Selbsthilfe-Aktion

Seit 01. 11. 2009 wenden sich viele Eltern per Antrag an ihre 
Krankenkasse, um eine Reduzierung ihrer Beiträge zur Kranken-, Renten- 
und Pflegeversicherung je nach Kinderzahl zu bewirken. Dabei gehen 
sie davon aus, dass die Erziehung ihrer Kinder als geldwerter Beitrag 
zum Erhalt unseres Sozialsystems angerechnet werden muss.
Klicken Sie in diesem Menue auf „Aktionen“. Hier finden Sie einen 
Musterbrief und den Ablauf für Ihr Vorgehen. Auch wenn Sie abschlägig 
beschieden werden, ihr Antrag hilft mit, die Dringlichkeit unseres Anliegens zu 
verstärken. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur 
Solidarität von Familien untereinander.



TV-Tipp-heute

Heute, Donnerstag, dem 26. November 2009 um 22:15 Uhr und 0:00 Uhr bei Phoenix,  

Das Thema lautet: „Bonus für Mütter – Wem hilft das Betreuungsgeld?“.
Anke  Plättner moderiert. 

Gäste der PHOENIX Runde:

Heinz Buschkowsky und Georg Erdmann (Deutsche
Kinderhilfe), Norbert Geis (CSU) und Maria Steuer (Familiennetzwerk)

 

Depression

 als Folge von frühkindlichem Stress. Modernste Untersuchungen weisen nach, dass frühe Entbehrungen später zu Depression und anderen Störungen führen.  

Laut Berliner Zeitung gibt der Freiburger Psychosomatik-Professor Joachim Bauer zu bedenken: „Ein Staat, der Eltern nicht ausreichende Möglichkeiten einräumt, sich in der frühen Lebensphase ihrer Kinder intensiv um diese zu kümmern, zahlt später einen hohen Preis
– in Form einer Zunahme psychischer, insbesondere depressiver Störungen und anderer Stresskrankheiten.“
Immer wieder weisen die Wissenschaftler mit immer neueren Methoden auf erforschte Tatsachen hin, die uns allen eigentlich längst bekannt sind. „Dass Belastungen in der frühen Kindheit das Risiko erhöhen, an schweren Depressionen und Angststörungen zu erkranken, ist seit langer Zeit auch beim Menschen bekannt.“ Früh erlittene schwere Belastung kann die Entwicklung krankmachender Prozesse einleiten, die sich später in Angsterkrankungen und Depressionen manifestieren. So steht es selbst in der Zusammenfassung der neu veröffentlichten Studie. 
Außerdem wird einmal mehr deutlich, dass sogar die Erbsubstanz geschädigt wird. Die Epigenetik erklärt jetzt endlich, wie diese prägenden Einflüsse dauerhafte Spuren in Körper und Geist hinterlassen. Sie verändern molekularbiologische Strukturen, die wie Schalter an den Genen sitzen und darüber wachen, ob ein Gen aktiv werden kann oder nicht. Unlängst zeigten die Forscher, dass ihre an Tieren erforschten Resultate grundsätzlich auf uns Menschen übertragbar sind. Im Gehirn von Suizidopfern, die in früher Kindheit misshandelt worden waren, fanden sie die gleichen Veränderungen wie bei den vernachlässigten Versuchstieren.
Im Jahr 2004 fand Michael Meaney heraus, dass Ratten, die von ihren Müttern nicht ausreichend umsorgt werden, besonders aggressiv, reizbar und ängstlich waren.
Die Forscher entfernten diesmal Würfe von Nagern während der ersten zehn Tage ihres Lebens für kurze Zeit von ihrer Mutter. Dies verursachte einen starken psychologischen Stress, der in speziellen Gehirnzellen dafür sorgte, dass eine bestimmte Erbgut-Region sich anders entwickelte als bei stressfrei aufgewachsenen Mäusen. „Die Tiere verhalten sich ängstlich, lernen schlecht, sind gering belastbar und antriebsschwach“, so Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, gegenüber der Berliner Zeitung.
So weit so gut. Bekannt ist ebenfalls, dass Kinder in der Krippe erhöhte, über den ganzen Tag andauernde Stresshormonspiegel haben, gegenüber Kindern, die zu Hause  betreut werden, bei denen ein erhöhter Kortisolspiegel nicht nachweisbar ist.
Wie kann es dann sein, dass Politiker mit diesem Wissen an dem weitern Krippenausbau festhalten, ihn sogar forcieren? Kennen sie diese Ergebnisse nicht? Werden die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten in der deutschen Politik nicht ungesetzt?
Dann sollten doch die horrenden Summen für die Forschung einfach gestrichen werden!
  

Zitat

“ Es kann nicht sein, dass ein Ehepaar – bei dem nur der eine ein Leben lang ein Gehalt oder einen Lohn einsteckt – Kinder aufzieht und am Ende nur eine Rente bekommt. Auf der anderen Seite verdienen zwei Ehepartner zwei Renten. Und die Kinder des Paares, das nur eine Rente bekommt, verdienen diese beiden Renten mit. Das ist ein glatter Verfassungsverstoß.“

Roman Herzog, Präsident des Bundesverfassungsgerichts von 1987 bis 1994, Bundespräsident von 1994 bis 1999
Aus „Gesichertes Leben“ – Zeitschrift der LVA Baden 4 / 1996, S. 4

Abwertung der Familie

Die heute gängige Abwertung der Erziehungsleistung von Eltern ist die Folge destruktiver Denkmuster und Ideologien, wie sie Dr. Johannes Resch in seiner Studie: „Unser Sozialrecht enteignet Eltern und Jugend“ beschreibt ( s. Rubrik Studien). Hier der Überblick:

Das pseudokonservative Denkmuster  
„Kindererziehung ist eine ideelle Angelegenheit, die mit Geld wenig zu tun hat.“ 
Diese Einstellung entspricht nicht der Denkweise früherer Generationen und ist nur vorgeblich konservativ. Aber diese Denkweise schaffte die psychologischen Voraussetzungen dafür, dass die konservative Regierung unter Adenauer den Eltern die wirtschaftliche Anerkennung für die Erziehungsleistung entziehen und damit die Existenzfähigkeit der Familie untergraben konnte. 
 
Das pseudochristliche Denkmuster 
Ein katholischer Journalist formulierte das so:  
„Für Christen sind Kinder ein Geschenk Gottes, um ihrer selbst willen aus Liebe zum Leben gerufen. Jede Verzweckung des Kindes, … , steht in krassem Widerspruch dazu.“ 
Diese Reduzierung des Kindes auf einen nur ideellen Wert ist aber nicht christlich (Stichwort 4. Gebot, das auch die wirtschaftliche Sorge für die alten Eltern einschließt).  Der katholische Sozialwissenschaftler und Jesuitenpater Oswald von Nell-Breuning hat immer wieder auf die wirtschaftliche Bedeutung der Kindererziehung hingewiesen.Die Amtskirchen orientieren sich aber bis heute eher am pseudochristlichen Denkmuster. 
Das pseudoliberale Denkmuster 
„Kinder sind Privatsache.“ 
Diese Denkweise ist im 19. Jahrhundert steckengeblieben, als Kinder tatsächlich noch Privatsache waren. Spätestens seit der Rentenreform 1957 sind nur noch die Kinderkosten Privatsache. Der wirtschaftliche Kindernutzen ist vergesellschaftet. Das ist keinesfalls liberal.  
 
Das Arbeitnehmer-Denkmuster 
„Nur Erwerbsarbeit schafft Lebensniveau und Sicherheit im Alter.“ 
Diese besonders von den Gewerkschaften vertretene Argumentation übersieht, dass beim Umlageverfahren die eigenen Renten ausschließlich durch Kindererziehung ermöglicht werden und nicht etwa durch die Sozialabgaben. Kindererziehung ist daher heute auch finanziell so zu behandeln wie Erwerbsarbeit. 

 

Das Arbeitgeber-Denkmuster 
„Kindererziehung ist ein Störfaktor in der Erwerbsbiographie und sollte in öffentliche Einrichtungen verlagert werden.“ 
Hier wird Wirtschaft und Profitstreben in den Vordergrund gestellt. Nach dem Wohl von Kindern und Eltern wird nicht gefragt. Die Menschen sollen der Wirtschaft dienen. Wirtschaft macht aber nur Sinn, wenn sie den Menschen dient.  

 

Das pseudoemanzipatorische Denkmuster 
„Selbstverwirklichung ist nur durch Erwerbsarbeit möglich.“ 
Diese Vorstellung wurde durch die sozialrechtliche Abwertung der Erziehungsleistung  scheinbar bestätigt. Die damit verbundene Diskriminierung aller Frauen (und Männer), die ihre Haupt- oder Teilaufgabe in der Erziehung eigener Kinder sehen, wird ignoriert. 

 

Die angeführten Denkmuster überlagern sich teilweise und sind zum Teil auch gegensätzlich. Allen gemeinsam ist aber, dass sie den wirtschaftlichen Wert der Erziehungsleistung gering achten oder sogar ignorieren. Sie haben daher alle zur Abwertung und zunehmenden Zerstörung der Familien beigetragen. 

 

Zwar gibt es in der Bevölkerung immer noch weit verbreitete und tief verwurzelte Auffassungen, die den Wert der Kindererziehung achten. Sie werden aber heute in den Medien, den Gewerkschaften, der Wirtschaft, ja sogar in den Kirchen, unterdrückt, so dass sie auf politischer Ebene kaum mehr zur Geltung kommen. 

Unser Sozialrecht enteignet Eltern und Jugend

Der Autor der vorliegenden Studie, Dr. Johannes Resch, ist Arzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Arzt für Arbeitsmedizin und beschäftigte sich von 1977 bis 1981 am Institut für Sozial- und Arbeitsmedizin der Universität Heidelberg mit dem deutschen Sozialrecht und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Seit 1983 arbeitete er im öffentlichen Gesundheitsdienst, war 20 Jahre Leitender Arzt am Versorgungsamt Karlsruhe und lernte dabei auch die Auswirkungen unseres Sozialrechts von der praktischen Seite her kennen.
Seit 1996 engagiert er sich in der Ökologisch-Demokratischen Partei ödp im Sinne eines leistungsgerechten und nachhaltigen Sozialrechts.“
zur Studie hier klicken!

"Schrumpfgermanen"

Auf die familyfair-Meldung vom 19. 11. 2009, dass in Deutschland  weltweit die wenigsten Kinder geboren werden, schrieb ein Leser unter dem Pseudonym David folgenden lesenswert bissigen Kommentar:
In einem Land wie Deutschland, wo sich eine Familienminsiterin überhaupt nicht um die individuellen Belange der Kinder kümmert und sich stattdessen voll und ganz dem Diktat der Wirtschaftslobby unterwirft, in einem Land wo sich die Regierungen weigern, Familien leistungsgerecht zu besteuern und es vorziehen, kinderlose Menschen durch eine ungerechte Steuerpolitik für ihre Lebensweise zu belohnen, in einem Land, wo noch die wenigen Frauen, die sich idealistisch dem Beruf der Mutter widmen als „Muttchen“ verspottet werden, in einem Land, indem dem die größten Nutznießer von Kinder diejenigen sind, die selbst überhaupt keine haben, in einem wo eine hauchdünne Ellite mit der Ideologie des Gender Mainstreamings die Identitäten von Mann und Frau abschaffen möchte und dieses ideologische Denken schon im Kindergarten an Kleinkinder weitergeben möchte, in einem Land, in dem keine idellen Werte mehr groß geschrieben werden und stattdessen Familien als ein reiner Wirtschaftsfaktor gesehen wird, in einem Land, wo erfolgreich gegen Kinderlärm prozessiert wird, in einem Land, wo es nur noch auf Individulaisierung und Selbstverwirklichung ankommt, in einem Land, wo Frauen nur dann gesellschaftliche Anerkennung finden, wenn der Gehaltszettel stimmt, in einem Land, wo die Mutter-Kindbeziehung in den ersten Lebensjahren systematisch durch Fremdbetreung und beruflichen Stress der Frauen zerstört wird, in einem Land wo Singles aufgrund ihrer angeblich größeren Flexibilität leichter einen Job finden als Eltern mit Kindern, in einem Land wo eben so ein familien-und kinderfeindliches Klima anzutreffen ist wie bei uns in Deutschland, ist es vielleicht wirklich sogar besser, wenn dieses Volk ausstirbt. Oder anders gesagt: erst wenn das letzte Kind geboren wurde, die letzten natürlichen Unterschiede zwischen Frau und Mann durch eine radikale systematische Genderpolitik aufgehoben worden sind, die letzten selbstlosen Frauen ausgestorben sind und die letzten Gerichtsklagen gegen Kindergeschrei erfolgreich gewonnen worden sind und der letzte Kindergarten in Deutschland geschlossen worden ist, wird sich auch eine deutsche Familienministerin eingestehen müssen, dass ihre „“Familienpolitik“ ein reine Schaumschlägerei gewesen ist und für schwangere Frauen und werdene Mütter doch ein wenig gefährlicher ist als die Bedrohung der Schweinegrippe.

Elternverantwortung abgeben?

INTERVIEW MIT DR. ALBERT WUNSCH, ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTLER


Dr. Albert Wunsch lehrt u.a. Konzepte zur Elternqualifikation und zur frühkindlichen Bildung an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Köln. Im Gespräch mit FreieWelt.net sprach der Erziehungswissenschaftler über die von der CDU geplante Kindergartenpflicht, den politischen Mißbrauch des Begriffs des „Kindeswohls“ und die Erstverantwortung der Eltern für die Erziehung ihrer Kinder. 

FreieWelt.net: Was halten Sie als Erziehungswissenschaftler von der Idee der CDU, den Kindergarten verpflichtend einzuführen?
Dr. Albert Wunsch: Kurz gesagt, gar nichts. Denn eine per Gesetz geregelte Verpflichtung zum Kindergartenbesuch ist eine Bevormundung bzw. Entmündigung. Sie drückt aus, den Eltern weder Einsicht noch Mitverantwortung zuzutrauen. So werden Väter und Mütter nicht zur Wahrnehmung einer qualifizierten Erziehungsleistung herausgefordert, sondern statt dessen weitgehend kalt gestellt, um durch den Kindergarten – quasi unter staatlicher Aufsicht – diewichtigsten Lebensvorbereitungen zu übernehmen. Für eine christliche Politik ist dies gleichzeitig ein Offenbarungseid, eigene Grundpositionen aufgegeben zu haben. Denn ein christliches Menschenbild setzt Eigen-Verantwortlichkeit und Selbst-Tätigkeit voraus. Statt etwas per Gesetz zur Pflicht zu machen, sollten ganz gezielt – auch finanzielle – Anreize für eine qualitative Verbesserung der Kinder-Erziehung in der Kooperation von Eltern und Kindergärten geschaffen werden, z.B. durch einen Bonus zum Kindergeld beim Nachweis von Elternqualifikations-Seminaren. Dies hätte zur Folge, dass Engagement honoriert und nicht Mangel und Unvermögen finanziert würde.
FreieWelt.net: Aber es gibt doch viele Kinder, denen ein Pflicht-Kindergarten gut helfen würde, die offenkundigen Mängel innerhalb der elterlichen Aufwachsbedingungen auszugleichen.
Dr. Albert Wunsch: Natürlich ist der Kindergarten eine wichtige Institution, gerade für Kinder mit offenkundigen Defiziten, ob im Sprachverhalten, der sozialen Entwicklung oder im Bereich der Konzentrationsfähigkeit, um nur einige zu nennen. Eine Besserung kann aber nur effektiv im Zusammenwirken mit den Eltern durch eine kontinuierliche Befähigung zwischen Förderung und Herausforderung erfolgen. Außerdem müsste eine breite Diskussion über die Konzepte einer angemessenen Kindergarten-Pädagogik im Zusammenwirken von Fachkräften und Eltern einsetzen
Per Gesetz läßt sich jedenfalls keine elterliche Mangelerziehung zwischen Unvermögen, Überforderung und Gleichgültigkeit reduzieren. Bisher ist ja auch noch keiner auf die Idee gekommen, per Gesetz zu regeln, dass Menschen vor dem Sprechen den Verstand einschalten und die Verantwortung für Ihre Äußerungen nicht ausgrenzen sollen, obwohl die Überwindung dieses Mangels in Politik und Gesellschaft einen rasanten Innovations-Schub auslösen würde.
FreieWelt.net: Sie scheinen dem Staat ja nicht allzu viel zuzutrauen?
Dr. Albert Wunsch: Was heißt hier Zutrauen. Im Kern geht es um die leicht variierte Gretchenfrage: ‚Staat, wie hast du’s mit der Elternverantwortung‘? Setzt du auf Befähigung und gute Rahmenbedingungen für eine Erziehung im Elternhaus, oder springst du auf ein öffentliches Versorgungsmodell zwischen Kinderkrippe und Ganztagsschule? Und die Gegenfrage müsste lauten: Eltern, wie habt ihr’s denn mit eurer Erziehungsverantwortung? Wurde sie schon kommentarlos der Öffentlichkeit untergeschoben oder nehmt ihr noch die Erstverantwortung für das Aufwachsen eurer Kinder wahr? – Die Fakten zeigen, in welche Richtung es geht. Das Bundesverfassungsgericht wird zum Anwalt von Kindern und fordert vom Gesetzgeber eine Stärkung der Elternverantwortung. Die Eltern ordnen die Kinder-Erziehungsverantwortung der Erwerbstätigkeit unter. Die Politik setzt auf immer mehr ganztägige Betreuungsangebote. Legislative und Judikative liegen im Clinch und die Eltern scheint die Auseinandersetzung gar nicht zu interessieren. Armes Kinder-Deutschland.
FreieWelt.net: Gibt es denn Ihrer Einschätzung nach nichts Gutes an dieser CDU-Idee?
Dr. Albert Wunsch: Egal welche demokratische Partei das Thema ‚Optimierung der Erziehungs- und Aufwachsbedingungen‘ aufgreift, gut ist, wenn alle gesellschaftlichen Kräfte in diese Verbesserung kräftig investieren. Die Optimierung der Datenerfassung der Vorsorgeuntersuchungen, eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten, Kindergärten bzw. Jugendämtern und ein Herauskommen aus dem ‚Angebots-Charakter‘ von Erziehungsgesprächen und Elternseminaren in den Kindergärten sind hier beispielhaft zu nennen. Aber solange nicht die Förderung und Qualifizierung der elterlichen Erstverantwortung für die Erziehung der Kinder im Zentrum steht, wird es letztlich auch keine verbesserten Bedingungen des Heranwachsens der nächsten Generation geben. Und wer glaubt, wenn Kinder eine gute Zeit im Kindergarten verbracht hätten, wären die möglichen Mängel in den restlichen Zeiten innerhalb einer Woche hinnehmbar, lügt sich selbst etwas in die Tasche. Dann ist es schon besser, bei den Eltern anzusetzen und den Kindergarten für seine erzieherische Ergänzungsfunktion besser personell und sachlich auszustatten.
FreieWelt.net: Aber lassen sich durch staatliche Stellen nicht doch die offenkundig gewordenen Fälle von Kindes-Misshandlung und -Vernachlässigung reduzieren. Schließlich geht es doch um das Kindeswohl.
Dr. Albert Wunsch: Wenn von Politikern das Wort ‚Kindeswohl‘ gebraucht wird, steigt in mir von Tag zu Tag stärker das ungute Gefühl hoch, dass dieser – an sich gute –Begriff als Keule für die Durchsetzung unterschiedlichster politischer Überzeugungen genutzt wird. Mir liegen auf jeden Fall keine fundierten Untersuchungsergebnisse vor, welche belegen, dass beispielsweise die Betreuung von Säuglingen in Kinderkrippen dem Kindeswohl dient. Nein, würden Kinder gefragt, was ihnen gut täte, stünde auf keinen Fall eine frühe Entfernung von Papa und Mama auf der Äußerungsliste. Dass es auch Gründe für eine Unterbringung von Kindern in Krippen gibt, sollte aber nicht dazu führen, dies mit: ‚dem Kindswohl dienend‘ zu begründen. Wenn stattdessen gesagt würde, wir haben Zugeständnisse an die Berufswelt, finanzielle Bedürfnisse oder ans Karrieredenken gemacht, dann wäre dies wenigsten ehrlich. Aber ‚Kinder brauchen Elternhäuser und keine Verschiebebahnhöfe zwischen öffentlicher Ganztagsbetreuung und familiärem Nachtquartier“ (aus: Abschied von der Spaßpädagogik) Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17
Weitere Infos unter: www.albert-wunsch.de
Das Interview führte Christoph Kramer
Foto: A. Wunsch
Initiative: Kindergartenpflicht verhindern
14.09.2009