„OECD-Studien verengen das Bildungsverständnis“

„Stoppt PISA und Co., gebt die eingesparten Millionen an soziale Brennpunktschulen!“

– „OECD-Studien verengen das Bildungsverständnis“

 Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, hat den aktuellen PISA-Test bereits im Vorfeld als „ziemlich nichtssagend“ bezeichnet und die deutschen Länder aufgefordert, die „Inflation an fragwürdigen OECD-Tests“ zu stoppen. Die Millionengelder, die dadurch eingespart würden, seien als Personal- und Sachzuwendungen für soziale Brennpunktschulen viel besser angelegt, so Kraus.

http://www.lehrerverband.de/presse_PISA_2012.html

 

 

7 Gedanken zu „„OECD-Studien verengen das Bildungsverständnis“

  1. Recht hat er, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus.
    Ebenso ärgerlich wie die Verengung des Bildungsbegriffs und die verschwendeten Millionengelder finde ich die unseriösen Interpretationen der Tests durch den sog. „Pisa-Papst“ Andreas Schleicher, der als langjähriger OECD-Vertreter die Schulpolitik der westlichen Länder entscheidend beeinflusst.
    Besessen von der Idee, dass Gerechtigkeit Gleichheit bedeute, lobt er seit fast zwei Jahrzehnten die Leistungsstärke von Gesamt- bzw. Einheitsschulen, auch wenn die Pisa-Tests solche Aussage nicht hergeben. Besonders absurd ist sie diesmal, weil die 10 Spitzenplätze fast ausnahmslos Länder einnehmen, die ein gegliedertes Schulsystem haben.
    Für Andreas Schleicher ist das egal. Er begründet z. B. das relativ gute Abschneiden Österreichs mit der „Neuen Mittelschule“, einer Integrierten Gesamtschule, die als Regelschule erst seit Herbst 2012 geführt wird. Die Schüler dieses Schultyps sind noch zu jung, um am Pisa-Test teilzunehmen. Sie können also nichts zum Ergebnis beigetragen haben.

  2. Ich glaube, es gibt nichts Wichtigeres, als die Anmaßung der OECD, unser Bildungssystem auf Abfragbares zu reduzieren, über Bord zu kippen und zu unseren tradierten humanen Bildungswerten zurückzukehren. Aber das ist ein schwieriges Unterfangen, weil wir uns angewöhnt haben, den neoliberalen Göttern des Wachstums blindlings zu folgen und sei es in Verzweckung, Standardisierung und Abwertung . Wer zwingt uns, den selbst ernannten, von keiner Nation legitimierten Propheten des Mammon Gehorsam zu leisten? Wir könnten doch einfach sagen: „Pisa ? Nein danke! Wir brauchen keine Evaluation, denn humane Werte lassen sich schlecht evaluieren.“ Wir brauchen auch nicht zu fürchten, dass wir wirtschaftlich abgehängt werden. Denn ohne PISA -Knüppel kann sich die Schülerseele regenerieren und kreativ, besonnen und kritisch werden.

  3. Nur ein Blinder sieht keinen Zusammenhang zwischen der Bildungspolitik und der Familienpolitik in Deutschland. Es geht in erster Linie um die Zerstörung gewachsener Strukturen. Wenn dies gelungen ist, wird die junge Generation, alles glauben und schlucken, was man ihr verspricht. Sie hat keine höheren Ziele als zu überleben, recht und schlecht. Bildung? Fremdwort! Gut ist, was mir nützt. Was anderen nützt interessiert nicht. Erkennen wir dieses Muster nicht auch in der Gesundheits -, Umwelt-und Finanzpolitik? Gier hat Konjunktur. Da geht man auch über Leichen.

  4. Oh ja, Frau Fischer, unsere humanen, tradierten Bildungswerte sind ungemein wichtig. Wie seit eh und je scheint mir allerdings die Familie ihre beste Hüterin zu sein und nicht die Schule. Dies entnahm ich auch den Worten von Josef Kraus, der gestern Abend in der Sendung „Nachtcafé“ im SWR mehrmals auf die Bedeutung der Eltern hinwies.
    Nicht umsonst sind die Umkrempler unserer Gesellschaft so sehr an der Zerschlagung der Familien und der Minderung ihres Einflusses auf die Kinder interessiert.
    Ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Schule aus einer Wertevermittlung möglichst weit raushielte, weil diese auf eine Intensivierung der sog. politisch korrekten Meinung hinausläuft, die weder ich noch vermutlich Sie wollen. Mir würde es schon genügen, wenn die Kinder wenigstens noch anständig die messbaren Kulturtechniken (Lesen, Schreiben und Rechnen) lernten, während den Eltern wieder mehr Priorität in der Erziehung eingeräumt würde.
    Insofern habe ich gar nicht so viel gegen die Pisa-Tests, zumal ein internationaler Vergleich auch nur Internationales messen kann und Bildungswerte in den verschiedenen Kulturkreisen differieren.
    Die weit größere Gefahr sehe ich in der missbräuchlichen Interpretation der Testergebnisse für unser Bildungs- und Schulsystem, wie der OECD-Vertreter Andreas Schleicher sie als sozialistischer Weltverbesserer gern betreibt.

  5. Liebe Frau Prasuhn,
    besser als mein Stammeln haben Pädagogen und Bildungsexperten ( z. B. Herr Radtke, Herr Ladenthin, Frau Graupe und Herr Krautz ) zusammengefasst, was mir und vielen Pädagogen stinkt am Messen, Vergleichen, Beurteilen, Beschämen nationaler Bildungssysteme. Das heißt nicht, dass Schüler ihre Leistungen nicht bewertet haben wollen. Nein sie fordern das sogar. Aber sie wollen nicht reduziert werden auf Normen und Maßstäbe, die von der Wirtschaft vorgegeben sind ohne Rücksicht auf nationale Präferenzen. Man stülpt den Schulen ein ökonomisches Bewertungssystem über, gegen das sich weder Lehrer noch Eltern oder Kinder wehren können.

    Ganz schwer macht mir zu schaffen, dass wir in Deutschland und anderswo kritiklos und hörig nach der Pfeife der OECD tanzen. Damit machen wir uns mitschuldig am Triumph der Gier über die Humanität.

    Herzlich Ihre Bärbel Fischer

  6. Wenn unsere Politiker endlich begreifen würden, dass trotz mittelmässigem PISA-Ranking die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im europäischen Vergleich sehr niedrig ist, dass durch das duale Ausbildungssystem unsere Jugend einen Platz in der Gesellschaft findet und viele europäische Nachbarn uns um dieses Ausbildungssystem beneiden, dass die jungen Menschen wenigstens an eine Zukunft glauben könnnen, dass aus dem ehemaligen Musterschüler Schweden durch PISA ein Problemschüler wurde.
    Wenn die einzelnen Länder in der Pisa-Beurteilung innerhalb so kurzer Zeit (deutlich zu kurz, als daß Änderungen am Bildungssystem nennenswerte Auswirkungen zeigen sollten) so starken Schwankungen unterliegen, wäre es da nicht an der Zeit, an der wissenschaftlichen Methodik der Studie Zweifel anzumelden?
    Ich fürchte unsere „Berufspolitiker“ sind nicht mehr in der Lage, das Menschenverwertungsprogramm der Wirtschaft zu duchschauen und machen sich somit zum willigen Gehilfen in Form von ständigen Reformen bis endlich alles zerschlagen und zerstört ist. Wir haben aber nur diese eine Erde. Daran sollten auch die denken, die in ihrer Gier den Ausschaltknopf nicht finden.

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