BestAger statt Kinder

Beim zentralen Demographie‐Kongress Deutschlands mit dem Titel „Ressource Mensch, Kongress best‐age“ in Berlin im August 2011 ging es nicht um die Familie mit Kindern, welche Zukunft und Wohlstand sichern. Es ging fast ausschließlich um “Best Ager” ‐ um Personen gehobenen Lebensalters ab 50 Jahren. Der Untertitel des Kongresses „Best Age‐Congress“ ist ein Widerspruch zum Titel: „Ressource Mensch“. Zukunftsressourcen und nachhaltiger Wohlstand können nur durch eine ausreichende Anzahl von Kindern gesichert werden, die die Wertschöpfung und den Konsum der Zukunft garantieren. Ohne ausreichenden Nachwuchs bricht der Wohlstand und die Volkswirtschaft ein. Dies läuft so sicher ab wie ein Naturgesetz.

Beim Demographie‐Kongress gibt es über zwei Tage insgesamt 13 Foren. Der Begriff Familie kommt auf den acht Seiten Programm nur einmal direkt vor: unter dem Begriff „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und auch hier spielt die Familie die untergeordnete Rolle. Es geht darum, dass Frauen möglichst bald wieder in den Beruf einsteigen nach den Grundsätzen des Kommunismus von Marx und Engels: „Erziehung sämtlicher Kinder, von dem Augenblicke an, wo sie der ersten mütterlichen Pflege entbehren können, in Nationalanstalten und auf Nationalkosten. Erziehung und Fabrikation zusammen.“

Diese Denkweise und die zentrale Konzentration des Kongresses auf die ältere Generation sowie auf den aktuellen Wohlstand, lässt das zukünftige Fundament der Gesellschaft, die heutigen Familien mit durchschnittlich 2,1 Kinder pro Mutter komplett außen vor, diskriminiert sie somit.

Diese Denkweise deckt sich mit der Forderung, dass möglichst viele Frauen zu Facharbeiterinnen und Akademikerinnen herangebildet werden müssen und nicht mehr zu Müttern, die bereit sind mindestens 2,1 Kinder zu bekommen und diesen mindestens bis zum dritten Lebensjahr ihre Zeit und Mutterliebe zu schenken. Mit dieser Denkweise kann der aktuelle Wohlstand für die jetzige Generation noch einige Jahre aufrecht erhalten werden. Es geht darum, dass die aktuelle Generation den Wohlstand, so wie man ihn seit 40 bis 50 Jahren kennt, noch weiter genießen kann ‐ was danach kommt wird ausgeblendet, spielt keine Rolle mehr. Die nachhaltige Zukunft kann mit solchen Ressourcen nicht gemeistert werden. Der freie volkswirtschaftliche Fall kommt dann in 15 bis 20 Jahren umso härter.

Das Programm des Demographie‐Kongresses 2011 sah ähnlich aus. Eine Änderung gegenüber dem Programm 2012: Der Begriff „Vereinbarkeit Familie und Beruf“ wurde 2012 ergänzt: „Vereinbarkeit Familie und Beruf/Pflege“. Familie mit Kindern sind also wieder kein Thema.

FAZIT: Beim zentralen Demographie‐Kongress und somit Zukunfts‐Kongress Deutschlands geht es unter Federführung maßgeblicher Ministerien und Fachleute alleine um die Behandlung von demographischen Symptomen (Überalterung) und um die Förderung des aktuellen Individualismus. Die beiden entscheidenden Zukunftsfaktoren für Wohlstand und inneren Frieden finden beim Demographie‐Kongress nicht statt:

1. Erörterung von Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, dass wieder mehr Kinder zur Welt kommen und Deutschland die rote Laterne Europas bei den Geburtenzahlen abgibt.

2. Wertebildung, sodass die Gesellschaft wieder solidarisch wird mit den eigentlichen Leistungsträgern für den Wohlstand nach 2030: den Familien, den Müttern mit mindestens 2,1 Kindern.

Alexander Leitz

Lautes Geschrei um "stille Reserve"

 

„Nur“ 28 Prozent der westdeutschen Mütter wollen nach der Erziehungsphase wieder Vollzeit in ihren Beruf einsteigen, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer aktuellen Studie „Frauen zwischen Beruf und Familie“. In Ostdeutschland strebten dagegen fast 81 Prozent eine Vollzeitstelle an. Dies sei vor allem auf ein besseres Betreuungsangebot gerade für Kleinkinder und eine „bereits in DDR-Zeiten positivere Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern“ zurückzuführen. Von staatlicher Seite müßte daher der Ausbau von Ganztagsangeboten vorangetrieben und die Anreize für Teilzeitarbeit und Minijobs sowie das Ehegattensplitting abgeschafft werden, empfiehlt das IAB. 

http://www.familien-schutz.de/wp-content/uploads/2011/12/kb2311.pdf



Zitat:  „Von staatlicher Seite könnten vermehrt Anreize
für die zumindest vollzeitnahe Erwerbstätigkeit von
verheirateten Frauen gesetzt werden. Dazu beitragen würden zum Beispiel die Abschaffung des Ehegattensplittings und der spürbare Abbau steuerlicher
Begünstigungen für geringfügige Erwerbstätigkeit.
Daneben wären auch die Einrichtung kostengünstiger Kinderkrippen- bzw. Kindergartenplätze und der
Ausbau von Ganztagsschulen wichtig….“

Zur Abschaffung des Ehegattensplittings lesen Sie bitte unseren Beitrag vom 12. 12. 2011: Lust auf Harakiri….

Falsche Signale?

 

Sehr geehrter Herr Sommer,
in mehreren Talk-Sendungen konnte ich Sie als einen Mann erleben, der sich für die vernachlässigte Bevölkerungsschicht einsetzt. Zu dieser Schicht müssen wir 2011 leider auch Familien zählen, die unter großen finanziellen Opfern mehrere Kinder groß ziehen. Sie wissen selbst, dass Familien trotz ihrer Erziehungsleistung gleich hohe Sozialabgaben zu leisten haben wie Kinderlose, egal wie viele Mäuler von einem Lohn zu stopfen sind. Sie wissen auch, dass sich solche Familien immer mehr der Armutsgrenze nähern.
Paradoxerweise übernehmen Sie  als Gewerkschaftsführer jedoch 1:1 die Ansicht der Arbeitgeber ( hier Präsident Hundt ) und behaupten, das Betreuungsgeld (von lächerlichen 125 Euro) für Hausmütter ( dieses Wort traut man sich heute ja kaum mehr  zu verwenden) sei „ein Signal in die falsche Richtung.“ 
Ich frage Sie: Was ist denn das richtige Signal? Offenbar ein Familienleben ohne elterliche Präsenz, ohne elterliches Vorbild, ohne Nestwärme, ohne Stabilität. Ist das abendliche Zusammentreffen von erschöpften Eltern und müden  Kindern das, was Sie sich unter der „richtigen Richtung“ vorstellen? Wo bleiben Gespräch, gegenseitige Anteilnahme, der Familientisch, die Zugehörigkeit? 
Und was ist das falsche Signal? In Ihren Augen doch wohl Eltern, die ihren Kindern die nötige Präsenz bieten, die ihren Kindern den täglichen Trennungsstress ersparen wollen, die einer liebevoll zubereiteten Mahlzeit und dem gemeinsamen Essen den Vorzug vor der Kantinenabspeisung geben, die zuhören, trösten und raten zur rechten Zeit, nicht erst Stunden später.
Werter Herr Sommer, ich weiß, ich weiß, für Sie sind Vollbeschäftigung, Prosperität, Wirtschaftswachstum die  Maxime Ihres Handelns. Trotzdem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die heutigen Kinder die Arbeitnehmer von morgen sind. Sollten Sie sich vielleicht doch einmal bei den Humanwissenschaften darüber informieren, welch verheerende Wirkung zu frühe Fremdbetreuung auf Kinder hat, dann würden Sie vielleicht Mütter heute ermuntern, sich wenigstens die ersten drei Jahre voll und ganz ihren Kindern zu widmen. Vielleicht würden Sie sogar das Betreuungsgeld auf Höhe der staatlichen Krippensubventionierung (ca. 1000 Euro) hieven wollen. Denn es kommt tatsächlich auf die Basiskompetenz an, die sich Kinder im Elternhaus durch eine individuelle und  personale Betreuung erwerben: Interesse, Kreativität, Ausdauer, Begeisterung, Eifer und Disziplin. Kollektive Betreuung kann niemals den emotionalen Nährboden einer Eltern-Kind-Bindung schaffen. 
Jedes Tierkind im Zoo hat das Recht auf seine Mutter bis zur natürlichen Ablösung. Warum nicht jedes Menschenkind? Warum verweigern Politik und Arbeitsmarkt unseren Kindern ihren Anspruch auf mütterliche Geborgenheit bis zur natürlichen Ablösung, obwohl Artikel 6 unseres Grundgesetzes dieses Recht ausdrücklich feststellt? Setzen wir unsere Prioritäten auf materiellen Gewinn oder auf das Kindeswohl, auf wirtschaftliches oder auf humanes Wachstum, auf Versorgung unserer Kinder oder auf deren Entsorgung? 
Lassen Sie mich schließen mit einer Menschenweisheit: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“
Damit grüße ich Sie sehr freundlich im Auftrag der 
ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT IM LANDKREIS RAVENSBURG 
Bärbel Fischer

Familienpolitik fördert Lohndumping

Dr. Johannes Schroeter, Vorsitzender des bayrischen Familienverbands, sieht einen fatalen Zusammenhang zwischen unserer betreuungsfixierten Familienpolitik und dem Trend ( dem Planziel ) zur Niedriglohngesellschaft. Jede dritte Frau und jeder zweite Jugendliche arbeitet heute in prekären Verhältnissen.
Die Leipziger Volkszeitung bestätigt diese Entwicklung:

Es ist genug Geld da



Zunächst wollen wir einfach mal feststellen: Es ist genug Geld da. Die Frage ist einfach nur, an wen und in welcher Form wird es verteilt. Wenn die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder am Wochenende dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble entgegen kommt und das ab 2013 geplante Betreuungsgeld schon vorab um 50 Prozent kürzt, noch bevor es in Kraft tritt, ist der Verweis auf die gespannte Kassenlage jedenfalls kein überzeugendes Argument. Ganz zu schweigen davon, dass die Milliardenbeträge, die derzeit wieder für Griechenland oder Bankenrettungen in der Diskussion sind, ja offenbar auch irgendwoher kommen, obwohl die Kassen angeblich ständig leer sind.

Wir wollen doch in diesem Moment einmal kurz der vier Milliarden (das ist eine Zahl mit neun Nullen) gedenken, die der Bund zur Verfügung gestellt hat, um neue Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren zu bauen. Und dann wollen wir auch an die vier Milliarden (noch mal neun Nullen) erinnern, die die Länder ebenfalls zugesagt haben für den gleichen Ausbau. Es existieren also nach wie vor und trotz angespannter Kassenlage (als ob diese jemals entspannt wäre) gewaltige Geldsummen, die für die Betreuung der Kinder gedacht sind. Sie sollen aber alle komplett in das staatliche Betreuungssystem fließen und nicht an die Familien direkt gezahlt werden.

Ich verstehe die Argumentation ehrlich gesagt nicht. Wieso kann nicht ein Teil dieser Milliardensumme genommen werden, um es direkt an die Eltern mit kleinen Kindern auszuzahlen?

Wenn ich für meine Kinder einen Kitaplatz in Anspruch nehme, kostet dies den Staat im Durchschnitt bundesweit etwa 11.000 Euro im Jahr. Die Zahlen schwanken ein bisschen je nach Bundesland. Aber dies ist der normale Rahmen, in dem sich die Summe bewegt. Wenn ich mich als Mutter oder Vater entscheide, die Kinder selbst groß zu ziehen und das geplante Betreuungsgeld in Anspruch nehme anstatt des Kitaplatzes, dann kostet dies den Staat nur 1.680 Euro im Jahr. Es würde den Staat also nicht einmal mehr 20 Prozent der ursprünglichen Summe kosten, die er sowieso bereit wäre auszugeben. Rechnet man es auf zwei Jahre hoch – wie ursprünglich geplant – dann steht dort eine Summe von 22.000 Euro (Kita) gegen eine lächerlich kleine Summe von 3.360 Euro Betreuungsgeld für den gleichen Zeitraum.

Es ist also kein Geld da in der Kasse? Na, dann lasst uns doch sparen! Warum nur schwenkt der Staat nicht auf die für ihn deutlich günstigere Lösung ein und fördert die Eigeninitiative und Erziehungsgewalt der Eltern? Kostengründe können es jedenfalls nicht sein, denn die Zahlen zeigen deutlich ein anderes Bild.

Offenbar will niemand wirklich, dass die Eltern mindestens drei Jahre ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Das System braucht vor allem die Arbeitskraft der Frauen und das möglichst sofort. Dazu noch die immer wieder neu formulierten Schmährufe in Richtung der Eltern. Die Degradierung des Betreuungsgeldes als »Herdprämie«, damit klar ist: Eltern, die dieses in Anspruch nehmen, vergeuden ihre wertvolle Zeit »am Herd« anstatt sich produktiv in die Gesellschaft einzubringen. Ich kann es bald nicht mehr hören. Kinder groß zu ziehen ist erstens keine vergeudete Zeit, sondern die recht exklusive, zeit- und geldintensive Investition in »Humankapital«. Zweitens brauchen wir genau dieses Humankapital, sprich Kinder, denn sonst nützt auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze nichts.

Wir reden immer gerne von Wertevermittlung und von Bildung, wenn es um Kinder geht. Beides soll intensiv geschehen, die Frage ist nur, wie und durch wen? Es sind nicht in erster Linie die Bildungserfolge, die uns fehlen, sondern die so genannten Sekundärtugenden. Dinge wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen, Kritikfähigkeit, Selbsteinschätzung, Sozialverhalten, gutes Benehmen, Höflichkeit, Teamfähigkeit und manchmal sogar Tischmanieren. Mein Vorschlag: Fragen Sie doch mal bei Unternehmern nach, die auf der Suche sind nach Auszubildenden, die können Ihnen ein Lied davon singen, was den jungen Menschen in unserem Land so alles fehlt. Das sind Dinge, die unsere Kinder nicht in der Schule lernen und dort auch niemals lernen werden. Es sind Dinge, die in mühsamer, nervenaufreibender Kleinarbeit in den Familien vermittelt werden. Durch Wiederholung, Erinnerung und das persönliche Vorleben. Es gehört inzwischen zur bildungspolitischen Binsenweisheit, dass Kinder am besten durch Erfahrung und Nachahmung lernen und nicht durch Frontalunterricht. Kinder ahmen nach, was sie bei anderen sehen. Es kommt also sehr darauf an, mit wem sie in der Regel ihre Zeit verbringen. Es geschieht nicht einmal bewusst, sondern im Unterbewusstsein. Und deswegen können wir all diese Sekundärtugenden nicht im Unterricht vermitteln mit Lehrern, die im 45-Minuten-Takt wechseln. Es funktioniert zu Hause, in der Familie, oder gar nicht.

Warum nur macht es die Politik den Eltern so schwer, sich die Zeit für ihre Kinder zu nehmen? Zeit, um all dies einzuüben und zu wiederholen, was die Kinder später in ihrem Leben so dringend brauchen werden? Ich kenne die Argumente der Kritiker, die dann immer gerne darauf verweisen, dass die Schule doch so viel leisten muss, was die Kinder zu Hause nicht vermittelt bekommen. Da beißt sich die Katze allerdings in den Schwanz: Denn wo keine Zeit zu Hause, da wird nichts vermittelt und das landet dann bei der Schule – die das in der Regel dann aber auch nicht ausbügeln kann. Es folgen Therapien aller Arten, die man früher nicht brauchte, bis hin zu einer steigenden Zahl von Kindern, die inzwischen medikamentös behandelt werden, weil man sie nicht mehr in den Griff bekommt. Stellen wir uns so die Zukunft unserer Familie vor? Dabei wäre es so einfach, die Weichen anders zu stellen und den Eltern Ruhe und Zeit zu verschaffen, damit sie später die Kinder mit gutem Gewissen in den staatlichen Kindergarten- und Schulbetrieb geben können mit der Sicherheit in der Hinterhand: Mein Kind ist darauf emotional gut vorbereitet.

Richtig ist zumindest die Entscheidung der Familienministerin, dass auch Eltern in Teilzeiterwerbstätigkeit in den Genuss von Betreuungsgeld kommen sollten. Denn es ist nicht einzusehen, warum diejenigen Mütter und Väter, die versuchen, im Beruf am Ball zu bleiben, die versuchen, trotz knapper Zeit noch ein bisschen dazu zu verdienen, abgestraft werden sollen. Es ist im Übrigen ein skandinavisches Modell, das die Ministerin da vorschlägt. Dort existiert eben so ein Betreuungsgeld schon sehr lange. In der Summe ist es dort deutlich höher als die 140 Euro, mit denen man die Eltern in Deutschland ruhig stellen will, das System ist aber das gleiche: Eltern, die die Betreuung der Kinder voll übernehmen, bekommen das Geld, das der Kitaplatz kosten würde, in hoher Summe ausgezahlt. Eltern, die auch teilweise arbeiten gehen, bekommen einen abgestuften Satz des Betreuungsgeldes. Na geht doch. Wieso ist dieses System für Deutschland nicht denkbar? Wir verweisen doch sonst immer gerne auf Skandinavien. Das einzige Problem aus Sicht der Politik ist, man müsste das Geld den Eltern direkt in die Hand geben, deswegen hat man in Deutschland Skrupel.

Wir misstrauen den Eltern in unserem Land. Wir gestehen ihnen auch keine Fehler zu. Wenn sie es – wider Erwarten – jedoch trotzdem gut hinbekommen mit der Kindererziehung, nehmen wir das geschaffene »Humankapital« aber gerne als künftige Steuerzahler an.

Birgit Kelle, Vorsitzende von Frau 2000 plus


Sehr geehrter Herr Präsident Hundt!

Im Handelsblatt äußerten Sie sich über die verfehlte deutsche Familienpolitik. Wir teilen diese Ansicht, was das Management unserer verantwortlichen Politikerinnen betrifft. Auch wir plädieren für zielgerichtetes Handeln und effektive Maßnahmen.

Unsere Vorschläge aber zielen darauf, Eltern und Kindern wieder ein auskömmliches Familienleben ohne Zeitdruck und Stress zurück zu geben, während Sie von den Müttern noch mehr Einsatz im Betrieb fordern bei immer weniger Zeit für ihre Kinder. Ärzte und Psychologen stellen jetzt schon eine alarmierende Zunahme an Stresskrankheiten bei doppelt belasteten Frauen fest. Ein enormer Druck lastet auf den Eltern, schon allein deshalb, weil die meisten Kinder nach einem zehnstündigen Arbeitstag abends noch die Mithilfe ihrer Eltern bei den Schulaufgaben brauchen. Auch die Schulen stehen unter Druck. Zeit, im Unterricht mit den Schülern zu üben und erworbenes Wissen zu festigen, gibt es nicht mehr seit G8. Von Bildung überhaupt noch zu sprechen wäre bereits dreist. Diese ganze Sklaverei haben wir der OECD und der deutschen Wirtschaft zu verdanken. Ihnen geht es um Beschleunigung, Standardisierung, Rentabilität – alles Parameter aus industriellen Prozessen. Kinder und Eltern sind aber keine Automaten sondern M e n s c h e n ! Sie sind nicht endlos zu optimieren, sie haben ihre Grenzen: zeitlich, gesundheitlich, sozial.

Dann wollen wir Sie noch aufmerksam machen auf Ihren unreflektierten Umgang mit Zahlen. Sie behaupten, mehr als 200 Milliarden würde der Steuerzahler für ehe-und familienbezogene Leistungen aufbringen. Das Bundesfinanzministerium hat diese auf 60 Milliarden beziffert, die Deutsche Bundesbank auf 180 Milliarden, das Kieler Institut für Weltwirtschaft auf 230 Milliarden. Tendenziös, wie man unschwer erkennen kann. Fakt ist: 1. Ehebezogene Leistungen sind keine Familienförderung, da kinderunabhängig. 2. Das Kindergeld ist zu 2/3 die Rückerstattung jener Steuerbeträge, die zuvor auf die Existenzminima der Kinder erhoben wurden, also keine Transferleistung, sondern Rechtsanspruch. 3. Eltern zahlen sehr wohl Beiträge für ihre Kinder in die Sozialversicherung, denn diese werden vom gesamten Brutto erhoben, also auch vom Kindesunterhalt. Kinder sind also nicht beitragsfrei mitversichert. Freilich, wenn man die Milliarden mitzählt, die der Steuerzahler für öffentliche Ganztagsbetreuung aufbringen muss, dann klettern die Ausgaben rasch. Als Familienförderung geht auch das nicht durch, denn Ganztagsbetreuung fördert lediglich die Entfamilisierung und nicht die Familie. Es wäre daher die Aufgabe der Wirtschaft, die Kinderbetreuung zu finanzieren. Schließlich hat die Wirtschaft ja auch den Gewinn von der Erwerbsarbeit der Mütter.

Ihnen als Arbeitgeberpräsident dürften diese Zusammenhänge sehr wohl bekannt sein, und trotzdem scheuen Sie sich nicht, falsche Zahlen zu verwenden.

Die Wirtschaft rechnet uns andauernd die gesellschaftlichen Leistungen an die Familien als Verlust vor. Einzig die Robert-Bosch-Stiftung hat die Gewinnseite bilanziert und festgestellt, dass der Staat pro Kind knapp 80 000 Euro mehr einnimmt, als er an Unterstützung gewährt. Nur: für die Eltern ist ein Kind – ausschließlich finanziell bilanziert – ein Verlust, für den Staat aber ein satter Gewinn!

Prof. Dr. H. Adrian von der Uni Mainz antwortete auf die Frage: Was kostet ein Kind?

„Berechnet man die gesamtgesellschaftlichen Kosten eines Kindes, so ergeben sich bei durchschnittlichem Einkommen der Eltern 440.000 Euro, davon tragen die Eltern alleine 270.000 Euro, der Staat (d. h. Eltern und Kinderlose zusammen) wendet für Kindergeld, Schule, Krankenkosten etc. 170.000 Euro pro Kind auf.

Diesen großen Kosten steht aber nach 30 Jahren ein inflationsbereinigter, gesamtgesellschaftlicher Ertrag von durchschnittlich einer Million Euro pro Kind durch gezahlte Steuern und Abgaben gegenüber. Dies entspricht einer Rückzahlung aller Kosten mit einer Realverzinsung von 2,75 Prozent pro Jahr.

Die gesamtgesellschaftlichen Nettokosten der Kinder sind also null, da die Erträge wesentlich höher sind als die Kosten. Wenn ein Land zu wenige Kinder aufzieht, dann kann es sich zunächst darüber freuen, dass für die nichtgeborenen Kinder keine Kosten entstehen und dadurch der Konsum gesteigert werden kann (1970 bis 1990) – manche nennen dies unsinnigerweise »demografische Dividende«. Aber spätestens nach 30 Jahren, im Falle Deutschlands war dies vom Jahr 2000 an, beginnt das Land darunter zu leiden, dass die nicht geborenen Kinder der Gesellschaft keine Erträge zur Verfügung stellen.“
Sehr geehrter Herr Hundt, auch bez. der gepriesenen Ganztagsbetreuung blendet die Wirtschaft humane Prinzipien aus. Sie müsste nämlich einsehen, dass Kinder Anspruch auf elterliche Nähe, Zuwendung und Begleitung nicht nur

für ein oder drei Jahre haben, sondern während ihrer ganzen Kindheit. Dazu müsste die Wirtschaft aber auch einsehen, dass ein sicher gebundenes Kind später ein zuverlässiger, kreativer, belastbarer Arbeitnehmer wird. Dazu müsste die Wirtschaft die Erkenntnisse der Hirn- und Bindungsforschung ernst nehmen und die psychischen und intellektuellen Gefahren einer frühen Fremdbetreuung in den Blick nehmen. Politik und Wirtschaft gehen von der infamen Behauptung aus, Bildung fände nur in Einrichtungen und nicht in der Familie statt. Schließlich müsste die Wirtschaft langfristig denken und nicht nur kurzfristig in Wachstumskategorien.

Wenn die deutsche Familienpolitik tatsächlich höhere Geburtenzahlen anstrebt, woran man in der Tat zweifeln darf, dann muss sie Müttern statt Stress mehr Zeit einräumen, und Familien vor der Verarmung bewahren. Aus beiliegender Tabelle ( Deutscher Familienverband, März 2011) ersehen Sie, wie das frei verfügbare Einkommen mit jedem weiteren Kind bis weit unter das Existenzminimum schrumpft. Daran ist schuld, dass Familienväter gleich hohe Sozialabgaben bezahlen wie Kinderlose. Würden die Sozialabgaben erst n a c h A b z u g der Existenzminima der Kinder vom verbleibenden Bruttolohn erhoben, wäre man der Familiengerechtigkeit schon näher und der Familienverarmung entkommen. Nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch Erziehungsarbeit ist Leistung für die Gesellschaft und gehört ebenso honoriert.

G e r e c h t i g k e i t heißt die Devise, nicht Überlastung!

Als Wirtschaftsexperte werden Sie diese Argumente vielleicht belächeln – vermutlich aber wird uns allen bald das Lachen vergehen. Nur noch wenige Jahre, dann kollabiert unser Sozialsystem, sollte es nicht sofort f a m i l i e n g e r e c h t reformiert werden. Es ist 5 nach 12!

Damit grüße ich Sie freundlich für die Elterninitiative für Familiengerechtigkeit im Landkreis Ravensburg

Bärbel Fischer

Nachwuchs für die Wirtschaft auf Kosten der Familien

zu: Arbeitgeberverbände fordern, Nachwuchs stärker zu fördern, 20. Juli 2011

Wenn die Arbeitgeber so dringend Mütter als Fachkräfte brauchen, dann sollen doch sie mit ihren horrenden Gewinnen den Krippenausbau selber finanzieren und die Ausbildung der Erzieher dazu. Warum muss das der Steuerzahler bezahlen? Vor allem Steuerzahler mit Kindern werden so mehrfach belastet: einmal haben sie für ihre Kinder aufzukommen, außerdem stemmen sie über den Verbrauch pro Kind nochmal ca. 200 Euro mtl. an Mehrwertsteuern, und obendrein sollen sie noch für die Krippenbetreuung aufkommen! So nicht, Herr Fay!

Herr Clever jammert, die Kindergelderhöhung hätte in den Krippenausbau investiert werden müssen. Als ob das Kindergeld ein Almosen wäre! Herr Clevers Vorschlag ist weder clever noch rechtens, denn das Kindergeld ist zu zwei Dritteln die gesetzliche Rückerstattung jener Steuern, die Eltern auf das Existenzminimum ihrer Kinder bereits abgeführt haben. Aber, Herr Clever, Kinder sind auch Menschen! Auch sie haben ein Anrecht auf ein steuerfreies Existenzminimum! Oder wollen Sie selbst auf ihr eigenes Existenzminimum künftig auch Steuern bezahlen?

Den Gewinn aus der Mütterarbeit will die Wirtschaft einsacken, die Kosten dafür sollen dem Steuerzahler aufgebürdet werden!

Die Gewinnmaximierungsträume der Arbeitgeber sind ein einziges F a m i l i e n v e r a r m u n g s p r o g r a m m! Dies ist sowohl materiell als auch emotional gemeint. Denn Kleinkinder sind auch Menschen und haben folglich ein Recht auf mütterliche Nähe und Präsenz während der frühen Jahre.

Bärbel Fischer

http://www.ödp.de/aktuelles/pressemitteilungen/newsdetails/news/oedp-sozialpolitiker-resch-kritisiert-bda/