Eltern gegen Kinderlose ausspielen?

Leserbrief an die Schwäbische Zeitung zu deren Beiträgen: „Mit 39 000 Unterschriften nach Berlin“,   16. 08. 2013, Seite drei, und „Richter sieht Sozialstaatsdämmerung“,  20. 08. 2013, Nachrichten und Hintergrund + Kommentar von Sabine Lennartz.
Dieser Leserbrief wurde – abgelehnt!

Der mühsame Aufwand, um Mütter- und Väterstimmen zu betteln, die sich via Petition wehren gegen die willkürliche Vergabe von Rentenpunkten für Kindererziehung, dieser Aufwand wäre völlig unnötig, hätten wir ein Sozialsystem, das per se Kindererziehung rentenwirksam wertschätzte. Einkommensverzicht der Mütter zugunsten des Fortkommens ihrer Kinder erscheint in unserem System jedoch bislang als absoluter Nullwert:  Kein Erwerbseinkommen –  keine Rente – basta!

Da kommt das Buch des hessischen Sozialrichters Dr. Jürgen Borchert: „Sozialstaatsdämmerung“ im richtigen Augenblick! Wie kein anderer Experte weist er in seinem Buch nach, dass  hierzulande Kindererziehung in die Armut führen  m u s s , weil den Eltern wegen ihrer Kinder  weit mehr Abgaben zugemutet werden als über Transfers je zurückfließen. Daher spricht er von einer  „Ausbeutung“, die speziell Eltern von Kindern trifft. Dass kinderlose Arbeitnehmer von dieser Ausbeutung verschont sind, versteht sich von selbst. Daher ist es unredlich zu schreiben, „Borchert würde Eltern gegen Kinderlose ausspielen“ ( Kommentar von Sabine Lennartz, 20. 08. 2013 ). Die Fakten beweisen, dass Eltern weit mehr zur Kasse gebeten werden, als Kinderlose mit ihren Steuern je zur Infrastruktur des Gemeinwesens beisteuern. Insofern gipfelt Borcherts Appell in der Forderung, alle Einkommen gleichermaßen zu besteuern, um diejenigen Schultern zu entlasten, die über ihre Kinder den Sozialstaat künftig am Leben erhalten.

Es geht  Dr. Jürgen Borchert explizit  n i c h t , wie behauptet,  um Revolution, sondern darum, endlich Reformen zugunsten des Fortbestands unseres Gemeinwesens zu wagen. Wenn es dafür nicht bereits zu spät ist!

Bärbel Fischer

Ein Gedanke zu „Eltern gegen Kinderlose ausspielen?

  1. Wenn man Herrn Borchert kennt, muss man das Buch nicht unbedingt gelesen haben, um zu wissen, dass es sehr „inhaltsreich“ ist und er selbst ein ausgemachter Gerechtigkeitsfanatiker. Nicht umsonst hat er den Richter-Beruf ergriffen. Gut so, solche Leute brauchen wir! Wann endlich erkennt die Politik sein Wissen und seine großartigen Fähigkeiten und lässt ihn ran? Nein, vielleicht lieber doch nicht. Er ist bestimmt ein empfindsamer Mensch und würde möglicherweise daran zerbrechen, denn das Politikgeschäft ist rücksichtslos. Wir hätten dann einen Kämpfer gegen Ungerechtigkeiten im Familiensteuersystem weniger, das können wir uns nicht leisten.

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