Abtreibung – wer bietet sie günstiger an?

Dennis Riehle, Sozialpädagogischer Berater (IBW), Angst- und Stressbewältigung (sgd), Persönlichkeitstraining (ILS), widerspricht vehement Frau Stokowski, die sich im SPIEGEL für die Legalisierung bisher verbotener Werbung von Ärzten für Abtreibungen stark macht. Lebensschützer „quälten“ Frauen, wenn sie sich für das werdende Leben einsetzten, so behauptet die Autorin.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/werbung-fuer-abtreibung-219a-ist-anti-feministisch-a-1195600.html

Leserkommentar  zur SPIEGEL-Kolumne  von Margarete Stokowski: „Zellen schützen, Frauen quälen“

 

Nicht selbstbestimmt, sondern eigenverantwortlich!

 

Menschen, die sich gegen die Abtreibung und damit gegen das Töten eines heranwachsenden Kindes stellen, „quälen Frauen“? Welches Weltbild steckt hinter solch einer Aussage, die in ihrer Absurdität kaum zu überbieten ist?

 

Nein, werte Frau Stokowski, Lebensschützer haben durchaus verstanden, was sie da fordern, wir sind nicht blöd, wir sind nicht realitätsfern und wir brauchen auch Ihrerseits keine Belehrung darüber, ob wir Frauen das Leben dadurch schwer machen, weil wir ihnen Schwangerschaftsabbrüche weniger schmackhaft machen wollen, als Andere es tun. Und genauso wenig sind wir interessiert an Ihrer Haltung darüber, ob wir die Werbung für Abtreibungen Ärzten überlassen wollen oder nicht.

 

Denn in einer Ideologie, die den Körper der Frau über alles stellt – und dabei vergisst, dass darin oftmals ein neues Leben heranreift, das ebenso seine Rechte hat –, wird es kaum Platz geben für eine differenzierte Darstellung des Anspruchs von beiden Seiten, der sich überdies gut miteinander vereinbaren lässt. Denn: Abtreibungen sind kein Heilsgeschenk, das Probleme in Luft auflöst. Im Gegenteil: Oftmals beginnen sie erst mit dem ach so erlösenden Schwangerschaftsabbruch, der in Frauen nicht nur ein dauerhaftes Trauma, sondern auch eine beständige Verlustangst hinterlassen kann.

 

Ja, Sie haben zweifelsohne recht: Wir als Lebensschützer fürchten uns vor jeder Abtreibung, weil wir wissen, dass damit nicht nur einem werdenden Leben völlig rechtlos das Ansinnen auf ein Dasein in dieser Welt versagt wird. Wir sorgen uns mindestens genauso stark um die Konsequenzen, die Schwangerschaftsabbrüche für Frauen mit sich bringen. Vielleicht mag sich auf den ersten Blick ein sozialer Konflikt entspannen, wenn das Kind „weg“ ist. Niedergeschlagenheit und Traurigkeit werden aber nicht lange auf sich warten lassen.

 

Und warum überhaupt sollten wir, die Leben schützen wollen, mit unserem Anliegen „Frauen quälen“, wie Sie es in Ihrer SPIEGEL-Kolumne schreiben? Quälen, weil wir werdende Mütter ermutigen möchten, die Schwangerschaft zu durchstehen, nicht vorher aufzugeben, auch manchen Schmerz und eine nicht immer einfache Geburt über sich ergehen zu lassen?

 

Ein Kind, das ist – glücklicherweise – für viele Eltern noch immer ein Geschenk. Da entsteht etwas Neues. Und natürlich muss sich manche Frau auch durch gewisse Unwägbarkeiten in der Schwangerschaft hindurch winden. Doch ist es das nicht wert? Sie meinen wahrscheinlich viel eher, wir quälten Frauen deshalb, weil wir ihnen das Recht auf Selbstbestimmung nehmen. Nein, das tun wir wahrlich nicht. Gott sei Dank werden die meisten Frauen noch immer freiwillig schwanger. Sie haben es eigenmächtig in der Hand, ob sie Nachwuchs zeugen wollen oder nicht. Sie wissen im Vorfeld um die Verantwortung, die sie mit dem Geschlechtsverkehr eingehen.

 

Wollen Sie Frauen in Deutschland etwa die Kompetenz abstreiten, gebildet und wissend selbst darüber befinden zu können, schwanger zu werden? Wir trauen es Frauen zu, dass sie in der Lage sind, eigenverantwortlich zu handeln und sich aus reiner Selbstüberzeugung für eine Schwangerschaft zu entscheiden. Ja, in dieses Konzept passt kein Seitensprung, kein „One-Night-Stand“, in dem man Spaß haben kann, ohne den Blick auf die Folgen. Wir möchten, dass Sexualität bewusst gelebt wird – denn Kinder sind kein Gegenstand wilder Experimente. Sie sind wahrlich etwas Einzigartiges, mehr als der von Ihnen dargestellte „Zellhaufen“, der nur darauf wartet, endlich zerstört zu werden.

 

Wäre Ihr Denken mehrheitsfähig geworden, wir müssten uns um unsere Zukunft ernsthaft Sorgen machen. Ich bin allerdings recht überzeugt davon, dass es in diesem Land genügend Anhänger der Lebensschützer gibt, die Frauen übrigens nie alleine lassen. Doch wir glauben an die Kraft der Mütter, eine Schwangerschaft als Herausforderung zu sehen, die wir gemeinsam bewältigen können. Denn wir nehmen die Gesellschaft in die Pflicht, werdende Eltern mehr denn je zu unterstützen. Finanziell, sozial, im Ansehen. Würde sich diese Verantwortung noch viel stärker in unseren Breiten herumsprechen, würde die Teilnahme am Schicksal manch einer schwierigen Schwangerschaft wachsen, würden nicht immer mehr Mitmenschen wegsehen, wenn Frauen Not leiden, dann wäre unsere gesamte Debatte obsolet. Doch gerade der Anspruch, sein Leben mit sich auszumachen, wie er im 21. Jahrhundert „Mainstream“ geworden ist, er verhindert, dass die Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch im Bewusstsein vieler hilfloser Frauen auch wirklich ankommen.

 

Und lassen Sie mich zum Schluss noch kurz auf die „Werbung“ kommen, die aus Ihrer Sicht auch die Ärzte betreiben sollen, die selbst an der Abtreibung Geld verdienen: Mir persönlich ist es unverständlich, wie würdelos eine Diskussion verlaufen kann, die das Leben kommerzialisiert. Denn schlussendlich geht es um die Frage, welche Verpflichtung Ärzte in ihrem Berufsethos vorrangig eingegangen sind. Sie sollen Menschen helfen, Schmerzen lindern, Krankheit nehmen. Keiner dieser Prämissen kann durch den Schwangerschaftsabbruch Genüge getan werden.

 

Und sollte ich all Ihre Positionen nun falsch verstanden haben, so bitte ich um Verständnis, dass auch Lebensschützer einen Diskurs auf den Höhepunkt treiben können, wenn ein Anhänger einer Weltanschauung, die der Würde des werdenden Lebens abgewandt scheint, seine Standpunkte zumindest derart suggestiv zu verkaufen versucht, dass am Schluss trotz des Beteuerns auf „Anti-Feminismus“ nur der Eindruck bleibt: Im Mittelpunkt, da steht die Frau – und neben ihr, da kommt nichts mehr…

 

Dennis Riehle | Martin-Schleyer-Str. 27 | 78465 Konstanz

4 Gedanken zu „Abtreibung – wer bietet sie günstiger an?

  1. Trommeln für den Tod – das ist es, was Werbung für Abtreibung will. Wie Herr Riehle richtig darstellt, wären Frauen nach feministischer Deutung durchaus in der Lage, die Folgen eines spontanen Geschlechtsverkehrs abzusehen, und sich entsprechend zu schützen. Riskanten und ungeschützten Geschlechtsverkehr auf Kosten eines Kindes ( zynisch Zellhaufen genannt) zu wagen, hat mit feministischer Selbstbestimmung rein gar nichts zu tun, sondern zeugt von makabrer Unmündigkeit. Damit entwertet sich der Feminismus selbst! Ein Kind soll für den spontanen Lustgewinn seiner Eltern mit seinem Tod bezahlen? Wie gern wäre es groß geworden, wie gern hätte es Mama und Papa gehabt, wie gern wäre es Stütze deren Alters geworden! Nein – es soll sterben – jetzt sofort! Wie viele Kinder müssen am Egoismus seiner Eltern sterben – immer und immer wieder. Und Ärzte als Lebensschützer sollen dies ermöglichen? Wie grotesk ist das denn?

  2. Jedes abgetriebene Kind bedeutet einen Verlust für die Gesellschaft. Nicht nur, dass es in seiner Mutter ein trauriges Defizit hinterlässt.Die Gesellschaft hatte die vergebliche Hoffnung auf ein Mitglied zur generativen Stabilität. Mit seinen Beiträgen hätte es nämlich seine Erzeuger im Alter unterstützen können. Aber nun werden sich die selbst verhinderten Eltern auf Kinder fremder Eltern verlassen müssen. Aber ob dies gelingt? Je mehr Kinder abgetrieben werden, je weniger Kinder noch geboren werden, umso geringer fallen die Altersbezüge aus. Mit welchem Recht erwarten Eltern getöteter Kinder eine Altersversorgung von lebendem Nachwuchs?

    Daher müsste es in staatlichem Interesse sein, jedem gezeugten Kind optimale Bedingungen zum Aufwachsen zu ermöglichen. Doch keine Spur davon! Anstatt Nachwuchs zu ermöglichen, verhindern unsere Regierungen generative Optionen durch verfassungswidrige Beiträge zu den Sozialversicherungen und zusätzlich durch verfassungswidrige Abzocke von Familien durch 19%-ige Verbrauchssteuern.
    Nein – unsere Politik hat überhaupt kein Interesse an deutschem Nachwuchs. Viel lieber investiert sie in Integration von Migranten.

  3. Weil die Kommentarfunktion für SPIEGEL-onlime bereits geschlossen ist, hier unser Kommentar:

    Frauen quälen?
    Frauen quälen oder Kinder zu Tode quälen? Was wiegt schwerer?

    Eine durch spontane und ungeschützte Lust erworbene Schwangerschaft zu beenden, bedeutet heute kein erschwertes Hindernis. Ruckzuck lässt sich solch eine Folge ungeschehen machen. Weg mit dem Kind! Der moderne Feminismus macht´s möglich. Mein Bauch gehört mir. Wirklich?

    Wenn da nicht die Lebensschützer wären, für die ein Fötus nicht nur ein Zellhaufen bedeutet, den man ruckzuck beseitigen kann. Für Lebensschützer dagegen birgt dieser Zellhaufen alle Optionen vom Normalo bis zum Genie. Wie viele Genies sind seit 1992 der Abtreibung zum Opfer gefallen? Wie viele Handwerker, Ärzte, Wissenschaftler, Ingenieure und Mütter und Väter sind uns seit 1992 verloren gegangen, auf die wir hätten bauen können? Bereits heute bestrafen uns der Fachkräftemangel und die Rentenproblematik für unseren egoistischen Liberalismus. Doch dieses war absehbar! Eine Gesellschaft ist eben auf Gedeih und Verderb auf Nachwuchs angewiesen.

    Gehört nun mein Bauch mir, oder doch nicht? Feministinnen, die weiter denken können als nur bis morgen, werden zugeben, dass nur Kinder Zukunft bedeuten, Zukunft auch für all jene, die sich dem Nachwuchs lebenslang verweigert haben. Unser Rentensystem begünstigt nämlich über die Umlage vor allem diejenigen, die nach ungebrochener Karriere kinderlos in den Ruhestand gehen, während Eltern wegen Erziehungszeiten z. T. enorme Renteneinbußen hinnehmen müssen. Ob es alte Väter und Mütter nicht auch q u ä l t , wenn ihr Engagement aus Zeit und Geld für den Nachwuchs vor allem denjenigen zugute kommt, die sich Kinderkosten ein Leben lang sparten?

  4. Die Lebensschützer „quälen“ die Frauen, wenn sie sich für die ungeborenen Kinder einsetzen? Oh nein, Frau Stokowski, der Quälgeist ist die Natur selbst.

    Ja, ich bin ein Mann, aber ich habe einige Male erlebt, in welch tiefe Traurigkeit eine Frau versinkt, wennn ihr Kind in ihrem Leib gestorben ist. Auch wenn sie ohne jede Schuld daran ist, so ist ihre Traurer doch schwer, und niemand wird der Trauernden sagen dürfen, da habe sich nur ein Zellhaufen aufgelöst. Sie weiß es tausendmal besser. Sie ist untröstlich, da sie die Aufgabe nicht erfüllen konnte, welche die Natur ihr zugewiesen hat : Ihr Kind zur Welt zu bringen, es zu nähren und zu schützen. Und wenn nun zur Trauer die nagende Gewissheit kommt, das Kind gegen seine Feinde nicht erfolgreich verteidigt zu haben – gegen die eigene Panik bei nicht gewollter Schwangerschaft, gegen das Drängen des Erzeugers, der sich vor der Verantwortung drückt, gegen die Forderungen der Arbeitswelt, welche die allzeit zum Einsatz bereite Frau verlangt – ja, da kann die Natur zum Quälgeist werden. Der Gläubigen wird in dieser Qual das Vertrauen helfen, dass es da jemanden gibt, der stärker ist als die Natur und der sie aus dieser Hölle wieder herausziehen kann. Aber den Lebensschützern den Mund zu verbieten, wo man die Natur zum Schweigen bringen müsste: Ach, welch ein jämmerliches Hilfsmittel, welch ein verzweifelter Rat!

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