Wir brauchen arbeitsmarkt-kompatible Babys!

Prof. Hans Bertram, Soziologe und Berater des Bundesfamilienministeriums ( Achter Familienbericht ) bedauert bei faz.net, dass Babys so verführerisch und attraktiv, und damit arbeitsmark-schädigend sind, weil sie ihre Mütter an sich binden wollen.

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/babypause-wer-karriere-will-muss-praesenz-zeigen-11669173.html

Dazu zwei Stellungnahmen:

Ach, Herr Prof. Bertram, dass die Natur auch so gar nichts kapiert und immer noch keine arbeitsmarkt-kompatiblen Babys produziert! Ärgerlicherweise werden noch immer „verführerische, attraktive“, süße kleine Menschenkinder geboren, in die sich ihre Mütter von der ersten Minute an verlieben, die sie Haut auf Haut schützend bergen, denen sie alle ihre Zuwendung und Achtsamkeit schenken wollen. Zum Kuckuck, dass die Natur bis zum heutigen Tag nicht kapiert, dass Kinder bei ihrer Geburt selbständig zu sein haben, damit die Mama ganztägig dem Betrieb zur Verfügung stehen kann!

Da muss unbedingt und „mit attraktiven Angeboten gegengesteuert“ werden! Wo kämen wir denn hin, wenn wir unseren Kindern  drei Jahre Bindungs- und Reifezeit gönnten! Unsere ganze Mütterlichkeit soll dem Betrieb zugute kommen und nicht den Winzlingen. Aber irgendwann, Herr Bertram, wird es die Natur „schnallen“, dass wir hässliche kleine Roboter gebären, vor denen wir Mütter angewidert weglaufen und uns in die Betriebe retten.

Bärbel Fischer

„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ heißt eine alte Weisheit. Ich möchte nicht wissen, wie viel Geld der Professor für sein demaskierendes Interview mit faz.net bekommt und wie hoch der Betrag ist, den er dem Familienministerium für seine familienschädigende  „Beratung“ in Rechnung stellt. Fakt ist: Politik und Medien ziehen, Kollateralschäden an Kinderseelen skrupellos tolerierend, an ein und demselben arbeitsmarktorientierten Strang. Babys und ihre Mütter haben sich eben zu fügen!

Bärbel Fischer

„Das alte Rollenbild wird zementiert“

meint die Journalistin Corinna Nohn in der Süddeutschen Zeitung  am 05. 03. 2012

Dazu ein Leserbrief :

Die Wortwahl an mehreren Stellen dieses Artikels ist entlarvend.  Sinngemäß: „Mütter/Väter arbeiten nur, wenn sie erwerbstätig sind.“ Nein, keineswegs! Sie arbeiten auch, wenn sie zuhause dafür sorgen, dass eine leistungsfähige nächste Generation nachwächst. Kinder sind Frau Nohn aber  keine Silbe wert. „Wer Müttern und Vätern wirklich eine freie Wahl lassen will wie sie ihre Arbeit aufteilen, muss am Sockel ansetzen“, nämlich indem die häusliche Erziehungsarbeit ihrem Wert entsprechend bezahlt wird. Erst dann entsteht eine echte Wahlfreiheit. Frau Nohns Sichtweise diktiert ausschließlich die Doppelerwerbstätigkeit und ist das Resultat feministischer Hirnwäsche.

Gertrud Martin

Vorsitzende des Verbands der Familienfrauen und -männer e.V.

Seb.-Kneipp-Str. 110

78048 VS-Villingen


Mehrkindfamilien im Abseits

Für eine erkennbare Mehrkindpolitik in Deutschland.

Der Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. (KRFD) stellt sein Familienprogramm der Presse vor.

(Düsseldorf, 1.3.2012) Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestimmen momentan die Debatte in Deutschland. Der Fokus auf dieses Thema lässt jedoch die Interessen einer wichtigen Gruppe unter den Familien mehr oder weniger außen vor: die, der Mehrkindfamilien. Hier bleibt bei den meisten Familien mit drei oder mehr Kindern allein aus organisatorischen Gründen ein Partner hauptsächlich für die Kinderbetreuung zuständig. Diese Familienmodelle werden in der aktuellen Politik nicht nur nicht berücksichtigt, sondern auch benachteiligt.

Elisabeth Müller, Vorstandsvorsitzende des KRFD: „Wer politisch dafür Sorge trägt, dass Eltern so schnell und reibungslos wie möglich in den Arbeitsprozess zurückkehren, verhindert geradezu kinderreiche Familien. Das mag volkswirtschaftlich und kurzfristig sinnvoll sein. Im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft ist der eingeschlagene Weg jedoch fatal.“

  • Der KRFD fordert daher eine Weiterentwicklung des Ehegattensplittings hin zu einer konkreten Förderung der Familien mit Kindern. Dabei sollte die Besteuerung die tatsächliche Familiengröße berücksichtigen.
  • Bei den Sozialversicherungen sollte das Existenzminimum für Kinder vom Einkommen abgezogen werden, bevor die Sozialabgaben berechnet werden.
  • Die anrechenbare Erziehungszeit sollte erhöht werden. Auch wegfallende Arbeitszeit zur Teilzeitarbeit könnte hier für mehrere Jahre sinnvoll mit eingerechnet werden.
  • Die Rentenversicherung sollte durch den Einbau eines Kinderfaktors in der Gesetzlichen Rentenversicherung ergänzt werden.
  • Betreuungskosten sollten nicht weiter derart restriktiv gehandhabt werden. Der KRFD fordert, die Begrenzung der Absetzbarkeit deutlich zu erhöhen, zum Beispiel auf 8.000 Euro.
  • Im Bezug auf die ausreichenden Möglichkeiten von Eltern, wieder Fuß in der Wirtschaft zu fassen regt der KRFD an, über eine Weiterentwicklung der aktuell existierenden Quotendebatte nachzudenken und auch Mütter und Väter zu berücksichtigen, zum Beispiel bei Teilzeitstellen.

Elisabeth Müller: „Momentan ist die Entscheidung für eine Großfamilie in Deutschland fast nicht möglich. Denn viele Eltern entscheiden sich wegen der starken finanziellen Belastung gegen Kinder oder sehen bei einem oder zwei Kindern ihre absolute Leistungsgrenze erreicht, weil sie die Familie ansonsten nicht mehr mit der notwendigen Berufstätigkeit kombinieren können. Der KRFD will in Deutschland nicht nur arme und reiche Kinder! Wir wollen Kinder aller Schichten und Hintergründe und wir brauchen sie.“

Der KRFD wird sich in Zukunft verstärkt dafür einsetzen, dass sich die sozialen und politischen Rahmenbedingungen zu Gunsten kinderreicher Familien entwickeln.

Für Rückfragen/Anmerkungen:
thomas.franke@kinderreiche-familien.de
030/2096-2831 od. 0176/1165-1534

Familienwahlrecht überfällig!

Eine Kehrtwende, wie sie bei der Atompolitik möglich war,  hin zu einem Familienwahlrecht würde Familien endlich mehr Mitsprache im demokratischen System verschaffen. Schließlich besteht die Bevölkerung nicht nur aus Volljährigen, sondern auch aus der nachwachsenden Generation. Gerade die vitalen Ansprüche dieses jungen Potentials werden derzeit total ignoriert. Kein Wunder, dass politische Entscheidungen immer wieder konträr zu den Bedürfnissen von Familien getroffen werden ( s. Achter Familienbericht ).

Der Verband der Familienfrauen und-männer vffm mahnt, den Interessen des Nachwuchses mehr demokratisches Gewicht zu geben.

http://www.dhg-vffm.de/p/modules/news/

 

Hände weg von der Elternzeit!

Die Ökologisch Demokratische Partei ÖDP setzt sich explizit für den Lebensschutz und das Kindeswohl ein. Daher die Warnung ihres familienpolitischen Sprechers Dr. Johannes Resch an die Regierung, die Vorschläge umzusetzen, mit welchen unsere Wirtschaftstechnokraten Familien „arbeitsmarktverwertbar“ machen wollen.

http://www.familien-schutz.de/?p=7478#more-7478

Ein leiser Hoffnungsschimmer?

Das Landessozialgericht Darmstadt hat, wie jüngst veröffentlicht, die Verfassungsmäßigkeit des Elterngeldes stark angezweifelt. Begründung: die Leistung orientiere sich an einem politisch festgelegten Leitbild (vollerwerbstätige Eltern)  und beabsichtige eine Steuerung des Elternverhaltens (worauf unsere Regierung doch so stolz ist! ). Dies verletze das staatliche Neutralitätsgebot. Damit ist die Abweisung aufgehoben, und die klagenden Eltern können vor das BVerfG ziehen.  Ausgang ungewiss. 

Die hessischen Juristen unter ihrem Senatsvorsitzenden Jürgen Borchert hatten 2010 dem Bundesverfassungsgericht bereits die entscheidende Vorlage für das aufsehenerregende Hartz-IV-Urteil der Karlsruher Richter/innen geliefert.

Lesen Sie dazu den Beitrag von Dr. Johannes Resch: Generationenvertrag und Elterngeldgesetz: http://www.freiewelt.net/blog-3960/generationenvertrag-und-elterngeldgesetz.html

Außerdem hat  Herr Dr. Resch weitere einschlägige Beiträge veröffentlicht unter http://www.johannes-resch.de/Veroeffentlichungen-Auswahl-/1,000000540058,8,1 

 

7 Familienberichte der Bundesregierung von 1968 bis 2006

Dankenswerterweise hat Herr Dr. Resch uns einen Überblick über die vergangenen sieben  Familienberichte zusammengestellt, die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat. Hier lässt sich ein eindeutiger Trend zur Entfamilisierung ablesen. Der achte Familienbericht soll demnächst veröffentlicht werden.

Der Erste bis Siebte Familienbericht für die Bundesregierung (Kurzfassung)

Johannes Resch

Die Familienberichte gehen zurück auf einen Beschluss des Deutschen Bundestages im Jahre 1965, mit dem die Bundesregierung beauftragt wurde, in regelmäßigen Abständen Berichte zur Lage der Familien in Deutschland zu erstellen. Mit der Berichterstellung soll jeweils eine unabhängige Kommission von Wissenschaftlern beauftragt werden. Er wird dann zusammen mit der Stellungnahme der Bundesregierung veröffentlicht. Seitdem erschienen sieben Familienberichte:

Der Erste Familienbericht (1968) bemängelt die Lage kinderreicher Familien. Die Situation der Familie innerhalb der Gesellschaft wird aber weitgehend ausgeklammert. Dazu wird auf spätere Berichte verwiesen.

Der Zweite Familienbericht (1975) beschreibt erstmals die allgemeine Schlechterstellung der Familien und die ungünstigen Auswirkungen auf die Sozialisationsbedingungen. Zentrale Forderung ist die Einführung eines Erziehungsgeldes für die ersten drei Lebensjahre eines Kindes. Allerdings wird der Zusammenhang zwischen Rentenrecht und Schlechterstellung der Familien noch nicht thematisiert. Das Erziehungsgeld wird als Sozialleistung verstanden, aber nicht als Bestandteil des Generationenvertrags im Zusammenhang mit dem Rentenrecht. – So kann es auch von der Bundesregierung mit Verweis auf die Haushaltslage abgelehnt werden.

Der Dritte Familienbericht (1979) thematisiert erstmals die familienfeindliche Ausgestaltung unseres Sozialsystems und sieht darin auch eine wesentliche Ursache des inzwischen eingetretenen Geburtenrückgangs. Die „relative Armut der Familie“ wird in den Vordergrund gestellt. Leider wird der ursächliche Zusammenhang mit dem Rentenrecht zu wenig herausgearbeitet, so dass die Bundesregierung in ihrer Antwort in zynischer Weise behaupten kann, es handle sich nur um ein „Armutsgefühl“. Die wiederholte Forderung nach einem Erziehungsgeld geht somit wieder ins Leere.

Im Vierten Familienbericht (1986) sollte die Situation älterer Menschen im Vordergrund stehen. Trotzdem wird eindeutig mit Zahlen belegt, dass die Armut von Familien mit steigender Kinderzahl zunimmt und der Reichtum umso größer ist, je weniger Kinder vorhanden sind.

Der Fünfte Familienbericht (1994) setzt sich erstmals eingehend mit den familienfeindlichen Auswirkungen unseres Sozialsystems auseinander und bemängelt die „strukturelle Rücksichtslosigkeit in unserer Gesellschaft“ gegenüber Familien Es wird auch deutlich gemacht, dass die veränderten Wertvorstellungen als eine Folge des „Konstruktionsfehlers unserer gesellschaftlichen Verhältnisse“ zu sehen sind. Wie das Bundesverfassungsgericht vertreten die Verfasser die Auffassung, dass der Auftrag von Artikel 6 des Grundgesetzes nicht erfüllt sei. Wie schon bei den früheren Berichten ist die Antwort der Bundesregierung nichts sagend. In geradezu zynischer Weise werden die Familien aufgefordert, ihre Probleme selbst zu lösen. Kaum jemals ist so deutlich geworden, dass das Grundgesetz nahezu wertlos ist, solange sich keine lautstarke Lobby findet, die auf dessen Einhaltung drängt.

Die bisherige Entwicklung der Familienberichte zeigt einerseits, dass die Kritik der beauftragten Wissenschaftler an der Familienpolitik der Bundesregierungen immer schärfer wird. Andererseits wurde die Rolle der Familienberichte von politischer Seite schrittweise abgewertet, indem die Regierungen immer weniger darauf eingehen. So besteht der Eindruck, dass sich die politisch Verantwortlichen immer mehr einer sachlichen Kritik entziehen wollten.

Der Sechste Familienbericht (2000) stand unter dem Spezialthema „Familien ausländischer Herkunft in Deutschland“. Auf die allgemeine Situation der Familien wird dabei nicht mehr näher eingegangen.

Der Siebte Familienbericht (2006) bedeutet eine deutliche Zäsur und unterscheidet sich unter vielen Gesichtspunkten von den vorangegangenen Berichten:

  • Er wurde in einem für den Durchschnittsbürger z. T. schwer verständlichen Soziologendeutsch verfasst, während die früheren Berichte sich eher einer allgemein verständlichen Sprache bedienten.
  • Die Autoren gingen erstmals nicht mehr von einer Beschreibung der gesellschaftlichen Situation der Familie aus, sondern von den Vorstellungen, die im Vorfeld von den „relevanten gesellschaftlichen Akteuren“ vorgebracht wurden. Da Familienverbände hier nur eine geringe Rolle spielten, wurde auf deren Anliegen kaum eingegangen.
  • Die Kontinuität zu den vorangegangenen Berichten reißt abrupt ab, da auf die dort aufgezeigten familienpolitischen Defizite gar nicht mehr eingegangen wird.
  • Es wird nicht mehr gefragt: Werden Familien gerecht behandelt und wie kann Ungerechtigkeit gegebenenfalls abgebaut werden? Stattdessen wird gefragt: Wie kann Familie unter den bestehenden Bedingungen organisiert werden? Die Frage, ob diese Bedingungen gerecht, vernünftig und nachhaltig sind, wird nicht mehr gestellt.
  • Indem die Autoren die in den letzten Berichten beschriebenen familienfeindlichen Bedingungen (ebenso wie entsprechende Urteile des Bundesverfassungsgerichts) ignorieren bzw. als gegeben hinnehmen, übernehmen sie selbst kritiklos diese Familien diskriminierenden Positionen.
  • Da der Bericht von den Vorstellungen der „relevanten gesellschaftlichen Akteure“ ausgeht, die auch die Bundespolitik bestimmen, wird eine Kritik an der Bundesregierung von vornherein kaum möglich. Der Bericht wird zur „Hofberichterstattung“.
  • Da der Bericht auf eine wissenschaftliche Analyse der Gerechtigkeitsfrage verzichtet und stattdessen die Auffassungen der einflussreichsten gesellschaftlichen Gruppen zugrunde legt, verlassen die Autoren den Boden unabhängiger Wissenschaft. Das Ergebnis ähnelt parteiischen Fachgutachten, wie sie häufig von organisierten Interessengruppen in Auftrag gegeben werden. Hinter diesem Bericht steht im Grunde die Bundesregierung selbst, deren Arbeit eigentlich beurteilt werden sollte.
  • So ist auch nicht erstaunlich, dass sich die Bundesregierung durch diesen Bericht erstmals „bestätigt“ fühlt (S. XXIV der Stellungnahme der Bundesregierung).
  • Im Gegensatz zu den früheren Berichten erfüllt der 7. Familienbericht seine Funktion als sachlich fundierte Kritik der Bundespolitik durch unabhängige Wissenschaftler nicht mehr.

Schlaft wohl – gute Nacht!

Braucht es noch einen lauteren Weckruf als den demnächst erscheinenden achten Familienbericht, um aufzuschrecken aus lethargischer Verschlafenheit?

„Familien fehlt es nicht am Geld, sondern an Zeit“, heißt es da. Daher raten die „Experten“ paradoxerweise  zur Kürzung der Elternzeit, zu mehr Krippen, mehr Ganztagsbetreuung für Schüler, zu mehr und längerer Erwerbstätigkeit für Mütter, also zu weniger Zeit  für Familie!

Und wir? Wir lassen uns an der Nase herumführen. *)

„Mehr Geld brauchen Familien nicht“- finden die „Experten“. Daher raten sie zur Abschaffung des Ehegattensplittings und der Mitversicherung erwerbsloser Ehegatten, ohne welche eine Familie mit mehreren Kindern sowieso nicht überleben kann. Mütter sollen sich gefälligst ihr Geld und ihre Altersversorgung selber verdienen, obwohl sie doch –  nach Expertenmeinung – gar kein Geld brauchen!

Und wir? Wir lassen uns an der Nase herumführen.

„Tradierte Rollenmodelle müssten aufgebrochen werden, daher soll die Berufstätigkeit der Frauen forciert werden“. Aha, da sind nun beamtete „Aufbrecher“ am Werk. Nicht die Familien selbst  bestimmen künftig über ihr Lebensmodell und ihre Organisation. Dazu sind Eltern nach Expertenmeinung zu blöd. Wer sich weigert, ein „zeitgemäßes“ Rollenmodell zu leben, dem wird einfach der Geldhahn zugedreht! Basta!

Und wir? Wir lassen uns an der Nase herumführen.

Kinder werden in dem Bericht mit keinem Wort erwähnt. Um Kinder geht es schon längst nicht mehr. Man kann sie herumschieben wie Möbelstücke. Sie haben, wie ihre Eltern, den Gesetzen der Ökonomie zu gehorchen. Eltern sollen Kinder haben, als hätten sie keine! Man macht sich nicht einmal mehr die Mühe, die Sklaverei zu beschönigen. Eiskalt verfügen die  „Experten“ über die Familie.

Und wir? Wir lassen uns an der Nase herumführen.

Wer Familienberichte aus vergangenen Jahren zum Vergleich heranzieht, dem springt der Trend zur materialistisch-sozialistischen Gesellschaft förmlich ins Auge, nur dass diese hierzulande  außer rot  auch noch  schwarz, gelb und grün schillert. Am Nasenring werden Familien in die „Arbeitsmarktverwertbarkeit“ gezerrt. Merken wir gar nicht mehr, wohin die Reise geht? Dämmern wir einfach so dahin, um schließlich in einer völlig anderen Gesellschaft aufzuwachen?

Hatten wir das nicht schon einmal in unserer Geschichte?

Bärbel Fischer

*) eine alternative Floskel für Verarschung

„Experten“ wollen Elternzeit kürzen

Der Familienbericht der Bundesregierung, der Mitte März veröffentlicht wird, enthält aus Sicht der Verbände zahlreiche Provokationen. Die Regierungsberater schlagen vor, das Ehegattensplitting zu reformieren und beurteilen die Berufsfähigkeit von Müttern nicht durchweg positiv.

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/experten-wollen-elternzeit-kuerzen-1.2734203

Siehe auch:

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13894331/Die-moderne-Familie-auf-der-Jagd-nach-der-verlorenen-Zeit.html

Dorothee Bär zur Demografie-Reserve

Sehr geehrte Frau Fischer,

vielen Dank für Ihre unterstützende E-Mail zum Vorschlag der Jungen Gruppe unserer Fraktion zur Demographie-Reserve. Mit dem Vorschlag hat die Junge Gruppe eine Diskussion angestoßen, die ich für sehr berechtigt halte. Ich lege Ihnen gerne dar, warum:

Heute haben Menschen eine weit höhere Lebenserwartung als früher. Nach dem Eintritt in den Ruhestand stehen ihnen noch viele Lebensjahre offen, in denen die meisten von ihnen auf Zahlungen aus der Rentenkasse angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dass die Menschen immer älter werden, ist eine erfreuliche Entwicklung. Doch gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren, so dass die nachwachsende Generation zahlenmäßig immer kleiner wird.

Dieser demographische Wandel stellt unser Land – und vor allem unsere umlagefinanzierten Sozialsysteme – vor große Herausforderungen. Das Umlageverfahren der Sozialversicherungssysteme beruht als Generationenvertrag auf der Bereitschaft, Kinder zu bekommen und zu erziehen, so dass auch künftig Beiträge gezahlt werden können. Kinderlose entziehen sich – gewollt oder ungewollt – dieser im System implizierten Aufgabe. Sie sind nur teilweise an den Kosten der Kindererziehung beteiligt.

Auch unser Rentensystem ist umlagefinanziert. Das heißt, dass immer die erwerbstätige Generation für die Renten der vorherigen Generation aufkommt. Die Beiträge der aktiv Erwerbsstätigen ermöglichen der Eltern- und Großelterngeneration das finanzielle Auskommen in der Rentenbezugsphase. Dieses System fußt darauf, dass es immer genügend junge Erwerbstätige gibt, die in die Rentenkasse einzahlen. Doch da seit Jahren die Geburtenrate auf relativ niedrigem Niveau  verharrt, gibt es immer weniger jungen Menschen, die dies tun können. Diese Entwicklung führt entweder dazu, dass die künftigen Rentner mit weniger Rente auskommen müssen oder die junge Generation durch immens hohe Beitragsleistungen über die Maßen belastet würde.

Beides können wir nicht wollen. Daher müssen wir überlegen, wie wir die demographischen Lasten gerecht verteilen. Da Eltern einen doppelten Beitrag für den Erhalt des umlagefinanzierten Rentensystems leisten – sie zahlen Beiträge für den Erhalt dieses Systems und ziehen andererseits auch künftige Beitragszahler groß – ist es nur fair, darüber nachzudenken, wie sie angemessen entlastet werden können.

Die von der Jungen Gruppe in die Diskussion eingebrachte Demokratie-Reserve zur finanziellen Entlastung von Eltern hat nichts mit „Strafe“ zu tun, sondern mit der Notwendigkeit, zu einem fairen Lastenausgleich zu kommen. Angesichts der vehementen Ablehnung des Diskussionsbeitrages wird dieser Weg sicherlich nicht weiterverfolgt. Aber die Politik steht weiterhin vor der Aufgabe, die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu machen und dabei zu berücksichtigen, dass Paare, die bereit sind, Kinder zu bekommen und zu erziehen, schon einen erheblichen Beitrag für den Generationenvertrag leisten.

Der Vorschlag der Jungen Gruppe hat eine wichtige Diskussion angestoßen, die wir jetzt dringend führen müssen.

Mit freundlichen Grüßen Ihre Dorothee Bär