Sehr geehrter Herr Sigmar Gabriel

In der SPD- Pressemitteilung vom 19. 07. 2011 wirbt die SPD für „Mehr Ganztagskitas statt „Herdprämie“ Auch wenn Sie es noch tausendmal wiederholen, es bleibt ein Irrtum, dass Kleinkinder nur außerhalb der Familie gebildet werden. Denn ganz ohne Ganztagsbetreuung in Kitas brachte Deutschland bisher Wissenschaftler, Pioniere, Dichter, Philosophen, Forscher und Künstler hervor. Sie alle erfuhren im Elternhaus ihre frühkindliche Prägung, dazu aber eine intensive jahrelange Bindung an die präsenten Eltern als Voraussetzung für Intellekt und Kreativität.

http://www.deutscher-familienverband.de/index.php?id=3635

Dass in Deutschland Kinder heute schon nach wenigen Monaten out-gesourcet werden müssen, wird oft mit  der Notwendigkeit „frühkindlicher Bildung“ beschönigt. Die hässliche Wahrheit ist aber, dass Müttern keine Zeit für Familie mehr bleibt, denn sie müssen sich ihr Brot und ihre Altersversorgung erwirtschaften. Kindererziehung in der Familie hat hierzulande nämlich einen NULLWERT im ( tunlichst verschwiegenen ) Gegensatz  zu Frankreich und den skandinavischen Ländern, die ein anständiges Betreuungsgeld (keine Herdprämie!) zahlen, weil sie den Wert einer funktionierenden Familie wieder hochschätzen.

Da man die – noch – geborenen Kinder nicht wegzaubern kann, müssen sie einen Krippenplatz bekommen, der den Steuerzahler 800 bis 900 Euro monatlich kostet. Das verächtlich von Ihnen als  „Herdprämie“ verunglimpfte Betreuungsgeld von lächerlichen 150 Euro pro Mutter entspricht einem Sechstel der Kita-Kosten und umgerechnet einem Stundenlohn von  62 Cent, wenn man pro Tag 8 Std. ansetzt. (Tatsächlich aber haben Mütter einen14-Std.tag). Jährlich hätten erwerbstätige Mütter also einen Vorteil von 9000 Euro gegenüber nicht erwerbstätigen Familienmüttern trotz Betreuungsgeld. Und das, obwohl der Gesetzgeber gehalten ist, kein Familienmodell zu bevorzugen oder zu benachteiligen.

Wie kann die SPD, die sich doch gern als Hüterin sozialer Belange sieht, eine solch miese Kampagne unterstützen? Wie kann sie Müttern den Almosen aus der Hand schlagen, um ihn denen zu geben, die 2 Gehälter haben?  Warum ignoriert die SPD, dass eine Mutter mit drei und mehr Kindern weder erwerbstätig sein kann, noch die Kita-Beiträge für drei und mehr Kinder aufbringt.

Hier hat die SPD ein echtes Imageproblem. Vor lauter Ideologie scheint ihr die Antenne für die Realität abhanden gekommen zu sein. Von ihrem Parteikonzept her müsste gerade die SPD auf einem Betreuungsgeld, und zwar einem angemessenen, bestehen
( Eigener Herd ist GOLDES wert, sagt das Sprichwort nicht umsonst ). Sie wissen schon, dass deutsche Eltern sich heutzutage ein drittes Kind eigentlich gar nicht mehr leisten können, weil die Familie dann unter ihr Existenzminimum rutscht. Sie wissen auch, dass die meisten abgetriebenen deutschen Kinder das dritte oder weitere Kind einer Familie gewesen wären. Bei fairer Sozialbeitragsregelung, welche die Existenzminima der Kinder berücksichtigt, hätten wir mit Sicherheit mehr Geburten.

Noch eine Frage: Wo sind die 90 bis 120 Milliarden geblieben, die durch die sog. demographische Rendite, also durch den Nachwuchsmangel seit 40 Jahren nicht ausgegeben werden mussten? Eine verantwortungsvolle Politik hätte dieses Geld für die kommenden Generationen anlegen müssen.

Sehr geehrter Herr Gabriel, meine 10 Enkel wird das Defizit in der Solidargemeinschaft noch hart treffen. Wollen Sie sich dafür verantworten müssen, zu wenig für eine gesund nachwachsende Generation getan zu haben?

Damit grüße ich Sie freundlich und sehr besorgt um die SPD
Bärbel Fischer
für die „Elterninitiative für Familiengerechtigkeit im Landkreis Ravensburg“

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