Karlsruher Urteil – Chance zum Umsteuern!

Zum abgeschmetterten Betreuungsgeld fand sich heute in der Schwäbischen Zeitung ein Kommentar im Leitartikel, der alle Ressentiments gegen diese Leistung erneut aufwärmt.

Dazu diese Antwort:

Sehr gehrte Frau L.,

ich bin es so leid, Ihnen erneut widersprechen zu müssen, aber Ihren heutigen Kommentar  „Chance zum Umsteuern“ unwidersprochen stehen zu lassen, das geht gar nicht.

Über  Ihre übliche Abwertung vieler Eltern, die das Betreuungsgeld BG als minimale Honorierung ihrer Kinderbetreuung schätzen, will ich gar nicht reden. Als ob Mütter mit Hauptschulabschluss oder Migrantinnen ihre Kinder liebloser betreuten als Akademikerinnen. Kommen Sie mir bloß nicht mit verpasster Bildung! Wer Kinder hat, weiß, dass in den ersten Jahren die emotionalen Voraussetzungen für spätere Bildung gelegt werden – oder auch nicht!

Auch Ihre unerschütterliche Ansicht, dass auf persönliche Betreuung eigener Kinder logischerweise Altersarmut folgen muss, stimmt nur solange, als dem deutschen Gesetzgeber krippenferne Kindererziehung verfassungswidrig (Art. 6 GG )als  N u l l w e r t  gilt. Das aber dürfte gar nicht sein. Denn der Staat ist per Verfassung verpflichtet, die von den Eltern gewählte Betreuungsform gleichwertig zu stützen. Das hieße also: 600 € : 600 € und nicht 1200 € : 0,00 € ! Die seit 2007 bestehende Regelung ließe sich ohne Weiteres justieren, sie ist kein Naturgesetz! Aber auch das wissen Sie.

Was ich aber auf´s Schärfste kritisiere ist Ihre im Verein mit Medien, Politik und Wirtschaft vertretene dreiste Forderung, die 900 Millionen nun frei werdender Mittel in den weiteren Ausbau von Krippen -und Ganztagsbetreuung zu stecken. Damit werden alle Eltern, die ihre Kinderbetreuung privat schultern, gezwungen zusätzlich Krippen mit zu finanzieren.

Nun bemängeln Sie, dass 95% der BG-Bezieher Frauen sind, und Sie schließen daraus, dass mit dem BG ein Familienmodell gefördert wird, das  u n e r w ü n s c h t   ist. Eine gute Mutter ist demnach nur, wer sich wegen eines Mindestlohns seiner Kinder entledigt. Wer bestimmt eigentlich welches Familienmodell erwünscht ist? Frau Schwesig, Frau Lennartz oder Frau Merkel? Hat es jemals eine demokratische Abstimmung darüber gegeben?

Sie sehen das Karlsruher Urteil demnach als Chance zum Umsteuern im Sinne des Arbeitsmarktes.  Künftig werden also noch mehr Mütter auf der Betriebsmatte stehen und noch mehr Kinder sich vergeblich nach ihrer Mama sehnen – ein Grund zum Jubel?

Auch ich sehe im Karlsruher Urteil eine Chance zum Umsteuern. Wenn nämlich das BG nicht aus der Bundeskasse kommen darf, dann gilt dies auch für die Kosten der Kita-Betreuung.  Denn wenn schon von interessierter Seite  so laut die „frühkindliche Bildung“ besungen wird, dann sind logischerweise die Länder zuständig, diese Bildungskosten zu stemmen.

Ja, Umsteuern ist angesagt!

Mit freundlichen Grüßen                                                                                                 Bärbel Fischer

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Sehr geehrte Frau Fischer,
auch ich habe den Eindruck, dass unsere Mail-Wechsel nicht besonders fruchtbar sind.
Ich weiß nicht, welchen Kommentar Sie gelesen haben, aber ich werte keine Eltern ab, ich behaupte auch nicht, dass Migrantinnen ihre Kinder liebloser betreuen und bin auch nicht der Ansicht, dass Betreuungsgeld-Mütter in der Altersarmut enden. Ich gebe lediglich zu bedenken, dass gerade Kinder ohne Deutschkenntnisse besser früh gefördert werden und dass Mütter, die ihrem Beruf nachgehen wollen, aber dies auf Grund fehlender Plätze nicht können, später schlechter gestellt sind. Es geht auch nicht um sein unerwünschtes Familienmodell, sondern um die Möglichkeit und die Förderung der Gleichberechtigung von Männer und Frauen.
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Lennartz

 

 

 

Ein Gedanke zu „Karlsruher Urteil – Chance zum Umsteuern!

  1. Wie so oft kann ich Frau Fischer wieder voll und ganz zustimmen. Die so wichtige BINDUNG (nicht BILDUNG) zwischen Mutter und Kind in den ersten Lebensjahren wird von dieser Journalistin wieder tabuisiert – und nicht nur von dieser: die heutigen Kommentare in den deutschen Zeitungen sind sich so ähnlich, dass man kaum von Kommentaren sprechen kann, sondern eher von geschickt verbreiteter Einheitsmeinung: der Sozialismus lässt grüßen!

    Was leider überall völlig fehlt, ist das Thema Kinderzahl bzw. Demografie. Deutschland ist das kinderärmste Industrieland der Erde und hat Japan vom traurigen letzten Platz verdrängt. Jede Generation bringt nur noch 1,3 Kinder zur Welt, wodurch sich die Bevölkerung in nur zwei Generationen halbiert! Also doppelt so viele Großeltern wie Enkel! Macht sich niemand Gedanken, dass wir die Kinder später nicht nur als Rentenzahler, sondern auch zur Sicherung der Zukunft unseres Landes brauchen? Wer soll später unsere Wohnungen bewohnen, unsere Straßen instand halten, uns im Alter pflegen, den Strom, das Wasser und das Gas in die Leitungen pumpen, für unsere Sicherheit sorgen usw. wenn niemand mehr da ist? Ohne Kinder werden wir im Alter völlig verarmen. Warum thematisiert das niemand???

    Fakt ist, dass die berufsorientierte Mutter ihr einziges Kind nach einem Jahr in der Krippe abgibt, sich dann wieder dem Berufsleben widmet und keinen Platz mehr für ein zweites Kind hat – die familienorientierte Mutter, die ihr Kind zuhause erzieht, bekommt nicht selten Gefallen am Familienleben und setzt ein zweites oder drittes Kind in die Welt. Allein damit lässt sich zeigen, dass die Kindererziehung in der Familie absolut notwendig ist, damit mehr Kinder geboren werden und unsere Zukunft samt Renten gesichert ist.
    Aber all‘ das kommt in den Kommentaren und Fernsehberichten überhaupt nicht vor. Offenbar ist die Ideologie der vollberufstätigen Frau so „wichtig“, dass die damit einhergehende Kinderlosigkeit und das Aussterben unserer Bevölkerung das kleinere Übel sind. Wie blöd sind eigentlich unsere Leitmedien?

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