Bitte bedenken Sie, Herr Hilgers,

arme Kinder stammen aus armen Familien.

Wir von der Elterninitiative behaupten: In Deutschland werden Familien durch ein fehlerhaftes Sozialsystem arm gemacht.

Gerade in einer Phase weitreichender familialer Entscheidungen verfügen kinderlose Ehepaare über ein deutlich höheres monatliches Nettoeinkommen.

Die Einkommenslage von Familien kann generell nicht als schlecht bezeichnet werden, aber es bestehen strukturelle Ungleichgewichte zwischen Paaren mit und ohne Kinder(n). Diese strukturellen Nachteile konnten auch mit dem Ausbau familienpolitischer Leistungen in den letzten 20 Jahren nicht beseitigt werden. Es konnte nur ein weiteres Abrutschen verhindert werden.

Familien erreichen in allen Familienphasen ein niedrigeres Wohlstandsniveau als der Durchschnitt aller Haushalte. Der Anteil von Familien im Niedrigeinkommensbereich ist überdurchschnittlich hoch.

Wesentliche Ursache für das starke Einkommensgefälle ist der Verzicht oder die Reduzierung der Erwerbstätigkeit der Mutter zugunsten der nicht bezahlten, gleichwohl gesellschaftlich hoch bedeutsamen Erziehungsarbeit.

Sozialhilfebedürftig sind vor allem allein erziehende Mütter mit kleinen Kindern und mit mehreren Kindern. Dahingegen ist das Sozialhilferisiko von Ehepaaren mit Kindern vergleichsweise niedrig, allerdings gerade mit steigender Kinderzahl höher als bei kinderlosen Ehepaaren. Der Anteil der Kinder an den Sozialhilfeempfängern steigt. Das Sozialhilferisiko von Kindern liegt deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung.

Das niedrige Geburtenniveau in Deutschland hängt mit dem wachsenden Wohlstand der Gesellschaft und dem strukturellen ökonomischen Ungleichgewicht zwischen Kinderlosen und Familien zusammen. Es gibt zunehmend mehr Anreize auf Kinder zu verzichten. Hier ist die Politik gefordert, Gegengewichte zu setzen.

Wir bitten Sie, Herr Hilgers, ihre Amt dafür zu nutzen, die Öffentlichkeit (Medien) und die Bundesregierung  über die wahren Ursachen von Kinderarmut zu informieren. Die Bevölkerung urteilt nämlich naiv:

arm = selbsverschuldet, sozial schwach, erziehungsunfähig, Sozialschmarotzer

Im Auftrag der ELTERNINITIATIVE FÜR FAMILIENGERECHTIGKEIT grüße ich Sie freundlich

Bärbel Fischer


3 Gedanken zu „Bitte bedenken Sie, Herr Hilgers,

  1. Zitat : „Die Bevölkerung urteilt nämlich naiv:
    arm = selbsverschuldet, sozial schwach, erziehungsunfähig, Sozialschmarotzer“.
    Ich denke, dieses Urteil ist nicht ganz von der Hand zu weisen, wenngleich es zu pauschal ist und ich selbst immer wieder bestimmte Allgemeinurteile als falsch empfinde.

  2. @ H.M. In meinem Beitrag versuchte ich zu erklären, dass Armut häufig eben nicht selbstverschuldet ist, sondern durch die fehlerhafte Struktur unserer Sozialgesetze verursacht wird: viel zu hohe Abgaben, viel zu hohe Verbrauchssteuern, viel zu wenig Solidarität von kinderlosen Mitbürgern, die ihre Rente von den Kindern ihrer Nachbarn erwarten. Der Verlust an frei verfügbarem Einkommen eines kinderlosen Ehepaares gegenüber dem Ehepaar mit drei Kindern beträgt bei gleichem Jahreseinkommen ( 30 00 Euro) monatlich 1179 Euro. Familien werden in Deutschland über unser Steuer-und Abgabensystem in die Armut geschickt, auch wenn die Eltern erwerbstätig sind. Niedriglöhner müssen einen 2. oder 3. Job annehmen. Da bleibt wenig Zeit für Hausmusik und Schach!

  3. Da haben Sie zweifellos Recht, Frau Fischer. Es gibt aber auch eine Art von Kinder in die Welt zu setzen, die aus dem Milieu kommt, das ich vor Augen habe und dieses entspricht leider nicht dem Armutsbegriff, den wir als ehrenhaft und unverschuldet vor Augen haben.

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