Selbstbetreuung – Rückfall in alte Rollen?

Die Schwäbische Zeitung brachte am 24. April 2019 auf ihrer Sonderseite FAMILIE unter dem Titel: „Rückfall in alte Rollen – Die Geburt des ersten Kindes setzt der Gleichberechtigung oft ein Ende“ einen Überblick des Evangelischen Pressedienstes epd über die Veränderungen der finanziellen und beruflichen Situation des Paares nach der Geburt des ersten Kindes. Eine beklagenswerte „Re-traditionalisierung“ sieht der Kindheits-und Familienforscher Dominik Krinninger vom Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Osnabrück nach der Erfüllung des Kinderwunsches. Kein Gedanke dazu, dass Mütter ihrem Kind meist das schenken  w o l l e n , wonach ihr Kind biologisch verlangt, nämlich nach dauerhaft sicherer Präsenz. Ideologische Hirngespinste spielen für Mütter nach der Geburt plötzlich keine Rolle mehr, wenn sie ihr Kind in Armen halten. Ein Neugeborenes gilt anthropologisch bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres als Nesthocker, ist also total auf elterliche Zuwendung angewiesen. Es verträgt eine Abschiebung in Fremdbetreuung nur unter neurologischen Einbußen an emotionalem und intellektuellem Potential.

 

Abgelehnter Leserbrief

 

Für ein starkes Stück Dreistigkeit halte ich, wenn der Ev. Pressedienst die Entscheidung von Müttern, die ersten drei Jahre bei ihrem Kind zu bleiben als „Rückfall in alte Rollen“ bezeichnet. Der Titel suggeriert, solch einen Rückfall tunlichst zu vermeiden, will man nicht als total zurückgeblieben gelten. „Mütter in die Betriebe!“ so hieß schon die sozialistische DDR-Parole. Die Kinder, denen ihre Mama schmerzlich fehlt, werden ja nicht gefragt. Sie finden es nämlich gar nicht so prickelnd, sich jeden Morgen von der Mama trennen zu müssen, und die Mütter an der Ladenkasse oder am Schreibtisch vermutlich auch nicht.

 

Tatsächlich: Die Geburt eines Kindes bedeutet hierzulande das Ende der Gleichberechtigung und der Anfang der Einkommensverluste. Dafür tragen aber nicht die Mütter die Verantwortung, sondern unsere Politik. Denn sie ist es, die Beziehungs-und Pflegearbeit gegenüber Erwerbsarbeit total missachtet. Für Fremdbetreuung in der Kita macht der Staat  monatlich 1300 Euro locker, für die mütterliche Betreuung aber null Cent. Für Mütter ist es nicht erstrebenswert, nur als männliche Kopie gleichberechtigt zu gelten. Nein, sie wollen in ihrer ureigenen weiblichen Kompetenz als Garanten für den Fortbestand unseres Gemeinwesens  g l e i c h  wertgeschätzt und honoriert werden.

Für mich ist die Entscheidung, sein ersehntes Kind selbst zu betreuen, kein Rückfall in alte Rollen, sondern höchst human, mutig und modern.

 
Bärbel Fischer                                                                                          ELTERNINITIATIVE FAMILIENGERECHTIGKEIT

 

4 Gedanken zu „Selbstbetreuung – Rückfall in alte Rollen?

  1. Wohl wissend, dass dieser Leserbrief nicht ins Mainstream-Profil unserer Regionalzeitung passt, bombardieren wir die Presse unaufhörlich mit Zuschriften aus unserer Perspektive. Deren Weigerung, diese zu veröffentlichen, spricht Bände.

  2. Da ruft ein evangelischer Pressedienst eine neue Seinsordnung aus: Die Familie aus Mann, Frau, Kindern, die sich in unermesslich langen Zeiträumen als die Grundordnung des Zusammenlebens von Menschen herausgebildet hat und in der es den Eltern obliegt, sich um die Pflege der Kinder zu kümmern, wird ad acta gelegt; wer noch daran festhält, ist vorgestrig. So das Urteil der bei diesem Dienst versammelten philosophischen Genies, denn um solche muss es sich doch handeln, wenn so mir nichts, dir nichts die Stammesgeschichte der Menschheit umgeschrieben wird… Oder, zweite Möglichkeit, es sind törichte Schreiberlinge, welche dem Sozialismus, der sich in rund hundert Jahren mehrmals grausam selbst abgewickelt hat, wieder mal eine Chance geben wollen…Ergo: Genies von nie dagewesener Gestaltungskraft oder klägliche Würstchen, die das von einem der zahllosen Universitäts-Sozialisten Vorgeplapperte nachplappern.. Der Leser hat die Wahl.

  3. Eltern wird ständig von Politikern die Fähigkeit abgesprochen, die frühkindliche Bildung selber leisten zu können und dies auch zu wollen. Nur wenn der Vater die Mutterrolle übernimmt, wird dies honoriert.

  4. Wie so oft werden hier Gleichberechtigung und Gleichstellung verwechselt! Wenn eine Mutter Ihre Kinder selbst erzieht (ich spreche lieber von Erziehung als Betreuung, weil Erziehung eine andere Qualität hat!), ist es mit der Gleichberechtigung deswegen nicht vorbei: die Mutter hat nach wie vor die gleichen Rechte wie der Vater. Lediglich mit der Gleichstellung es es vorbei. Aber was heißt Gleichstellung? Heißt es, jeden Tag von morgens bis abends in der Fabrik zu schuften? Das hätten unsere Politiker zwar gerne, weil die Mütter dann Steuern zahlen (und das ist meiner Ansicht nach der Haupt-Triebgrund für die Forderung nach Gleichstellung) – aber wollen das die Mütter überhaupt? Und ist es sinnvoll? Ist es für unsere Gesellschaft und unsere Zukunft (auch unserer Renten) nicht viel wichtiger, die Frauen ziehen Nachwuchs in aureichender Zahl groß und erziehen ihn liebevoll zu leistungsfähigen Bürgern, anstatt dass sie gleichgestellt in den Betrieben schuften und den Nachwuchs vernachlässigen?
    Die arbeitsteilige Familie, bei der die Frauen den Nachwuchs großziehen und die Väter den Lebensunterhalt verdienen, hat sich in allen Kulturen und zu allen Zeiten als die vorteilhafteste Lebensform herauskristallisiert. Wer diese zerstört, schädigt unsere Gesellschaft schwer.

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