Fünftagewoche für Babys

Erst Masse – dann Klasse !

Florentine Fritzen redet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Klartext: Über den fortgeschrittenen Ausbau der Kinderbetreuung zu jubeln, während die Qualität der Betreuung im Argen liegt, wäre Stoff für eine Satire – wenn es um Gegenstände und nicht um Kinder ginge.

http://www.faz.net/sonntagszeitung/kita-ausbau-deutschland-kurz-vorm-ziel-13054878.html

 

4 Gedanken zu „Fünftagewoche für Babys

  1. „Kleinreden lässt sich die Zahl der privat betreuten Kinder trotzdem nicht. Aber lässt sie sich kleinschweigen und übertönen mit immer neuen Ausbaurekorden (und sicher bald auch Qualitätsrekorden)? Dann wäre Kita-Deutschland am Ziel.“

    Bei uns im Kreis hat das Kreisjugendamt einen viele Seiten langen Fragebogen an Kita-Eltern verteilt. Von der Qualität der Einrichtung über Entwicklungsthemen der Kinder wurde so ziemlich alles abgefragt, Wünsche durften geäußert werden.

    Auf meine Beschwerde hin, dass auch selbstbetreuende Eltern gerne einen Fragebogen erhalten hätten – auch um Wünsche zu äußern, habe ich leider nie eine Antwort erhalten.
    Kinder selbstbetreuender Eltern sind scheinbar Kinder zweiter Wahl! Kleinschweigen wäre noch zu milde ausgedrückt, wir existieren scheinbar für Jugendämter nicht und sind noch nicht mal eine Erklärung wert.

    • Da sehen Sie, welche Heuchelei im Spiel ist. Es geht nicht um das Wohl aller Kinder schlechthin, sondern nur um den äußeren Anschein, dass allein kitabetreute Kinder wahre Fürsorge genießen, nämlich institutionelle.
      Der Fragebogen ist m. E. verzichtbar. Ich glaube nicht, dass er viel bringt außer Schaumschlagen und Pluspunkte in der Außendarstellung.

  2. Eigentlich grenzt es ans Wunderbare, dass trotz des propagandistischen Trommelfeuers des übermächtigen Kartells, das sich aus der Arbeitswelt, der Politik und den Medien zusammensetzt, immer noch eine klare Mehrheit der Eltern sich keine Kita für ihr Kind wünscht. Und was heißt hier: Die Eltern wünschen einen Kita-Platz? Wie viele von diesen müssen denn ob gewollt oder nicht gewollt auf einen solchen Platz zurückgreifen? Weil sie beide arbeiten müssen, weil keine Großeltern fähig oder bereit sind, zu helfen, weil der Arbeitgeber keine Möglichkeit zur Kinderbetreuung bietet, weil, weil, weil…Wie groß wäre die Mehrheit, wenn tatsächlich der Wunsch und nicht die Not der Eltern maßgeblich wäre!

    Es gehört zur Propaganda, zwischen Wunsch und Not nicht zu unterscheiden, die wahren Motive der Eltern also zu verschweigen bzw. gar nicht erst zu eruieren. Und ein besonders fieser Trick besteht darin, Vorstellungen, die dem Ziel der Propaganda entgegen gerichtet sind, totzuschweigen ( es gibt für die Propagandisten nur Eltern, welche die Kita wünschen, diejenigen, welche solche nicht wünschen, haben in ihren Augen bisher nur noch keine Möglichkeit, sie in Anspruch zu nehmen; melden Gegner der Propagandisten sich aber zu Wort, antwortet man ihnen nicht).

    Auf Propaganda versteht sich das Blondchen, welche das Familienministerium führt. Darin war die DDR spitze. Erst kommt das große Versprechen, begleitet von der Herabwürdigung derer, welche das Versprechen nicht glauben und annehmen wollen ( z.B. das Betreuungsalmosen als „Fernhalteprämie“ für die Eltern, welche ihre Kinder nicht der famosen staatlichen Betreuung anheim geben wollen). Wenn dann die ersten Schwierigkeiten auftauchen, wird die Fata morgana an die Wand projiziert: Die nächsten Kitas werden viel, viel besser, geradezu himmlisch gut sein ( Qualtitätsoffensive). Hilft auch das nichts, werden Schuldige gesucht: Das Kitapersonal ist schlecht ausgebildet, die Eltern spielen nicht richtig mit, die Träger geben nicht genug Geld aus u.s.w..

    Dass das Kita-Experiment schon mehrfach grausam fehlgeschlagen ist – Schweden, Frankreich, die Ostblockstaaten, allen voran Rumänien – wird totgeschwiegen; auch das gehört zur Propaganda. Und nicht zuletzt ist es für Propagandisten typisch, sich selbst für die Größten, Besten, ja einzig im Besitz der Wahrheit Befindlichen zu halten: Das deutsche Kita-Modell wird besser als alles, was diese Welt bisher zu bieten hatte. Wir sind die Größten – nun ja, man weiß ja, wohin Hochmut führt.

  3. Endlich kommen Eltern in der politischen Wirklichkeit an – Hoffentlich ist es noch nicht zu spät!!!!!!!
    Die baden-württembergische Landesregierung hat am Mittwoch 23.7.2014 das Ganztagsschulgesetz auf den Weg gebracht. Mit dem Gesetz will Grün-Rot den Ganztagsbetrieb vor allem bei den 2400 Grundschulen vorantreiben. Wahrscheinlich vor dem Hintergrund dass die Landesregierung 11 600 Lehrerstellen bis zum Jahr 2020 abbauen will, dürfen die Eltern (noch) jedes Schuljahr darüber entscheiden, ob sie ihr Kind in die verpflichtende Ganztagsschule schicken wollen oder darauf verzichten. Allerdings führt der Fall der familienpolitisch rührigen Stadt Tübingen in exemplarischer Weise vor, wie solche freiwillig Angebote durch eine plausible Sachzwang-Logik zu verpflichtenden Veranstaltungen für alle werden. Die Stadt hat nämlich diese Woche beschlossen, daß die Betreuung nur noch möglich ist, wenn Mütter und Väter ihren Nachwuchs künftig an mindestens drei Tagen den Betreuerinnen überlassen. In diesem Fall müssen die Kinder verbindlich anwesend sein. Aus Sicht der Stadt ist nur so ein kosteneffizientes Betreuungsangebot ohne teure „Personalüberhänge“ möglich: Auf den dabei zu Tage tretenden Interessengegensatz zwischen kosteneffizienter Betreuungsorganisation für die Stadt und flexiblen Gestaltungswünschen der Familien reagieren die Eltern mit teilweise fassungsloser Empörung. „Ich will meine Tochter sehen“, rief eine Mutter verzweifelt. Als Ärztin an der Klinik müsse sie auch an Wochenenden arbeiten. Da würde sie gern unter der Woche mit ihrerer Tochter zusammensein können. Das geht dann aber nicht mehr. (…)
    Ein Blick nach Schweden zeigt, dass Reformen der neunziger Jahre, das Schulwesen grundlegend veränderten. Bildungsgerechtigkeit sollte allen Schülern zuteil werden, auch jenen Kindern, die in eher armen Verhältnissen aufwuchsen. Allerdings zeigen Studien: Bislang blieb es bei diesem hehren Ziel. Erreicht wurde es nicht. 2013 dann der PISA-Schock. Schweden stürzte ab und landete weit hinter Russland, Slowakei und Litauen.
    Aber vielleicht ist das ja auch Absicht: ein dummes Volk regiert sich besser!

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