Wenn Kinderwunsch am Geld scheitert

Sehr geehrte Frau Familienministerin Kristina Schröder!

„Ich finde es unerträglich, wenn Kinderwünsche am Geld scheitern“ vernahmen wir aus Ihrem Munde in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vom 9. Mai 2011. Ja tatsächlich trauen sich immer weniger junge Paare, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, gerade aus Mangel an Geld und Zeit. Denn es ist ja kein Geheimnis mehr, dass Kinder in Deutschland ihre Eltern arm machen. Dazu sende ich Ihnen eine Abgabentabelle des Deutschen Familienverbandes von 2011, aus der ersichtlich wird, dass sich das frei verfügbare Einkommen der Arbeitnehmer bei einem Bruttojahresverdienst von 30 000 Euro von PLUS 11 076 Euro ( keine Kinder) bis zu einem MINUS von 8 092 Euro bei drei Kindern verringert ( Differenz: 19 168 Euro jährlich ). Das heißt, dass ein Familienvater von drei Kindern bereits gefährlich unter das Existenzminimum rutscht.

Vielleicht wenden Sie jetzt ein, dass es nicht auf irgendwelche Kinder, sondern lediglich auf Akademikerkinder ankommt, und dass deswegen künstliche Befruchtung von Akademikerinnen mit staatlichen Geldern gefördert werden muss. Das kann man sicher unterstützen. Aber werden Akademiker nur von Akademikern gezeugt? Es dürfte auch Ihnen bekannt sein, dass AkademikerInnen ebenfalls aus gesunden Familien von Nichtakademikern erwachsen, sobald sie Zugang zur Bildung bekommen. Aber gerade dieser Zugang wird ihnen aus Geldmangel verwehrt. Damit verzichten wir freiwillig auf ein gewaltiges Potential gebildeter junger Menschen.Unser Abgabensystem schützt Familien de facto nicht, sondern macht sie mit jedem Kind ärmer .

Daher halte ich Ihre Sichtweise für sehr verengt, solange unsere Sozialgesetze Eltern mit Verarmung bestrafen. Im Falle des Vaters von drei Kindern beläuft sich der monatliche Schaden auf 674 Euro. Mit dieser Summe könnten die Eltern ihren Kindern Bücher kaufen, Musikunterricht bezahlen, Orchesterwochen, Theater- und Kunstkurse ermöglichen, etc. Statt dessen werden Monat für Monat jene Arbeitnehmer mit 1597 Euro ( Differenz ) belohnt, weil sie auf drei Kinder verzichten (müssen).

Sehr geehrte Frau Schröder, in mehreren Urteilen hat das BverfG diesen unhaltbaren Zustand angeprangert und die Regierungen zu einer gerechten, der Kinderzahl angepassten Reform aufgefordert. Bisher ohne Erfolg. Wie lange können wir noch auf Ungeborene verzichten? Sollen künftig zwei Geborene die Lasten eines Ungeborenen mittragen müssen? Ich glaube nicht, dass dies klappt. Vorher gehen die jungen Leute auf die Barrikaden. Meine Frage: Wollen nicht Sie sich endlich dieses Skandals annehmen im Interesse unserer Gesellschaft?

Sehr geehrte Frau Schröder, freilich können Sie dieses Schreiben in den Papierkorb werfen. Besser wäre es allerdings, wenn Sie sich dieses Anliegen zu eigen machten. Viele von uns Eltern betrifft dieser Skandal insofern zusätzlich, als uns wegen der Nachwuchsschrumpfung um unsere Alterspflege bangt, obwohl wir mehrere Kinder großgezogen haben und stolz auf eine beträchtliche Enkelschar sind.

Damit grüße ich Sie freundlich für die Elterninitiative Familiengerechtigkeit im Landkreis Ravensburg
Bärbel Fischer
www.familiengerechtigkeit-rv.de

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