der SPD sich keinerlei Entlastung erwarten dürfen, zeigt allein schon die nach der Niedersachsenwahl provokatorische Ankündigung von Herrn Gabriel, als erste Amtshandlung bei einem Regierungswechsel in Berlin das Betreuungsgeld abzuschaffen. Nicht etwa der um 12% verminderte Mwst-Satz für Hoteliers muss nach dem Geschmack der SPD wieder gekippt werden, sondern die Zahlung von 100 / 150 € an junge Eltern, die selbst Herr ihrer Entscheidung über die Betreuung ihrer Kinder bleiben wollen. Sowas geht für die SPD gar nicht. Nach deren Willen gehören Kinder ab 12 Monaten gnadenlos in eine Krippe, und nur in eine Krippe, damit Herr Hundt seine Arbeitsplätze möglichst billig an die Frau bringt!

Sehr geehrter Herr Schäuble, wir Eltern von der ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT beklagen, dass sich nicht einmal die CDU eindeutig und mit klarem Profil gegen ein grün-rot-ideologisch “modernes” Familienbild stellt. Niemals ist und war die Familie der MODE unterworfen. Seit Jahrtausenden leben Kinder von der Zuwendung ihrer Eltern und die alt gewordenen Eltern von der Zuwendung ihrer Kinder. Seit Adenauer allerdings leben kinderlose Bürger von den Alimenten derer, die n o c h Kinder aufziehen, ohne dass deren Beitrag jemals honoriert worden wäre. Immer noch tragen Eltern die finanzielle Last der nachkommenden Generation ganz allein. Auch wenn Sie die “exorbitanten Zuwendungen in Form von Elterngeld ” ins Feld führen, für die Familie, die in eigener Verantwortung ihren Nachwuchs versorgt, bringt das ein Almosen ein. Warum verschweigt Ihr Ministerium, dass bei einem mütterlichen Jahreseinkommen von mindestens 34 000 Euro die Familie, welche ihre drei Kinder selbst betreut, gegenüber jener, die alle drei Kinder in Krippen gibt, einen Mangel von fast 100 000 € an staatlicher Bezuschussung erleidet? Ist das CDU/FDP- Gerechtigkeit?

Die CDU /FDP- Regierung hat seit 2009 außer dem Betreuungsgeld ( was 1/7 des Krippenzuschusses entspricht ) nichts erreicht: keine familienfaire Steuerreform, keine verfassungsgemäße Gleichstellung  von Eltern mit  kinderlosen Bürgern, keine Gleichstellung von Erwerbseltern mit Profi-Eltern, keine Rückerstattung von Verbrauchssteuern für den Kindesunterhalt – nichts. Das ist in unseren Augen eine schäbige Bilanz, Herr Schäuble.

Wenn Sie aber nun mit den “sagenhaften 187 Mrd Euro” argumentieren, so sei Ihnen folgende Rechnung aufgemacht:

“In ihrer damaligen Rolle als Bundesfamilienministerin rechnete 2006 Ursula von der Leyen dem Publikum eine finanzielle Familienförderung von rund 184 Milliarden Euro vor. Nach dieser Lesart liegen wir mittlerweile bei deutlich über 200 Milliarden Euro. Allerdings relativiert selbst Kristina Schröder diese Zahl. Von der Leyens Amtsnachfolgerin spricht jetzt nur noch von 125,5 Milliarden Euro familienbezogenen Leistungen, „von denen aber lediglich 55,4 Milliarden Euro als Familienförderung im engeren Sinne zu verstehen“ seien. Auch das bleibt eine grobe Irreführung. Tatsächlich fehlt bei dieser Rechnung der finanzielle Eigenbeitrag der Familien an diesem vermeintlichen Staatsgeschenk. Durch Steuern und Sozialabgaben, so räumte Ursula von der Leyen schon damals ein, würden Eltern rund 54% der Fördersumme aus eigener Tasche bezahlen ( Anmerkung: bleiben also noch 25,4 Mrd reine Familienförderung. Damit steht Deutschland fast an letzter Stelle in Europa, was Kinderförderung angeht!)
Nimmt man alle staatlichen Zuwendungen für ein Kind zusammen und verrechnet es mit den im Laufe ihres Lebens an den Staat abgeführten Beträgen, dann steht am Ende sogar ein satter Gewinn – für die öffentliche Hand! Nach der bislang einmaligen Studie des ifo-Wirtschaftsforschungsinstitutes in München verdient der Staat so an jedem Kind mindestens 77.000 Euro. Kinder also kein Kostenfaktor, sondern eine sprudelnde Einnahmequelle” ( Heidelberger Büro für Familienfragen und soziale Sicherheit 1/2013. Autor: Kostas Petropulos).

Solange, werter Herr Schäuble, sich unsere Regierungen weigern, die u n g e s c h ö n t e n Zahlen zur Kenntnis zu nehmen, solange werden Familien, je mehr Kinder sie aufziehen, sich unter ihrem Existenzminimum durchwursteln müssen und auf keinen grünen Zweig kommen. Wenn ein Single ohne Unterhaltsverpflichtung bei einem Jahreseinkommen von 30 000 € über ein frei verfügbares Einkommen von 11 169 € verfügt, dem Vater von drei Kindern aber 8 155 € fehlen, so beläuft sich dessen Negativbilanz auf 19 324 jährlich und    1 610 € monatlich gegenüber dem Single. Ist das Familienfreundlichkeit a la CDU/FDP?

Wir von der bürgerschaftlichen ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT vermuten, dass sich unsere Ministerien die Realität deswegen nicht ansehen wollen, weil sie sich sonst völliges Versagen vorwerfen müssten, egal welche Farbe die Regierung hat. Die Fragen, weshalb sich Paare ihren Kinderwunsch versagen, ist damit ja geklärt. Wer will denn sehenden Auges in die Armut driften?

Sowohl unser Schreiben an Sie, Herr Schäuble, und Ihr Ministerium, als auch Ihre Antwort an uns werden wir im Internet veröffentlichen. Denn wir Eltern haben außer dem Internet keinen Fürsprecher, solange sich die einzige Partei, die mit einem C firmiert, nicht für uns einsetzt. Von einer christlichen Regierung hätten wir eine GERECHTE Familienpolitik erwartet. Welche Partei die Eltern für den neuen Bundestag wählen hängt davon ab, ob sie bereit ist, Familien nach dem Artikel 3 GG so zu behandeln, dass sie keine Nachteile erleiden gegenüber Singles und gegenüber Eltern im Erwerb.

Herr Schäuble, wir haben den begründeten Verdacht, dass Politik und Medien die Interessen der Wirtschaft den Interessen der Familien vorziehen. Daher die fanatische, polit-mediale Ablehnung des Betreuungsgeldes, das in vielen Familien als letzter Notnagel zur krippenfernen Betreuung von jungen Eltern sehnlichst erhofft wird. Es liegt an der Christlich Demokratischen/Sozialen Union, die Dinge wieder ins Lot zu bringen.
Damit grüßt Sie die ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT freundlich
i. A. Bärbel Fischer

Familie unter DRUCK

Angesichts der demographischen Problematik steht das Thema „Faire Familienpolitik“ in diesem Jahr vor der Bundestagswahl an oberster Stelle der Agenda.

Der ÖDP-Kreisverband Württembergisches Allgäu und die bürgerschaftliche ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT laden daher ein zu einem Vortrag am Freitag, 8. März um 19:30 Uhr im Bocksaal in Leutkirch. Herr Michael Bloch vom Familiennetzwerk FAMILIE  IST ZUKUNFT spricht zum Thema: „FAMILIE  UNTER  DRUCK“.

Dabei kommen die vielfältigen Belastungen zur Sprache, die unser Generationenvertrag, unsere Sozialgesetzgebung und die momentane Familienpolitik Familien mit Kindern abverlangen. Herr Bloch wird die Ursachen von Kinderarmut, Defamilisierung und Geburtenschwund verdeutlichen und Wege aus dem Dilemma aufzeigen.

Im Anschluss an den Vortrag ist Gelegenheit zur Diskussion.

Familie unter Druck

 

Familieneinkommen weiter geschrumpft!

Finanz1

Aus dieser Tabelle wird ersichtlich, welche Steuern und Abgaben jeweils zu entrichten sind. Gegenüber dem Beginn der Legislaturperiode im Jahr 2009 hat dieser Einkommensnachteil von Familien gegenüber kinderlosen Haushalten sogar noch massiv zugenommen: z.B. lag ein Ehepaar mit zwei Kindern damals bei seinem jährlichen Gesamt-Nettoeinkommen  (also incl. Kindergeld) „nur“ 1.229 Euro unter dem ihm zustehenden steuerlichen Existenzminimum; ein Single lag dagegen 10.700 Euro über seinem steuerlichenExistenzminimum. Im Klartext: Eltern lebten von ihrer finanziellen Substanz, während Kinderlose über einen beträchtlichen finanziellen Überschuß verfügten.

Dieser Abstand zwischen Familien und Kinderlosen hat sich mittlerweile sogar noch kräftig ausgeweitet: Im laufenden Jahr liegt das gleiche Elternpaar nun mit seinem Netto-Einkommen 3.427 Euro unter dem existentiellen Mindestbedarf (s. Tabelle oben); ein Single kann sich dagegen über einen Finanzüberschuß von 11.169 Euro freuen. Aufgrund dieser Vergleichstabelle wird ganz klar, warum es Familien so schwer haben und warum Paare auf Kinder verzichten. Die Folgen dieser Entwicklung sind nicht zuletzt in den bundesdeutschen Metropolen zu besichtigen! Damit erübrigen sich alle Debatten. Der Skandal bei der Verteilung der gesellschaftlichen Lasten liegt offen zutage!

 

Prinzip Gießkanne?

Sehr geehrter Herr Mulke,

zu Ihrem Artikel „Das Prinzip Gießkanne versagt“ in der Serie Familie und Wirtschaft in der Schwäbischen Zeitung ( 31. 12. 2012 ) hat die „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit“  folgende Frage: Sie rechnen vor, der deutsche Staat stehe mit jährlich 123 Mrd. an vierter Stelle weltweit bei der Familienförderung, was pro Kind und Jahr 5100 Euro bedeute. Haben Sie sich diese Zahl einmal genauer angeschaut? 

Falls das Kindergeld, Bildungsausgaben, Ehegattensplitting, Hinterbliebenenrenten und die so genannte „beitragsfreie Krankenmitversicherung“ mit eingerechnet wurden, müsste dieser Betrag um mindestens 2/3  bis 3/4 bereinigt werden.

Denn das so genannte Kindergeld ist alles andere als eine Förderung, sondern zu 2/3 die Rückgabe der Steuern, die auf das Kindesexistenzminimum zu Unrecht erhoben wurden. Nur die Geringverdiener, die wenig bis keine Steuern zahlen, müssen über die Steuergelder alimentiert werden. Alle anderen Arbeitnehmer haben sich ihr Kindergeld selbst erwirtschaftet.

Die so genannte „beitragsfreie Mitversicherung“ ist ebenfalls Augenwischerei. Denn ein Vater mit 3 Kindern muss sein Gehalt mit der Mutter und den Kindern teilen. D. h. von 4000 Euro bleiben ihm 800 Euro. Beitragsfrei wären Frau und Kinder, wenn nur der Vater für seine eigenen 800 Euro Beiträge abführen müsste. Aber er bezahlt wie ein Single das Fünffache, also den vollen Satz. Mithin versichern sich anteilig alle Familienmitglieder für je ihre 800 Euro selbst. Es gibt also gar keine beitragsfreie Mitversicherung, denn ein Familienvater ist eben kein Single.

Für Bildungsausgaben ist nicht die Familienkasse zuständig.

Das Ehegattensplitting wirkt sich zwar für Familien mit mehreren Kindern segensreich aus, wird aber unabhängig von Kindern trauscheinabhängig bezahlt. Das bedeutet, dass es nicht zur Förderung von Kindern zählt.

Auch das Elterngeld und die Krippensubventionen von  1000 Euro + x dürfen nicht mitgerechnet werden, solange diese Beträge nicht nach dem Gleichheitsprinzip                  ( Art. 3 GG )  allen Eltern in der selben Höhe gewährt werden.

Sehr geehrter Herr Mulke, Sie verstehen, dass nackte Zahlen gar nichts sagen, solange nicht transparent wird, wie sie sich zusammensetzen.

Was bleibt übrig von der ominösen deutschen Familienförderung? Wie kann es sein, dass bei einem Jahreseinkommen von 30 000 Euro dem Single 19 186 € mehr in der Tasche bleiben als einem Vater von 3 Kindern ( s. Anhang Deutscher Familienverband e. V.)? Mit 4 Kindern beläuft sich das jährliche Manko auf 23 614 € und bei 5 Kindern         auf 28 042 €. Wohin fließen also die Gelder aus der besagten Gießkanne? In die Taschen der Familien gewiss nicht!

Und außerdem sind es die Eltern von Kindern, die den Hauptanteil des Steueraufkommens bestreiten. Von den 100 Mrd. Euro, die Eltern  2011 für ihre Kinder aufgewendet haben ( Statistisches Bundesamt ), lieferten sie allein 19 Mrd. als Verbrauchssteuern zurück in die Steuerkasse. Wieviel kam von den Singles?

Herr Mulke, wir von der „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit“  pfeifen auf Familienförderung a la Bundesregierung! Wir wollen nur eins: Gerechtigkeit zwischen den Generationen und Gerechtigkeit zwischen Bürgern mit und ohne Kinder. Dies würde bedeuten, dass unsere Sozialgesetze die Verantwortung und die Unterhaltskosten für Kinder künftig berücksichtigen, was bis zum heutigen Tag nicht geschieht. Das BverfG hat schon 1992 geurteilt, dass Eltern wegen ihrer Kinder keine Nachteile erleiden dürfen. Aber die Nachteile werden immer extremer, was auch die beigefügte Tabelle ausweist. Würden Eltern hierzulande nicht wie Bürger 2. Klasse behandelt und verhöhnt, sondern geachtet für ihren hingebungsvollen Dienst an der Gesellschaft, wie zum Beispiel in Frankreich, dann würden auch wieder mehr Kinder gezeugt. Aber mit untauglichen Mitteln sehen sich potentielle Eltern lediglich geködert und lassen ihren Kinderwunsch fahren.

Herr Mulke, in ihrer Einschätzung bez. konstruktiver Maßnahmen zu mehr Nachwuchs unterscheidet sich die Schwäbische Zeitung leider nicht von anderen Blättern, weil alle nur arbeitsmarktstützende, wirtschaftliche und regierungsamtliche Forderungen verbreiten. Auf alternative Konzepte von Elternorganisationen wartet man vergebens. Eltern werden auch gar nicht gefragt, sondern lediglich (pseudo)wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben, die genau die erwünschten Ergebnisse liefern. Eltern finden also in den Medien kein Sprachrohr. Aus diesem Grund wird auch dieses Schreiben über unsere Seite www.forum-familiengerechtigkeit.de veröffentlicht. Hier finden Sie, falls Sie Interesse haben, sehr viele Vorschläge, wie Deutschland abseits von Gießkanne zu mehr Nachwuchs kommen könnte.

Damit grüße ich Sie für die mit uns verbundenen Eltern

i. A. Bärbel Fischer

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Familienpolitik – eine Frage der Prioritäten

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln veröffentlichte einen Beitrag des Volkswirtschaftlers Hans-Peter Klös, Leiter des Kompetenzfelds schulische und akademische Bildung, der die Prioritäten deutscher Familienpolitik in Frage stellt.

http://www.iwkoeln.de/de/presse/gastbeitraege/beitrag/101252

Unser Kommentar:

Sehr geehrter Herr Klös,

auf die Lektüre Ihres Beitrags: „Familienpolitik – eine Frage der Prioritäten“ mit der Behauptung, in Deutschland würden  für ehe- und familienbezogene Leistungen alles in allem etwa 195 Milliarden Euro aufgewendet, gibt es nur eine Reaktion:                       Lesen Sie, was es mit dieser Zahl auf sich hat und wie wenig davon Kindern in Familien zugute kommt:

http://www.heidelberger-familienbuero.de/Archiv-2012/FLA-Familienpartei-Petropulos-HBF-Vortrag-191111-Tabellen-Printfassung.pdf

So wird neben Hinterbliebenenrenten, den Kosten des Bildungssystems, der nur auf verhüllender Semantik beruhenden „beitragsfreien Mitversicherung“ auch das Kindergeld voll mitgerechnet, obwohl das Kindergeld zu 2/3 von den Eltern selbst erwirtschaftet wurde. Denn es ist nichts anderes als die Rückerstattung bereits abgezogener Lohnsteuer auf die Existenzminima der Kinder, also die Rückgabe von Diebesgut. Der Staat „schenkt“ also den Eltern das geklaute Geld wieder zurück und streicht sich das als Wohltat aufs eigene Butterbrot.

Übrigens rechnete das Ifo-Institut bereits 2005 vor, dass nach Abzug aller familienpolitischen Leistungen der Staat an jedem jungen Menschen einen Profit von        77 000 Euro einfährt.

Und das statistische Bundesamt gibt bekannt, dass 2011 die Eltern in Deutschland 100 Milliarden für ihre Kinder ausgegeben haben. Das bedeutet, dass Eltern in diesem Jahr  19 Mrd. Euro an Verbrauchssteuern in die Steuerkasse gespült haben. Der kinderlose Teil der Gesellschaft hat sich nicht nur die Kinderkosten sondern auch die entsprechenden Verbrauchssteuern erspart.

Der deutsche Aufwand an tatsächlich kinderbezogenen Leistungen gemessen am BiP liegt im europäischen Vergleich nicht vorn, sondern weit hinten. So rechnet der Sozialexperte Dr. Jürgen Borchert vor, dass Deutschland mit 2% hinter GB, Frankreich, Schweden und vor allem Dänemark mit 4% des BiP liegt. Für die Altersversorgung gibt Deutschland übrigens üppige 12 % aus.

Werter Herr Klös, Sie haben recht! Familienpolitik ist eine Frage der Prioritäten. Werden in Deutschland Kinder als gefräßiger Kostenfaktor betrachtet und Familien auf ihre Verwertbarkeit für wirtschaftliches Wachstum getrimmt, zieht man in Frankreich den Hut vor Eltern mit mehreren Kindern. Hier sieht man die kinderzahlabhängige Steuerermäßigung und die sonstigen kinderbezogenen Leistungen neidlos als Investition in die Zukunft. Das Ergebnis lässt sich schon heute daran erkennen, dass genügend junge Franzosen geboren werden. Ich stimme Ihnen zu, dass deutsche Familienpolitik von Anfang an MURKS ist, weil sie nämlich die Gesetze der Familiengerechtigkeit völlig ignoriert.

Dass eine renommierte Gesellschaft wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Ihre unhaltbare Darstellung der Lage überhaupt ungeprüft veröffentlicht, wundert uns sehr. Wir Eltern hätten uns gewünscht,  dass Politik und Wirtschaft unsere Leistung für Unterhalt und Erziehung der nächsten Generation achtet und wertschätzt.

Mit freundlichen Grüßen

ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

i. A. Bärbel Fischer

 

 

 

 

 

Das große TABU

Immerhin hat die demografische Pleite in Deutschland die Bundesregierung dazu bewogen, einen Demografiegipfel einzuberufen. Hier wird alles thematisiert, nur nicht die intergenerationelle Verteilungsfrage. Offensichtlich ist die jahrzehntelange Bestrafung von Familien politisch leichter zu verantworten als eine gerechte Verteilung der Lasten. Der Studie: „Zur demographischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage Deutschlands“ von Professor Dr. Hermann Adrian, Universität Mainz, sind folgende Resumees entnommen. Sie zeigen sehr deutlich, wer in Deutschland belohnt, und wer bestraft wird, und wie  Deutschland aus dem Dilemma käme.

Kasten 1: Der Staat bevorzugt und beschenkt Kinderlose!
Fasst man alle Aspekte zusammen, so kommt man nicht umhin festzustellen:
  • Kinderlose leisten die geringste Lebensarbeitsleistung, haben die meiste Freizeit, bleiben zeitlich ungebunden und tragen die geringste Verantwortung.
  • Dafür erhalten sie von unserer Gesellschaft den höchsten Lohn und müssen bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen die niedrigsten Steuern bezahlen.
  • Und obwohl sie keine Kinder aufgezogen haben, werden sie auch im Alter noch überreichlich beschenkt, denn der Staat zwingt die Kinder der Familien dazu, den Hauptteil ihrer Wirtschaftskraft fremden kinderlosen Alten zu schenken und damit zwangsläufig die Fürsorge für ihre Eltern stark einzuschränken.

Nimmt man alle diese Aspekte zusammen, so werden heute Eltern von zwei Kindern mit durchschnittlichem Einkommen (40.000 Euro/Jahr) durch zu hohe Steuern (fehlendes Familiensplitting), zu hohe direkte und indirekte Sozialbeiträge und zu geringe Renten im Laufe ihres Lebens um ca 200.000 Euro netto pro Person betrogen. Gleichzeitig werden Kinderlose mit 350.000 Euro pro Person beschenkt. Im Lebensalter vom 20. bis 75. Lebensjahr (660 Monate) haben Väter und Mütter damit pro Monat jeweils im Mittel 300 Euro zu wenig, Kinderlose erhalten 500 Euro zu viel.

Kasten 2:  Familien brauchen keine Almosen sondern Gerechtigkeit!
  • Die weitaus überwiegende Mehrzahl unserer Familien braucht keine Almosen des Staates, wenn man sie denn durch ein Familiensteuersplitting steuerlich gerecht behandeln würde und ihnen die Früchte ihrer Erziehungsleistung in Form von niedrigen Sozialbeiträgen und ausreichend hohen Rentenzahlungen beließe.
  • Nur das ärmste Viertel der Familien müsste durch Transferleistungen des Staates in Form eines „echten Kindergeldes“ zusätzlich unterstützt werden, was bei einer guten demografischen Entwicklung und prosperierender Wirtschaft leicht möglich wäre.
  • Wenn der Staat die Familien nicht durch ungerechte Steuer- und Sozialgesetze ausrauben, und das so geraubte Geld an lebenslang Kinderlose verschenken würde, kämen viel mehr junge Menschen auf die Idee, eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen.

Kasten 5:  Der Weg aus der Krise kann nur so aussehen!

  • Man muss der Bevölkerung mitteilen, dass der wirtschaftliche Niedergang unseres Landes durch Nachwuchsmangel verursacht wird und wir unseren Wohlstand unweigerlich verlieren, wenn wir es nicht schaffen, unser Geburtenrate in kurzer Zeit auf ein bestandserhaltendes Niveau zu steigern.
  • Politiker und Medienleute müssen endlich die Tatsache öffentlich diskutieren, dass unsere heutigen Sozial- und Steuergesetze ungerecht sind, die Familien ausbeuten und Kinderlose belohnen. Diese Diskussionen sind nötig, um den Boden für die nötigen Änderungen zu bereiten.
  • Man muss der Bevölkerung klar machen, dass die Einführung gerechter Steuer- und Sozialsysteme eben keine Bestrafung der lebenslang Kinderlosen ist, sondern nur die Beendigung der Ausbeutung der Familien durch die Kinderlosen bedeutet.
  • Wir können es uns nicht mehr leisten, Kinderlose zu beschenken. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung muss folgendes Prinzip gelten: Jeder leistungs- fähige Mensch muss alles was er im Laufe seines Lebens konsumiert oder an Dienstleistungen in Anspruch nimmt – von der Geburt bis zur Beerdigung – letztlich selbst erarbeiten. Heute konsumieren Kinderlose im Laufe ihres Lebens etwa ein Drittel mehr als sie selbst erwirtschaftet haben.
  • Die benötigte Steigerung der Geburtenrate können wir leicht erreichen, wenn wir gerechte Sozialgesetze einführen mit einer von der Kinderzahl abhängigen Staffelung der Beiträge und der Leistungen. Ferner bedarf es eines gerechten Steuersystems mit Familiensplitting.
  • Die Finanzierung der Sozialsysteme durch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge und durch Steuerzuschüsse ist falsch, da sie die tatsächlichen hohen Kosten der sozialen Sicherung verschleiert. Die Arbeitgeberbeiträge sind dem Bruttolohn zuzuschlagen und auszuzahlen, damit die Bürger sehen, wie teuer soziale Sicherung ist. Alle Bürger des Landes sind in ein einheitliches System von Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung einzubeziehen. Die Staffelung der Beiträge und Leistungen nach Kinderzahl würde die Sozialversicherungen tatsächlich zukunftsfest machen, weitgehend unabhängig von der demografischen Entwicklung. Gleichzeitig würden die Lohnkosten und die Kosten der sozialen Sicherung entkoppelt.
  • Würde man die geschilderte Reform der Sozialsysteme einführen, könnte der Steuerzuschuss sehr schnell zurückgeführt werden. Die freiwerdenden Mittel würden ausreichen, um ein Familiensplitting in das Steuersystem einzuführen.

Demografiegipfel

„Politik für alle Generationen“ verheißt der Demografiegipfel der Bundesregierung. Der Arbeitskreis „Familie als Gemeinschaft stärken“ befasst sich jedoch weder mit Familie noch mit den Ursachen für den ausbleibenden Nachwuchs, sondern mit Vereinbarkeitsstrategien:

Professor Dr. Hermann Adrian von der Uni Mainz sieht die Stärkung der Familie als Gemeinschaft vielmehr so:

Wir können die Familien massiv stärken, wenn wir endlich ihre Ausbeutung beenden!

Den kleinen Beitrag Kinderloser zur Kinderfinanzierung zahlen die erwachsenen Kinder bereits dadurch zurück, dass sie alle staatlichen Einrichtungen wie z.B. Rettungsdienste und Polizei finanzieren, die auch kinderlose Alte retten und schützen.

Weil Kinderlosen heute aber in ökonomisch absurder weise auch noch Ansprüche an fremde Kinder auf Rente, Gesundheit und Pflege zugesprochen werden, allein dafür, dass sie durch ihre Beiträge die Alterskosten ihrer eigenen Eltern getragen haben, bekommen sie sehr viel mehr zurück als ihrem kleinen Anteil an den Kinderkosten entspricht. Diese Geschenke an Kinderlose von 400.000 Euro für ein Paar werden finanziert durch eine Ausbeutung einer Familie mit 2 Kindern von 200.000 Euro, die sich in ungerechten Rentenkürzungen, reduzierten Gesundheitsleistungen und unwürdiger Pflege der alten Eltern, aber insbesondere auch in einer ungerechten, übermäßigen Belastung der erwachsenen Kinder manifestiert.
Relativ zum Aufziehen zweier Kinder belohnt der Staat lebenslange Kinderlosigkeit so mit 600.000 Euro und unterdrückt damit den natürlichen Kinderwunsch. Eine Verbesserung der Familienförderung um 20.000 Euro pro Kind durch Erhöhung des Kindergeldes und Einführung des Elterngeldes kann gegen diesen „Moral Hazard“ von 300.000 Euro pro Kind die Geburtenrate nicht erhöhen.
Kardinalfehler der Gesetzlichen Rente ist ihre Beitragsbezogenheit. Dadurch wird sie behandelt, als wäre sie durch das eingezahlte Kapital gedeckt, das die Eltern längst verbraucht haben. Die Rente ist umlagefinanziert und deshalb ausschließlich durch die Kinder gedeckt. Deshalb kann nur die Kindererziehungsleistung ökonomisch gerechtfertigte Ansprüche begründen. Lebenslang Kinderlose haben keinen gerechtfertigten Anspruch auf Renten-, Gesundheits- und Pflegeleistungen im Alter. Sie müssen die ersparten Kinderkosten kapitalgedeckt anlegen, um ihre Alterskosten selbst zu bezahlen. Nur so werden die Sozialsysteme „demografiefest“, die Ausbeutung der Familien wird beendet und die Geburtenrate steigt.
Wir stehlen einen Teil unseres Wohlstands von den Kindern der Familien durch ausufernde Staatsverschuldung, mangelnde Investitionen und ungerechtfertigte Belastung durch kinderlose Alte. Wenn wir das nicht endlich beenden, werden unsere Kinder und Enkel zu Arbeitssklaven für Kinderlose herabgewürdigt.

http://www.politik-fuer-alle-generationen.de/DE/Mitreden/01_Familie/Einzelansicht/Einzelansicht_node.html?idIdea=26

Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer,

es ist noch gar nicht so lange her, dass wir von der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT Sie darauf hinwiesen, dass Sie mit Begriffen argumentieren, die den realen Sachverhalt gar nicht abbilden. In Ihrem Interview mit der WELT vom 1. 12. 2012 müssen wir leider feststellen, dass dies nicht gelungen ist.

Sie nennen wiederholt unter der „Vielzahl familienpolitischer Leistungen“ die „kostenfreie Krankenmitversicherung“ der Familie des Arbeitnehmers. Dieses Argument geht völlig an den Tatsachen vorbei, denn der Familienvater darf nicht, wie ein Single seinen Lohn für sich behalten, sondern er muss sein Verdienst mit der Lohnauszahlung sofort mit seiner Familie teilen.  Beispiel: Verdient der Vater 4000 Euro brutto, so stehen ihm bei drei Kindern und der erwerbslosen Mutter nur noch 20% zu, also 800 Euro. Auch Mutter und Kinder verfügen über je 800 Euro und führen davon den prozentualen Beitrag ab. Kostenfrei wäre die Familie nur dann mitversichert, müsste der Alleinverdiener lediglich  den KV-Beitrag für seine eigenen 800 Euro abliefern. Der Familienvater zahlt aber 5 x 20%. Ein familienloser Arbeitnehmer zahlt ebenfalls 100%, weil dieser seinen Bruttolohn mit niemandem teilen muss. Der Familienvater aber muss teilen. Tut er das nicht, so macht er sich wegen verweigerter Unterhaltspflicht strafbar. Mit der Geburt seiner Kinder hat er die unkündbare Verpflichtung auf sich genommen, den Kindesunterhalt zu bestreiten. Man darf also nicht so tun, als seien die Kinder aus Luft und hätten keinen Unterhalt zu fordern. Ein Vater ist eben kein Single, sondern er leistet für die Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst. Werte Frau Ministerpräsidentin, Sie sehen also, es kommt auf die Wortwahl an. Es ist keine Gunst des Staates für Familien, „nur“ 100% zu fordern. Oder soll man dem Familienvater 200% bis 500 % aufbürden?  Staatliche Gnade oder schlichte Rechtmäßigkeit? Daher, Frau Kramp-Karrenbauer, verwahren wir uns dagegen, dass Sie weiterhin die so genannte kostenfreie Kranken-Mitversicherung als „familienpolitische Leistung“ preisen. Sie ist mitnichten eine staatliche Leistung, sondern die rechtmäßige Konsequenz aus Art. 2 GG, dass jeder Bürger vor dem Gesetz gleich ist, sei er erwachsen oder Kind.

Genausowenig ist das Kindergeld eine staatliche Gunst gegenüber Familien, sondern nichts anderes,  als die Rückerstattung jener Steuern, die der Staat auf die Existenzminima der Kinder bereits  mit der Bruttobesteuerung (unrechtmäßig) erhoben hat.

Auch wenn Sie es nicht extra erwähnten, so schafft das mit dem Tagesbetreuungsgesetz eingeführte Elterngeld eine Schieflage unter Müttern, die nach unserer Einschätzung sogar verfassungswidrig ist.

Was das Ehegattensplitting angeht, handelt es sich ebenfalls um einen Rechtsanspruch.

Auch den Kita-Ausbau rechnen wir nicht zu den familienpolitischen Leistungen, weil er nur einem Drittel aller Eltern von U3-Kindern Vorteile bringt. Entsprechend sollen sich die anderen zwei Drittel mit einem Betreuungsgeld abfinden, das nur etwa 13% der Krippensubvention ausmacht. Solange nicht  a l l e  Eltern gleich bedacht werden und der Staat erhebliche Unterschiede macht zwischen Eltern und Eltern kann man nicht von einer familienpolitischen Leistung reden.

Wir empfinden es auch als Benachteiligung, dass das Rentenniveau für  a l l e   Arbeitnehmer, also auch für Eltern, abgesenkt wurde, obwohl gerade sie durch ihren Nachwuchs am meisten für die langfristige Stabilität der Altersrenten oder der Pflegeversicherung leisten. Es gilt festzustellen: Mit Kindern haben Erwachsene das höchste Armutsrisiko und deutlich schlechtere berufliche Perspektiven, wenn sie ihren Nachwuchs in eigener Verantwortung erziehen wollen, anstatt sie weg zu organisieren.

Fazit: Die „Vielzahl familienpolitischer Leistungen“ sind also gar  keine Leistungen, sondern teils Rechtsanspruch, teils Subventionen mit der Absicht, junge Eltern aus dem Kinderzimmer  in die Betriebe zu drängen. Wir Eltern werden diese Entrechtung nicht länger hinnehmen. In der Bevölkerung hat es sich längst herumgesprochen, dass es einem finanziellen Ruin gleichkommt, in Deutschland  Kinder zu unterhalten. Oder glauben Sie, der Gebärstreik sei vom Himmel gefallen? Wenn man auf immer noch mehr Vereinbarkeit setzt und immer noch mehr Kitaplätze baut, ohne jedoch die strukturellen Missstände in der Generationenpolitik anzugehen, dann werden sich immer noch mehr Paare gegen Kinder entscheiden.

Jawohl, Frau Kramp-Karrenbauer, in Ihrer Einschätzung, die deutsche Familienpolitik sei im Vergleich zu Frankreich Flickschusterei ohne Nachhaltigkeit, haben Sie absolut recht. Die Ursache für dieses Flickwerk liegt darin, dass in Deutschland die Familie immer als „Klotz am Bein“ des Staates gesehen wird, anders als in anderen Ländern, wo Familiengründung und Familienarbeit als Investition in die Zukunft begriffen wird. Daher spricht man bei uns von „Familienförderung, -unterstützung, -hilfen“ und kleckert mit Almosen, anstatt Eltern und Kinder als gleichwertige Bürger anzuerkennen. Familien sind keine Bittsteller, sondern das Fundament unserer Gesellschaft.  Das BverfG hat in mehreren Urteilen der letzten Jahrzehnte angemahnt, Familien mit Kindern bei Steuern und Abgaben gleichberechtigt mit Nichtfamilien zu behandeln, was bedeutet, dass der geleistete generative Beitrag berücksichtigt werden muss. Die Botschaft heißt: Niemand darf wegen seiner Kinder benachteiligt werden. Aber genau diese Benachteiligung ist gängige Praxis in unserm Land. Wie könnte es denn sonst sein, dass bei einem Jahresbruttoeinkommen von 30 000 Euro dem Arbeitnehmer ohne Fürsorgepflicht für Kinder 11 000 Euro an frei verfügbarem Einkommen bleiben, während der Vater von drei Kindern 8 000 Euro drauf zahlt ( Differenz: 19 000 Euro/ Quelle: Deutscher Familienverband 2012). Doch weder Politik noch Medien nehmen noch Anstoß an diesem Skandal. Die notwendige Reform zugunsten einer Gleichbehandlung unterbleibt.

Bei uns Eltern kann die Familienpolitik der CDU / FDP genauso wenig punkten wie die grün-rot-linken Parteien mit ihren sozialistischen Programmen, was sich bei den nächsten Wahlen deutlich zeigen wird. Uns bleiben die Familienpartei und die ÖDP. Diese legen realistische Konzepte vor, die Gerechtigkeit schaffen

1. zwischen den Generationen ( die Umlage darf nicht den Nachwuchs ausklammern)      2. zwischen Menschen mit und ohne Verantwortung für den Nachwuchs                            3. zwischen erwerbstätigen und erwerbslosen, d. h. in eigener Verantwortung erziehenden Eltern

Werte Frau Kramp-Karrenbauer, Ihr Interview bei WELT-online war für uns Eltern sehr aufschlussreich. Wir bitten Sie, unsere Bedenken in Ihre parteiinterne Diskussion einzubringen, in der Hoffnung, dass die CDU sich weg bewegt von Ihrem wahltaktisch „modernen“ Familienbild ( Eltern im Hamsterrad, Kinder in Ganztagsbetreuung ) hin zu längst überfälligen Reformen. Die Liebe zu Kindern und die Beachtung ihrer Bedürfnisse ist  und war niemals der Mode unterworfen.

Damit grüße ich Sie in Vertretung der mit uns verbundenen Elternschaft voller Zuversicht   i. A. Bärbel Fischer

P.S. Dieses Schreiben wird auf mehreren Internetportalen veröffentlicht.