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Versuchen wir einmal, den ersten der beiden Sätze zu verstehen. Kennen Sie ein „Umfeld“, das Vorurteile hat und dem diese ausgetrieben werden könnten? Gar ein „Arbeitsumfeld“? Was ist das, ein „Umfeld“? Menschen haben Vorurteile; ein Mensch ohne Vorurteile kommt auf dieser Erde nicht vor. Wohl kann man durch Erziehung und bei gutem Willen des Betreffenden es erreichen, dass er seine Vorurteile sich eingesteht, sie erkennt und sie überprüft. Aber wenn mit „Umfeld“ eine Gruppe von Menschen gemeint sein sollte, die vorurteilsfrei sind, dann ist ein Ding der Unmöglichkeit, ein Wolkenkuckucksheim beschrieben. Nein, eigentlich nicht beschrieben, sondern bloß angerufen, wie ein Idol bei seinem Namen genannt. Kurz : Ein Werbespruch, nichts weiter.
Und das ständig gebrauchte Wort „Wertschätzung“. Man kann Schmuckstücke ihrem Wert nach taxieren, einschätzen. Aber einen Menschen? Ist vielleicht das Gegenteil von Verachtung oder Missachtung gemeint? Dann sollte man das schöne Wort „Achtung“ verwenden, vielleicht auch „Respekt“. Man kann Menschen ehren, achten, bewundern; man kann sie respektieren oder auch nur ertragen, sie in seiner Nähe dulden, ihnen zuarbeiten und so endlos weiter. Aber sie „wertschätzen“? Welchen „Wert“ hat ein Mensch? Ein schrecklicher Gedanke, weg damit und weg mit dem nichtssagenden Wort!
In den Texten zum diversity-Tag habe ich nur solchen nichtssagenden Werbemüll gefunden. Die ganze Veranstaltung dient einer Reihe großer deutscher Firmen dazu, sich selbst und aller Welt vorzusagen, dass man politisch vollkommen korrekt, sozusagen in seinen Anschauungen blitzsauber ist. Geradezu ein Model des politischen Anstands. Und wer sitzt im Vorstand des zugehörigen Vereins, welcher den Tag veranstaltet? Raten Sie… Ja, ein Mann, und der ist drin, weil er Beauftragter der Bundesregierung für Migration und, und …ist. Und im übrigen lauter jung und blendend aussehende Damen aus den Vorstandsetagen einiger Großunternehmen. Na, Sie haben sicher richtig oder annähernd richtig geraten.
Dass die Bundesfamilienministerin sich darauf versteht, sehr viel Worte zu machen, ohne irgend etwas zu sagen, gehört zu ihrer Standardausstattung als Politikerin. Zur Erreichung dieser Fertigkeit ist die Sozialisation in einer Diktatur, der DDR, sehr hilfreich. Weitere Beispiele in der Bundesregierung müssen hier nicht genannt werden.
Liebe Frau Martin: In dieser Sache und an diese Leute stellen Sie klare Fragen, die eine Entscheidung, wenigstens eine klare Meinung verlangen? Ihr Mut ist zu bewundern, auch die Klarheit der Fragestellung. Aber erwarten Sie wirklich eine Antwort, die mehr enthält als bloßen Werbemüll?
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