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mal wieder besteht ein Grund, Ihnen ein Kompliment zu machen verbunden mit einem herzlichen und wörtlich gemeinten Vergelt’s Gott!
Wir kommen immer wieder auf die gleiche Frage zurück, die mir heute morgen auch ein älterer Monteur stellte, der bei uns im Haus gerade zu tun hat: Wie kommt es, so fragte er, dass seine Kinder heutzutage zusammen mit ihren Ehepartnern arbeiten müssen, um nur die Lebenshaltungskosten aufzubringen, wo doch sein Vater mit seinem Handwerkerlohn in den fünfziger-sechziger Jahren erstens eine vierköpfige Familie als Alleinverdiener durchbringen und zweitens auch noch ein Haus bauen konnte? Dem konnte ich nur zustimmen: Mein Vater, der als Former und Gießer in einer Eisengießerei arbeitete, brachte Frau und drei Kinder über die Runden, seine drei Kinder besuchten höhere Schulen – damals noch schulgeldpflichtig – , und ein Haus hat er uns ebenfalls gebaut. Ich erkundigte mich bei dem Monteur nach dem größten Ausgabeposten seiner Kinder und bekam die erwartete Antwort: Erstens Miete und zweitens die unvermeidlichen, ständig steigenden Ausgaben für Energie und Versicherungsbeiträge. Gleiches stand auch vor ein paar Monaten im SPIEGEL zu lesen, wo Menschen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands und aus den unterschiedlichsten Einkommensstufen alle die gleiche Geschichte erzählten: Mieten und andere praktisch nicht beeinflussbare Ausgaben leeren die Haushaltskassen, die von Papa und Mama zugleich gefüllt werden müssen, und vor vierzig, fünfzig Jahren haben Opa oder Uropa als Alleinverdiener eine vier-fünf- oder gern auch sechsköpfige Familie durchgebracht und zugleich Häuser oder Wohnungen für ihre Lieben gebaut.
Wie war das möglich? Was hat sich so grundlegend geändert? Das wäre eine Frage, die viele Dutzend Lehrstühle der Gesellschaftswissenschaften beschäftigen könnte – beschäftigen müsste. Ich kann in einem Kommentar nur einen Gedanken dazu anreißen, und ich will mich auf den Hausbau beschränken. Rechne ich auf heutige Geldbeträge um – bei Zugrundelegung von Inflationsraten, die leicht höher sind als die statistischen – , so komme ich zu dem verblüffenden Ergebnis, dass unser Haus – ein Reihenhaus mit Garten, in dem die fünfköpfige Familie bequem Platz hatte – weit unter einhunderttausend Euro gekostet hat. Freilich hat mein Vater jeden Stein, jeden Dachziegel mindestens einmal in der Hand gehabt. Die ganze Familie, Onkel, Schwiegervater, ja sogar mein Urgroßvater, waren am Bau tätig; mein Vater hat viele, viele Jahre lang durch Mithilfe bei seinen damaligen Helfern diese Form von Schuld abgetragen; das war Inhalt seiner Jahresurlaube. Selbst wenn heute ein Familienvater bereit wäre, in gleicher Weise tätig zu werden: Er dürfte es gar nicht! Bauen ist derart mit Auflagen aller Art verkompliziert – und natürlich unendlich verteuert – worden, dass Selbsthilfe kaum noch möglich ist. Ohnehin steht Nachbarschaftshilfe ständig unter dem Verdacht der Schwarzarbeit. Nein, ein Hausbau in der Art der damaligen Zeit ist heute unmöglich gemacht worden; wir haben uns mit Vorschriften aller Art jeden Zugang dazu verrammelt.
Ich lade alle ein, sich jeder auf seine Art Gedanken darüber zu machen, wie es dazu kommen konnte, dass unsere Kinder und Enkel heute in der Falle der „Werkbank“ sitzen – so will ich einmal die Arbeitswelt benennen.
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