Der Letzte macht das Licht aus!

Stellungnahme zum Leserbrief „Die armen Jungen – wenn sie alt werden“ von Herrn Prof. Dr. Arno Klönne, Die Tagespost am 4. Oktober 2012

 

Den Ausführungen von Herrn Prof. Klönne muss energisch widersprochen werden, vorab seinem unkritischen und wenig sachkundigen Lob für die Adenauer’sche Rentenreform. Sie trägt fraglos die Hauptschuld an der Krise, in der das Rentensystem sich heute befindet. Nicht nur Ludwig Erhardt und die FDP haben seinerzeit opponiert, sondern auch Wilfried Schreiber, der für Adenauer das Konzept ausgearbeitet hatte, warnte dringend davor, einen einarmigen Generationenvertrag zu installieren, dem der zweite Arm, nämlich die Elternrente fehlt. Die Quittung liegt heute auf dem Tisch: Wir haben zu wenig Kinder. Aber allein eine hinreichend große und leistungsbereite Nachwuchsgeneration ist auf Dauer gesehen die Basis eines jeden umlagefinanzierten Systems. Die Maßnahmen, die Prof. Klönne vorschlägt, sind alle nur Flickschusterei, geeignet,  den Zusammenbruch des Systems bestenfalls zu verzögern. Und es ist geradezu tragisch, dass die Politiker aller etablierten Parteien sich dabei übertrumpfen, die verschiedenen Elemente der Flickschusterei als Allheilmittel zu preisen, während sie die Wurzel des Übels sturheil ignorieren. Im Gegenteil: immer unverschämter hallt der Ruf, die Mütter sollten endlich mal auch was arbeiten, sprich: erwerbstätig sein, um Rentenbeiträge zu leisten, die am nächsten Tag den heutigen Rentnern überwiesen werden und die Rentenansprüche der Einzahlerinnen nur minimal erhöhen. Die größte der von Altersarmut betroffenen Bevölkerungsgruppen sind die Mütter, die „nicht gearbeitet haben“. (Als wenn die Erziehung von Kindern keine Arbeit wäre!). Durch die Fehlkonstruktion der Adenauer’schen Rentenreform wurde ihnen die im natürlichen Generationenvertrag ursprünglich gesicherte Altersversorgung genommen. Ihre Kinder müssen stattdessen die Renten fremder Leute erwirtschaften und abliefern.

 

30 Jahre hat es gedauert bis die Frauen merkten, wie sie hinters Licht geführt wurden und werden. Nach weiteren 25 Jahren sehen wir die Konsequenzen, die sie daraus zogen: In der jungen und jeder weiteren Generation fehlt ein Drittel der Mädchen, die Mütter werden könnten, die dies aber eher nicht anstreben, weil die Politik sie – im gesamtgesellschaftlichen Konsens – doch möglichst lückenlos bei der Erwerbsarbeit sehen will. Hier regiert das Prinzip: „Der Letzte macht das Licht aus!“

 

Eine angemessene Honorierung der überwiegend von den Müttern geleisteten Erziehungsarbeit wäre die richtige Antwort auf die demographische Misere. Die Steuerpflichtigkeit dieses Erziehungsentgelts würde auch – wie jede andere Arbeit – aktuell die Basis der Rentenkasse verbreitern. Das Risiko der Altersarmut würde entschieden entschärft. Gleichzeitig würden dank einer so gestalteten Anerkennung der elterlichen Erziehungsleistung mehr Kinder nachwachsen. Mit der Vereinbarungshypnose oder den Beschimpfungen à la „Heimchen am Herd“ und (dem bisschen!) Betreuungsgeld als „Verdummungsprämie“ kommen wir nicht weiter.

 

Der seit Jahrzehnten vom Verband Familienarbeit e.V. geführte Kampf um die finanzielle Absicherung der von den Eltern geleisteten Erziehungsarbeit wurde immerzu konterkariert durch die Frage, wer das denn bezahlen solle. Geld war aber für alles Mögliche da. Heute investieren wir Milliarden in den Ausbau der staatlichen Betreuungsmaschinerie und geben schier unbegrenzte Summen für die Idee Europa. Nur Eltern sollen aus ethischem Anspruch auf Teilhabe am allgemeinen Wohlstand verzichten. Dann sind sie im Alter das Armsein schon gewöhnt. Wie praktisch!

 

Gertrud Martin, Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e.V.                                        Seb.-Kneipp-Str.110    78048 VS-Villingen, Tel. 07721 56124

 

Kommentar verfassen