Mein Kleinchen kommt noch nicht in die Krippe!

Fast verwundert es, dass die TAZ die Kolumne von Jana Petersen druckt. Denn das Blatt ist bekannt für seinen grünen Mainstream. Als dreifache Mutter quält Jana der Konflikt: „Was ist besser für mein Kind? Familie oder Krippe?“ Und sie macht es sich mit ihrer Entscheidung nicht leicht.

Die erste Trennung

Spätestens mit einem Jahr kommt das Kind in die Kita. Die Krippenplatz-Garantie der Familienministerin zementiert das als gesellschaftlichen Konsens. Viele Einrichtungen allerdings sind mittelmäßig oder schlecht. Unsere Autorin verweigert sich deshalb dem Konsens. Und spürt die Folgen….

VON JANA PETERSEN

https://www.taz.de/!467476/

Schwesig will Alleinerziehende entlasten

„Als Frau zuhause zu bleiben und einen reichen Mann zu haben“, soll sich am steuergünstigsten auswirken, meint unsere Familienministerin medienwirksam. Ob die besagte Frau Kinder hat, erwähnt sie nicht. Mit dieser dümmlichen Bemerkung entlarvt Frau Schwesig ihre totale Unkenntnis der Struktur bundesdeutscher Steuer- und Sozialpolitik. Denn sie übersieht, dass nicht nur Alleinerziehende, sondern auch Elternpaare, nicht etwa wegen ausschweifenden Lebenswandels,  sondern allein wegen ihrer Kinder ins ökonomische Hintertreffen geraten, und zwar mit jedem weiteren Kind dramatischer.      http://www.deutscherfamilienverband.de/jdownloads/Publikationen/

Bevor Frau Schwesig bei Herrn Schäuble ausschließlich für Alleinerziehende eine bessere Entlastung erstreitet, sollte sie begreifen, dass die Verarmung  aller  Familien in Deutschland die logische Konsequenz aus einem, um den Faktor Jugend amputierten Sozialgesetz ist. Ohne intellektuellen Spagat könnte die Familienministerin den drei Grundübeln auf die Spur kommen, die unserem Sozialsystem zugrunde liegen.

  • Erstens begünstigt das Umlageprinzip in der  Altersversorgung vor allem diejenigen, die keine Kinder großziehen. Als Senioren profitieren sie von den Beiträgen ihrer Nachbarskinder, ohne jemals selbst Kinderkosten aufgebracht zu haben.
  • Zweitens ignoriert unser Sozialsystem, wie viele Mäuler ein unterhaltspflichtiger Arbeitnehmer zuhause zu stopfen, bzw. an wie viele Familienmitglieder er sein Einkommen aufzuteilen hat. Denn die Beiträge in die Sozialversicherungen werden familienblind aus dem Brutto errechnet, so als sei das Paar, bei vergleichbarem Lohn, kinderlos.
  • Weil drittens sich in Haushalten mit Kindern die Belastung durch die Mehrwertsteuer vervielfacht, bestreiten vor allem  Familien den Löwenanteil in der Steuerkasse. Dies bedeutet eine Umverteilung von unten nach oben. Sollte das Herrn Schäuble noch nicht aufgefallen sein?

Der Einwand, das Kindergeld sei Lastenausgleich genug, zieht absolut nicht. Denn das so genannte Kindergeld ist zum größten Teil die Rückerstattung bereits (zu Unrecht) entrichteter Steuern auf das Existenzminimum der Kinder.  So, als ob das Existenzminimum von Erwachsenen zuerst besteuert, und anschließend als Lastenausgleich gönnerhaft wieder ausbezahlt würde!                                                Anders ausgedrückt: Die Eltern zahlen sich das Kindergeld größtenteils selbst.

Ein Sozialsystem, das nicht mehr solidarisch ist, hat ausgedient.

Weshalb sahen und sehen denn ausgerechnet Sozialdemokraten wie Frau Schwesig hier keinen Handlungsbedarf? Wenn sich die Sozialdemokratin also Verdienste als Familienministerin erwerben will, so müsste sie vordringlich dafür sorgen, dass endlich umgesetzt wird, was das Bundesverfassungsgericht seit Jahrzehnten fordert:

ein Ende der finanziellen Benachteiligung von Familien,

  • nämlich durch die längst überfällige Beteiligung von Singles an den Kosten für die nachwachsende Generation,
  • durch familiengerechte Abgaben in die Sozialversicherungen und
  • durch die Rückerstattung von Steuern auf den Verbrauch von Kindern.

Also keine Minilösung per Almosen für 19 % Alleinerziehende, sondern eine solidarische, generationengerechte Maximalsanierung, die auch die 70% Paarfamilien einbezieht. Zugegeben, eine Herkulesaufgabe!

Dass unsere Gesetze ausgerechnet diejenigen schröpfen, die das System überhaupt noch am Laufen halten, mag als Treppenwitz in die deutsche Sozialgeschichte eingehen! Als NachwuchsVerhinderungsProgramm mit einer Quote von 1,38  Kindern pro Frau schreibt unser System international bereits seit Jahren blamable Erfolgsgeschichte.

Für die  ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

Bärbel Fischer

Dieses Schreiben geht in Briefform an Frau Familienministerin Schwesig.

Unterscheiden sich Caritas und Jobcenter noch?

Das Jobcenter Konstanz hat gemeinsam mit der Caritas vom 01.02.2012 – 30.11.2012 das Projekt „Kunststück“ für Allein Erziehende angeboten. Dazu richtet eine Leserin kritische Anmerkungen an die Caritas, die sich mehr und mehr Sprache und Vorurteile der Jobvermittler zu eigen macht.

 

Sehr geehrter Herr Roth und alle, die bei der Caritas mit Alleinerziehenden zu tun haben,

es ist mir ein Anliegen mich zu Ihrem Projekt „Kunststück“ zu äußern:

„Ein wirklich tolles Projekt“ denkt man im erste Moment, wenn man das hört und liest und die gelungenen Werke in der dazugehörigen Ausstellung betrachtet.

Vielleicht bleibt man bei diesem Gedanken, wenn man nicht bereit ist genau hin zu sehen. Die wenigsten werden das. Doch ich möchte es: Genauer hin sehen.

 

Alleinerziehende Mütter sollen Stärken aktivieren, heißt es da in Ihrem Text zum Projekt. Das hört sich für mich an, als seien allein erziehende Mütter schwach.

Ich glaube, die meisten dieser Mütter zeigen täglich Ihre Stärke, indem sie den Alltag mit Kindern und alles was dazu gehört ALLEIN meistern.

Sie sollen, schreiben Sie „durch Beschäftigung wieder finanziell unabhängig werden“. Und genau darum geht es. Ihr ganzes, schön klingendes Projekt.

 

Beschäftigung? Glaubt die Caritas, wie das Jobcenter auch, Mütter, insbesondere alleinerziehende Mütter seien „nicht beschäftigt? Wirklich???

Oder werden diese Mütter inzwischen nicht nur vom Jobcenter, sondern sogar von der Caritas unterschwellig diskriminiert? Kindererziehung und die gesamte alleinige Organisation des Alltags mit Kindern ist also keine Beschäftigung!

Und finanziell unabhängig (von Staatskosten) sollen diese Frauen endlich werden. Das ist das Hauptziel Ihres Projektes.

Ja, warum sind sie denn „finanziell abhängig“. Warum?

Weil sie Kinder haben, die bei Ihnen wohnen. Oft unterhalten diese Frauen sich bereits selbst durch Erwerbsarbeit (zusätzlich zur Familienarbeit). Da aber bedürftige Kinder bei Ihnen leben, sind alle in der „Hartz-IV-Falle“. Wohl in den allermeisten Fällen, weil die Väter ihre Kinder finanziell nicht unterstützen (und sich auch oft in sonstiger Hinsicht aus dem Staube gemacht haben). Viel zu viele Väter drücken sich gekonnt vor der Verantwortung, und das ist immer noch gesellschaftlich anerkannt. Es kommt nicht einmal zur Sprache.

Vielleicht ist Ursache auch, dass dem Staat Erziehungsarbeit in der Familie kein Cent wert ist. Weil letztlich Kinder nichts wert sind und man ihre Bedürfnisse (nach Bindung und familiärer Geborgenheit) ignoriert. Viel einfacher ist es da natürlich, den Müttern die Schuld und damit die Gesamtverantwortung in die Schuhe zu schieben. Sie tun ja nie was, diese Mütter, deshalb sind sie wohl finanziell abhängig. Klar. Wie kleingeistig und schlichtweg falsch ist diese weit verbreitete Denke.

Macht die Caritas da mit?

Weiter führen Sie auf: „Ziel ist es, innere Konflikte und Ambivalenzen aufzulösen“ und „die Persönlichkeit zu stärken“. Da finden wir sie ja schon wieder, die (angeblichen) Ursachen des Elends, in den (unfähigen) allein erziehenden Müttern!

Diese haben also irgendwelche (grundlosen) Ambivalenzen und Konflikte in sich, sie sind also an sich schon schwierig und haben außerdem eine schwache Persönlichkeit. Das haben wir ja schon immer gedacht, oder? Ja- vielleicht spüren sie tatsächlich Ambivalenzen und Konflikte in sich. Es gibt auch einen guten Grund dafür: Es ist der massive finanzielle und seelische Druck, dem sie in Abhängigkeit vom Jobcenter und seinen Menschen (insbesondere Mütter)- verachtenden Methoden ausgesetzt sind. Wer da nicht unendlich stark ist, geht in Kürze kaputt. Die Kinder dann auch. Weil sie eigentlich genug zu tun haben „Mutter und Vater zugleich“ für Ihre Kinder zu sein, was natürlich nicht geht.

Genug zu tun damit, Schadensbegrenzung bei den Kindern zu betreiben und immer alles allein zu organisieren und immer zu funktionieren. Immer.

Und das Jobcenter Ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Weil sie auf vieles verzichten und gerne da wären für Ihre Kinder…jetzt noch mehr,

wo der Vater weg ist. Weil sie das nicht dürfen und es keinen interessiert. Im Gegenteil.

Allein erziehende müssen ihre Persönlichkeit stärken. Meinen Sie. Die Tatsache, unter welchen Bedingungen diese ihre Kinder groß ziehen spricht sogar von großer Persönlichkeitsstärke. Finde ich. Vielleicht sollte man sie nicht immer untergraben, durch Erniedrigungen, Demütigungen und Ignoranz.

Das Jobcenter agiert massiv Kinder- und Mütterfeindlich. Seit Jahren.

Das weiß jeder, der diese Maschinerie erleben musste. Dass die Caritas nun aber auch in diese Bresche springt macht mich fassungslos. Womöglich deshalb, weil die Caritas von den vielen 1,50- Jobs profitiert, die allein erziehende Mütter bei Ihnen ausüben? Ich hoffe nicht.

Seit Neuem ist es ja auch Ziel der Caritas, Kleinstkindern die Kinderkrippe als angeblich besten Aufenthaltsort zu empfehlen. Auch sie schwimmt mit dem Mainstream, geprägt von wirtschaftlichen und politischen Interessen und spricht sich für den Krippenausbau aus, wohl wissend,  dass die (nicht von der Wirtschaft gekauften) Bindungsforscher, Kinderärzte, Psychologen vor den Auswirkungen warnen. Gerade für Kinder von Allein Erziehenden stellt dies eine zusätzliche Belastung dar. Die Caritas macht sich stark für eine „Maßnahme“, deren Ziel es ist, Vollzeit Familienarbeit leistende Mütter zusätzlich in Vollzeit Erwerbstätigkeit zu pressen. Die Kinder werden dann ganztags fremd betreut und abends von einer erschöpften Mutter abgeholt. Viele dieser Familien werden trotz Vollzeiterwerbstätigkeit der Mütter teilweise auf Allg II angewiesen sein, bzw. in ärmlichen Verhältnissen leben müssen. Abends wartet dann die Arbeit im Haushalt und die angestauten Bedürfnisse der Kinder an die so lange abwesende Mama.

Wie soll das gehen? Was soll das geben? Mütter landen im Burnout und Kinder in der Vernachlässigung.

 

Ist es das, was die Caritas will?

 

Allein erziehenden Müttern wird doch seit Jahren vermittelt, dass sie hilfsbedürftig, unfähig und zu schwach sind. Sie sind jedenfalls selbst Schuld an ihrer Misere. Benötigen, wie oft als Ziel formuliert wird: „Aktivierung“. (Ich kenne wenig Menschen, die so aktiv sind wie eine Mutter, tagein tagaus). Aber man stellt sie so hin. Damit sie noch mehr leisten, als sie ohnehin schon tun. Mehr, als ein Mensch leisten kann. Sie werden bewusst und massiv überbelastet, um die Unfähigkeit des Staates und vieler Väter zu verschleiern.

 

Will die Caritas das mit tragen?

 

Eltern schaffen die späteren Rentenzahler und Arbeitnehmer der Zukunft, die einmal Steuern zahlen werden. Allein Erziehende  erbringen diese Leistung alleine.

Wenn wir schon mit „Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten argumentieren: Ist nicht unsere Gesellschaft und „der Staat“ abhängig davon, dass Eltern diese Leistung erbringen? Wie wäre es denn, wenn den Eltern endlich genau dafür Anerkennung gezollt würde? Für Ihre tägliche wertvolle Erziehungsarbeit. Dann gäbe es kein AllgII mehr mit all diesen Demütigungen, sondern ein angemessenes  Erziehungsgehalt.

 

Wie kann man denn Familienarbeit leistende allein erziehende Mütter mit „Arbeitslosen“ in einen Topf stecken?  Welche unsägliche Ignoranz und Abwertung der Erziehungsarbeit steckt da dahinter! Statt Milliarden in Krippenausbau zu verpulvern, um letztlich durch mehr verfügbare Arbeitnehmer das Lohnniveau weiter zu senken. Und weitere Milliarden für die Organisation eines absurden AllgII- Verwaltungs-und Schikaneapparates für Mütter. Anerkennung von Elternleistung wäre auch, dem nach einigen Jahren in den Beruf rückkehrenden Elternteil, diesen Wiedereinstieg zu ermöglichen und entsprechende Bedingungen dafür zu schaffen (Teilzeit, Refresherworkshops…)

Wenn Sie wirklich die Bedingungen von Einelternfamilien verbessern wollen, hoffe ich, dass Ihnen mein Beitrag zu denken gibt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Carmen D.

 

 

Kindeswohl in Gefahr!

Das BGH-Urteil zur Pflicht der Alleinerziehenden zum Vollzeitjob löst Empörung aus – Familienfeindlichkeit wird beklagt. Bayerns Justizministerin Merk sieht das Kindeswohl durch die Rechtsprechung in Gefahr. Sie will das Unterhaltsrecht nachbessern.

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13531870/CSU-Ministerin-will-Unterhaltsrecht-nachbessern.html