Schwäbische Zeitung: Betreuungsgeld – falsches Signal!

Die ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT  IM LKR. RAVENSBURG kommentiert den Leitartikel der Schwäbischen Zeitung.

Sehr geehrte Frau Lennartz,

Sie haben schon mehrfach im Auftrag der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT  IM  LANDKREIS RAVENSBURG  von mir Post bekommen. Auch zu Ihrem heutigen Leitartikel in der Schwäbischen Zeitung kann ich nicht schweigen, weil er die Leserschaft missachtet und für dumm verkauft.

Noch nie habe ich vonseiten der Familienverbände oder -netzwerke den Vorwurf gelesen oder gehört, berufstätige Mütter seien Rabenmütter. Warum? Weil laut Statistik die Müttererwerbsquote in Deutschland deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt, auch gegenüber Frankreich ( EUROSTAT)! , allerdings oft in Teilzeit, weil beides: Vollerwerb plus Familie ohne burn-out nicht zu schaffen sind. Unablässig aber wird der vermeintliche Rabenmuttervorwurf  aus der Mottenkiste geholt, wenn es darum geht, immer noch mehr Erwerbstätigkeit von Müttern zu fordern. Das stinkt nach Populismus! Frau Lennartz, wir LeserInnen können es wirklich nicht mehr ertragen!

Zum Streit, was besser ist für die Kinder, Haus oder Kita kann Ihnen beil. Pressemitteilung Aufschluss geben. Allerdings erlebe ich, dass die Presse lieber medienwirksam und politisch korrekt  den mainstream bedient, als kritische Fragen zu stellen.

Mein Focus bezieht sich auf Gleichbehandlung von Frauen und Familien. Jede Familie muss das Recht haben sich zu organisieren wie sie will, pragmatisch, konservativ, modern, in alten, neuen oder sonstigen Rollenmustern. Aber eines darf nicht sein. Dass der Staat den Steuerzahler verpflichtet, in Lenkungsabsicht ein einziges Familienmodell nach seinem Gusto (2x Vollzeiterwerb/ Krippe) mit viel Geld zu subventionieren, andere aber im Regen stehen zu lassen. Das ist genauso frauenfeindlich wie die um 20% geminderten Frauenlöhne zu akzeptieren. Auf eigene Kosten müssen sich Eltern, wenn sie ihre Kinder nicht selbst betreuen können, eine adäquate Betreuung kaufen, wenn sie ihrem Kind eine Kollektivbetreuung ersparen wollen. Keinen Cent bekommen sie. Aber das geplante Betreuungsgeld soll nun auch noch in die Krippen fließen.

Aber nun im einzelnen:

Kein Kind wird zwangsweise in die Krippe abgeholt. Nein abgeholt wird es nicht, die Mutter muss es zähneknirschend  selber abliefern. Allein erziehenden Müttern wird unter Androhung der Leistungskürzung befohlen, eine Arbeit anzunehmen und ihr Kind in irgendeine Krippe zu geben, weil die neuen Unterhaltsgesetze dies verlangen.

Vielen Müttern bleibt wegen unseres familienvergessenen Sozialsystems so wenig im Budget, dass sie notgedrungen sich nicht selbst um ihr Kind kümmern können. Auch das ist Zwang. Lese ich Wahlfreiheit? Dass ich nicht lache! Die Mütter können also frei wählen, ob sie voll erwerbstätig sein oder  ob sie darben wollen. Diese Alternative  hat das BverfG in seinen Urteilen ausdrücklich untersagt.

 …denn Familien mit nicht erwerbstätigen Müttern werden steuerlich und in den Sozialsystemen unterstützt. *** Soll das eine Verhöhnung sein, Frau Lennartz, oder ist die Presse derart informationsresistent, oder darf man der Leserschaft der Schwäbischen Zeitung einen solchen Stuss vorsetzen? Diese Behauptung müssen Sie mir erst einmal erklären. Das Gegenteil ist der Fall. Ich sende Ihnen die offizielle Vergleichstabelle des Deutschen Familienverbandes. Hier können Sie sich kundig machen, wie das frei verfügbare Einkommen einer Familie mit jedem Kind dahinschmilzt und wer von den geborenen Kindern über die Maßen profitiert.

Ihre Behauptung stimmt, dass frühkindliche Bildung benachteiligten Kindern hilft, ja sie hilft sogar allen Kindern. Diese Bildung aber ausschließlich von kollektiver Betreuung zu erwarten und die persönliche Bildung des Kindes durch die eigene Familie zu bestreiten, das ist ein Stück grober Arroganz und psychologischer Ignoranz.

Das falsche Signal, Frau Lennartz, ist es, alle Familien in den Topf SOZIAL SCHWACH, VERSOFFEN, UNFÄHIG zu werfen und im Chor von Parteien und Medien das Betreuungsgeld als Fehlanreiz zu verteufeln.

Wir sprechen hier nicht für oder gegen ein Betreuungsgeld. Uns ist die Gleichbehandlung aller Familien mit Kindern wichtig, wie sie die ÖDP oder die Familienpartei mit einem abgabepflichtigen und kinderzahlabhängigen Familieneinkommen vorsieht: http://www.ödp.de/programm/themen/familie-jugend-soziales/

Sie merken, wie wütend ich darüber bin, dass man glaubt, uns LeserInnen der Schwäbischen Zeitung  mit Desinformationen abspeisen zu dürfen. Deswegen werde ich diesen Brief auch an Herrn Chefredakteur Hendrik Groth weiterleiten.

Mit freundlichem Gruß

Bärbel Fischer

***Sollten Sie die fälschlich so genannte „Beitragsfreie Mitversicherung“ damit meinen, so muss ich Sie darauf hinweisen, dass ein Familienvater mit drei Kindern sein Bruttogehalt durch 5 teilen muss. Jedes Familienmitglied zahlt sein Fünftel in die Krankenkasse, versichert sich also selbst für sein Fünftel. Würde der Vater allein für sich selbst sein Beitragsfünftel bezahlen, dann wäre die Familie tatsächlich beitragsfrei mitversichert.

Also bitte korrekt informieren!

***Sollten Sie das Ehegattensplitting meinen, so hat dies mit Kindern überhaupt nichts zu tun, weil auch kinderlose Ehepaare dadurch gefördert werden. Trotzdem müssten gerade Familien aus der Bildungsschicht ohne das Ehegattensplitting die doppelte Steuer entrichten. Kein Paar, das rechnen kann, würde sich mehr ein Kind zulegen.

 

 

Forscher warnen vor negativen Effekten durch das Betreuungsgeld

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert  eine Studie, die wieder einmal „beweist“, dass elterliche Erziehung unfähige und ungebildete Kinder hervorbringt.

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-das-betreuungsgeld-forscher-warnen-vor-negativen-effekten-fuer-kinder-1.1324284 

Unzureichende Bindung schädigt das Gehirn

Die Bindungsforscherin Dr. Eva Rass hielt in der Creglinger Familienwerkstatt einen vielbeachteten Vortrag. Die Psychotherapeutin kennzeichnete die Bindung als Grundlage für eine gesunde Entwicklung.

… Menschenkinder kommen bereits nach neun Monaten zur Welt, ein Jahr früher als bei den Vorfahren des modernen Menschen. Das erste Lebensjahr ist somit im Grunde eine verlängerte Schwangerschaft, denn bei der Geburt ist das kindliche Gehirn zwar in der Lage, die Körperfunktionen zu steuern, besitzt aber kaum die Fähigkeit zur Reiz- und Affektverarbeitung. Im ersten Jahr müssen daher Mutter, Vater und zwei oder drei weitere feste Betreuungspersonen bei Reizüberflutung einspringen und dem Kind helfen, schrittweise den Umgang mit Reizen zu erlernen….

http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/vorbach_und_taubertal/Fruehe-Bindung-wichtig;art5640,1365244

Wir wollen keine 24-Stunden-Kita

Von Birgitta vom Lehn, die ZEIT

Der neue Familienbericht hat sein Thema verfehlt: Er dient nicht Eltern und Kindern, sondern den Interessen des Arbeitsmarktes.

Auf Youtube kursiert das Video einer amerikanischen 24-Stunden-Kita. Morgens um vier wird der kleine Junge von seiner Mutter aus dem Schlaf gerissen und dorthin gefahren. Er darf in Anziehsachen schlafen, damit es in der Frühe schneller geht. In der Kita angekommen, weist die Erzieherin ihm einen Schlafplatz zu, wo er sich wieder hinlegen darf. Vor der Liegestatt läuft ein Fernseher. Der laufe fast immer, heißt es in dem siebenminütigen Film. Mit etwas Glück schläft der Junge noch mal ein, bevor er um sieben geweckt und von der Erzieherin zur Schule gebracht wird. An diesem Morgen schläft der Junge aber nicht wieder ein. Übermüdet kommt er zur Schule, übermüdet übersteht er irgendwie den langen Tag. Spätabends holt ihn die Mutter wieder ab. Der Junge macht alles geduldig mit – ein kleines Mädchen, das die Kita ebenfalls besucht, wirkt erschreckend apathisch.

Die Kita-Leiterin ist stolz auf ihre Geschäftsidee. Aber sie sagt auch: Alle – in der Regel alleinerziehende – Mütter, die ihre Kinder dort hinbringen, würden sie lieber selbst und zu Hause versorgen, wenn sie es denn könnten. Wenn sie nicht Arbeitszeiten hätten, die eine 24-Stunden-Flexibilität erfordern und wenn nicht der Job so wenig Geld abwerfen würde, dass ein zweiter oder gar dritter bei Tankstelle oder Imbisskette erforderlich würden. So bleibt den Müttern nichts anderes übrig, als für die Idee der 24-Stunden-Kita dankbar zu sein.

In Finnland besucht bereits jedes zehnte Kleinkind eine 24-Stunden-Kita, Tendenz steigend. Dort können Kinder auch für mehrere Tage übernachten, der Staat übernimmt die Kosten. Auch in Berlin werden die ersten Rund-um-die-Uhr-Einrichtungen angeboten, die Nachfrage ist da.

Denn klar: Wenn der Arbeitsmarkt eine immer stärkere Flexibilität von den Eltern verlangt, müssen die Kinder mitziehen, besser gesagt: ausziehen. Und das nicht nur stundenweise, sondern gleich tage- und nächtelang. Ein solches Szenario sollte im Hinterkopf behalten, wer im neuen „Familienbericht“ von der „Synchronisation“ der Betreuungs- und Arbeitszeiten liest, die dort verlangt und angestrebt wird. Denn im Zeitmanagement sind „richtige“ Eltern offenbar gar nicht gut: sie sind nicht „zeitkompetent“. Das zumindest behaupten die Autoren des Familienberichts.

Angesichts der Zusammensetzung des Autorenteams – fünf von acht sind Wirtschaft und Arbeitsmarkt verpflichtet, nur eine Expertin entstammt dem Kinder- und Jugendsektor –, verwundert nicht, dass der neue Bericht mit dem Titel „Zeit für Familie“ eher den Interessen einer immer komplexer und fordernder auftretenden Arbeitswelt dient als denen von Familien. Und deshalb souverän sein Thema verfehlt.

Dabei ist fehlende gemeinsame Zeit in der Tat ein Hauptproblem heutiger Familien. Umfragen bestätigen immer wieder: Eltern wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Mehr als nur ein Jahr und zwei Monate Wickeltischdienst. Im Familienbericht heißt es, Frauen würden „in den meisten Fällen unfreiwillig weniger arbeiten als Männer“. Dies steht in krassem Widerspruch zur Allensbach-Umfrage „Ideale Arbeitszeiten“: Danach wünschte nur jede fünfte berufstätige Mutter mit minderjährigen Kindern mehr als bislang zu arbeiten – mehr als doppelt so viele wollten ihre gegenwärtige Arbeitszeit hingegen verringern.

Auch rangierten in der Allensbach-Befragung der Bau und die Modernisierung von Spielplätzen, bessere Freizeitangebote für Kinder, familienfreundlichere Fahrpläne und Verkehrsanbindungen, die Einrichtung von Spielstraßen, wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten und Kinderarztpraxen auf der Elternwunschliste klar vor mehr Kindergarten- und Betreuungsplätzen. Der Großteil (60 Prozent) wünschte sich zudem, dass man „genauso anerkannt wird wie Berufstätige, wenn man wegen der Kinderbetreuung zu Hause bleibt“.

Die bessere Anerkennung der Erziehungszeiten bei der Rente sowie die Möglichkeit für junge Familien mit Kindern, ohne große finanzielle Einbuße eine Zeitlang aus dem Beruf aussteigen zu können, war den Befragten wichtiger als der Wunsch nach mehr Kinderkrippen. Und dass Eltern sich „genug Zeit für die Familie nehmen können“, war für 80 Prozent der Befragten weitaus mehr wert als „genügend gute Betreuungsangebote für Kinder aller Altersgruppen“ (60 Prozent). Auch plagte doppelt so viele Mütter ein schlechtes Gewissen, sich wegen der Arbeit zu wenig um ihre Kinder kümmern zu können, als dass ihnen die Frage der Kinderbetreuung bei längerer oder kurzfristiger beruflicher Abwesenheit ein Problem gewesen wäre.

All diese Elternwünsche hat man im neuen Familienbericht aber gar nicht erst aufgegriffen. Stattdessen wird das Zeitproblem einerseits den zeitinkompetenten Eltern zugeschoben („Mangelnde Fähigkeiten im Umgang mit Zeit verhindern, dass Familien ihre Zeitressourcen optimal nutzen, zum Beispiel bei der Bewältigung des Alltags“) und andererseits den Institutionen, die die Betreuungszeiten für die Kinder nicht mit der elterlichen Berufstätigkeit „synchronisieren“. Mit anderen Worten: Die Eltern sind zu doof, ein anständiges Zeitmanagement zu betreiben, und Betriebe und Kommunen sind zu faul oder zu geizig oder beides, eine 24-Stunden-Kita in Gang zu setzen. Kinderbedürfnisse werden erst gar nicht thematisiert.

Das wirklich Traurige an diesem Familienbericht ist, dass er Familie ausschließlich als Spielball des Arbeitsmarktes begreift, Eltern in entsprechende Rollenmodelle presst und Kindern eine „Kuckuckskultur“ zumutet, die Fachleute als bedenklich einstufen. Unter dem Begriff „Kuckuckskultur“, so beschrieb der australische Familientherapeut Steve Biddulph in einem Bestseller, soll eine Familienkultur durchgeboxt werden, bei der die Eltern ihre Kinder wie selbstverständlich sobald wie möglich in die Hände Fremder geben.

Die Defizite für Kinder unter drei Jahren, warnte Biddulph, die ganztags in einer Krippe oder ähnlichen Einrichtung betreut würden, seien „erheblich“. Die Auswirkungen auf innere Stabilität, Vertrauen und Beziehungsfähigkeit des Kindes seien „negativ“ und würden durch „einen oberflächlichen Gewinn an sozialen Fähigkeiten und praktischer Intelligenz kaschiert“.

Nicht nur Experten, auch viele Eltern teilen diese Bedenken; sie würden sich am liebsten selbst und so gut es geht um ihre Kinder kümmern, erst recht in den ersten Lebensjahren, aber auch noch im Schulalter – wenn man sie denn ließe und ihnen nicht den Geldhahn zudrehen würde. Doch genau darauf läuft es hinaus: Wenn man es schon nicht schafft, die Eltern freiwillig zur Kuckuckskultur zu bewegen und die Mütter von ihren Kindern loszueisen, dann muss eben Zwang her.

Konkret heißt das: Die Elternzeit für Mütter von drei auf zwei Jahre verkürzen, lieber noch auf ein Jahr mit anschließender Teilzeitberufstätigkeitspflicht, die beitragsfreie Mitversicherung für nicht berufstätige Ehepartner abschaffen und das Land nicht nur mit (24-Stunden-) Krippen-, sondern auch mit Ganztagsgrundschulplätzen überziehen. Die Forderung nach Schulen, in denen die Kinder auch übernachten können – bislang nannte man das „Internat“ –, wird sicher nicht mehr lang auf sich warten lassen.

Heraus bei derlei Zwangsbeglückung kommt das Gegenteil von dem, was Eltern und Kinder sich wünschen: Die Zeit für Familie wird so zum unerschwinglichen Luxusgut. Es ist ja schön und auch wünschenswert, wenn Oma und Opa sich zeitweise um die Enkel kümmern, wie der Familienministerin das aufgrund ihrer eigenen Biografie vorschwebt. Nur können sich Großeltern schlecht zwischen drei, vier Wohnorten auf womöglich verschiedenen Kontinenten aufteilen, auf denen ihre Kinder samt Enkel im Zeitalter des globalen Arbeitsmarktes leben. Und obendrein wollen die meisten Eltern auch selbst Zeit für ihre Kinder haben. Dafür gilt es zu sorgen, nicht für die Entsorgung der Kinder auf Kosten derselben.

Die deutsche Angst vorm Kinderkriegen

Ein Beitrag von Dr. Johannes Resch.

„Deutsche Mütter heutzutage möchten nach außen und vor sich selbst einen möglichst gelassenen Eindruck vermitteln. 78 Prozent der befragten Frauen tragen Gelassenheit als große Vision beim Thema Kinderkriegen und Kinderhaben vor sich her, allerdings nur 44 Prozent fühlen sich beim Thema Kinder wirklich entspannt…..

Die Uhr tickt

Eltern sollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen – Schäuble mag erleichtert aufatmen, weil den Erziehungsberechtigten Zeit wichtiger als Geld ist. Aber in diesem Fall ist Zeit eben Geld. 

Die Journalistin Birgit Kelle von Frau2000plus macht sich Gedanken zum Achten Familienbericht der Bundesregierung.

http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/10407-zeit-fuer-die-familie

Mütter sind doch bei uns das Allerletzte!

Leserbrief zu „Ohne Idealismus keine Tagesmutter“, Schwarzwälder Bote vom 15. März 2012

Sollte die Überschrift nicht eher heißen: „Mit den Dummen treibt man die Welt um“? Schon die Mütter, die noch glauben, hauptsächlich selbst für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich zu sein und deshalb auf Erwerbstätigkeit verzichten, werden als doof verunglimpft („Heimchen am Herd“). In gleicher Weise gedenkt man nun wohl mit den Tagesmüttern zu verfahren: Sie sollen für’n Appel un’n Ei eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt übernehmen, nämlich eben die institutionelle Betreuung und Erziehung der Kleinsten. Sie müssen sich dafür sogar weiterbilden lassen. Das ist sicherlich nicht verkehrt. Wenn ich aber bedenke, dass man ohne jede spezielle Ausbildung Minister- oder Bundespräsident/in, Abgeordnete/r oder Bürgermeister/in werden und welchen Lohn man dafür einstreichen kann, fehlen mir die Worte zu dem Stundensatz von 3.90 oder auch 5.50 EURO all inclusive. Mütter sind bei uns das Allerletzte! Wer wundert sich, dass sie aussterben?

Gertrud Martin,  Seb.-Kneipp-Str. 110,  78048 VS-Villingen,  Tel. 07721 56124


Mit der Brechstange in die Familien

Mit der Brechstange in die Familien – vom Aufbrechen veralteter Rollenmuster

Befasst man sich mit den, in letzter Zeit immer häufiger und unter fragwürdigen Bedingungen erstellten Studien oder Berichten zur aktuellen Familienpolitik, so stößt man stets auf die unüberhörbare Forderung, veraltete, traditionelle und damit überholte Rollenmuster müssten „aufgebrochen“ werden. Streng nach den Vorgaben des Gender- Mainstreamings soll künftig eine  traditionelle Rollenverteilung in der Gesellschaft nicht mehr geduldet werden. Hier sei jedoch die Frage erlaubt, was als veraltet und überholt zu gelten hat, und wer das Recht hat, darüber zu entscheiden, wie sich eine Gesellschaft/Familie organisiert. Die andere Frage lautet, ob das vielgepriesene Aufbrechen tradierter Rollenmuster nicht als bloßer Vorwand  dem alleinigen Zweck dient, Mütter an die Arbeitsfront zu zwingen.

Aufbrechen? 

Diebe verschaffen sich unerlaubt Zutritt in die Privatsphäre des Opfers und brechen Schlösser, Türen, Fenster oder einen Tresor auf. Vor dem Bruch sind Fenster, Türen und Schlösser noch völlig intakt und erfüllen ihre je eigene Aufgabe, nach dem Bruch allerdings sind sie so beschädigt, dass sie unbrauchbar geworden sind. Zum Aufbrechen braucht man Werkzeuge. Mit bloßen Händen schafft man einen Bruch nicht, da braucht es schon Gewalt.  Wozu macht sich der Einbrecher mit dem Aufbruch solche Mühe? Er will aus dem Haus, dem Schrank, dem Tresor Wertsachen herausholen und an sich bringen. Dem Bestohlenen  fehlt nach der Tat das entwendete Geld, der wertvolle Schmuck, das geliebte Kunstwerk. Das Opfer  fühlt sich betrogen, verarmt, hereingelegt.

Auch wenn Vergleiche immer ein wenig hinken, so geschieht beim „Aufbrechen traditioneller Rollenmuster“ nichts anderes als bei einem Einbruch. Wie ein Einbrecher dringt der Staat unbefugt in private Abmachungen von Eheleuten / Eltern und in die familiäre Rollenverteilung ein und maßt sich an, sich hier bedienen zu dürfen.

Mit welchen „Werkzeugen“ will der Staat  den Aufbruch der traditionellen Rollenmuster bewerkstelligen? Am besten geht das über finanzielle Kürzungen und überhöhte Abgaben. Da hat sich der Gesetzgeber einen ganzen Werkzeugkasten voller Hebel und Stemmeisen besorgt, wie

  • Niedriglöhne
  • Sozialabgaben vom Brutto ohne die Berücksichtigung der Existenzminima der Angehörigen
  • Volle Mehrwertsteuer auf Kinderkonsum, pro Kind mtl. ca.180 Euro
  • Streichung des zweijährigen Erziehungsgeldes ab 2007
  • Elterngeld nach Maßgabe der Höhe des vorgeburtlichen Einkommens. Mütter ohne Einkommen vor der Geburt weiterer Kinder müssen sich mit dem Mindestsatz von 300 Euro abfinden. Damit verstößt der Staat selbst gegen das Gleichheitsgesetz  Art. 3 GG.
  • Rechtsanspruch  auf einenKrippenplatz für unter Dreijährige
  • Wegen fehlender (Familien)zeiten in der Erwerbsbiografie droht den Müttern Altersarmut. Anstatt aber zu drohen, ließe sich durch eine rentenwirksame Anerkennung von Familienleistung dieses Problem sofort aus der Welt schaffen, wenn man nur wollte.

Alle diese Maßnahmen reichen den linken Parteien aber immer noch nicht aus, um Frauen/Männer aus den tradierten Rollenmustern zu hebeln ( Sie nennen das „Befreiung“!). Daher wollen sie demnächst mit der Brechstange anrücken ( Sie nennen das Vermeidung von „Fehlanreizen“!). Nicht mehr tabu sind:

  • Pläne zur Abschaffung des Ehegattensplittings. Bei einem künftigen Familiensplitting sollen zwar  die Kinder der Familie, nicht aber die erwerbslosen Mütter/Väter berücksichtigt werden. Damit sind beide Eltern quasi zum Erwerb gezwungen.
  • Pläne zur Abschaffung der so genannten „beitragsfreien Mitversicherung“ erwerbsloser Familienangehöriger, wobei dieser Terminus unlogisch ist, weil ja der Lohn-oder Gehaltsempfänger sein Einkommen mit der Familie teilt, und jeder sich de facto für seinen Anteil selbst versichert. Die Botschaft heißt: Ohne Erwerb keine soziale Absicherung. Also ab in den Betrieb!
  • Geplante Kürzung der Elternzeit von drei auf zwei, bzw. ein Jahr. Damit zwingt der Staat die Familien zur Fremdbetreuung der Kinder, auch gegen den Willen der Eltern. Ein glatter Verstoß gegen Artikel 6 GG und Artikel 9 der UN-Charta der Kinderrechte, wonach Kinder nicht gegen ihren Willen von den Eltern getrennt werden dürfen.
  • Geplante Verweigerung des Betreuungsgeldes ( Stundenlohn ca. 35 Cent ) für selbst erziehende Eltern.

Was will der Staat den Familien rauben?  Was bekommt er nicht freiwillig ausgehändigt? Welche Werte will er einsacken? Es ist die Autonomie der Eltern, ihre Zeit und Arbeitskraft, das Vertrauen und die Prägung der Kinder. Kurz, alles will der Staat haben, was sich bisher seiner gierigen Einflussnahme entzieht.

Was geht bei dem Gewaltakt alles zu Bruch? Den Familien fehlt die gemeinsame Zeit der Blickkontakt, das Gespräch, die Solidarität. Den Kindern fehlt die stete Präsenz der Mutter, ihre Zuwendung, ihr Trost und der gemeinsame Familientisch. Den Eltern fehlt die Kommunikation, ihre Verantwortung und  Selbstbestimmung, den Müttern fehlt die soziale Absicherung.

Was bleibt am Ende übrig? Ein ideologischer Scherbenhaufen, der sich früher mal Familie nannte. Was früher intakt war, funktioniert nicht mehr. Aber anders als Fenster, Türen und Schlösser lassen sich Kinder, Väter und Mütter nicht auswechseln oder reparieren.

Nun gibt es zwar Leute, die dem Staat Tür und Tor öffnen und herausgeben, was er verlangt. Aber andere wollen unbeschadet autonom bleiben. Sehr kreativ ist die Politik, wenn es darum geht, Frauen ihre traditionelle Mutterrolle zunichte zu machen. Alternative Vorschläge wie das „Erziehungs-und Pflegeeinkommen“ (ÖDP, vffm) werden einfach ignoriert. Denn Kindes-und Familienwohl  stehen längst nicht mehr auf der Agenda unserer Bundespolitik. Die Devise heißt heute „Arbeitsmarktverwertbarkeit“. Großartiges hat auf diesem Gebiet Frau Ursula von der Leyen geleistet. Sie wird als die große Magierin der Entfamilisierung in die Geschichte eingehen. Etwas zurückhaltender agiert Frau Kristina Schröder, aber auch sie wird dem ideologischen Gendertreiben kaum Einhalt gebieten können.

i. A. Bärbel Fischer

Vater Staat im Kinderzimmer

oder – ist die Familienpolitik noch zeitgemäß?

Im Hörfunk SWR 2  fand zum Weltfrauentag ein Streitgespräch statt mit  Heide Härtel-Herrmann, Frauenfinanzdienst, Köln, Elisabeth Niejahr, Wirtschaftsredakteurin der Wochenzeitung „Die Zeit“, Berlin, und Kostas Petropulos, Heidelberger Büro für Familienfragen und Soziale Sicherheit. Die Gesprächsleitung hatte Eggert Blum.

Eine Rückmeldung an Frau Niejahr dazu von Bärbel Fischer:

Weltfrauentag 2012, 8. März

Sehr geehrte Frau Niejahr,

als Mutter von vier tüchtigen Kindern und Großmutter von zehn vielversprechenden Enkeln habe ich mir heute beim SWR 2 Ihr Gespräch zur Ehe- und Familien-Entwertung angehört  (Vater Staat im Kinderzimmer – ist die Familienpolitik noch zeitgemäß?). Als Frau  fühlte ich mich zwar von Herrn Petropulos vertreten, nicht aber von Ihnen als Mitfrauen.

Nein, ich fühlte mich sogar geohrfeigt von Ihnen. Denn über viele Jahre habe ich mich zusammen mit meinem Mann krumm gelegt für unseren Nachwuchs. Eine  sechsköpfige Familie bekam schon in den Siebzigerjahren keine Mietwohnung. Also mussten wir bauen. Selbst zwei Akademikergehälter reichten kaum aus, um die Schulden zu bedienen und gleichzeitig den Kindern eine adäquate Ausbildung zu ermöglichen. Bis zur physischen und psychischen Erschöpfung haben wir gerackert, was meiner Gesundheit absolut nicht zuträglich war.  Heute in Pension  unterstütze ich meine Tochter/Schwiegertöchter mit aller Kraft, damit sie nicht, wie ich, unter der Mehrfachbelastung zusammenbrechen, sondern bei ihren kleinen Kindern bleiben können, um ihnen ohne Hektik eine liebevolle und anregende „Kinderstube“ zu ermöglichen. Die jungen Frauen werden erst wieder zur Arbeit gehen, wenn die Kinder das auch aushalten. Denn was ich an Erkenntnissen bei der Hirn-und Verhaltensforschung gewonnen habe, bestätigt mich darin, dass Kinder nichts mehr brauchen als zuverlässige, konstante und liebevolle Zuwendung durch die Mutter und später auch durch den Vater, was eine  Fremdbetreuung, erst recht bei deutscher Minimalqualität, niemals bieten kann.

Wie es mir in den Anfangsjahren erging, so geht es heute abertausenden von Eltern. Weil dem Staat unsere Familien- und Erziehungsarbeit absolut nichts wert ist, müssen wir Frauen Doppeltes und Mehrfaches leisten. Ich sehe das als eine Art von Sklaverei an, in die unsere Familienpolitik im Verein mit dem Arbeitsmarkt die Mütter treibt. Gnadenlos und ohne Wertschätzung werden sie ausgepowert. Und nun wollen Sie ihnen auch noch das Ehegattensplitting streichen mit der beabsichtigten Folge, dass die Steuerbelastung so zunimmt, dass  sich keine Mutter mehr Familienzeit genehmigen kann. „Kind gebären – abgeben – arbeiten!“ heißt die sozialistische Devise.  Schließlich sollen Eltern sich per Individualbesteuerung wie Singles behandeln lassen, wo sie es doch sind, die mit immensem finanziellen Aufwand ihre Kinder der Gesellschaft als künftiges Potential zur Verfügung stellen.

Glauben Sie mir, Frau Niejahr, ich bin zutiefst erschüttert über die Verweigerung  gesellschaftlicher Solidarität mit den Müttern.  Und dass Sie als Frauen bei diesem üblen Spiel mitmachen, das fasse ich überhaupt nicht. Da muss ein Mann unser Fürsprecher sein – und das am Weltfrauentag. Ich hatte mich auf die Sendung gefreut, wurde aber zunehmend zorniger über so viel Ignoranz von Frauen gegenüber Frauen. Wer sind wir, dass die Gesellschaft so mit uns umgehen darf? Merken Sie nicht, vor wessen Karren  Sie sich da spannen lassen? Dämmert Ihnen nicht, dass mit Ihrer Hilfe die psychische und intellektuelle Stabilität von Millionen deutscher Kleinkinder auf dem Altar des Marktes geopfert wird?

Frau Niejahr, dieser Weltfrauentag hat mir ehrlich den Rest gegeben! Aber gerade deswegen werde ich mich umso eifriger dafür einsetzen, dass Kinder auch in Deutschland als vollwertige Menschen zu gelten haben, und nicht als Möbelstücke, die man einfach abstellen oder verschieben darf, nur weil der Arbeitsmarkt es so will. Es ist immer eine Frage der Perspektive, wie man ein Problem angeht. Ihnen fehlt der Blick aus der Sicht unserer Kinder und damit auch der Blick aus der Sicht ihrer Eltern. Sie vertreten ein so genanntes „zeitgemäßes“ Familienbild, das aus lauter Arbeitsmarktaffinität Kollateralschäden an Kinderseelen blind toleriert.

Ich wage kaum zu hoffen, dass diese Zeilen Ihnen zu denken geben. Zu sehr scheinen Sie in überholten altfeministischen Denkmustern zu verharren. Alles was tradiert und bewährt war, soll über Bord! Ich sage Ihnen aber: Nicht alles, was tradiert ist, ist auch unbrauchbar. Jede Familie muss ohne Schaden das Recht haben, sich so zu organisieren, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, auch wenn Ihnen und Ihren Genossinnen das als überholt erscheinen mag (tradierte Rollenmuster!). Wenn Sie am heutigen Abend in ARD-Kontraste zur Kenntnis nehmen mussten, wie Familien mit Kindern rücksichtslos durch unser bestehendes Sozialsystem abgezockt werden, dann wissen Sie, was Sache ist. Hier ging es nicht einmal um die Altersversorgung von Müttern, sondern allein darum, wie Familien im Vergleich zu Kinderlosen Monat für Monat um 500 Euro pro Kind betrogen werden. Von Frauen wie Sie und Ihresgleichen hätte ich erwartet, dass Ihnen eine solche soziale Schieflage längst aufgefallen wäre. Aber nein! Sie schließen die Augen und  wollen nichts, aber auch gar nichts anderes, als Frauen in den Betrieben sehen – basta!, auch wenn die Kinder deswegen täglich über viele Stunden die liebevollen Arme ihrer Mama entbehren müssen. Dies ist  heute, nach der Ära Ursula von der Leyen politisch natürlich vollkommen korrekt, und Sie  haben eine Menge Verbündete in Wirtschaft und Politik.

Sehr geehrte Frau Niejahr,  wir Mütter haben es nicht verdient, dass man uns nach und nach den Boden unter den Füßen wegzieht durch eine beispiellose, staatlich geförderte Entfamilisierung.  Die Eingriffe in die menschliche Natur werden sich in der  Gesellschaft von selbst rächen, wie es die Geschichte immer wieder bewiesen hat. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Mit freundlichem Gruß

Bärbel Fischer