Familiengerechte Rente

Die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen
Bischofskonferenz hat 2008 ein Gutachten zu einer familiengerechten
Reform der gesetzlichen Rentenversicherung erstellen lassen.
( Arbeitshilfen Nr. 214 ) Die Studie kann bestellt werden und steht
als Download zur Verfügung.

Bindung, Bildung, Innovation

Vor einem Jahr trafen sich in Berlin Hirnforscher, Ökonomen,
Personalberater zu einem Symposium. Ihre Beiträge suchten nach
Zusammenhängen zwischen frühkindlicher emotionaler Bindung und
späterer Kreativität. Inwieweit hängt das Innovationsvermögen einer
Generation von gelungenen Erstbindungen ab? Das Institut für
Demokratie, Allgemeinwohl und Familie e. V. berichtet.

"Deutschland verliert sein Rückgrat"

In einem Interview mit FOCUS-ONLINE weist der
Bevölkerungswissenschaftler Professor Herwig Birg auf die Folgen hin,
die durch den Geburtenschwund in Deutschland bereits heute deutlich
zu spüren sind. Er stellt fest, dass Familien hierzulande
stiefmütterlich behandelt werden. Eine Abgabenpraxis, die sich nach
der Kinderzahl richtet, würde die Erziehungsleistung von Eltern
wenigstens finanziell würdigen.

http://www.herwig-birg.de/downloads/dokumente/FocusOnline091118.pdf

Bedürfnisse der Kinder beachten

Dr. Maria Steuer ist Kinderärztin, Familientherapeutin und Mutter von 3 Kindern. Zudem ist sie die Vorsitzende des Familiennetzwerkes. Das Familiennetzwerk ist ein Zusammenschluß von Vereinen, Institutionen, Familien und Wissenschaftlern, die sich u.a. dafür einsetzen, daß die Bedürfnisse der Kinder in der Vereinbarkeitsdebatte berücksichtigt werden und finanzielle Gerechtigkeit für Familien hergestellt wird. Im Interview mit FreieWelt.net sprach sie über die einseitige Ausgestaltung der Familienpolitik, das negative Bild der Eltern in den Medien und erklärt, inwiefern wir endlich „auf den Hund“ kommen sollten.

FreieWelt.net: Frau Steuer, mit dem Familiennetzwerk engagieren Sie sich seit Jahren für eine familiengerechte Ausgestaltung von Politik und Gesellschaft. Wie beurteilen Sie das familienpolitische Handeln der schwarz-gelben Koalition und der neuen Familienministerin Kristina Schröder seit der Bundestagswahl im letzten September?

Maria Steuer: Unter familiengerechter Ausgestaltung verstehen wir etwas anderes als die schwarz-gelbe Koalition. Unsere Auffassung verlangt eine Orientierung der Familienpolitik an den entwicklungspsychologisch begründeten Bedürfnissen der Kinder. Davon ist jedoch auch unter der neuen Familienministerin noch wenig zu erkennen. Unter familiengerechter Ausgestaltung wird dort eine optimale Vereinbarkeit von Beruf und Familie verstanden, die sich nach den Bedürfnissen der Arbeitswelt ausrichtet und Müttern in erster Priorität die Betreuung ihrer Kinder anbietet und das möglichst ohne eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit. Dieses Angebot wird Müttern schmackhaft gemacht, weil man ihnen auf der einen Seite verspricht, ihre Kinder auch eifrig zu bilden und auf der anderen Seite, dass die Müttererwerbstätigkeit der beste Schutz vor Familienarmut sei

Wie wir wissen, sind das Ammenmärchen. In den letzten Jahren ist die Familienarmut gestiegen, trotz steigender Erwerbstätigkeit der Mütter. Ebenso wissen wir, dass Kinder, die vorzeitig von ihrer Mutter und ihrer vertrauten Umgebung getrennt werden, unter Stress stehen und dies wiederum das Denken und Lernen negativ beeinflusst.

 

FreieWelt.net: Die Regierung hat gleich nach ihrem Amtsantritt das Kindergeld und den Kinderfreibetrag erhöht. Eine zweite Erhöhung ist noch in dieser Legislaturperiode in Aussicht gestellt. Aus der Opposition, aber auch aus den eigenen Reihen der Regierungskoalition, werden diese Fortschritte im Familienlastenausgleich aber immer wieder heftig angegriffen. Auch andere familienpolitische Leistungen, etwa das Elterngeld oder das geplante Betreuungsgeld, geraten immer mehr in die Kritik. Worin sehen Sie die Ursachen für solche Angriffe?
 
Maria Steuer: Es wird wahrscheinlich nicht nur eine Ursache geben. Familien sind durch die Medienberichte der letzten Jahre in der Öffentlichkeit in Misskredit geraten, weil über die sehr kleine Minderheit der Eltern, die nicht gut für ihre Kinder sorgen kann, große Schlagzeilen geschrieben worden sind. Selbst Politiker ließen sich hinreißen, Eltern unter Generalverdacht zu stellen – einschließlich der damaligen Familienministerin, deren Aufgabe eigentlich eine Richtigstellung der Tatsachen gewesen wäre. Sie hatte sich offensichtlich vergessen und versäumt darüber aufzuklären, dass über Ausnahmen und nicht über die Regel berichtet wurde. Außerdem wird dieser Trend, Familien ihre Lobby zu nehmen, von den Politern verstärkt, da sie in ihren Äußerungen die verschiedenen Ursachen nicht trennen. Äußerst unqualifiziert werden Familienpolitik, Sozialpolitik und Einwanderungspolitik in einen Topf geschmissen. Nur wenige informieren sich ausreichend im Detail über die in Deutschland seit Jahren  bestehende ungerechte, finanzielle Behandlung von Familien. Dies macht ein faires Diskutieren und Suchen nach nachhaltigen Lösungen unmöglich. 
FreieWelt.net: Nehmen wir einmal an, Sie hätten drei familienpolitische Wünsche an die Regierung frei. Was würden Sie sich wünschen?
 
Maria Steuer: Ich bräuchte nur einen Wunsch, nämlich, dass wir gesellschaftlich „auf den Hund“ kommen würden. Es gibt ein Gesetz, dass Hundezüchtern per Strafe verbietet, Welpen vorzeitig vom Muttertier zu trennen und zu verkaufen, da es bekannt ist, dass solche Tiere zu neurotischen Beißern werden. Obwohl wir dieses Wissen auch über unsere Kinder haben, wird diese ignoriert. Es wäre an der Zeit, dass sich in unserer Wohlstandgesellschaft, in der ausreichend Geld vorhanden ist, um in Umweltschutz, erneuerbare Energien, biologisches Essen u.v.a.m. zu investieren, endlich auch ein Bewusstsein entwickeln würde, was das Beste für die Schwächsten unserer Gemeinschaft ist.
Zur Internetseite des Familiennetzwerkes gelangen Sie hier: www.familie-ist-zukunft.de

 Das Interview führte Kerstin Schneider.

Geringschätzung von Eltern

Prof. Dr. Johannes Schroeter ist Landesvorsitzender des Familienbundes der Katholiken in Bayern und Vater von vier Söhnen. Im Interview mit FreieWelt.net sprach er über die Intoleranz der Gesellschaft gegenüber der Entscheidungsfreiheit der Familien, über die Überheblichkeit mancher Bildungs- und Erziehungsdienstleister und über die Rivalitäten um die Schaffenskraft der Eltern.

FreieWelt.net: Prof. Schroeter, als Landesvorsitzender des Familienbundes der Katholiken in Bayern engagieren Sie sich bereits seit vielen Jahren für eine familiengerechte Ausgestaltung von Politik und Gesellschaft. Wie beurteilen Sie das familienpolitische Handeln der schwarz-gelben Koalition und der neuen Familienministerin Kristina Schröder seit der Bundestagswahl im letzten September?

Prof. Dr. Johannes Schroeter: Ich bin unschlüssig. Es gab begrüßenswerte Fortschritte bei Kindergeld und Kinderfreibetrag. Als ärgerlich empfand ich aber die Geringschätzung von Eltern, die in den koalitionären Streitigkeiten um das Betreuungsgeld zum Vorschein kam.

FreieWelt.net: Die Regierung hat gleich nach ihrem Amtsantritt das Kindergeld und den Kinderfreibetrag erhöht. Eine zweite Erhöhung ist noch in dieser Legislaturperiode in Aussicht gestellt. Aus der Opposition, aber auch aus den eigenen Reihen der Regierungskoalition, werden diese Fortschritte im Familienlastenausgleich aber immer wieder heftig angegriffen. Auch andere familienpolitische Leistungen, etwa das Elterngeld oder das geplante Betreuungsgeld, geraten immer mehr in die Kritik. Worin sehen Sie die Ursachen für solche Angriffe?

Prof. Dr. Johannes Schroeter: Ich sehe die Ursachen teils in Intoleranz, teils in Überheblichkeit und teils in wirtschaftlicher Rivalität. Intoleranz besteht in Teilen unserer Gesellschaft gegenüber der verbrieften Freiheit der Familien, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder vorrangig selber zu bestimmen

„Geld ist gemünzte Freiheit“, hat Dostojewski einmal geschrieben. Es ließe Eltern viele Möglichkeiten, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu gestalten. Diese Freiheit ist mancher ein Dorn im Auge, die keinen anderen Lebensentwurf als den eigenen dulden mag. Das gilt auch im Hinblick auf die Wahl von Eltern zwischen Erwerbsarbeit und Familienarbeit.
Überheblichkeit ist da anzutreffen, wo Dienstleister im Bereich der Bildung und Erziehung nicht dienen, sondern dominieren wollen. Manchen hat seine fachliche Ausbildung in einem Dienstleistungsberuf nicht gebildet, sondern verbildet. „Bildung beginnt bei der Betreuung“, ist ein Satz, der sich beispielsweise bei einem großen deutschen Sozialdienstleister findet. Hier wird indirekt in Abrede gestellt, dass im Elternhaus überhaupt Bildung stattfinden könne. Wer so redet, hat keinen Dienst an den Familien im Sinn, schon gar nicht im Sinn christlicher Nächstenliebe. Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zu der Forderung, familiäre Bildung und Erziehung gegenüber anderen Alternativen finanziell zu diskriminieren. Das Problem beginnt schon da, wo sich Erziehungsdienstleister als „Erziehungspartner“ gerieren und damit beanspruchen, dass sie den Eltern bezüglich der Rechte und Pflichten bei der Kindererziehung gleich gestellt seien.
Schließlich gibt es Probleme durch wirtschaftliche Rivalität. In dem Ausmaß, in dem außerfamiliäre Bildung und Erziehung zum Zweck der Erwerbstätigkeit betrieben wird, werden Betreuungsanbieter zu Konkurrenten der Eltern. Familien und außerfamiliäre Anbieter konkurrieren gegeneinander um die knappe Ressource der staatlichen Förderung. Von daher erklären sich manche Appelle der Betreuungsdienstleister, das staatliche Geld nicht in Familien zu geben, aus ökonomischen Rivalitäten. – Daneben gibt es Rivalitäten um die Schaffenskraft der Eltern. Die Wirtschaft fürchtet erklärtermaßen eine Verknappung von Arbeitskräften im Demografischen Wandel. Dem meint sie entgegen wirken zu können, indem Eltern sich weniger als bisher mit ihren Kindern beschäftigen und dafür stärker erwerbstätig sind. Als praktikables Steuerungsinstrument wird das Geld angesehen: die Entscheidung für Erwerbstätigkeit soll mit hohen Subventionen für den resultierenden Betreuungsbedarf abgefedert werden, während die Erwerbsausfälle mit voller Wucht auf die Eltern durchschlagen sollen, die sich für Erziehungsarbeit entscheiden. Solchermaßen kann man etlichen Eltern tatsächlich die Kindererziehung austreiben. Tragikomisch ist vor diesem Hintergrund aber das Lamento der Wirtschaftsverbände über die zunehmende Zahl unerzogener Lehrstellenbewerber.

FreieWelt.net: Nehmen wir einmal an, Sie hätten drei familienpolitische Wünsche an die Regierung frei. Was würden Sie sich wünschen?

Prof. Dr. Johannes Schroeter: Ich glaube, ich würde mir nur eines wünschen: Die Einführung eines Allgemeinen Wahlrechts in Deutschland. Jeder Staatsbürger muss zukünftig ein Wahlrecht haben, auch die Kinder. „One man, one vote“ – ein Mensch, eine Stimme. Nur so kämen die Familien zu einem politischen Gewicht, das auch ihrem Bevölkerungsanteil entspräche. Erst dann wird es politisch möglich sein, für eine nachhaltige familienpolitische Entwicklung die erforderlichen Stimmenmehrheiten zu finden. In den vergangenen beiden Bundestagen hat es immerhin schon zwei interfraktionelle Anträge gegeben, die genau diese Entwicklung zum Ziel hatten. Das stimmt mich hoffnungsvoll.

Zum Familiebund-Bayern.de

Das Interview führte Kerstin Schneider



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M a c h e n S i e m i t !
Löchern wir im „Abgeordneten-Check“ unsere Vertreter im Parlament und fordern
ihre Position zu Fragen des gerechten Familienlastenausgleichs
heraus. Die Antworten werden unsere nächste Wahl entscheidend prägen.
Wer nicht begreift, dass die sträfliche Benachteiligung von Familien
die Grundlagen unserer Gesellschaft zerstört, der gehört abgewählt!