Schlüsselproblem: Pflege

Daniel Bahr hat recht. Das Konzept der Pflegeversicherung war von Anfang an, und ist auch in seiner heutigen Form extrem untauglich. Nur erkennt der FDP-Gesundheitsminister die wahre Ursache nicht. Dass zu wenig Geld in der Pflegekasse ist, liegt nämlich nicht nur daran, dass wir immer älter werden und die Zahl der Beitragszahler stark schrumpft, sondern dass eine breite Bevölkerungsschicht sich am Lastenausgleich gar nicht beteiligt.

Bei der Einführung der Pflegeversicherung ging man davon aus, dass die meisten Erwachsenen eine Familie gründen, und der Nachwuchs sowohl die Beiträge als auch den Pflegedienst übernehmen würde. Diese Annahme hat sich aber nicht bestätigt. Heute leben nur noch in 32 % aller Haushalte Kinder. Viel zu viele Zeitgenossen, und es werden immer mehr – haben sich Kinder, und damit die Ausgaben für deren Fortkommen, erspart und sich statt dessen ein sehr, sehr auskömmliches Leben geleistet. Auch wenn kinderlose Arbeitnehmer aufgrund des BVG-Urteils von 2001 den lediglich um 0,25 % ( ! ) erhöhten Beitrag in die Pflegekasse einzahlen, ohne die Alimentierung durch die Kinder ihrer Nachbarn und die Erziehungsleistung von deren Eltern müssten sie im Pflegefall komplett „in die Röhre gucken“. Gerade weil die Kinderlosen sich nicht auf die Pflege von Nachkommen stützen können, werden sie alternativlos die teure professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Wer aber soll das bezahlen?

Kinderlosigkeit, ob schicksalhaft oder gewählt, hat eine belastende Wirkung auf unser vereinbartes Umlagesystem aus der Ära Adenauer. Nach soliden Berechnungen handelt es sich um ca. 270 000 Euro, welche die Eltern aus eigener Tasche in jedes ihrer Kinder investieren. Aufgrund der nachwuchsvergessenen Struktur unseres sog. Generationenvertrags müssen sich kinderlose Mitbürger nicht an den Kinderkosten beteiligen, obwohl sie bei Rente und Pflege genau auf diese Kinder angewiesen sein werden. Die Unterhaltskosten für Kinder werden bis heute den Eltern allein aufgebürdet. Alterskosten werden hierzulande sozialisiert (Umlage), Kinderkosten aber privatisiert (Privatvergnügen / Hobby!).

Das Umlagesystem bewirkt also, dass jene, die Kinder großziehen, überproportional belastet werden, ihre eigene Pflege im Alter aber auf dem Spiel steht. Auch wenn die Familienministerin mit ihrem kostenneutralen Teilzeitmodell die Familienpflege stützen will, das Grundproblem ist damit nicht gelöst, dass nämlich die Verursacher der Krise bisher von einem Lastenausgleich verschont geblieben sind. Freilich freuen sich die Eltern, wenn ihre Kinder ihnen im Alter beistehen. Im Endeffekt aber nimmt die Familie der Gesellschaft wiederum eine Last ab, die diese über die Umlage zu tragen versprochen hat.

Es gäbe mehrere Modelle, Kinderlose stärker an den Sozialkosten zu beteiligen:

Bärbel Fischer

Familien werden zu Almosenempfängern degradiert

„Bevor neue Leistungen zur Familienförderung diskutiert werden, sollten erst die Benachteiligungen von Familien im Steuer- und Sozialversicherungssystem beseitigt werden. Familien müssen und können in den Stand versetzt werden, ihre Kinder aus dem selbst erwirtschafteten Einkommen zu unterhalten, statt durch zu hohe Abgaben in die Rolle von Almosenempfängern gedrängt zu werden….“ Zwar stammt Dr. Clemens Christmann´s Essay zur Armut von ganz normalen Familien von 2003, hat aber bisher von seiner Aktualität nichts eingebüßt.

http://www.alfa-ev.de/fileadmin/user_upload/Lebensforum/2003/lf_0203-8-familien-lastesel.pdf

http://www.gerechtigkeit-fuer-familien.de/quellen_pdf/christmann_teil2_lug_und_trug_in_der_familienpolitik.pdf

Leistung muss sich wieder lohnen!

Und was ist mit der Erziehungsleistung von Eltern? Nullsumme! Um eine familien-faire Sozialreform voranzubringen, setzt das Aktionsbündnis Familie auf eine Unterschriftenkampagne. Machen Sie mit!

http://www.aktionsbuendnis-familie.de/
und
https://www.familiengerechtigkeit-rv.de/meinungen/meinungen.php