Post-faktisches Zeitalter, seit wann?

In einer der vergangenen Talkshows begegnete mir zum ersten Mal der Begriff „postfaktisches Zeitalter“. Er wird neuerdings gebraucht für einen Zeitgeist, wo das „Volk“ an Fakten nicht mehr interessiert zu sein scheint, sondern sich seinen negativen Emotionen und Ressentiments hingibt. Zum Beispiel soll anscheinend Otto Normalbürger weder registrieren noch  anerkennen, was vonseiten der Regierung seit einem Jahr bereits unternommen wurde, um den Migrationsstrom einzudämmen, wie das Abkommen mit der Türkei, strengere Maßstäbe zur Abschiebung, Einschränkung des Familiennachzugs etc. Die Leute hätten, heißt es, völlig unbegründet immer noch Angst um ihre Arbeitsplätze, um bezahlbaren Wohnraum, und um wer weiß was alles!

 

Da fragt man sich, wie es zu einer solchen Ignoranz kommen kann. Was treibt die Menschen um, dass sie heute nicht einmal mehr Fakten vertrauen?

 

Kann es sein, dass vonseiten unserer Regierungen selbst in den letzten Jahrzehnten reale Fakten konstant, vielleicht sogar aus abgehobener Arroganz, ignoriert wurden?

 

  • Fakt: immer weniger bezahlbarer Wohnraum
  • Fakt: vernachlässigter sozialer Wohnungsbau
  • Fakt: Löhne, die ein Auskommen nicht mehr garantieren
  • Fakt: Wirtschaftslobbyismus anstatt Gemeinwohl
  • Fakt: Verhinderung von Familiengründungen durch den flexibilisierten Arbeitmarkt
  • Fakt: Halbierung des Nachwuchses seit 1964 zum Schaden der jungen Arbeitnehmer
  • Anstieg der freiwillig Kinderlosen auf bereits 25%
  • Fakt: wachsende Kinderarmut durch ein familienblindes Sozialgesetz
  • Fakt: Missachtung familienbezogener Urteile des B-Verfassungsgerichts
  • Fakt: Strangulierung der Familien durch ungerechtfertigte Sozialabgaben,                                 pro Kind/Monat 240 €
  • Fakt: Deckelung der Sozialabgaben für Gutverdienende
  • Fakt: Altersarmut von Müttern, wegen Missachtung ihrer Erziehungs-und Pflegearbeit
  • Fakt: Eine Rentenpolitik, die die Notwendigkeit ausreichenden Nachwuchses ausblendet

 

Fakten, Fakten, Fakten ….. Die Reihe ließe sich weiter fortsetzen. An Informationen fehlte es den Politikern / Medien beileibe nicht, denn die Familienverbände äußerten sich seit Jahrzehnten pausenlos.

 

Hat nicht das postfaktische Zeitalter schon mit dem Millennium begonnen, zwar nicht beim Volk, sondern bei den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen? Haben  nicht diese emotionslos die brutalen Fakten ignoriert? Schon mit der neoliberalen AGENDA 2010  konnte man prophezeien, dass dieser Plan gesellschaftspolitisch ins Auge gehen wird. Heute sind wir soweit. Heute nimmt man der Politik nicht einmal mehr gut gemeinte Aktionen ab. Nur wer glaubte, die Bürger seien zu dumm, um die Umverteilung von unten nach oben zu bemerken, der reibt sich jetzt die schläfrigen Augen und wundert sich über ein plötzliches ( ! ) postfaktisches Zeitalter.

 

Bärbel Fischer

i. A. der ELTERNINITIATIVE  FÜR  FAMILIENGERECHTIGKEIT

Dieses Schreiben geht an Herrn Moderator Markus Lanz, ZDF.

Ein Gedanke zu „Post-faktisches Zeitalter, seit wann?

  1. Sehr geehrte, liebe Frau Fischer,
    Es ist schon interessant wie ürplötzlich neue Begriffsschöpfungen wie „postfaktisch“ so schnell die Runde machen. Und man kann Ihnen nur zustimmen, dass dieses Attribut der Politik der etablierten Parteien gehört. Ich möchte unter all den von Ihnen aufgezählten Punkten doch das Versagen rund um die Familien besonders aufzählen. Daraus folgt die demographische Katastrophe. Und ich kenne nicht einen einzigen Parlamentarier der den Mut hat hier Klartext zu reden. Selbst männliche CDU Abgeordnete wagen dies nicht, weil sie sonst Sorge haben von der Frauen Union zurückgepfiffen zu werden!!!!! Letztere sind in erster Linie bestrebt ihre „Quote“ in den politischen Gremien mit den entsptrechenden Pfründen zu verbessern.
    Ihnen Frau Fischer wieder einmal meine Hochachtung für Ihre eifrige Korrespondenz mit den „postfaktischen Adressen“.
    Leider ist meine entsprechende Unterstützung zur Zeit dürftig, weil ich eben einen
    größeren chirurgischen Eingriff hinter mich bringen jußte und die Reha noch einige Zeit in Anspruch nimmt. Ich darf aber sicher damiit rechnen, dass dann meine Gesundheit wieder hergestellt und belastbar ist, damit ich ihnen da und dort
    mit „Verstärkerfunktion“ dienen kann.
    Ich grüße Sie un d alle Leser
    Ihr Edudard Grabherr mit Frau Anne

    PS. Bezüglich der Rettung der Rente versicherung wird von links/grün ja auch immer die sogenannte Bürgerversicherung als Zaubermittel angepriesen.
    Das ist natürliich ein übler Taschenspielertrick wie auch heute in der ZDF Sendung WISO vorgerechnet wurde. Zwar ließen sich damit für die nächsten zweI
    Jahrzehnte die Rentenkassen füllen, dann käme aber der große Knall, denn die
    versicherten Selbstständigen, Beamten und Freiberufller hätten dann natürlich Anspruch auf gesetzliche Rente, die die weiterhin schrumpfende Nachfolgegeneration zu berappen hätte. Für wie dumm hält man uns?
    Für eine soche Rechnung gäbb’s in Mathe ne glatte fünf.

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