JU: Verlängerung der Lebensarbeitszeit gegen Altersarmut

Herrn Paul Ziemiak,  Vorsitzender der JUNGEN UNION 1. April 2016

Sehr geehrter Herr Ziemiak,

die ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT interessiert sich logischerweise für alle Vorschläge, welche die drohende Altersarmut verhindern könnten. Daher möchte ich Ihnen auf Ihren Vorstoß zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit antworten.

Was uns ältere Mitbürger extrem wundert ist, dass in keiner Rentendebatte die Ursache des Übels, nämlich das deutsche demographische Defizit thematisiert wird. Irgendwie scheint dieses Thema tabu zu sein. Dabei muss man in der Rentenfrage mindestens eine, besser zwei oder drei Generationen voraus planen! Denn mit jedem heute verhinderten Kind fehlt der Gesellschaft künftig eine ganze Nachkommenschaft.

Die Frage ist: Wie kommt es, dass 20% bis 25% junger Erwachsener ein Leben mit Kindern ablehnen?  Offenbar hat es sich herum gesprochen, dass Eltern in unserem Sozialsystem überproportional durch familienblinde Abgaben belastet werden, wozu auch die Verbrauchssteuern zählen. Wer also Kinder aufzieht gilt als Trottel, der nicht rechnen kann. Dabei sind es die hier ( noch ) geborenen Kinder, die in 20 bis 30 Jahren die heutigen Arbeitnehmer, und zwar paradoxerweise auch die kinderlosen alimentieren müssen.

Angela Merkel scheint immer noch zu glauben, mit jungen Flüchtlingen ließen sich die familienpolitischen Sünden der verg. Jahrzehnte korrigieren. Pustekuchen! Prof. Herwig Birg ( Bevölkerungsforscher ) weist nach, dass dies nicht gelingen kann. Siehe:

http://i-daf.org/fileadmin/Newsletter-Druckversionen/2016/Aufsatz_des_Monats/iDAF_Aufsatz_03_III_2016.pdf

Hat man jahrzehntelang den Familien mit Kindern das Geld aus der Tasche gezogen, so braucht man sich doch nicht zu wundern, wenn uns der Nachwuchs ausgeht.

Sehr geehrter Herr Ziemiak, solange unser Sozialgesetz Arbeitnehmer ohne Unterhaltspflichten verschont, Eltern aber für jedes Kind Monat für Monat 238 Euro zuviel abknöpft, solange wird die Kinderarmut und die Armut an Kindern zunehmen. Daher werden die Menschen in unserem Land immer länger arbeiten müssen. Die Crux daran ist allerdings, dass dies eben auch Väter und Mütter trifft, die durch den Unterhalt ihrer Kinder und die Erziehungsarbeit ihren üppigen Obolus an die Gesellschaft bereits abgeliefert haben, und zwar nachhaltig! Sie werden also zusätzlich noch einmal zur Kasse gebeten.

Daher, Herr Ziemiak, wäre es an der Zeit, dass sich die Parteien und die Bundesregierung beeilen, Familien mit Kindern mit Kinderlosen gleichzustellen. Ist nicht Gleichstellung das Zauberwort heutiger Politik? Familien merken davon null und nichts. Erst wenn sich an der Abgabenfront etwas ändert, werden Paare zu mehreren Kindern bereit sein.

Mit freundlichen Grüßen

i. A. Bärbel Fischer

 

NACHTRAG

 

Sehr geehrter Herr Ziemiak,
 
zu Ihrem Vorstoß, die Lebensarbeitszeit der gesetzlich Versicherten zu verlängern, habe ich Ihnen vor wenigen Tagen unsere Einschätzung zukommen lassen. Mit der heutigen Mail wollen wir Ihnen Vorschläge unterbreiten, welche Arbeitnehmer, die ihr Einkommen mit ihrer Familie teilten, g e r e c h t   behandeln.
 
Was uns ärgert, ja wütend macht, ist die Generationenblindheit selbst bei der JU. Unsere Politiker denken, wenn überhaupt, nur bis morgen. Ein Indianerhäuptling dagegen muss seine  Entscheidungen  bis in die 7. Folgegeneration verantworten.
 
Hat sich mal jemand gefragt, weshalb das Thema Nachwuchs in der öffentlichen Debatte  total ausgeblendet wird? Niemand wird junge Leute zu Nachwuchs zwingen, aber eine solche Lebensplanung hat eben nach dem Prinzip Ursache und Wirkung für die Gesellschaft fatale Folgen (Altersarmut, Verlust einer Sippe etc. ) Offensichtlich haben Zeitgenossen, die sich einst Kinder ersparten, heute kein Problem damit, im Alter Kostgänger jener Kinder zu sein, die ihre heute verarmten Nachbarn einst unter großem finanziellen Aufwand großzogen.
 
Egal, ob das Rentenniveau gesenkt oder die Lebensarbeitszeit verlängert wird, beide Vorschläge verstoßen gegen den Gleichheitsgrundsatz nach Art. 3 GG. Denn:
verlängert man die Lebensarbeitszeit, so trifft es Eltern wie Kinderlose gleichermaßen, obwohl Väter und Mütter über den Unterhalt ihrer Kinder bereits kräftig abkassiert worden waren,
senkt man das Rentenniveau, so trifft es ebenfalls auch diejenigen, die über rund 20 Jahre hohe Kosten pro Kind zu stemmen hatten.
 
Daher sehen wir als ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMIIENGERECHTIGKEIT drei familiengerechte Lösungen:
 
a) lebenslang Kinderlose versichern ihr Altersrisiko privat selbst, und nicht über die Solidargemeinschaft.
b) lebenslang Kinderlose zahlen während ihrer Erwerbsarbeit so viel in die Rentenkasse ein, wie Eltern in 20 Jahren in 2,1 Kinder investieren mussten.
c) die Beiträge in die Sozialversicherungen werden für Eltern je nach Kinderzahl reduziert mit der logischen Folge, dass Kinderlose entsprechend höher belastet werden.
 
Sehr geehrter Herr Ziemiak, zugegeben, keiner dieser Vorschläge ist wirklich prickelnd – sondern erfordert die Einsicht, dass man nicht von Familien fordern darf, was Nichtfamilien zu geben nicht bereit sind. Es wäre tatsächlich eine Solidaritätskundgebung, wenn z. B. die Junge Union FAMILIENGERECHTIGKEIT  auf ihr Panier schriebe. Vielleicht würde dies auch viele Bürger beflügeln, künftig wieder CDU und nicht AfD zu wählen. Leider haben sich unzählige Bürger enttäuscht von der CDU abgewandt, weil man von ihr seit Jahren nur Schulterzucken erntete, wenn es um Familiengerechtigkeit ging. Zugegeben, bereits heute sind Eltern mit Kindern in der Minderheit. Daher lohnt es sich parteipolitisch eher, Rentner auf Linie zu bringen als nachwuchsbereite Paare. Doch das Ende wird  Heulen und Wehklagen sein!
 
Damit grüße ich Sie in der Hoffnung, dass die Junge Union künftig klüger agiert als die etablierte CDU / CSU
i.A. Bärbel Fischer

4 Gedanken zu „JU: Verlängerung der Lebensarbeitszeit gegen Altersarmut

  1. Was mich ärgert, ja wütend macht, ist die Generationenblindheit selbst bei der JU. Unsere Politiker denken, wenn überhaupt, nur bis morgen. Ein Indianerhäuptling muss seine Entscheidung bis in die 7. Folgegeneration verantworten.

    Hat sich mal jemand gefragt, weshalb das Thema Nachwuchs bei uns total ausgeblendet wird? Niemand wird junge Leute zu Nachwuchs zwingen, aber eine solche Lebensplanung hat eben nach dem Prinzip Ursache und Wirkung für die Gesellschaft fatale Folgen (Altersarmut etc. ) Offensichtlich haben Zeitgenossen, die sich einst Kinder ersparten, aber kein Problem damit, im Alter Kostgänger jener Kinder zu sein, die ihre verarmten Nachbarn einst unter großem finanziellen Aufwand großzogen.

    Verlängert man die Lebensarbeitszeit, so trifft es Eltern wie Kinderlose gleichermaßen, obwohl Väter und Mütter bereits kräftig abkassiert worden waren.

    Senkt man das Rentenniveau, so trifft es ebenfalls auch diejenigen, die über rund 20 Jahre hohe Kinderkosten zu stemmen hatten.

    Daher sehen wir drei familiengerechte Lösungen:

    a) lebenslang Kinderlose versichern ihr Altersrisiko privat selbst, und nicht über die Solidargemeinschaft.

    b) lebenslang Kinderlose zahlen während ihrer Erwerbsarbeit so viel in die Rentenkasse ein, wie Eltern in 20 Jahren in ihre Kinder investieren mussten.

    c) die Beiträge in die Sozialversicherungen werden für Eltern je nach Kinderzahl reduziert mit der Folge, dass Kinderlose entsprechend höher belastet werden.

    • Liebe Frau Fischer,

      Ihrer wie immer treffenden Analyse möchte ich in einem – zugegeben eher nebensächlichen – Punkt widersprechen. Sie räumen dem JU-Politiker ein, dass eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit Eltern und Kinderlose gleichermaßen belasten würde. Mir scheint, dem ist nicht so; auch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit trifft die Eltern weitaus härter als die Kinderlosen. Den Grund dazu kennen Sie aus eigener Erfahrung sehr gut.

      Nur Eltern können auch Enkel haben. Wenn ich mir meine Altersgenossen Rentner der Reihe nach betrachte, so stelle ich fest, dass darunter der Typ des reinen Freizeitgenießers, des Nur-Golf-Spielers und Kreuzfahrtenbummlers zwar vorkommt, aber doch eine recht seltene Erscheinung ist. Weit häufiger sind die engagierten Großeltern zu finden. Dazu nur ein Beispiel aus meinem gewöhnlichen Wochenkalender; Sie selbst, liebe Frau Fischer, könnten sicherlich eindrucksvollere Beispiele anführen.
      Der Mittwochnachmittag ist einer von zwei Nachmittagen in der Woche, den unser knapp fünfzehnjähriger Enkel, mitunter in Begleitung eines Klassenkameraden, bei Oma und Opa verbringt. Er wird nach dem Unterricht abgeholt – er hat niemals das Ganztagsangebot seiner Schule angenommen – , nach einem Mittagessen geht es an die Hausaufgaben, dann wird ruckzuck etwas Geige gespielt –nicht den Eltern verraten, die würden das „ruckzuck“ nicht goutieren wollen. Am Abend geht es in ein Hallenbad, in der die Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft ihre Übungen abhält. Dort nehmen die beiden Kameraden teil, während Opa mit anderen Opas in der Cafeteria die Verbesserung der Welt erörtert. Der Vorsitzende des örtlichen DLRG ist ebenfalls Rentner und Großvater; seine Frau leitet seit vielen Jahren die Gruppe der Kinder, welche das Schwimmen erlernen; sie hat wohl schon Hunderten von Kindern ehrenamtlich diese gute Tat erwiesen; bald wird ihr Enkel mitschwimmen.
      Langer Rede kurzer Sinn: Die Omas und Opas dieses Landes pflegen zwar der Muße, sind aber keine Faulenzer. Wenn trotz aller staatlichen Bemühungen, die Kinder in die Hand zu kriegen, diese dennoch einen Rest von Freiheit verteidigen können, so helfen hier die Alten in vorderster Front mit. Klar, dass die Feinde der Freiheit auch noch deren letzten Refugien, Rentenalter und Kindesalter, zerstören wollen. Klar, dass die Kinder vom ersten Atemzug an im Sinne der Berufswelt abgerichtet, die Rentner bis zum letzten deren Diktat unterworfen werden sollen.
      Wenn man die Lebensarbeitszeit noch weiter verlängert, wird man einigen Rentnern die Langeweile vertreiben, die Mehrzahl der Omas und Opas aber aus einer sinnvollen, selbstgewählten und für die Allgemeinheit überaus nützlichen Tätigkeit herausnehmen und in eine Tätigkeit hineinzwingen, welche die organisierte Arbeitswelt für sinnvoll hält. Verlierer: Großeltern und Enkel. Gewinner wie immer die … na, wir wissen schon.

      • Danke, Herr Brosowski, für Ihr Hohes Lied auf uns Großeltern. Mich lässt die Idee nicht los, dass auch wir Großeltern uns auf die Hinterbeine stellen und lautstark Krach machen sollten gegen die gefährlichen OECD- Verdummungskonzepte und die Entrechtung der Eltern. Ich weiß zwar, wir sind alt und werden auch nicht jünger. Aber wir sollten auch nicht stumm bleiben angesichts der skandalösen Zustände in unserem Land.

        Wer fühlt sich motiviert für eine Großelternkampagne?

      • Abwarten! Die Großeltern werden bald von dem spießigen Enkelbetüdern entlastet werden durch das flächendeckende Ersetzen der offenen (frei besuchbaren) Ganztagschule durch die gebundene (verpflichtende) Ganztagsschule. Warum sollten Kinder vom schulischen ganztägigen Bildungsangebot, von sozialem Lernen bei Sport und Spiel ferngehalten werden, nur weil sie zufällig Großeltern haben, die als Arbeitskräfte doch ungemein viel nützlicher sind? Das muss den CDU-Koalitionsverhandlern doch einleuchten!

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