Art. 2,2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ – Glaubenssatz oder Menschenrecht?

In ihrem Artikel: „Millionen Entschädigungen für die Kirche, 22. Mai 2019, Seite 2“ bemängelt die Giordano-Bruno-Stiftung in der Schwäbischen Zeitung, dass die großen Kirchen bis heute vom Staat mit einer halben Milliarde Euro  entschädigt werden für die Enteignungen während der Säkularisation. Außerdem beklagt die Stiftung, christliche Glaubenssätze hätten zu viel Einfluss auf die Gesetzgebung und begründet ihre Kritik mit „gesellschaftlicher Neutralität“ und der grundgesetzlichen Religionsfreiheit.
Abgelehnter Leserbrief an die Schwäbische Zeitung:
 
Die Giordano-Bruno-Stiftung beklagt, dass in Deutschland zwischen Kirche und Staat eine Kumpanei bestehe, nicht nur finanziell. Auch christliche Glaubenssätze hätten zu viel Einfluss auf Gesetze wie zu Abtreibung oder Sterbehilfe. Mit dieser Äußerung jedoch liegt der Stiftungsvorstand gründlich daneben, denn Lebensschutz ist in erster Linie ein Menschenrecht und weniger ein religiöser Glaubenssatz. Ein demokratischer Rechtsstaat zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er den Allerschwächsten das absolute Recht auf Leben zuspricht ( Art.2,2 GG ). Sollte „weltanschauliche Neutralität“ bedeuten, Menschenrechte zur Disposition zu stellen, dann mutieren wir ganz schnell zu einem Schurkenstaat. Ein Staat, der Abtreibung und Sterbehilfe schrankenlos freigibt, tritt das Lebensrecht mit Füßen und amputiert sich selbst bis zum Torso. Hier geht es allein um die Solidarität unter den Generationen und eben nicht um Religionsfreiheit. 
 
Bärbel Fischer