Die Lüge von der Vereinbarkeit

Ferdinand Knauss, Redakteur der „Wirtschaftswoche“, entzaubert die Mär von der polit-medial gepriesenen Vereinbarkeit von Familie und Erwerb. Ein lesenswerter Beitrag!

http://www.wiwo.de/erfolg/zukunftderarbeit/familie-und-beruf-die-luege-von-der-vereinbarkeit/11331314.html

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Ein Gedanke zu „Die Lüge von der Vereinbarkeit

  1. Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Arbeitswelt und das Kind konkurrieren um dieselbe Ressource, die Zuwendung, die Aufmerksamkeit, die Energie der Eltern. Bekommt die Arbeitswelt die volle Energie der Eltern, so geht das Kind in diesem Wettbewerb leer aus. Alle bisher von Staats wegen versuchten Auswege, ihm die nötige Zuwendung aus fremden Quellen zu verschaffen, etwa durch Einrichtung von Krippen, Tagesmüttern oder anderen Einrichtungen, sind durchweg gescheitert ( s. sozialistisches Experiment); der einzig erprobte, historisch bewährte Ersatz, die Zuwendung der Großeltern oder anderer naher Verwandte, steht nicht immer zur Verfügung oder stößt bald an Grenzen der physischen Belastbarkeit. Es sieht ganz so aus, als setze hier die Natur unüberwindliche Grenzen. Mit einem Wort: Bis zum dritten Lebensjahr gehört die Mutter oder auch der Vater in Rufweite des Kindes und muss im Bedarfsfall für das Kind da sein. Lässt sich das nicht bewerkstelligen, so geht die Gesellschaft zu Grunde.

    Grotesk und geradezu unheimlich mutet der Versuch an, das demographische Problem durch Zuwanderung zu lösen. Wenn die Zuwanderung echt sein soll, sprich wenn die Menschen integriert werden sollen, so wird sich in der zweiten Generation das gleiche Dilemma ergeben, denn jede Mutter, jeder Vater, ob zugewandert oder nicht, sollen nach der bisherigen Logik dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

    Soll die Zuwanderung etwa so aussehen, dass nur arbeitsfähige junge Leute hereingebeten werden? Das liefe auf eine Art „Knabenlese“ nach osmanischem Vorbild hinaus, es wäre ein Menschenhandel, denn irgendetwas muss man den Eltern aus dem Herkunftsland, die den Zuwanderer großgezogen haben, anbieten können. Oder will man die Herkunftsländer in dauernder Abhängigkeit halten, sprich ausbeuten?

    Wie man es dreht und wendet: Das demographische Problem müssen die nach eigenem Anspruch zivilisierten Länder selbst lösen, oder es gibt sie in zwei, drei Generationen nicht mehr.

    Wenn man sich einmal auf das Ziel verständigen würde, Familienarbeit ohne wenn und aber als gleichwertig mit Erwerbsarbeit anzusehen, so wären die vielen Ersatzlösungen, wie etwa Kindergärten in Betrieben, vermehrter Einsatz der Großeltern u.s.w. für die lange Übergangszeit vom jetzigen Zustand zu einer vernünftigen Situation nötig. Es ist also durchaus sinnvoll, hier nach einigermaßen haltbaren Verfahren zu suchen, wohl wissend, dass es Provisorien und Notbehelfe, keine wirklichen Lösungen sind.

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