Hurra, wir vergreisen!

Locker flockig berichtet die Schwäbische Zeitung am 5. Oktober 2012 über den Demografiegipfel der Bundesregierung, den die Kanzlerin in heiterer Stimmung mit einer launigen Rede beendete. Offenbar gibt es nach all den Schreckensszenarien der Experten aus Bund, Ländern, Kommunen, Verbänden Arbeitgebern und Gewerkschaften keinen Grund, die Angelegenheit mit dem nötigen Ernst zu betrachten. Vergeblich suchte man in den Zeitungsberichten nach Vorschlägen, wie eine Notbremse für den Geburtenschwund – Hauptursache der Überalterung  –  effektiv gezogen werden könnte.

Seit vielen Jahren mahnen Juristen, Sozialwissenschaftler, Demografieexperten und selbst das Bundesverfassungsgericht eine Korrektur des bestehenden Generationenvertrages an, die als überfällige gesellschaftliche wie gesetzliche Anerkennung der Erziehungsleistung von Eltern den Gebärstreik junger Paare beenden könnte. Um diese Reform jedoch wahltaktisch zu vermeiden, erfinden unsere Regierungen immer neue unwirksame „Wohltaten“ wie Elterngeld oder Krippensubventionen. „Kinder haben, als hätte man keine“ – dieses Modell kann nicht funktionieren, das sieht inzwischen selbst das Familienministerium ein.

Anstatt aber Gerechtigkeit für Familien zu schaffen, findet man sich heute achselzuckend mit der Vergreisung in Deutschland ab und sucht sogar nach positiven Effekten des Jugendschwundes. Statt „Defizitorientierung“ sei  „Ressourcenorientierung“ angesagt ( OB Wolfgang Schuster, Stuttgart ), wobei der Begriff „Ressource“ sich nicht etwa, wie naheliegend, auf Nachwuchs bezieht, sondern die Ausbeutung der Kräfte von Müttern, Migranten und jungen Alten meint. Über „Ressourcenorientierung durch Nachwuchs“ denkt keiner mehr nach. Weder in Talkshows noch in den Printmedien kommt dieser Aspekt zur Sprache. In weitem Bogen umgeht man dieses Tabuthema. Wer zeigt schon gerne mit dem Finger auf sich selbst?

Die Flinte liegt  längst im Korn. Doch die Vergreisung mit all ihren Folgen wird sich solange fortsetzen, wie Elternleistung politisch und medial ignoriert und diffamiert wird.

i. A. der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT im Lkr. Ravensburg

Bärbel Fischer

 

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