Die Front liegt nicht am Hindukusch

Dr. Jürgen Borchert ist Richter am Sozialgericht in Darmstadt. Architekt bekannter Verfassungsbeschwerden, Sozial- und Rentenexperte des Familienverbandes. Er gilt als absoluter Experte zu Fragen der Sozial- und Familienpolitik. Hier lesen Sie seinen Beitrag zu einem Symposium des Familiennetzwerkes: Weniger Staat – mehr Eltern, wie Familienpolitik wieder Politik für Familien werden kann.

http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/wp-content/uploads/2008/05/die-front-liegt-nicht-am-hindukusch.pdf

Wer trägt unsere Sozialsysteme?

Häusliche Erziehungsarbeit werde derzeit massiv diskriminiert. Als Familienleitbild gelte das Doppelerwerbspaar, dessen Kinder außer Haus betreut werden. „Kinder sind die Garanten von Zukunft und auch die Träger unserer umlagefinanzierten Sozialsysteme“. Gerade deshalb müßten Mütter, die ihre Kinder daheim betreuen, erziehen und versorgen eine ebensolche Wertschätzung ihrer wichtigen Arbeit erfahren, wie berufstätige Frauen und Mütter.

http://www.freiewelt.net/nachricht-6752/verband-der-familienfrauen-und–m%E4nner-f%FCr-familienfaire-sozialreform.html

Sozialreform: Mappus aufwecken!

In knapp zwei Wochen wird in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewählt. In Rheinland-Pfalz wollen fast 40% der Abgeordneten eine Bundesratsinitiative für eine Familienfaire Sozialreform unterstützen. In Baden-Württemberg ist die Zustimmung dagegen noch verhalten. Die Parteien lavieren, wollen keine klare Stellung nehmen auf die zahlreichen Bürgeranfragen über AbgeordnetenCheck.de. Auch die CDU und ihr Ministerpräsident Mappus nicht. Dasist besonders enttäuschend, weil sich Mappus in Sonntagsreden gern als familien- und kinderfreundlich darstellt. Jetzt aber, wenn es konkret wird, weicht er einer klaren Stellungnahme aus. 

Mappus-CDU in Baden-Württemberg aufwecken: für eine familienfaire Sozialreform

Bitte schreiben Sie jetzt… 

→ an die CDU-Entscheider in Baden-Württemberg 

→ für eine familienfaire Sozialreform im Bund

→ gemeinsam mit vielen anderen  Bürgern und Familien

→ auf AbgeordnetenCheck.de

Lavieren reicht nicht. Wir brauchen eine klare Aussage pro familienfaire Sozialreform vor allem von der baden-württembergischen CDU. Erinnern wir deren Entscheidungsträger jetzt daran, daß sie mit den Stimmen der Familien zu rechnen haben. Lassen wir sie dies mit einer großen Emailwelle über AbgeordnetenCheck.de spüren.

Schreiben Sie deshalb jetzt gleich (nur ein Klick) den wichtigsten Entscheidungsträgern der CDU in Baden-Württemberg und fordern Sie diese auf, sich klar für eine familienfaire Sozialreform und eine Bundesratsinitiative dazu auszusprechen. Jetzt allen CDU-Entscheidungsträgern schreiben

Fordern Sie

Stefan Mappus (CDU) – amtierender Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Spitzenkandidat der CDU

Peter Hauk (CDU) – Fraktionsvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg

Wilfried Klenk (CDU) – Familienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in BW

jetzt mit einem Klick auf, die familienfaire Sozialreform jetzt anzupacken.

Bitte leiten Sie auch diese E-Mail an weitere interessierte Personen. Je mehr Emails den Landtag erreichen, desto aufmerksamer wird sich Stefan Mappus unseren Forderungen zuwenden.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre

Hedwig Freifrau v. Beverfoerde

PS.: Hier können Sie die bisherigen Antworten der Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg lesen:Antworten Sozialreform

 

Mitmachen beim Abgeordneten-Check!

Mit folgendem Text können unsere Leser aus BW und RLP ihre Landtagsabgeordneten befragen:

Sehr geehrter Herr/ sehr geehrte Frau,

unsere Sozialsysteme sind umlagefinanziert. Was die aktive Generation einzahlt, wird sofort verbraucht. Rücklagen werden nicht gebildet. Wenn zu wenige aktive Einzahler nachwachsen, bricht das System irgendwann zusammen. Kinder zu haben und sie zu erziehen, muß demnach als gleichwertige Beitragsleistung angesehen werden wie Geldeinzahlungen.

Ich fordere Sie deshalb auf, sich im Rahmen einer verfassungskonformen Sozialreform im Bundesrat für eine Staffelung der Beitragsätze in der gesetzlichen Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung nach Anzahl der Kinder stark zu machen.

Legen Sie bitte Ihre Haltung zu dieser Frage offen. Sind Sie für oder gegen eine so verstandene familiengerechte Sozialreform?

Meine politische Unterstützung bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg werde ich stark von Ihrer Haltung in dieser Frage abhängig machen.



Machen Sie mit beim Abgeordneten-Check!

http://www.abgeordneten-check.de/karte.html?c=64&bl=7&lvl=2/

Eltern wollen keine Bevormundung

Ulrich Hoffmann aus Weißenhorn sprach zu familienpolitischen Themen

LEUTKIRCH (sz)- Beim gut besuchten Vortrag des familienpolitischen Sprechers der bayrischen ÖDP, Ulrich Hoffmann, im Saal des Hotel Post ist aufgezeigt worden, wie aus der Sicht der ÖDP eine zukunftsfeste Familienpolitik aussehen muss, die Mütter und Väter stärkt ohne sie zu bevormunden und ihnen echte Wahlfreiheit gewährleistet. Für den ÖDP-Ortsvorsitzenden aus dem schwäbischen Weißenhorn-Pfaffenhofen sind dabei die jetzige Elterngeldregelung und Hartz 4 Sätze weder gerecht, realitätsnah noch sozial. Als Ehe- und Familienseelsorger brachte Hoffmann hierzu die vielfältigen Erfahrungen aus seiner Arbeit ein, in der er zunehmend Eltern am „unteren Rand der Gesellschaft“ erleben muss. Die zudem nach wie vor zu hohen Abtreibungsziffern sah der Referent und Vorsitzende des Familienbundes im Bistum Augsburg in engem Zusammenhang mit den derzeit finanziellen Folgen einer Geburt, die sich derzeit „ oft wie ein Schadensfall auswirke“ . Dies stehe im krassen Widerspruch zu einer kinderfreundlichen Politik und dem Grundgesetz, in dem die Familie unter dem besonderen Schutz stehe.

Nach wie vor bekomme die häusliche Erziehung von Kindern nicht die Anerkennung, die sie verdiene. Für die ÖDP gilt daher der Grundsatz, dass Arbeit Zuhause wie im Betrieb im Prinzip gleichwertig sein muss. Dies ist die Grundlage für die Forderung nach einem steuer- und sozialversicherungspflichtigen Erziehungsgehalt, mit dem Eltern dann ohne wirtschaftliche Zwänge sich für Erziehung daheim oder in Tagesstätten entscheiden können und damit „wieder die Lufthoheit über ihre Kinderbetten erhalten“. Das Erziehungsgehalt sei sozial, erhalten doch Eltern mit hohem Einkommen netto erheblich weniger als Geringverdiener und die Rente entspreche dann endlich der tatsächlichen Lebensleistung und damit eher einem gerechten Generationenvertrag. Hoffmann erwartet mit der höheren finanziellen Absicherung zudem einen spürbaren Rückgang der Abtreibungen aus wirtschaftlichen Gründen. Die Finanzierung des Erziehungsgehaltes sei machbar, fließen doch Steuern und Beiträge wieder zurück sowie entfallen andere staatliche Zuwendungen. Außerdem sei unsere Zukunft, auch gemessen an einer christlichen Wertorientierung, „ohne Natur und Familie nicht möglich“.
Karl-Heinz Schweigert

"Lob dem demografischen Wandel"

Laut Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung bei der Bundesagentur für Arbeit, ist der demografische Wandel ( also der Kinderschwund ) der „Verbündete“  aller Frauen, erzwingt er doch über eine noch zu schaffende Kinderbetreuung  rund-um-die-Uhr  die Besetzung offener Stellen mit Müttern. „Eine Reservebank können wir uns am Arbeitsmarkt nicht leisten“, moniert er und hofft so, zwei Millionen Frauen aus den Kinderzimmern zu“ befreien“. Das würde bedeuten, dass ca. drei Millionen Kinder zusätzlich in Krippenplätzen versorgt werden müssten. Offensichtlich geht diese Rechnung für die Wirtschaft auf. Der Steuerzahler wird´s schon richten! Der Steuerzahler wird auch für die Folgeschäden aufkommen müssen.

"Familie" keine Betreuungseinrichtung mehr?

„In unseren Familien wird gearbeitet, wird betreut und wird gebildet“. Nur wird dies vonseiten staatlicher Ämter nicht mehr wahrgenommen und nicht vermerkt. „KInder, die bei ihren Eltern sind, gelten demnach als unbetreute Kinder“. Prof. Johannes Schroeter, der Vorsitzende des Bayrischen Familienbundes, wehrt sich gegen solche Sprachverfälschung und sieht elterliches Engagement veralbert und diffamiert.

http://www.freiewelt.net/nachricht-6691/%22veralberung-der-elterlichen-leistungen%22—interview-mit-prof.-johannes-schroeter.html

Frankfurter Appell

Der internationale Kongress vom 4./5. Mai in Frankfurt hat erneut die fundamentale Bedeutung der intensiven Mutter-Kind-Beziehung, v. a. in den ersten drei Lebensjahren bekräftigt. Die Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit dieser Bindung prägt nachweislich in hohem Maße die emotionale, geistige und soziale Entwicklung für das ganze Leben.
Mutterentbehrung in den ersten drei Lebensjahren gefährdet die störungsfreie Entwicklung des Kindes. Daher dürfen Eltern aus finanziellen Gründen nicht gedrängt werden, ihr unter dreijähriges Kind fremd betreuen zu lassen.
Wenn dennoch außerfamiliäre Fürsorge notwendig wird, ist der Betreuung durch eine vertraute mütterliche Tagesmutter der Vorzug zu geben. Denn neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Krippenerziehung war und ist Risikoerziehung. Wenn Krippenbetreuung unvermeidlich ist, sollte ein Betreuungsschlüssel von drei Babys/Kleinstkindern pro Erzieherin und eine mehrmonatige Eingewöhnungszeit mit der Mutter gewährleistet sein.
Wir appellieren an die Gesellschaft, Mütter und Väter in dem entscheidenden primären Bindungsprozess mit ihrem Kind zu unterstützen. Der Staat ist aufgefordert, Eltern und Kindern genügend Zeit und Geld zu belassen, bzw. zur Verfügung zu stellen, um jedem Kind die ersten drei Lebensjahre in seiner Familie zu ermöglichen.

"Bildung" im Wirtschaftsvokabular

Immer lauter wird das Wehgeschrei der Wirtschaft wegen des bereits herrschenden und noch heftiger drohenden Fachkräftemangels. „Bildung-Bildung-Bildung!“ heißt die Devise. Was sich der Baden-Württembergische Industrie-und Handelskammertag  unter Bildung vorstellt,  lässt sich an den Forderungen ablesen, die er anlässlich der LANDTAGSWAHL 2011 an die künftige Landespolitik  stellt. In seinen Handlungsempfehlungen fordert er  „flächendeckende Ganztagesangebote sowie durch individuelle Förderung im schulischen Bereich zu verbessern; zudem sollte die Einführung einer Kindergartenpflicht geprüft werden. Leistungsorientierung der Lehrkräfte ist zu honorieren. Eine nachhaltige Bildungspartnerschaft mit Unternehmen ist für jede Schule eine Selbstverständlichkeit“. „Das Miteinander von Beruf und Familie ist durch bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuung zu fördern“.

http://www.bw.ihk.de/uploads/media/PM_6-2011_Positionen_zur_Landtagswahl_BW.pdf

Eine ganz andere  Vorstellung von Menschenbildung verteidigt Professor Dr. Rainer Patzlaff in seinem Interview mit Freie Welt. net

Feindbild glückliche Mutter

Die Journalistin, glückliche Mutter von vier Kindern und Präsidentin der Frauenvereinigung „New Women For Europe“  Birgit Kelle schreibt in ihrem Beitrag für Freie Welt.net
Ich weiß noch genau, wann ich mein Kind das erste Mal im Bauch gespürt habe. Es war wie das leichte Schlagen eines Schmetterlingsflügels. Nicht mehr. Leicht und kaum bemerkbar. Mir wurde heiß und kalt und ich wusste: Das ist Leben in mir. Mutter sein. Ich kann nicht in Worte fassen, welche Glücksgefühle das auslösen kann. Mütter wissen, was ich meine.
 
Animalisch, instinktiv. Wer Kinder zur Welt bringt, handelt nicht rational. Es ist ein Trieb, eine Leidenschaft, die man mit nichts Anderem erzeugen kann. Es verändert die Menschen, ihr Verhalten, ihre Wünsche. Wir respektieren, dass man in der Tierwelt ein Muttertier in Ruhe lässt. Man fasst ihre Jungen nicht an und tut man es doch, sollte man schnell das Weite suchen, denn der Beschützerinstinkt der Mutter ist gewaltig, explosiv. Auch der Mensch ist ein Tier. Wir stellen uns vor unsere Kinder, wir sorgen für sie, wir verteidigen sie. Und fast jeder kennt das aus eigener Erfahrung, dass man selbst im fortgeschrittenen Alter immer noch das Kind seiner Eltern bleibt. Das ist auch nicht rational. Man braucht es nicht mehr und trotzdem lässt es einen nicht los.
 
Mama, es ist ein Wort wie gemalt. Mama, fast immer das erste Wort, das ein Mensch deutlich aussprechen kann. Es tut mir wirklich leid, liebe Väter! Mama, das ist Zuhause, das ist Apfelkuchen, das sind Pflaster auf aufgeschlagene Knie und zerbrochene Herzen. Mama. Geliebt, verehrt, schwierig, nervenaufreibend – aber letztendlich immer Mama. Wir können uns kaum lösen, eine ganze Zunft von Psychologen beschäftigt sich inzwischen mit Eltern-Kind-Beziehungen.  Die Verbindung ist nicht frei gewählt, sie ist nicht ausgesucht, sie ist nicht austauschbar, sie ist. Ob man will oder nicht. Man kann sich kaum eine engere Symbiose zwischen zwei Menschen vorstellen. Herangewachsen in einem anderen Körper. Leben in mir, das ich weiter gebe. Da sieht Patchwork ganz schön alt aus.
 
Dennoch ist kein Dasein in Deutschland umstrittener, umkämpfter und so emotional diskutiert wie das Werden und Leben als Mutter. Die Erwartungen, die Hoffungen, die Enttäuschungen tangieren oft die Grundfesten unseres Seins. Es ist eine Bastion, die von einer Hälfte der Menschheit geboten, von Feministinnen bekämpft und von Vielen auch beneidet wird. Quelle für unendliches Glück und großes Unglück – aber letztendlich immer voller Emotionen. Warum ist das so?
 
Wir leben in einer Zeit, in der das Muttersein keine Selbstverständlichkeit mehr für Frauen ist. Oder scheint es nur so, weil das Thema meist in den Feuilletons und nicht in den Wohnküchen besprochen wird? Hunderte von Generationen vor uns haben das Muttersein als Schicksal angenommen. Erst seit wir die Wahl haben, Mutter zu sein oder nicht, stellen sich die Sinnfragen. Soll ich Mutter werden? Wäre ich eine gute Mutter? Wann soll ich Mutter werden? Bin ich eine gute Mutter? Rabenmütter. Glucken. Übermütter. Supermutti. Die Begriffe geistern durch die Presse und zeigen zumindest eines: Es gibt Gesprächsbedarf.
 
Angeheizt durch die Fakten des demographischen Wandels und die stagnierenden Geburtenraten in Deutschland ist die Frage nach Kindern und dem zwangsläufig damit verbundenen Dasein der Frauen als Mütter zum Politikum geworden. Mein Bauch gehört mir. Es ist ein politischer Sprengsatz. Wer kennt ihn nicht? Ob ich als Frau meinen Bauch zur Verfügung stelle, um Nachwuchs auf die Welt zu bekommen, ist schon lange keine private Angelegenheit mehr. Inzwischen will auch der Staat meinen Bauch. Er ist potentielle Brutstätte. Da ist es wieder, das Animalische, das wir kaum unter Kontrolle bekommen. Gott sei Dank würde ich sagen. Man stelle sich eine Menschheit vor, deren Wachsen und Überleben tatsächlich vom Willen und der Meinung der jeweiligen politischen Klasse abhängig wäre.
 
Um es vorweg zu nehmen: Ich bin gerne Mutter. Ich liebe mein verwüstetes Wohnzimmer, den Redeschwall meiner Ältesten, wenn sie aus der Schule kommt und die Tasche in den Flur schmeißt. Ich genieße die chaotischen Mahlzeiten mit vier und manchmal mehr Kindern um den Tisch. Ich kann mich über umgekippte Milchgläser und unaufgeräumte Zimmer gar nicht mehr aufregen. Dafür bekomme ich selbstgemalte surreale Bilder, manchmal direkt auf die Wand. Seltsame selbstgebaute Legokonstruktionen, stolze Schulhefte, maulige helfende Hände aber vor allem: Liebe. Ich lese wenig von Liebe, wenn es um Kinder und Mütter geht. Ich lese von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Karriere, Kindergeld, Rentenansprüchen, darüber was Kinder kosten, wie viel Arbeit sie machen, woran sie uns hindern. Ich lese von Lärmbelästigung durch Kindergärten, von schwer erziehbaren Kindern, von überforderten Eltern, von vernachlässigten Kindern – aber nichts von Liebe.
Ich gebe zu: Glücksgefühle lassen sich schwer in ökonomische Berechnungen einbauen. Wenn aber die Misere der deutschen Familienpolitik eines zeigt, dann ist es dies: Mit mehr Geld bekommt man nicht mehr Kinder. Es sind ganz andere Faktoren, die wirklich eine Rolle spielen, wenn Frauen Kinder bekommen.
 
Und die Frage ist: Machen wir es den Müttern heute nicht unnötig schwer? Wo sind nur die Zeiten geblieben, in denen Frau einfach „Guter Hoffnung“ sein durfte, wenn ein Kind unterwegs war? Guter Hoffnung – das ist lange vorbei. Zu groß sind die Erwartungen an das meist einzige Kind. Und an die Mutter. Jede nur erdenkliche medizinische Vorsorge ist nicht nur Anspruch, sondern inzwischen Pflicht für Schwangere. Man erwartet, dass sie ihren Bauch mit Beethoven beschallen und am besten schon mal chinesisch Vorsingen, man will ja keine Chance ungenutzt verstreichen lassen. Schwangere sind nicht mehr „Guter Hoffnung“ sie sind oft im Stress. Die aktuelle Milupa-Studie bestätigt, dass sich Mütter oft machtlos fühlen zwischen dem eigenen Anspruch – oder ist es doch die gesellschaftliche Forderung ? – und der Realität.
 
Ist ja auch kein Wunder, könnte man sagen. Frau muss inzwischen eben nicht nur als Hausfrau perfekt sein. Auch die Kinder müssen zu Genies herangezogen werden, der Mann soll glücklich sein und die Karriere stimmen. Ach ja – wir sollen dabei auch noch wahnsinnig gut aussehen. Früher reichte auch mal einer der Faktoren. Heute ist man als Frau für manche nur halber Mensch, wenn man diese Doppel- oder auch Dreifachbelastungen nicht auf sich nimmt. Dazu werden uns in den Medien Frauen präsentiert, die das alles anscheinend spielend hinbekommen. Moderatorinnen wie Sandra Maischberger, die sechs Wochen nach der Geburt wieder auf Sendung gehen. Familienministerinnen wie ehemals Frau von der Leyen, die nebenbei sieben Kinder großziehen. Politikerinnen, die kess bekennen, Rabenmütter zu sein und immer mal wieder gestylte Hochglanzmuttis zwischen Drehset und Shoppingstress. Was soll uns Otto-Normal-Müttern das sagen? Na geht doch! Stell dich nicht so an mit dem bisschen Haushalt, den paar Kindern und dem Job. Die anderen können das doch auch! Mit der normalen Frau in Deutschland hat das alles herzlich wenig zu tun. Für diese müssen wir aber Politik machen. Und all diese fühlen sich durch diese „leuchtenden“ Beispiele überfordert und glauben, der Fehler liege einfach nur bei Ihnen selbst.
 
Eine befreundete Mutter von vier Kindern erzählt mir von ihrem ersten Arbeitstag in der alten Firma nach 20 Jahren Kinderpause. Man habe sie bedauert, dass sie 20 Jahre zu Hause habe sein müssen. „Und ich dachte nur: Ihr habt 20 Jahre in diesem Kasten verbracht. Wer ist hier zu bedauern?“ Ausgesprochen hat sie es aber vor den Kolleginnen nicht. Der Druck, zumindest Beides wollen zu müssen, Kinder und Beruf, ist groß. Da haben Frau Schwarzer und ihre GenossInnen ganze Arbeit geleistet.
 
Und dennoch, trotz jahrelangem Kampf gibt es sie immer noch: Die glückliche Mutter. Und damit sind wir auch gleich beim Problem der Altfeministinnen. Frauen, die damit glücklich sind „einfach nur“ Kinder zu bekommen, den Haushalt zu führen, dem Mann den Rücken frei zu halten. Frauen, die es zu Tausenden gibt. Etwas was nicht sein darf in den Augen derer, die sich ganz nach Simone de Beauvoir von der Last der Mutterschaft befreien wollten. Die Kinder als Fesseln begreifen. Mutterschaft als Abhängigkeit, als Unfreiheit. Von diesen Frauen lesen wir in den Feuilletons. Nicht von denen, die gerade Mittagessen kochen. Diese Frauen  – meist selbst kinderlos und das bewusst – bestimmen das Selbstbild der Frau in den Medien und gaukeln der Mehrheit eine gestylte Familienwelt vor, die es in der breiten Masse nicht gibt. Eine Realität, die bei den meisten schon am Geldbeutel scheitern würde. Und auch die derzeitige Familien- und Frauenpolitik in Deutschland macht da keine Ausnahme. Frauenpolitik besteht im wesentlich daraus, die Frau in den gewerblichen Beruf einzugliedern, Kita-Plätze zu schaffen und mit dem neu geschaffenen Unterhaltsrecht sind fortan alle Frauen, die auf die Ehe vertrauen im Zweifel die Dummen. Wir sollen also Mütter werden, denn der Staat braucht unsere wohlerzogenen Kinder, aber wir sollen um Himmels Willen nicht glücklich damit sein! Da würde uns ja etwas fehlen.
 
Und so ergießt sich auch die französische Feministin Elisabeth Badinter in ihrem neuen Buch mit dem bedeutungsschwangeren Titel: „Der Konflikt: Die Frau und die Mutter“. Man muss ja immer schon aufhorchen, wenn die „Emma“-Redaktion ein Buch empfiehlt. Nach der Lektüre schwanke ich zwischen Fassungslosigkeit und Erheiterung. So etwas wie Mutterinstinkt existiert demnach nicht und das schlimmste Übel sei das Stillen eines Kindes. Die internationale Still-Gesellschaft „La Leche League“ ist in den Augen Badinters eine nahezu mafiöse Gesellschaft, die sich krakenhaft weltweit ausbreitet und die Frauen indoktriniert und zum Stillen ihres Kindes verleitet, um sie weiterhin in Abhängigkeit und im Patriarchat zu fesseln. Muttersein ist demnach in Ordnung, solange man sich nicht emotional davon tangieren lässt, das Kind möglichst schnell in fremde Kinder gibt, um dann endlich wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
 
Alle paar Seiten musste ich innehalten und habe mich gefragt, warum die Autorin selbst drei Kinder bekommen hat? Als grausiges Experiment? Nahezu erheiternd erscheint dann ihre Sorge, ob die Frauen nach Geburt eines Kindes noch genug sexuelle Lust empfinden, um die Bedürfnisse ihres Mannes zu befriedigen. Waren es nicht einst die Feministinnen, die sich gegen die sexuelle Verfügbarkeit der Frau auch in der Ehe auflehnten? Die sogar die lesbische Liebe propagierten, nur um sich nicht durch den sexuellen Trieb vom Mann abhängig zu machen? Denn schließlich war ja laut Alice Schwarzer jede Penetration automatisch Gewalt. Jetzt sollen wir also Kinder bekommen, uns emotional nicht davon vereinnahmen lassen und unsere Männer sexuell nicht vernachlässigen. Eine erstaunliche Kehrtwende für eine Altfeministin. Mal schauen, was ihr nächstes Jahr Neues einfällt. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll: Jede noch so abstruse Forderung ist gut genug, um Frauen ständig im Konflikt zu halten. Was sollen die Feministinnen auch machen, wenn die Frauen plötzlich alle glücklich wären? Ganze Berufszweige stünden vor dem Aus. Dann also lieber weiter auf Konfrontation.
 
Szenenwechsel: Frauenabend. Thema Feminismus im Dritten Jahrtausend. Es sind 20 gekommen, die meisten davon sind Mütter. „In den meisten Ehen, die ich kenne, hat die Frau das Sagen“, wirft eine ein. „Ja, aber nur, wenn die Männer das nicht merken!“, kommt der Einwurf. Zustimmende Heiterkeit macht sich breit. Gut, dass es sie noch gibt, die entspannten, glücklichen Mütter.