Resignation statt Engagement

Die Presse berichtet von einer deutlichen Überlastung der Jugend im Studium. Ist es nur das Bologna-Abkommen das beim Bachelor-Studium zu viele Leistungstests einfordert, oder liegt es vielmehr an dem Bildungskonzept, das die OECD allen europäischen Schulen zur besseren Vergleichbarkeit übergestülpt hat?

 

Leserbrief

 

Seit ich im Ruhestand bin haben sich aus meinem geschätzten Kollegium in den letzten Jahren mehrere überaus engagierte Kollegen vorzeitig aus dem Dienst verabschiedet, weil sie heute keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit sehen. Voller Enthusiasmus waren sie einst gestartet. Doch
  • die unaufhörlichen Mehrbelastungen durch so genannte „Reformen“,
  • die Missachtung der Lehrerpersönlichkeit als Bildungsfaktor,
  • Aufhebung der Klassengemeinschaft,
  • Bildungspläne, die ausschließlich auf individuelles und digitales Lernen setzen, zwar der Ökonomie, aber nicht mehr dem Humanismus gerecht werden –
dies alles entzieht verantwortungsbewussten Lehrerpersönlichkeiten, denen die BILDUNG DER JUGEND ein Herzensanliegen ist,  ihr vitales Engagement. Völlig desillusioniert sehen sie heute ihre Arbeit entwertet. Bevor sie sich von der Politik total mit Füßen getreten fühlen, wählen sie das vorzeitige Ausscheiden vom Dienst unter Verzicht auf Teile ihrer Ruhestandsansprüche.

 

Den Kindern aber werden künftig Vorbilder fehlen, die mehr zu bieten haben als bloße „Lernbegleitung“. Bildung ist mehr als Kompetenztraining, mehr als abfragbares Wissen     ( Bachelor) , mehr als Sprossen auf einer fragwürdigen Karriereleiter.

Wozu leisten wir uns eigentlich noch Kultusministerien? Hätten diese nicht die Pflicht, die Jugend vor schädlichen Entwicklungen zu bewahren? Wo bleiben leitende Persönlichkeiten mit Rückgrat und Standvermögen? Statt dessen ducken sie sich hörig den ökonomistischen Vorgaben einer OECD, die für sich nicht einmal ein demokratisches Mandat beanspruchen darf.
Wundert uns, dass sich viele junge Leute im Studium überlastet fühlen? Instinktiv fühlen sie, dass ein Bildungssystem ohne Wert und Würde unausweichlich in den Ruin führen muss.
Bärbel Fischer
ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

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