Muttersprache günstig für 80 Millionen € zu haben!

Das Land Baden-Württemberg hat neuerdings erkannt, dass das enorme Sprachdefizit der Kita-Kinder zum Problem wird. Daher plant man jetzt, mit 80 Millionen Euro mehr Erzieher auszubilden und den Spracherwerb zu fördern. Weil die Ausbildung aber dauert, müssen die Gruppen in den Kitas vergrößert werden – alles zum Wohl der nächsten Generation!

Bislang kostete der Erwerb der Muttersprache den Staat keinen Cent, weil die Mütter seit Adam und Eva diesen Service noch nie in Rechnung gestellt haben. Dafür hatten die Kleinsten ihren „Ansprechpartner“ mit Blick-und Hautkontakt.

Seit Kleinkinder die Muttersprache nicht mehr bei ihren Müttern lernen dürfen, sondern auf die spärlichen Worte angewiesen sind, die eine Kita-Erzieherin noch in sie investieren kann, nimmt das Problem Sprachdefizit enorm zu. Daher muss jetzt staatlicherseits mit vielen Millionen Steuergeld nachgebessert werden. Verständlich, denn eine 1: 8- Interaktion in der Kita kann einer 1: 1- Kommunikation in der Familie nicht das Wasser reichen. Wieviele Milliarden pumpen wir noch ineffektiv in den Familienersatz, anstatt Familien ihre Verantwortung endlich zurück zu geben? Aber dazu müssten Mütter wenigstens die ersten drei Jahre mit ihren Kindern im 1:1- Gespräch bleiben dürfen ohne sich Sorgen um ihre Altersversorgung zu machen. Doch links-grün-schwarz-feministische Ideologen haben in unserem Land das Sagen, was bedeutet, dass Mütter sich möglichst nach wenigen Monaten emanzipatorisch von ihrem Säugling zu verabschieden und den Spracherwerb ihres Wunschkindes in die Kita zu delegieren haben. Auch wenn – bis zur Verbesserung der Lage – über Jahre noch größere Defizite in der Betreuung zu erwarten sind, alles kein Problem! Hauptsache die Eltern sind vollzeitbeschäftigt und zahlen ihren Obolus in die Systeme! Der Trick dabei: Durch neue Erzieherstellen  gewinnt man erfreulicherweise zusätzliche  Beitragszahler! *)

Was bedeutet schon kindliches Sprachdefizit gegenüber Vollbeschäftigung in einem Land, das sich dem Exportüberschuss verschrieben hat?

*) Was kostet ein Krippenplatz den deutschen Steuerzahler heute? 1300 € oder 1400 € oder mehr?

Bärbel Fischer

ELTERNINITIATIVE  FAMILIENGERECHTIGKEIT

5 Gedanken zu „Muttersprache günstig für 80 Millionen € zu haben!

  1. Das Wort „Muttersprache“ vermittelt schon, dass die Sprache überwiegend von der Mutter gelernt wird, die sich in der Regel viel mit ihrem Kind unterhält. Wächst das Kind dagegen in einer Krippe auf, ist es auf die geringen sprachlichen Kontakte zu den Erzieherinnen angewiesen. Der Kontakt zu den anderen noch nicht sprachkundigen Kindern verspricht dagegen keinen Erfolg. Es wird also mit großem finanziellem Aufwand ein Ergebnis produziert, was weniger wert ist, als das, was vorher bestand. Eine solche Gesellschaftspolitik kann nur ideologisch begründet oder von kinderfremden Interessen geleitet werden, wie z. B. der Profitsucht finanzieller Akteure. Verhängnisvolle Folgen ergeben sich dabei daraus, dass bei uns beide Kräfte in der gleichen Richtung zusammenwirken. Die Interessen und Rechte der Kinder bleiben zunehmend unbeachtet.

  2. „Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meiner Welt“. Dieses Wort des Philosophen Wittgenstein, das er zur Erkenntnistheorie gesagt hat, lässt sich auf die Entwicklung des Kindes übertragen. Die Sprache ist die Form, in der sich unser Denken vollzieht; ohne Sprache gibt es kein Denken in Begriffen, gibt es keine Tradition, keine Kultur. Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass die großen Lernschwierigkeiten, die sich in der Grundschule aber längst auch in weiterführenden Schulen bei vielen Kindern zeigen, darauf zurückzuführen sind, dass sie nicht verstehen, worum es im Unterricht überhaupt geht. Auch die Fähigkeit, Konflikte nach Regeln und nicht mit den Fäusten auszutragen, setzt voraus, dass sich die Kinder in einer gemeinsamen Sprache verständigen können.

    Wo haben die Kinder diesen wichtigsten aller Lernschritte, auf den alle weiteren aufbauen, bisher gemacht? Das Wort verrät es: Sie haben ihre Muttersprache von ihrer Mutter und im Kreise ihrer Geschwister und anderen Verwandten erlernt; später kamen die Spielgruppe und andere Gemeinschaften hinzu. Entreißt man die Kinder ihrer Familie, so muss die Sprache verludern und mit ihr jede Form von kognitiver Intelligenz verkümmern. Jetzt sind notdürftige Reparaturen und Flickwerk angesagt, denn eine Fehlentwicklung gibt man heutzutage in der Politik nicht mehr zu. Man repariert ein wenig, aber man ist nicht bereit zu einer Kehrwendung .

    Wie verhält man sich, wenn man sich bei einer Wanderung verlaufen hat? Man kehrt bis zu dem Punkt zurück, an dem man noch auf dem richtigen Wege war und fängt von neuem an. Aber wie gesagt, eher lässt man heute sehenden Auges ein Unglück seinen Lauf nehmen, als eine Fehlentwicklung zuzugeben und eine vorhandene Alternative zu ergreifen. Den passenden Begriff dazu hat Barbara Tuchman in den achtziger Jahren geprägt: Politische Torheit.

  3. Im Übrigen: Neurobiologische Forschungen können über Bildverfahren ganz klar nachweisen, dass Kinder nur lernen, wenn sie eine emotionale Basis haben. D. h. zu einer Erzieherin, die noch weitere 7 Kinder zu betreuen hat, und daher nur ein Achtel ihrer Emotionen dem einzelnen Winzling schenken kann, kann keine befriedigende Bindung entstehen. Also kann sie während des Wickelns zwar hundert Worte sprechen, aber keines dieser Worte erreicht Herz und Hirn des Kindes. Die Mama aber, die ihr Kind herzt und küsst, für die selbst die Sonne aufgeht beim Anblick ihres Kindes, die erreicht Herz und Hirn.
    Ein Wunder der Natur! Nur über Bindung passiert Interesse an der Umwelt und an der Sprache. Alle, die diese Zusammenhänge leugnen, die glauben, man könne mit Kindern verfahren wie mit Paketen, sind auf dem Holzweg. Wir können noch so viele Millionen in Kitas versenken – das Ergebnis wird uns nicht befriedigen.

    • Liebe Frau Fischer,
      die Sprachkultur wird schon in der Smartphonphobie (Sucht) verhunzt und eine Kommunikation „Alt und Jung“braucht Zeit,viel neue Zeit!
      Die Zeit drängt für Technik,Digitaler Fortschritt,aber die Zeit für das Gespräch auf Augenhöhe wird täglich immer mehr gekürzt..Oft unbewusst,weil wir im nächsten Gedanken, nicht im Jetzt sind, sondern schon bei der nächsten Aufgabe…Kinder haben dafür eine Antenne!
      Das werden 80 Millionen Euro nicht verändern, denn wir haben mit einem jährlichen „Gesundheitsetat “ nur Gesundheit „z. 51 Milliarden 2018 in den Volkskrankheiten nichts reduziert, wir haben Sie repariert.
      Wenn Kinder im Druck der Gesellschaft und Politik repariert werden, dann werden Sie eines Tages mit biopsychosozialen Störfelder weiter ausfallen..
      Nur die zukünftige“Partizipation“ mit einem Wertekompass (Respekt, Offenheit,Transparenz und Augenhöhen – Begegnung verändert.Wir sind weit entfernt davon, es fehlt an Mehrwertrealität, Wahrnehmung für aktiven Umbruch bis zum Aufbruch und einen gesunden und sozialen Tellerrandblick, der keine Famlienfeindlichkeiten oder „Störfelder“ produziert, sondern gemeinsame, kommunale, gesundheitliche und soziale Prozesse aktiviert, die solche „Diskussionen“ nach einem Jahrzehnt endlich reduzieren..Oder geht es bis 2030, dann hört keiner mehr zu…
      Wir sollten 80 Millionen in der Partizipationsbildung der gesunden,sozialen Famlienprozesse für „ALLE“ investieren.

  4. Mein Leserbrief zum Artikel „Mehr Erzieher, bessere Sprachförderung“ und zum Kommentar “ mutig an der falschen Stelle“ in der „Schwäbischen Zeitung“ vom 27.7.2018

    Paare, die sich ein Kind wünschen oder schon erwarten, könnten beim Lesen der geschilderten Defizite unserer Kitas tatsächlich auf die Idee kommen, für die Betreuung und Erziehung ihres Kindes in den ersten drei Lebensjahren selbst die gesamte Verantwortung vollzeitig zu übernehmen. Zumal sie dabei in ihrer Intuition nach wie vor auch von entwicklungspsychologischen Erkenntnissen gestützt werden, und auf diese Weise einem kleinen Baden-Württemberger den besten Start ins Leben vermitteln können.

    Dass jedoch diese Einsichten Wirtschaftskreise erreichen, die an einem wohlfeilen Personalangebot Interesse haben, ist zu Zeiten der Hochkonjunktur nicht zu erwarten. Noch weniger Einsicht werden die Ideologen zeigen, die die
    „Lufthoheit über die Kinderbetten“ (Olaf Scholz) noch ausbauen wollen. Da gibt man lieber Millionen über Millionen „mutig an der falschen Stelle“ aus. Warum lernen wir nicht von den Norwegern, die uns schon über ein Jahrzehnt Kita-Erfahrung voraus haben und deshalb 2013 die Wahlfreiheit der Eltern und
    deren finanzielle Flankierung deutlich aufgewertet haben. Und das, obwohl die
    dortigen Kitas gegenüber den unseren geradezu vorbildlich sind.

    Der Leserbrief wurde in der Ausgabe der „SchwäZ“ vom 31.7.2018 veröffentlicht.

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