"Deutschland schafft sich ab"

Von Professor Heinsohn stammt die Feststellung: „Von 100 in Deutschland benötigten Nachwuchskräften werden 35 nicht geboren, 10 wandern aus und 15 schaffen keine Berufsausbildung“. Nun hat es auch der Herr Sarrazin begriffen, wovor Bevölkerungsforscher wie Prof. Herwig Birg seit vierzig Jahren warnen. Mit seinem provozierenden Buchtitel hat der Bundesbanker ganz gewiss den Nagel genau auf den Kopf getroffen: „Deutschland schafft sich ab“. Aber im Unterschied zu Thilo Sarrazin, der mit seinen satanischen Rezepten benachteiligte Schichten aushungern und Akademiker mit sehr viel Geld zur Geburt eines Kindes ködern will, fordern seriöse Experten humane Gesetze in unserem Land. Wer will unter den gegebenen Bedingungen schon Kinder bekommen? Familien werden und wurden bei uns über Jahrzehnte kalt lächelnd arm gemacht durch ein völlig familienfeindliches Steuer-und Abgabensystem, welches Kinderlosigkeit üppig belohnt und Kindererziehung bestraft. Und auch dies: Wer will in unserem Land schon Kinder bekommen, wenn den Eltern kaum noch Zeit zugestanden wird für das, was Kinder über Jahre am dringendsten brauchen: Nestwärme, Präsenz, Innigkeit, Aufmerksamkeit, Geduld etc.. Kurz: Liebe braucht Zeit. Bereits nach zwölf Monaten sollen sich die Kleinsten heute ihre Zuwendung bei Fachkräften in der Krippe abholen, während sich die Mama ihre Rentenbeiträge im Betrieb erwirtschaften muss. Hat Herr Sarrazin nicht vergessen zu erwähnen, dass in unserem Land seit 1992 ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer rund 2.208 000 Kinder abgetrieben wurden? Das entspricht der vierfachen Einwohnerschaft von Bremen. Viel, viel ungenutzte Intelligenz einfach im Eimer! Bei dem Freiburger Neurobiologen Dr. Joachim Bauer könnte der Finanzexperte übrigens nachlesen, dass sich die natürlich angelegte Intelligenz beim Säugling nur dann entfalten kann, wenn er in den Armen einer warmherzigen, zugewandten und vor allem konstanten Bezugsperson liegt. Diese bedingungslose Liebesbeziehung ist der „zündende Funke“ für das Gehirn des kleinen Wesens, nicht nur für seinen Intellekt, sondern gleichermaßen für seine emotionale, kreative und humane Entwicklung. Deutschland könnte wieder „an-geschafft“ werden, wenn Kinder und Eltern den zeitlichen und finanziellen Rahmen bekämen, der dazu nötig ist. Wir brauchen künftig keine prämiengezeugten intelligenten Roboter, sondern kreative und sozial mitfühlende Menschen.

Bärbel Fischer

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