Zur Serie der Schwäbischen Zeitung: Beruf & Familie

In der Schwäbischen Zeitung erscheint derzeit eine vierteilige Serie zum Thema: „Beruf & Familie“. Hier geht es darum, wie freie Arbeitsplätze mit  Frauen-/ Mütterarbeit besetzt werden können, falls die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Die Frage ist, wie Familien umstrukturiert werden müssen, damit sie in den Rahmen wirtschaftlicher Interessen passen. Laut schreit ja der  Chor der Wirtschaftsverbände zugunsten  staatlich-kollektiver Kinderbetreuung.
Dabei verliert die Wirtschaft völlig aus den Augen, dass auch in 20 Jahren kompetente, belastbare und kreative junge Arbeitskräfte gebraucht werden, die den Ansprüchen der Arbeitswelt von morgen genügen müssen. Dass die vorzeitige Trennung von der leiblichen Mutter als ein  schweres Trauma erlebt wird, und daher große Risiken bezüglich der Selbstwertentwicklung, der psychischen Stabilität, der Kreativität und des Intellekts für das Kind birgt, ist vonseiten neuro-biologischer Hirnforschung mittlerweile eindeutig belegt. Die kurzsichtige Wirtschaft gibt jedoch ihrer eigenen Ressource nicht einmal die Mindestzeit von drei Jahren, eine gesunde Entwicklung zugunsten einer personalen Bindung zu durchlaufen. Man könnte vonseiten der Wirtschaft ebenso gut verlangen, dass eine Schwangerschaft künftig nur 30 Wochen, statt 40 zu dauern habe. Die Schäden für eine gesunde Entwicklung wären vergleichbar. Fehler, die wir heute machen, wirken morgen.

 

Die Wirtschaft hat sich auf die Arbeitskraft von jungen Frauen eingeschossen. Nicht im Traum denkt sie daran, langfristig die Defizite bei männlichen Schülern und Studenten beseitigen zu wollen. Die lässt man einfach links liegen. Ebenso werden ältere, erfahrene Arbeitskräfte entsorgt. Sie sind teurer als junge.Nein, Frauen müssen her, egal ob sie für kleine Kinder zu sorgen haben oder nicht.  Diese sind bereits ausgebildet und sofort zu günstigen Konditionen greifbar. Also sollen die Medien im Tross von Frau Allmendinger der Wirtschaft gefälligst den Steigbügel halten und entsprechende Beiträge abliefern. Kein Wort davon, dass es auch heute noch Eltern gibt, die aus Verantwortung für ihre Kinder den Erwerbsberuf  für einige Jahre auf Eis legen, damit ihre Kinder die notwendige Präsenz und Begleitung ihrer Eltern erfahren dürfen.Freilich, Politik, Wirtschaft und Medien können, wie bisher, alle die längst bekannten Risiken  verschweigen oder ignorieren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass heute  mit vereinten Kräften am Ast der Wirtschaft von morgen gesägt wird. Denn auch in 20 Jahren wird die Wirtschaft auf die Kompetenzen der jungen Menschen angewiesen sein. Wir brauchen nur einmal die Wirtschaftsleistung der Ost- und der Südwestländer zu vergleichen. Wo im Süden vor 30 Jahren Kinder zuhause individuell betreut und gefördert wurden leisten die jungen Leute heute weitaus mehr als die im Osten. Auch das wird verschwiegen.Kurz zusammengefasst: Eine Wirtschaft, die zu kurzsichtig ist, um ihrem Nachwuchs die nötige Zeit zu gesunder Entwicklung zu gönnen, verdient es nicht, von den Medien gestützt zu werden.

Bärbel Fischer

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